)C^ .k% i/< 4 -.? |i!5;,0l Jahresbericht über die Fortschritte der A^rikultnrcheiuie nüt besonderer Berücksichtigung der Pflanzencliemie und Pflanzenphysiologie herausgegeben N EW \ v.- , . . BOTANICaL von GARDEN Robert Hoffmann, Doctor der Phylosophie , Docent der Agrikulturchemie am Prager polytechn. Institute, Chemiker der k. k. patr. ökon. Gesellschaft im Königreich Böhmen, Mitglied der General-Direktion des Ge- werbe-Vereins von Böhmen, des naturwissenschaftlichen Vereins „Lotos", der Sociöte centrale d'agriculture de Belgique, des landwirthschaftl. Vereins für Rheinpreussen, etc. ^^ierter Jsxhi*g"ang-. 1861—1802. Mit einem voUstäüdigen Sacli- und Namen -Register, Berlin. Verlag von Julius Springer. 1863. / ' Erste Abtheilung. LIBRARY NEW YORK Der Boden. 7/,^^;'- Chemisclie und physikalische Eigenscliaften des Bodens. Ulbaldini*) unternahm Untersuchungen über die Ab- sorptionsfähigkeit der Ackererde gegenüber verschiedenen mit ihr in Berührung gebrachter in Lösung befindlicher Stoffe. Es wird aus diesen Untersuchungen gefolgert: Im Allgemeinen lassen gefärbte vegetabilische Stoffe ihre färbende Materie im Boden zurück; die Eisenoxydsalze werden in Oxydulsalze umgewandelt; Chlor, Jod, Brom werden von der Erde nicht zurückgehalten, indem sie Kalkverbindungen bilden; Stärkemehlauflösung (l'amidon en Solution) wird im ,^ Uebermaass vom Boden aufgenommen; eine Lösung von phos- co phorsaurem Natron entzieht dem Boden eine organische stick- ( j^ — stoffhaltige Substanz. ■-^ Die Untersuchungen wurden in der Art ausgeführt, dass man 30 Grm. Ackererde mit 30 Cubikcentimeter der ver- t ,j schiedenen Lösungen durch 24 Stunden in Berührung liess. Q gen der *) Compt. rend. T. LIII. pag. 331: Hoflfmann, Jahresbericht IV. 2 Chemische und physikalische Eigenschaften des Bodens. Nach Verdampfung von 2 Cubikcentimeter jeder Lösung vor und nach der Verbindung mit f'rde erhielt man folgende Resultate : Vorher. Nachher. Galläpfelauflösung . . . 0,039 0,008 Lakmustinktur .... 0,002 0,0015 Chlorwasser 0,000 0,030 Bromwasser 0,000 0,0045 Jodwasser ..... 0,000 0,0035 Kohlensäure 0,000 0,002 Ammoniak 0,000 0,004 Kohlensaures Ammoniak 0,000 0,009 Salmiak 0,0055 0,108 Schwefelwasserstoff . . 0,0005 0,0035 Phosphorsaurcr Kalk . 0,087 0,018 Phosphorsaures Xatron . 0,209 0,055 Aetzkali 0,209 0,1 G4 Chlornatrium .... 0,126 0,1455 Chlorkaliuin 0,069 0,070 Salpetersaures Natron . 0,174 0,157 Salpetersaures Kali . . 0,350 0,305 Schwefelsaures Kali . . 0,261 0,193 Schwefelsaures Natron . 0,158 0,139 Destillirtes Wasser . . 0,000 0,002 Es ergiebt sich aus diesen Untersuchungen: 1. Das Absorbtionsvermügen der Ackererde kann zuge- schrieben werden einer mechanischen Kraft oder es kann das Resultat einer chemischen gegenseitigen Einwirkung sein. 2. Die organischen stickstoffhaltigen und stickstofffreien Stoffe im Boden können durch gewisse Salzlösungen löslich und in Eolge dessen für die Pflanzen assimilirt werden. Namentlich hat das phosphorsaure Natron die Eigenschaft, die stickstoffhaltigen organischen Stoffe löslich zu machen. Des- gleichen Salpeter- und phosphorsaure Salze, die Salze des Ammoniaks, des Kaliums und des Natriums. 3. Fast alle Reagentien die angewendet wurden entziehen der Ackererde Kalk, Kali, Kieselsäure, Magnesia und Phos- phorsäure. Die Erde führt den Pflanzen die Stoffe nicht un- mittelbar zu, sondern bereitet sie nur dazu vor, indem sie dieselben sowohl der Form als der Zusammensetzung nach in einen Zustand versetzt, in welchem sie vom Wasser gelöst, Chemische und physikalische Eigenschaften des Bodens. 3 und dann von dem Pflanzenorganisraus aufgenommen werden können. 4. Der Erdboden hat im trockenen Zustande keinen Ein- fluss auf die Vegetation. Durch Nichts wird bewiesen, dass die den Ackerboden bildenden Stoffe in die Pflanzen ohne Mitwirkung eines Lösungsmittels übergehen können. 5. Während heftiger Regengüsse bleibt die Vegetation stehen, nachdem wird sie kräftig unter dem Einflüsse des im Boden zurückbleibenden Wassers. Man muss demnach nicht das Wasser, welches durch den Boden fliesst untersuchen, sondern das, welches an der Erde haftet und welches als Uebertragungsmittel für die Nahrung der Pflanzen dient. Die Beobachtung, dass das ijhosphorsaure Natron die Eigenschaft haben soll, gewisse stickstoffhaltige organische Stoffe des Bodens aufzunehmen, wäre in der That neu. AVir müssen zum Vergleiche auf die vielen anderweitigen Arbeiten über die Absorbtionserscheinungen der Ackererde verweisen.*) — Auf die Analysen eines wässrigen Auszuges einer Acker- erde gestützt stellte H. Eichhorn die Behauptung auf, dass ans dem Bo- den durch AVas.ser. Ueber die Aufnahme der Nah- destillirtes Wasser in einer Menge angewendet, wie es die rungsmittei wasserhaltende Kraft einer Erde erfordert, alle für die Pflan- zennahrung nöthigen Stofte aus einer Ackererde auflöst.**) Wunder***) hat diesem Ausspruche aus ebenfalls eigenen Versuchen widersprochen, indem er meint, dass die durch das Wasser aufgelösten Mengen von Mineralstoffen für die Ernäh- rung nicht ausreichen. Eichhorn entgegnet f) nun Wunder's Behauptung. Er weist vorerst darauf hin, dass wenn auch das spez. Gew. nach seiner Annahme 1,515 etwas zu hoch ist, jedoch jedenfalls der Wahrheit viel näher kommt, als das von Wunder angenom- mene spez. Gew. von 1,0 ff); weiter meint Eichhorn, dass es •) Jahresbericht. III. Jahrg. S. 1, 7, 23; II. Jahrg. 1, 9, 16, 20, 22; I. Jahrg. S. 3, 5, 13, 19, 29. **) Landwirthschaftliche Mittheilungen aus Poppeisdorf. 1. Heft S. 22. ***) Jahresbericht III. Jahrg. S. 23. t) Annalen der Landwirthschaft 1861. S. 162. ff) Bei den Angaben der Regenhöhe hat sich bei Eichhorns ersten Ver- suchen wohl ein Fehler eingeschlichen. Die Regenhöhe soll nicht 5,6, son- dern 8,572 Zoll sein, 1* 4 Chemische und physikalische Eigenschaften des Bodens. offenbar unrichtig ist, wenn Wunder annimmt, dass 5,6 Regen- fall eine Regenmenge sei, welche in der That während der Wachsthumsperiode der Cerealien höchstens fallen wird ; denn nehmen wir an mit Boussingault die Vegetationsdauer einer Sommerhalmfrucht zu 90 — 92 Tagen (vom 1. Mai bis ultimo Juli), und die einer Winterhalmfrucht zu 137 — 176 Tagen, also im Mittel etwa zu 150 Tagen oder vom 1. März bis ultimo Juli an. so werden sich für einen Ort mit geringem (Potsdam) und einen Ort mit mittlerem Regenfall (Bonn) fol- gende Zahlen herausstellen: Regenmenge in Pariser Linien für Bonn Potsdam Mai, Juni, Juli, 84,11 73,31 März, April, Mai, Juni, Juli, 125,82 106,50. Diese Wassermenge ist es jedoch nicht allein, welche der Vegetation zu Gebote steht. Abgesehen von der Feuchtigkeit, weiche nicht in tropfbarflüssiger Form, sondern in Dunstform in den Boden gelangt, ist letzterer im Frühjahre, wenn die Vegetation erwacht, mit der Winterfeuchtigkeit getränkt, und auf diese wird, wenigstens zum grossen Theil, dem Wachs- thum der Pflanze zu Gute kommen, nehmen wir an, sagt Eichhorn, dass die Ernte mit Ende Juli den Acker verlassen hat, so wird zunächst die Regenmenge in Betracht zu ziehen sein, welche vom 1. August bis Ende April, wenn wir eine Sommerhalmfrucht und diejenige, welche vom 1. August bis Ende Februar niederfällt, wenn wir eine Winterhalmfrucht be- trachten. Diese Regenmengen sind in Pariser Linien für: Bonn Potsdam Tom Anfang August bis Ende April . 212,18 150,70 „ ,. „ „ „ Februar 170,47 117,51 In Ermangelung brauchbarer Zahlen für die Verluste durch Verdunstung und Versickerung in den Untergrund nimmt Eichhorn diesen Verlust auf die Hälfte der ganzen, vom Herbst bis zum Frühling fallenden Regenmenge an. Hiernach würde die gesammte der Vegetation zu Gute kommende Regenmenge folgende sein: Chemische und physikalische Eigenschaften des Rodens. 5 Pariser Linie für eine Sommerhalmfrucht Winterhalmfrucht bei niedrigem Eegcnfall 148,66 165,25 bei höherem Regenfall 190,20 211,05 Nehmen wir nun den höchsten und den niedrigsten Regen- fall (211,05 und 148,66) so gilt dies für den sächsischen Acker in abgerundeten Zahlen resp. 5,270.000 und 3,710.000 Zoll- Pfunde Wasser und da nun die Zusammensetzung der von Wunder und Eichhorn erhaltenen Bodenflüssigkeit in 100,000 Theilen folgende ist: für PoppelsdorfF Kieselsänre 4,80 Schwefelsäure 10,02 Phosphorsäure 3,10 Chlornatrium 5,86 Kalkerde 12,80 Magnesia 3,84 Natron 1,10 Kali 11,54 Kohlensäure mit Spuren von Eisenoxyd 6,94 Ammoniak 0,90 SO würden sich für diese angenommenen Wasserniengen fol- gende Zahlen berechnen: für Chemnitz Kieselsäure 2,57 Eisenoxyd, Thonerde, Phosphor- säure 1,17 Chlornatrium 4,76 Kalk 8,36 Magnesia 3,74 Kali 0,75 Natron 3,04 für Chemnitz j für Wasser I Zoll - Pfunde Zoll-Pfunde au I 5270000 3710000 für Poppelsdorf Zoll-Pfunde an für Wasser Zoll - Pfunde 5270000 3710000 Kieselsäure . . Phosphorsäure Eisenoxyd . . Thonerde . . Chlornatrium Kalk ..... Magnesia . . Kaü Natron .... 135,4 61,7 250,8 440,5 197,1 39,5 160,2 95,3 43,4 176,6 310,2 138,8 27,8 112,8 Kieselsäure . . Schwefelsäure Phosphorsäure Chlornatrium . Kalkerde Magnesia . Kali .... Natron . , Ammoniak Kohlens.m.Spur von Eisenoxyd 253,0 528,1 163,4 308,8 674,6 202,4 608,2 58,0 47,4 365,7 178,1 371,7 115,0 217,4 474,9 142,5 428,1 40,8 33,4 257,5 Q Chemische und physikalische Eigenschaften des Bodens. Mit Berücksichtigung der den Boden durch die Ernten verschiedener Pflanzen entzogenen Bodenbestandtheile folgert Eichhorn aus diesen Zahlen, dass sich zuerst für Poppeisdorf zeigt, dass auch bei der niedrigsten Wasserraenge mehr mine- ralische Bodennahrung aufgelöst ist, als die Ernte an Aschen- bestandtheilen enthält. Die grösste Menge an Kali 334,8 Z.- Pfd. haben die Kuben in ihrer Asche; das Wasser hat gelöst 428,1 Z. -Pfunde. Die grösste Menge Phosphorsäure enthalten ebenfalls die Rüben, dieselbe erreicht jedoch noch nicht die Hälfte der Phosphorsäuremenge, die im Wasser gelöst ist. Der Weizen braucht die grösste Menge Kieselsäure zu seiner Vegetation; auch diese ist noch nicht - 3 von der im Wasser gelösten Menge. Nicht so günstig für diese Zahlen, stellen sich, meint Eichhorn, für seine früher ausgesprochene Behauptung, die von Wunder für Chemnitz ermittelten Grössen heraus. Be- sonders sind es Kali, Phosphorsäare und in manchen Fällen auch die Kieselsäure, die in nicht ganz ausreichenden Mengen in der Bodenflüssigkeit gelöst sind. Doch ist Eichhorn geneigt zu der Annahme, der Ernte- ertrag Wunders sei zu hoch angenommen. Verzichtet man immerhin auf den Umstand der Bodenmasse, dass kohlensäure- haltiges Wasser mehr aufzulösen vermag, als destillirtes, so geht doch wenigstens aus obigen Angaben hervor: 1. Dass der bei weitem grösste Theil derjenigen minera- lischen Stoffe, die wir in der Asche einer Ernte vorflnden, während der Vegetationsdauer der Pflanzen im Erdboden in Wasser gelöst vorhanden war, und da wir aus den Versuchen von Sachs wissen, dass selbst Landpflanzen sehr wohl in salz- haltigen Flüssigkeiten ernährt werden können und keineswegs absterben, wenn ihnen die Nahrung in wässeriger Lösung zu- geführt wird. 2. Auch der grösste Theil der mineralischen Nahrung im Boden aus einer wässrigen Lösung von den Pflanzen aufge- nommen wird. Uebrigens meint Eichhorn ist die von Liebig aufgestellte Theorie über die Aufnahme der Nahrung direkt aus der Ackerkrume nicht im Widerspruch mit den Gesetzen der Endosmose. Eichhorn stellt sich diese direkte Nahrungs- aufnahme in folgender Art vor. — Die in den Zellen einge- Chemische und physikalische Eigenschaften des Bodens. 7 schlossene Flüssigkeit ist eine Salzlösung, die Zellhaut der- jenigen Theile der Wurzeln, welche die Nahrung aufnehmen, ist diffusionsfähig; es wird also dadurch, dass durch die Zell- wand Flüssigkeit duchdringt, eine ähnliche Reaction auf die feste Erdrinde eintreten. Hierbei können wir uns 1 . Die Erde mit Flüssigkeit durchtränkt vorstellen. Als- dann wird der flüssige Zellinhalt zunächst mit dieser Boden- flüssigkeit, welche jedenfalls mineralische Stoffe aufgelöst ent- hält, in endosmotische Wechselwirkung treten; dann aber auch von der Zellenflüssigkeit etwas an die umgebenden Erdtheil- chen übertreten und aus diesen durch Zersetzung Stoffe auf- nehmen. Nur diese letztere Wirkung würde als eine besondere spezifische der Wurzelfasern in Bezug auf die feste Erdrinde bezeichnet werden können. Oder 2. Die Erde ist trocken. Alsdann würde wie vorhin, wenn eine Aufnahme aus der festen Erdrinde stattfinden sollte, ebenfalls durch die Zellwaud Flüssigkeit nach aussen treten müssen, damit überhaupt nur eine Reaction auf die festen Erdtheilchen eintreten könne, und die durch diese Reaction entstandenen Zersetzungsprodukte in die Pflanze übertreten könnten. Um auf entferntere Theilchen eine Wirkung zu äussern, müssten aus der Pflanze dann schon nicht unbedeu- tende Mengen von Flüssigkeit übertreten. Bestimmungen über die Menge an Bodenbestandtheilen , die durch reines Wasser dem Boden entzogen werden unternahm Robert Hoffmann,*) Grouven,**) Verdeil und Risler.***) Auch im Tharander Laboratorium wurden derartige Bestimmungen ausgeführt.f) Nach Eobert Hoffmanu schwankt die Menge, der durch Extraktion mit destillirtem Wasser dem Boden entzogenen minera- lischen und organischen Stoffe zwischen 0,0225 und 0,2418, nach Grouven zwischen 0,0529 und 0,1156, nach den Versuchen zu Tharand zwischen 0,028 und 0,504. Fr aas berichtet als Anschluss an seine früheren Lysimeter- uuter- Versuche tt) über den Fortgang derselben im Jahre 1858 bis "^''|,"°^^J|.'"' 1859 und 1860 B. ZöUerftt) lieferte die Analyse der durch Rückstände. *) Jahresbericht I. Jahrg. S. 50. **) Desgl. S. 13. ***) Compt. rcnd. T. XXXV. pag. 95. t) Jahresbericht I. Jahrg. S. 47. tt) Jahresbericht IL Jahrg. S. 9. ttt) Ergebnisse landwirthsch. und agrikulturchem. Versuche d. St. d. bay, landw, Vereins. 3. Heft S. 79. 8 Chemische und physikalische Eigenschaften des Bodens. Verdampfung des Lysimeterinhaltes der einzelnen Lysimeter erhaltenen Rückstände. 1. Lysimeter-Rückstände vom Somraerjahr 1858. Diese beziehen sich auf Rückstände meteorischen Wassers, welches vom 10. Mai bis 1. November 1858 durch die Lysi- meter-Erde ging. Die Höhe der Erde in den Lysimeter- Gefäs- sen betrug 1 Fuss, der Querschnitt jeden Gefässes 1 Quadrat- fuss. Es waren 6 verschiedene Rückstände. Nr. I. ungedüngt und ohne Vegetation; Nr. IL ungedüngte mit Vegetation; Nr. IIL, Düngung 10 Grm. Kochsalz , mit Vegetation; Nr. IV., Düngung 10 Grm. Chilisalpeter, mit Vegetation; Nr. V., Dün- gung 10 Grm. Guano, mit Vegetation; Nr. VI., Düngung 20 Grm. mit Salzsäure (?) aufgeschlossener und pulverförmig erhaltener Phosphorit, mit Vegetation. Als Anbaupflanze w'ar die Kar- toffel gewählt. Die 6 Lysimetergefässe wurden mit derselben Erde — gewöhnlicher uugedttngter Alluvialkalkboden der Isar- auen — versehen. Resultate. II. III. IV. V. VI. Durch den Boden gegan- gene Wassermenge . . Fester Rückstand dersel- ben bei 100" C. . . . Asche d. festen Rückstandes 29185 8,985 6,591 25007 8,214 6,094 28138 17466 14,198 12,292 7,681 5,533 16520 4,864 3,704 30850 8,001 6,192 c. c. Grm, Grm. Natron . . . Kali .... Magnesia . . Kalk .... Eisenoxyd . . Chlor . . . Phosphorsäurc Salpetersäure . Schwefelsäure . Kieselsäure Sand .... 0,250 0,075 0,432 2,416 0,115 0,227 Reac. 0,132 0,266 0,155 0,245 0,066 0,443 2,467 0,083 0,237 Reac. 0,147 0,301 0,237 3,290 0,034 0,454 2,356 0,104 3,925 0,009 0,118 0,384 0,155 1,255 0,035 0,264 1,792 0,083 0,177 Reac. 3,267 0,182 0,303 0,105 0,301 0,032 0,382 1,378 0,096 0,317 0,007 0,197 0,226 0,062 0,233 0,029 0,374 2,645 0,117 0,238 0,015 0,666 0,224 0,083 Summe : 4,068 Ab d. d. Chlor entsprechende Aequivalent Sauerstotf . 0,051 4,226 10,829 0,053 0,884 Summe i 4,017 Glühverlust u. Kohlensäure l 4,968 4,163 j 9,945 I 7,424 | 2,927 4,051 4,253 0,257 1 1,937 Summe 8,985 , 8,214 14,198 7,671 | 4,864 4,591 3,410 7,463 I 2,998 4,644 Grm. 0,039 ' 0,071 ! 0,053 Grm. 8,001 Grm. Chemische und physikalische Eigenschaften des Bodens. 9 Nach den vorsteheüden Analysen enthalten 1 Million Theile Wasser, welche durch Böden von 10 Zoll Tiefe und der be- schriebeneu Beschaffenheit gegangen wären: IL III. IV. V. VI. Fester bei 100° C. getrock- neter Eückstand , . . Darin Asche Natron Kali Magnesia Kalk Eisenoxyd Chlor Phosphorsäure . . . , Salpetersäure Schwefelsäure . . . . Kieselsäure 307.86 328.46 504.58 439.76 225.83 243.69 436.84 374,04 8,56 1 9,79 116,92 71,85 2,56 2,63 1,20 2,00 14,80 17,71 16,13 15,11 82,78 98,65 83,73 102,59 3,94 3,31 3,69 4,75 7,77 9,47 189,49 10,13 — 0,31 — — — 187,04 4,52 5,87 4,19 10,42 9,11 12,03 13,64 17,34 294.42 224.21 259 . 35 200.71 Gim. 18,22 1,93 23,18 83,41 5,81 19,18 0,42 11,09 13,68 7,55 0,94 12,12 85,73 3,79 7,71 0,48 21,59 7,26 Grm. 2. Lysimeter-Rückstände vom Soinmerjahr 1859. Die analysirten Rückstände stammten von dem abgedampften meteorischen Wasser her, welches vom 20. März bis zum 1 6. No- vember in den Lysimeter - Gefässen gesammelt worden war. Sämmtliche 5 Lysimeter waren mit Gras angepflanzt. Die Höhe der Erde in den Gefässen betrug mit der 2 zölligen Rasenschicht ^ 1 Fuss. Die Düngung geschah mit Kali- Ver- bindungen und aufgeschlossenem Phosphorit. Nr. 1 ungedüngt; Nr. II. Düngung 17,8 Grm. salpetersaures Kali; Nr. III. Dün- gung 15,4 Grm. schwefelsaures Kali ; Nr. IV. Düngung 17,8 Grm. salpetersaures Kali und 3,66 Grm. Phosphorit, aufgeschlossen mit 2 Grm. Schwefelsäure; Nr. V. Düngung 15,4 Grm. schwefel- saures Kali und 3,66 Grm. Phosphorit, mit der angegebenen Schwefelsäuremenge aufgeschlossen; Nr. VI. Düngung 12.3 Grm. kohlensaures Kali. Die Erde, welche in die 6 Lysimeter ein- gefüllt wurde, war gewöhnlicher ungedüngter Alluvialkalkboden der Isarauen. 10 Chemische und physikalische Eigenschaften des Bodens. Resultate. II. III. IV. V. VI. Durch den Boden ge- 20201 \ 14487 20348 gangene Wassermenge ' Fester Rückstand der- i selben bei 100" C. . 4,563lill,4272 115,1967 Asche des festen Rück Standes .... 17491 13,6805 3,192 I 8,861 13,644 jlO,681 23205 20,784 17,668 22488 5,5878 4,614 C. C. Grm. Natron . Kali . . Magnesia Kalk . Eisenoxyd Chlor . Phosphorsäure Schwefelsäure Salpetersäure . Kieselsäure Sand . . . 0,044 0,024 0,253 1,530 0,072 0,035 Reac. 0,289 1,125 0,178 0,044 0,069 0,166 0,302 3,483 0,057 0,080 Reac. 0,205 5,913 0,271 0,021 0,083 0,205 0,296 5,360 0,072 0,202 Reac. 6,527 1,301 0,208 0,036 0,030 0,231 0,285 4,838 0,084 0,132 Reac. 2,104 5,248 0,230 0,025 0,085 0,038 0,244 0,112 0,320 io,l 17 7,112 1,963 0,088 0,053 0,283 10,127 Reac. I Reac. 9,124 10,524 1,401 0,280 0,056 1,390 0,269 0,097 Summe Ab das dem Chlor ent- sprechende Aequiva- lent Sauerstoff . . . 3,594 10,567 0,007 0,018 14,290 0,045 13,207 0,029 Summe 3,587 10,549 Glühverlust u. Kohlen- saure 0,9761 0,8782 14,245 0,9517 13,178 0,5025 Summe 4,5631|11,4272 115,1967 113,6805 18,930 Grm. 18,993 4,690 Grm. 0,063 0,028 4,662 Grm. 1,854 j0,9258 j „ 20,784 5,5878 Grm. Nach den vorstehenden Analysen enthalten ] Million Theile Wasser, welche durch Böden von 1 Fuss Tiefe und der be- schrieben Bodenbeschaffeiiheit gegangen wären: Chemische und physikalische Eigenschaften des Bodens. 11 II. III. IV. VI. Fester bei 100» C, getrock- neter Rückstand . . . Darin Asche 1225,38 158,00 788,78 611,64 746,84 670,52 782,14 895,66 610,65 761,36 1,71 3,66 13,20 10,51 16,29 13,79 276,59 306,48 4,80 3,79 7,54 12,19 120,29 393,19 300,04 60,37 13,14 12,06 248,48 205,17 Grm. Natron . . Kali . . . Magnesia . Kalk ... Eisenoxyd . Chlor . . Schwefelsäure Salpetersäure . Kieselsäure 2,17 1,18 12,52 75,73 3,56 1,73 14,30 55,69 8,81 4,76 11,45 20,84 240,42 3,93 5,52 14,15 408,15 18,70 4,07 10,07 14,54 263,41 3,53 9,92 320,76 63,93 10,32 1,68 4,98 5,20 87,29 2,35 5,64 23,30 61,76 11,96 Grm. 3. Lysimeter-Rückstände des Winterhalbjahres 1859 60, — vom 16. November 1859 bis zum 12. April 1860 erhalten. Der unter 2 beschriebene Lysinieter- Versuch wurde fortgesetzt, die Lysimetergefässe mit ihrer Grasnarbe blieben den Winter über im Freien. Die Rückstände, welche durch Verdampfen des während der angegebenen Zeit durch den Boden gegangenen Wassers erhalten wurden, dienten den Analysen. Der Versuch sollte Aufschluss geben, was der mit Phosphaten und Kalisalzen vor einem halben Jahre gedüngte Boden noch während eines weiteren halben Jahres bei ruhen- der Vegetation an das durchgehende meteorische Wasser abgebe. 12 Chemische und physikalische Eigenschaften des Bodens. Resultate. n. III. IV. VI. Durch den Boden gegan- gene Wassermenge . . Fester Rückstand derselben bei 100" C Asche des festen Rück- standes 13500 ! 12332 2,424 2,205 2,071 1,682 13760 j 13150 2,860 2,640 2,395 2,086 15232 I 14850 |C. C. I I 3,172 I 2,691 Gm. 2,599 1 2,220 Natron Kali Magnesia .... Kalk Eisenoxyd .... Chlor Phosphorsäure . . Salpetersäure . . . Schwefelsäure . . . Kieselsäure und Sand 0,021 Spuren 0,065 0,770 0,061 0,140 Eeac. 0,025 0,110 0,170 0,024 0,008 0,58 0,859 0,066 0,042 Eeac. 0,101 0,099 0,144 0,028 012 0,069 1,016 0,097 0,093 Reac. 0,043 0,487 0,118 0,022 0,009 0,074 0,938 0,075 0,068 Reac. 0,077 0,474 0,153 0,028 0,015 0,070 0,952 0,135 0,091 Reac. 0,029 0,527 0,123 0,019 0,015 0,063 1,057 0,049 0,084 Reac. 0,046 0,185 j 0,136 I Reac. Summe Ab das dem Chlor ent- sprechende Aequivalent Sauerstoff 1,371 1,401 ; 1,963 1,890 1 1,970 1 1,654 0,024 0,009 0,020 0,015 i 0,020 1 0,018 1,347 1,392 1,943 1,875 1,950 1,636 >t und Kohlen- j 1,077 0,813 1 0,917 0,765 1,222 0,955 Summe ! 2,424 2,205 2,860 1 2,640 3,172 2,691 Nach den vorstehenden Analysen enthalten 1 Million Theile Wasser, welche durch Böden von 10 Zoll Tiefe und der be- schriebenen Beschaffenheit des Bodens gegangen wären: Chemische und physikalische Eigenschaften des Bodens. 13 IL III. IV. VI. Fester, bei 100" C. getrock- neter Rückstand . . , Asche desselben . . . . Natron Kali Magnesia Kalk Eisenoxyd Chlor " Salpetersäure Schwefelsäure Kieselsäure mit etwas Sand 179,56 153,47 178,80 207,71 136,39 174,07 1,56 4,86 57,04 4,52 10,43 1,91 8,86 12,60 1,94 0,64 4,70 69,49 5,35 3,40 8,19 8,02 11,67 2,04 0,92 5,02 73,87 7,06 6,76 3,17 35,45 8,60 200,81 208,24] 181,21 158,69 170,621 149,49 1,73 0,69 5,56 71,39 5,73 5,21 5,91 36,08 11,65 1,83 1,27 0,98 1,01 4,59 4,24 62,50 71,17 8,86 3,29 5,97 5,65 1,90 3,09 34,59 12,45 8,07 9,15 Grni. Die Düngungen, welche im Jahre 1859 die Lysimeter er hielten, auf den bayer. Morgen berechet, ergaben für: No. II. = 712 Kilgr. Salpeter; No.III. = 616 No. IV. = 712 No. V. = 616 No. VI. = 480 schwefelsaures Kali; Salpeter, 80 Kilo Schwefelsäure u. 146,4 Kilo Phosphorit ; schwefelsaures Kali, 80 Kilo Schwefelsäure u. 164,4 Kilo Phosphorit; kohlensaures Kali; Die Menge der durchgegangenen Bodenbestandtheile über- haupt betrug für den bayer. Morgen bei No. I. (ungedüngt) 182,5 Kilo No. II. 557,1 „ No. III. 607,9 „ No. IV. 547,2 „ No. V. 831,4 „ No. VI. 223,5 „ Die Phosphorsäuremenge war, wie erwähnt, in den Rückständen nicht bestimmbar; an Kali ging, pro bayer. Morgen, durch No. I. 0,66 Kilo; No. II. = 6,6 Kilo; No. III. = 8,2 Kilo; No. IV. = 9,2 Kilo; No. V. = 9,8 Kilo; No. VI. - 4,5 Kilo Dagegen betrugen die Kalk- , Schwefelsäure- und Salpetersäuremengen in den Rückständen: 14 Chemische und physikalische Eigenschaften des Bodens. Kalk Schwefelsäure Salpetersäure No. I. 61,2 11,6 45,0 Kilgr No. II. 139,3 8,2 236,5 „ No. in. 214,4 261,1 52,0 „ No. IV. 193,5 84,2 209,9 „ No. V. 284,5 365,0 56,0 „ No. VI. 78,5 21,0 55,6 „ Die von demselben Lysimeter im zweiten Halbjahre (Winter) erhaltenen Rückstände betrugen pro bayer. Morgen: No. I. - 97,0 No. II. = 88,2 No. III. = 114,4 No. IV. ^- 105,6 No. V. - 126,9 No. VI. - 107,6 Die Phosphorsäure war in den Rückständen gleichfalls nur in Spuren vorhanden; das Kaü war in No. I. nicht quantitativ bestimmbar; in den übrigen Rückständen betrug das Kali in No. II. = 0,3 Kilo; No. III. " 0,5 Kilo; No. IV. = 0,4 Kilo; No. V. = 0,6 Kilo; No. VI. -" 0,6 Kilo. An Kalk, Schwefelsäure und Salpetersäure enthielten die obigen Rück- stände : Kalk Schwefelsäure Salpetersäure No. I. 30,8 4,8 1,0 Kilgr No. II. 34,4 4,0 4,0 „ No. III. 40,6 19,5 1,7 „ No. IV. 37,5 19,0 3,1 „ No. V. 38,1 21,1 1,2 „ No. VI. 42,3 7,4 1,8 „ Zöller übergeht nach Mittheilung dieser Daten auf die Liebig'schen Untersuchungen und Ansichten der Wirkung des Chilisalpeters, Kochsalzes und des schwefelsauren Ammoniaks*); widerspricht der Ansicht, dass die Wirkung des Chlornatriums und des salpetersauren Natron in der wasserziehenden Kraft, deren Umsetzungsproducte (salpetersaurer Kalk und salpeter- saure Magnesia, Chlorcalium und Chlornatrium) zu suchen sei, wie der Ansicht über die Wirkung der schwefelsauren, salpeter- sauren und Chloralkalien, nach welchen Böden, welche mit solchen Salzen weniger Wasser verdunsten sollen, wodurch der Boden länger feucht erhalten wird. Die Ursache der Wir- kungen der bei den Lysimetern als Düngung verwendeten *) Jahresbericht I. Jahrg. S 20. Chemische und physikalische Eigenschaften des Bodens. 15 Salze sieht Zöller in Uebereiiistimmung mit Liebig nicht in den widerlegten Ursachen , sondern in den Elementen der Salze als pflanzliche Nährstoffe, wie in dem Verinögen dieser Salze, auflösend und verbreitend auf die Nährstoffe (Phosphate, Kieselsaure Alkalien) zu wirken und zwar einmal, indem sie dieselben geradezu auflösen, dann aber auch durch ihre Um- setzung im Boden, durch die hierbei abgeschieden werdende Säure. Die Salze, welche die Lysimeter als Düngung erhiel- ten, wirkten bei ihrem Durchgange durch den Boden und bei ihrer Umsetzung in demselben in der angegebenen Weise — meint Zöller. Dass trotzdem die Kückstände der durchge- gangenen meteorischen Wässer nur Spuren von Phosphorsäure, geringe Mengen von Kali und gar kein Ammoniak enthielten, wird als ein neuer Beweis für die mächtige Anziehung der Ackererde gegen diese Stoffe angesehen. Kein Durchgehen, sondern nur ein Verbreiten der Nahrungsmittel im Boden fand statt. Die Kulturpflanzen erhalten ihre Nahrung nicht durch eine Lösung zugeführt. Zöller geht nun weiter an die Wider- legung der Ansicht, es befinde sich eine von der Flächenan- ziehung beherrschte Lösung der Nährstoffe im Boden und meint — wäre eine durch Flächenanziehung beherrschte Nähr- stofflösung im Boden, so würde gerade das Lysimeter- Wasser oder das Drain -Wasser ein sehr genaues Bild dieser Lösung abgeben, die Ackererde würde mit Leichtigkeit durch Wasser ausgelaugt werden können. Die Ansicht über die Verbreitung* der absorbirten Nährstoffe im Boden, welche meint: von den armen oder durch die Wurzel an absorbirten Nährstoffen arm gemachten Ackerpartikelchen entstellt ein Zug, in Folge dieses Zuges — und unter Mitwirkung von Wasser — erfolgt Ausgleichung im Gehalte an absorbirten Nährstoffen zwischen den daran armen und reichen Ackerpartikelchen, wird eben- falls als unhaltbar hingestellt. Zöller meint weiter: schon seit geraumer Zeit weiss man, dass von einem absorbirten Stoffe ein Theil desselben mit einer grösseren, ein anderer mit einer geringeren Kraft von dem absorbirten Mittel zurückgehalten wird. Die Liebig'sche Arbeit über die Wirkung des Koch- salzes etc. hat dieses auch für die von der Acherkrume ab- sorbirten Nährstoffe festgestellt. Aus einem mit kieselsaurem Kali gesättigten Boden, aus dem Wasser nichts mehr auf- 16 Chemische und physikalische Eigenschaften des Bodens. löste, nahm eine verdünnte Lösung von schwefelsaurem Ammoniak eine gewisse Menge des absorbirten Kalis wieder auf; dasgleichen verhält sich eine verdünnte Kochsalzlösung gegen absorbirte Phosphate. Indem also dem Wasser nur ein Theil eines Salzes zugefügt wird, vermehrt sich dessen An- ziehung auf die absorbirten Nährstoffe in einer Weise, dass sich ein Theil derselben wieder auflöst; hierdurch ist aber eine Verbreitung der absorbirten Nährstoffe nach Stellen des Bodens, welche wenig oder gar nichts davon enthalten, möglich. Eine Lösung der pflanzlichen Nährstoffe kann nach allem diesem im Boden nicht vorhanden sein ; eine Verbreitung der absorbirten Nährstoffe von einer Stelle des Bodens zu einer andern ist nur in sehr beschränkter Weise, oder nur unter gewissen hergestellten Bedingungen möglich. Die Pflanze muss also ihre Nahrung an der Stelle finden, wo sie eben wächst, die absorbirten Nährstoffe werden nur unter Mitwirkung der Wurzeln löslich, um dann als Lösung in die Pflanze ein- zugehen. — \¥ii- wollen hier die Ansicht von Mulder's *) über die Lysimcter-Yersuche überhaupt gedenken. Er sagt der Lysimeter lehrt nichts von dem, was den Pflanzen in einer Saison angeboten wird, er lehrt allein, was durch allen Regen nach unten geführt werden kann, um im Instrumente zu verbleiben und nicht mehr — wie im natürlichen Zustande — in die Ackerschicht zurückzukehren. Unter- . W. Kuop uud W. W If liabeu dlc Veröftentlichuug cluer Mioirnngen g^j^^ eingehenden Untersuchung über das Vorkommen und Ver- über den ^ Ammoniak- halten des Ammoniaks in der Ackererde begonnen.**) Sie be- gehait 61. 30 Chemische und physikalische Eigenschaften des Bodens. ZU hoch (1 Pfd. Sterling) angegeben und weiter ist es nicht richtig, dass alle diese Stoffe durch die Kanäle weggeführt werden. Auch angenommen, dass der grösste Theil der in den Städten con- sumirten Stoffe verloren geht, so muss man dem entgegen- halten, dass bei allen grossartigen Prozessen in der Natur immer auch ein ausgleichender Einfluss thätig ist. Solche aus- gleichende Einflüsse können sich entweder nur auf eine be- stimmte Gegend beziehen oder sich wirksam erweisen auf die ganze Erdoberfläche. Die ersteren beziehen sich auf die Ein- fuhr von Nahrungsmitteln und Fleischverbrauch Was die all- gemeinen ausgleichenden Einflüsse anbelangt, so ist der wich- tigste derselben in den Stoffen, welche wir der See entnehmen, auch indirekt der Guano; endlich rechnet Anderson die Am- moniakmengen, welche durch die Verbrennung der Kohlen erzeugt werden, hierher. Anderson meint, dass aus diesem hervorgeht, dass die Zahl der Stoffe, welche uns zu Gebote stehen, um die durch die Ernten hervorgebrachten Verluste wieder zu decken, eine ausserordentlich grosse sei, und be- trachten wir alle die Quellen, welche alljänrlich unserem Boden zufliessen, so werden wir ersehen, dass wir jetzt keine Er- schöpfung desselben zu fürchten haben und er wol auch nicht in der Zukunft erschöpft werden wird; dennoch kann aber nicht behauptet werden, ein solcher Fall könnte nie eintreten. Was die vermeinte Zufuhr von Ammoniak dem Boden durch Regenwasser anbelangt, so muss wohl auf die ohen angeführten (S. 16) TTntersuchungs- resultate von Knop und Wolf erinnert werden. ueber F. G 6 b c 1 1 *) äusscrtc ebenfalls seine Ansicht über Scho- Boden- nung und Anstrengung der Bodenkraft, er meinte: Wäre es richtig, dass der Ackerboden durch die bisherige Bewirthschaf- tung von seinen mineralischen Pflanzen - Nahrungsstoffen von Jahr zu Jahr eingebüsst, trotz Düngung und des Zuflusses aus der Atmosphäre, so müsste sich, selbst wenn die Abnahme jener Stoffe nur in sehr geringem Grade stattgefunden, doch wol innerhalb eines halbhundertjährigen Zeitraumes schon eine merkliche Verringerung der Ertragsfähigkeit gezeigt haben." Dies ist aber nicht der Fall. Im grossen Durchschnitt der Schöpfung. *) Wochenblatt der Annalen der Landwiithschaft 18(jl pag. 581. Chemische und physikalische Eigenschaften des Bodens. gl Landflächen hört man derartige Klagen nicht. Wenn man z. B. meint, dass die Niederungen der Weichsel und Nogat jetzt weniger Körner produciren als früher; dass Italien in der Glanzzeit Roms dort fruchtbaren Boden gehabt, wo jetzt der Ackerbau kaum mehr zu betreiben ist; dass die westindi- schen Inseln und die Zuckerrohr-Distrikte des amerikanischen Festlandes, wo erst vor wenigen Jahrzehnten kein Dünger zur Erhaltung der Bodenkraft erforderlich gewesen, jetzt des Dün- gers bedürften: so giebt dies Alles für die Entkräftung des Bodens gar keinen Beweis. Wir wissen, dass die klimatischen Einflüsse eine wichtige Rolle im Bereich der Culturgewächse spielen; wir wissen auch, dass das Klima auf der nördlichen P^rdhälfte da und dort sehr wesentliche Veränderungen erfah- ren hat, sei es durch die Einwirkungen der Polarströmungen (Grönland und Island haben jetzt Eisgebirge und Eiswüsten, wo vor einigen Jahrhunderten Culturgewächse der niederen Breitegrade gediehen), sei es durch Entwaldungen (südliches Frankreich, Spanien, zum Theil auch Mittel- und Süddeutsch- land), wo früher fruchtbares Ackerland nach und nach un- fruchtbarer geworden; wir wissen endlich, dass der Wechsel in der Intelligenz, im Fleiss und in den Betriebsmitteln der Landbauer gar grossen Einfluss auf die zeitige Produktivität des Bodens äussern. Wo vor 10, 20, 30 Jahren die Boden- produktion erweislich darniederlag, ist sie heute eine hohe, aber auch umgekehrt. Dazu kommen die mit dem Aufschwünge der Landwirthschaft nothwendig eintretenden Veränderungen des ganzen Wirthschaftsbetriebes, wovon das Mehr oder Minder der Bodenerträge ebenfalls abhängig ist. Als weitere Momente für die Annahme, dass die Ertragsfähigkeit des Bodens nicht im Abnehmen sei, führt G o e b e 1 , die Ernährung einer grös- seren Bevölkerung gegen früher, die Erzeugung von grösseren Massen von Rohprodukten, die im Lande verarbeitet werden, die höhere Rentabilität der Landgüter, das andauernde Steigen produktiver Fruchtstücke, an. Will man dazu noch die Meinung der überwiegend grossen Majorität der Landbauer mit in An- schlag bringen, so wird hierin obige Annahme ohne Zweifel Unterstützung finden; denn das freilich nicht immer zu mo- tivirende Urtheil der Produzenten selbst wird dahin lauten: dass die lü'tragsfähigkeit und, in natürlicher Folge, die Boden- Analysen 32 Chemische und physikalische Eigenschaften des Hodens. Produktion keineswegs im Abnehmen, sondern sogar seit lange im Zunehmen sei. Schliesslich weist genannter Chemiker noch auf einige Beispiele bei einzelnen Feldparzellen hin, welche durch eine jahrelange Kultur, zum Theil mit nur sehr schwacher Düngung mit Stalldünger, durchaus nicht ärmer, sondern im Gegentheil noch reicher wurden. — Bodenanalysen. Handtke*) untersuchte den Boden von zwei neben ein- von gedüng- ^^^q^ liegenden Feldstücken, von welchen das eine in 22 Jah- tem und uii- "^ gedüngtem Teil kciueu Stallmist, das andere hingegen Stallmist als Dün- gung erhalten hatte. Das eine wie das andere Feldstück hat im vorigen Herbst, nach Samen- klee, 2 Ctr. Guano und 10 Ctr. gedämpftes Knochenmehl per Acker erhalten und in die.sem Jahre Roggen getragen. Beide Streifen Feld liegen nebenein- ander, es sind von jedem von zwei verschiedenen correspondirenden Stellen entsprechend gleiche Proben entnommen worden, sie wurden senkrecht 5" tief ausgehoben, um möglichst gleich viel Erde von der obersten Fläche zu liefern als von der niedern. Die sorgfältig gemischten Proben jeder Abtheilung glichen sich so, dass ihrem Aeussern nach kaum eine Verschiedenheit wahrgenommen werden konnte ; sie stellen einen gleichartigen, graugelben Lehmboden dar, Nr. 1 um einen Schein dunkler von Farbe. Die vergleichende Untersuchung derselben lieferte folgende Ergebnisse: Boden. *) Der chemische Ackersmann 1861 S. 204. Bodenanalysen. 33 In 100,000 Theilen. No. 1. Boden, seit 22 Jahren ohne Stall- mist bestellt. No. 2. Boden, wie gewöhnlich mit Stallmist bestelle. In der vierfachen Menge kalten Wassers löslich: verbrennliche Stoffe unverbrennliche Stofle (in der Lösung qualitativ nachweisbar Kalk- erde, Talkerde, Kali, Phosphorsiiure, Salpeter- säure etc.) In Salzsäure löslich: KaU Natron Kalkerde Talkerde PhosphorsHUre Schwefelsäure Kieselerde Verbrennliche Stoffe, Proc Kohlenstoff, besonders bestimmt, Proc. Gesammtstickstoff, Proc Salpetersäure, Proc Ammoniak, Proc Die Schlämmprobe ergab in Procenten: feinerdige Theile feinen Sand gröbern Sand (Gneisgrus) Wasserhaltende Kraft in Proc 269 148 109 27 17 128 175 61 90 199 115 25 17 276 312 7,3 6,7 1,45 1,18 0,290 0,257 0,021 0,016 0,0082 0,0065 15,8 23,6 33,1 33,3 51,1 42,7 57,3 232 59,7 Uoffmaaii, Jahresbericht IV. 34 Bodenanalysen. lalysc des F ranke n- 3iner Wei- enbodens. Der 22 Jahre ohne StaUmist bewirthschaftete Boden ist hiernach ärmer an Kalkerde, Talkerde und löslicher Kiesel- erde; dagegen reicher an Phosphorsäiire, Schwefelsäure, lös- lichem Kali, unlöslichen und löslichen StickstoiTverbindungen, sowie an humosen Stoffen. Derselbe erscheint in keiner Weise verarmt oder erschöpft, vielmehr kräftiger, als der mit Stall- mist gedüngte. — Die Gegend von Frankenstein erfreut sich eines gewissen Rufes in Bezug auf die Erzeugung eines immer gleichbleiben- den Weizens. Es sind namentlich einige Ortschaften jener Gegend, so Seitendorf, die seit Menschengedenken einen Weizen von gleichbleibender Samenbeschaffeuheit produciren, während derselbe auf andern Fluren ausartet, so in Lampertsdorf, ob- wol Lage und Bodenart anscheinend gleich sind, und wo er ohne Samenwechsel zurückgeht (grau, glasig und kiesig wird). C. Peters unterzog den Boden von Seitendorf und den von Lampertsdorf einer genauen chemischen Analyse, wobei sich die folgenden Resultate, bezogen auf die von grossen Steinen befreite Erde, ergaben. In 100,000 Theilen der Ackerkrume. Untergrund. Bodenart : • Seitendorf Lamperts- dorf Seitendorf Lamperts- dorf In der fünffachen Menge löslieh : Organische Stoft'e . . . Wasser 23 24 4 4 6 1 1 1 2 Spur 18 33 1 2 10 Spur Spur 1 11 Spur 7 16 9 9 7 1 1 Spur 4 17 Mineralstoffe 24 In letzteren nachwei Kali ^bar : •? Natron .... ... 9 Kalkerde 11 Talkerde Ammoniak Niederschlag .... Schwefelsäure Spur 8 Kieselsäure Chlor . *) Chemische Ackersmann 1860. S. 228. Bodenanalysen, 35 In 100,000 Theilen der Ackerkrume. Unter 3;rund. Bodenart: Seitendorf Lamperts- dorf Seitendorf Ijamperts- dorf In verdünnter Salpetersäure löslich : Kali Natron 38 5 241 67 450 996 64 7 60 67 3 202 7 540 1881 89 13 74 42 1 213 57 920 1914 96 3 72 48 6 Kalkerde Talkerde Thonerde Eisenoxyd Phosphorsäure Schwefelsäure Kieselsäure 57 11 470 1108 32 7 127 Organische (verbrennliche) StoSe: der feinerdigen Theile .... des feinen Sandes des gröberen Sandes 1,7-20 1,500 0,300 2,160 1,500 0,470 1,040 0,940 0,410 1,710 0,740 0,560 Zusammen 3,5-20 4,130 2,390 3,010 Stickstoff im Ganzen „ als Salpetersäure . . . 139 9 144 6 Spur 73 9 103 ? Bei der Sehläramprobe in der ab- gesiebten Erde gefunden in Proc. : feinerdige Theile feiner Sand gröberer Sand 33,7 56,4 9,4 27,3 26,1 45,6 43,3 48,4 8,3 31,2 19,1 49,7 Durch Absieben erhalten: Steine eigentliche Erde wasserhaltende Kraft in Proc. 0,5 99,5 44,0 18,3 81,7 44,8 0,2 99,8 48,5 16,8 83,2 36,6 Alle 4 Bodenarten reagirten weder sauer noch alkalisch. Die Steine des Seitendorfer Bodens bestanden aus abgerundeten Brocken von Quarz, Gneis, Glimmerschiefer und Porphyr; die des Lampertsdorfer Bodens aus Quarz, Sandstein, Feuerstein, Gneis, Thonschiefer, Diorot und Porphyr. Beide Bo- denarten gehören zu den aufgeschwemmten. Stöckhardt, welcher diese Analysen mittheilt, hebt na- mentlich hervor, dass beide Bodenarten in physikalischer Be- ziehung keinesfalls gleich sind, und dass, was chemische Zu- sammensetzung anbelangt, namentlich der geringe Gehalt an Talkerde beim Seitendorfer, auffallend ist. Mit der Wahrneh- 3* 36 Bodenanalysen. Analyse von kleemUdeu Bodenarten. mung, dass der graue, glasige Weizen von Lampertsdorf gleicher- weise viel weniger Talkerde enthielt, als derselbe mehlreiche "Weissweizen von Seitendorf, in Verbindung gebracht, spricht Stöckhardt die Vermuthung aus, dass das Nichtconstant- bleiben des Weizens von Lampertsdorf und der Umgebung in einem ursächlichen Zusammenhang mit der Erschöpfung des Bodens an Talkerde stehen konnte. V. Jarriges*) lieferte die Analyse vom sogenannten kleemüden Boden, welcher von Schlägen der Schlanstädter Fluren stammt und zwar sind dies solche Schläge, welche seit 19 Jahren fast alle 2 Jahre Zuckerrüben getragen haben, in dieser Zeit hatten sie ein Jahr ums andere ca. 180 Ctr. Stall- mist, einige Parzellen (welche?) noch eine Hilfsdüngung mit Guano oder Compost erhalten. Klee gedeiht auf diesen Schlägen nicht mehr, Luzerne und Esparsette jedoch vortrefflich. Die Analyse der drei verschiedenen Bodenarten ergab: In 100,000 Gewichtstheilen Boden. Erdfall- breite. b. Bartels- breite. Eilsdorfer Breite. 1. Im Wasser lösliche Bestandtheile: Kalkerde Talkerde Kali Natron Kieselerde '. . Eisenoxyd u. Thonerde Piiosphorsäure Schwefelsäure Chlor flüchtige und verbrennliche Stofl"e , . 5,0 16,0 70,0 2,5 3,5 5,5 3,0 8,5 10,0 5,5 4,0 5,5 4,5 8,5 30,0 6,6 8,5 2,5 wenig. Spur mehr Spur wenig. mehr wenig. wenig. mehr 24,0 79,0 71,0 2. In Salzsäure lösliche Bestandtheile : Kalkerde Talkerde v. . . . Kali Natron Kieselerde Phosphorsäure Schwefelsäure Eisenoxyd u. Thonerde 51 128 346 755 226 234 203 185 46 123 113 100 107 85 61 44 5070 4860 194,5 2808 417 149 46 103 131 198 4129 Zusammen ohne Eisenoxyd u. Thonerde 1102 1526 3852 *) Der ehem. Ackersmann 1861 S. 83. Bodenanalysen. 37 In 100,000 Gewichtstheilen Boden. a. Erdfall- breite. b. Bartels- breite. c. Eilsdorfer Breite. 3. Gesammtgehalt der Erden: an Kali 1929 1166 7236 111 61 1813 1537 4322 68 66 791 an Natron 844 an verbrennlichen Stotfen (Humus) .... an Stickstoff 3903 81 Wasserhaltende Kraft in Procenten . . . 53 Alle drei Bodenarten zeigten eine scharf basische Reaktion. Es gehört die Erdfallbreite zu den leichteren Bodenarten Schlanstädts, welche durch Mergellager gekreuzt werden, und die fast allenthalben, bei einer zwei Fuss tiefen schwarzen Krume, Lehmmergel im Untergrund. enthalten. Stöckhardt bemerkt zu den obigen Analysen: In einem „zu wenig" einzelner oder mehrerer Bodenbestandtheile, die wir als nothwendig zur Ernährung der Kleepflanzen angesehen haben, ist der Grund der Kleemüdigkeit der Schlanstädter Bodenarten schwerlich zu suchen, um so weniger, als auch die Art und Menge der im ungebundenen Zustande (in Wasser löslichen), wie der in weniger fest gebundenem Zustande (in verdünnter Säure löslichen) vorhandenen Bestandtheile, ver- gleichsweise mit andern kleefähigen Bodenarten, ganz befrie- digend erscheinen. — Die Absorptionserscheinungen der Ackererde gegen in Lösung befindliche Stoffe sind noch immer Gegenstand der Untersuchung. Für diesmal lieferte Ulbaldini in dieser Beziehung eine Arbeit, aus welcher sich ergiebt, dasg im Allgemeinen gefärbte organische Stoffe ihre färbende Materie im Boden zurücklassen, die Eisenoxydsalze werden zu Oxydulsalzen umgewandelt; Chlor, Jod, Brom werden nicht zurückgehalten und Lösungen gewisser Salze als: Salpeter- und phosphorsaure Salze des Kaliums, Natriums und des Ammoniaks namentlich von phosphorsaurem Natron entziehen dem Boden eine stickstoff- haltige organische Substanz. Es ist diese letztere Wahrnehmung, falls sie sich bestätigen sollte, ohne Zweifel von hoher Wichtigkeit. Ueber die Ursachen der Absorptionserscheinungen der Ackererde spricht sich Ulbaldini nicht bestimmt aus. Was die Aufnahme der Nahrungsmittel anbelangt, so meint Ulbaldini, dass die Erde den Pflanzen die Stoffe nicht unmittelbar zuführt, sondern dieselben nur in einen Zustand versetzt, in dem sie vom Wasser gelöst, und von den Pflanzen aufgenommen werden können. Es muss diese Ansicht Ulbaldini's besonders hervorgehoben werden, sie steht im Gegensatz 3 g Rückblick. zu der neuesten Ansicht Lieb ig 's, welcher meint, dass die löslichen Pflanzen- nahrungsmittel im Boden vor ihrer Aufnahme durch die Pflanzen eine "Ver- bindung mit dem Boden oder mit einigen seiner Bestandtheile eingehen, wo- durch sie ihre Auflöslichkeit und Fähigkeit, sich im Boden zu verbreiten, verlieren.*) Während Ulbaldini folgert, dass der Boden den Pflanzen die Nah- rungsmittel in einer flüssigen Form bietet und der Erdboden in trockenem Zustande gar keinen Einfluss auf die Vegetation hat, glaubt Zöller aus der mitgetheilten Fortsetzung seiner Lysimeter-Versuche folgern zu müssen, wie er dies bei den früheren Untersuchungen in dieser Beziehung that, dass die Kulturpflanzen ihre Nahrung nicht durch eine Lösung zugeführt erthalten. Eine Lösung der pflanzlichen Nährstofi'e kann im Boden nicht vorhanden sein; eine Verbreitung der absorbirten Nährstoffe von einer Stelle zur andern ist nach Zöller nur in sehr beschränkter Weise möglich. Die Pflanze rauss ihre Nahrung nach dieser Ansicht an dieser Stelle finden, wo sie eben wächst ; die absorbirten Nährstoffe werden nur unter Mitwirkung der Wurzeln löslich. Auf welche Weise dies geschieht sieht Zöller noch als eine vollkommen offene Frage an. Ammoniak- Verbindungen waren in allen den untersuchten Rückständen der unterirdischen Eegenwässer nicht nachweisbar, Phosphorsäure nur in zwei Fällen. Von den Natron-Verbindungen, mit welchen die Erde über den Lysimetern gedüngt war, ging der grösste Theil unverändert durch. Die Schwefelsäure, mit welcher man düngte, fand sich in den Rückständen fast in der unveränderten Menge wieder. 1859 war der Salpetersäure- gehalt in den Rückständen sehr bedeutend. Selbst bei sehr starker, man kann sagen enormer Düngung, welche der Boden über den Lysimetern er- halten hatte, war die Menge der mit Hilfe des Regenwassers durchgegangenen Menge an Nährstoffen, wie die berichteten Versuche zeigen, nur eine geringe. Zöller erblickt in den Untersuchungsresultaten der Lysimeterrückstände einen neuen Beweis für die Absorptionserscheinungen des Bodens und, wie erwähnt, für die neuesten Ansichten Liebig's über die Pflanzenernährung und inter- pretirt sie auch, wie wir gesehen haben, was Nahrungsaufnahme anbelangt, derart. Mulder**) sieht aber überhaupt die Lysimeter-Versuche nicht als massgebend an, um aus denselben folgern zu können, was den Pflanzen in einer bestimmten Zeit vom Boden aus geboten werden kann. Bei den Lysi- meter- Versuchen, meint Mulder, fällt der Regen auf den Boden nieder, und führt so viele Bestandtheile mit unter die Ackerschichte von 6 Zoll als in dem Lysimeter gefunden werden. Aber im gewöhnlichen Zustande kommen die Bestandtheile gleich, wenn es trockenes Wetter geworden, durch capillare Wirkung wieder an den Wurzeln der Pflanzen vorbei. Ein Regen führt sie herab u. s. w. Regnet es 30 Mal im Sommer und folgt zugleich Trockene, so passiren die aufgelösten Bestandtheile im Bodenwasser längs der Wurzel 3 Mal hin. Ueber die Menge der durch Wasser aus dem Boden auslaugbaren Stoffe unternahm schon früher Eichhorn Untersuchungen, aus welchen er resultirte, *) Annal. der Chemie und Physik. Bd. CV. S. 116. **) Mulder 's Chemie der Ackerkrume Bd L S. 546. Rückblick. 39 dass destillirtes Wasser, in einer Menge angewandt, wie es die wasserhaltende Kraft einer Erde erfordert, alle für die Pflanzennahrung nöthigen Stoffe aus einer Ackererde auflöst. Diese Ansicht steht ebenfalls mit den Liebig 'sehen oft erwähnten Ideen über Pflanzenernährung im Widerspruch. Wunder widersprach überdies, ebenfalls gestützt auf eigene Bestimmungen, dem Aus- spruche Eichhorn's, welcher sich hierdurch nun veranlasst sah, auf seine früheren Versuche nochmals zurückzukommen, diese zu korrigiren und mit Wunder 's Bemerkungen zu vergleichen. Berücksichtigend, dass möglicher Weise die Annahme des niedergegangenen Regenwassers zu hoch sei, meint Eichhorn gebt doch wenigstens aus den gewonnenen Daten hervor, dass der bei weitem grösste Theil derjenigen mineralischen Stoffe, die wir in der Asche der Ernte vorfinden, während der Vegetationsdauer der Pflanzen - im Erdboden im Wasser gelöst, vorhanden war und dass auch der grösste Theil der mineralischen Nahrung im Boden aus einer wässerigen Lösung von den Pflanzen aufgenommen werden wird. Eine höchst interessante und zeitgemässe Arbeit haben Knop und Wolf in Möckern unternommen. Es sind dies Untersuchungen über den Ammoniak- gehalt des Ackerbodens wie der Wässer. So viel wir der Arbeit, welche noch nicht vollständig veröfientlicht ist, entnehmen können, handelt es sich nicht allein um die Bestimmung der im Boden enthaltenen Ammoniakmengen, sondern noch weiter um die Erforschung der hochwichtigen Frage, ob nicht das Ammoniak im Boden, da es, wie die Versuche von Way und Liebig nach- weisen, nicht in wässeriger Lösung übergeht, eine ganz andere Rolle bei der Pflanzenernährung spielt als man bisher allgemein annahm, begründet in dessen Umwandlung in Salpetersäure. Da die Untersuchungen, wie erwähnt, noch nicht vollständig bekannt sind, lässt sich über die Beantwortung dieser Frage noch nichts Näheres mittheilen. Die Resultate der mitgetheilten Arbeit lassen sich in den folgenden Punkten zusammenfassen. Das Regenwasser ent- hielt im Durchschnitt 2 Milliontel seines Gewichtes an Ammoniak. Die Zeit des Regens war von Einfluss auf den Ammoniakgehalt desselben, den höchsten hatte man im April. Schnee enthält bedeutend weniger Ammoniak. Der im Monate Januar gefallene enthielt sogar keine Spur. Der Thau enthielt mit dem Regenwasser ziemlich übereinstimmende Mengen Ammoniaks; desgleichen Schlossenwasser. Regelmässigkeiten bezüglich des Ammoniakgehaltes, des anfänglichen und endlichen Regens Hessen sich nicht wahrnehmen. Diejenigen Regen, welche in derselben Zeit das grösste Quantum Wasser, auf ein und dieselbe Flächengrösse bezogen, lieferten, enthielten das wenigste Ammoniak. Beachtenswerth ist es wol, dass der Gewitterregen nicht mehr Ammoniak enthält, als gewöhnlicher Regen und es muss die Ursache der bekannt gün- stigen Wirkung solcher Regen auf die Vegetation' in andern Gründen als in dem stärkeren Ammoniakgehalte gesucht werden. Bei Fluss- und Quellwasser stellte sich der Ammoniakgehalt etwas niedriger als bei Regenwasscr. Brunnen- wässer am Lande enthielten keine Spur Ammoniak. Was die Ammoniakbestimmung der Ackerkrume anbelangt, so sind die von Knop und Wolf gefundenen Ammoniakmengen bedeutend kleiner als jene, welche frühere Chemiker gefunden haben, was wol der jedenfalls rich- tigeren Methode der Ammoniakbestimmung, welche die beiden Chemiker be- 40 Rückblick. nutzen , zuzuschreiben ist. Sowol in bebauter als unbebauter Erde waren nur stets einige Milliontel Ammoniak vorhanden und wieder durch die Jahres- zeit oder das Wetter erlitt dieser Ammoniakgehalt nachweisbare Veränderungen. In 6 Fuss Tiefe enthielt der Boden kein Ammoniak. Dass im Boden das Ammoniak, trotzdem, dass es da Quellen der Zufuhr (Regen, Verwesung) und Abfuhr (Vegetation) gibt, immer konstant bleibt, meint Knop in dem Um- stände zn linden, dass es vom Boden so fest gebunden wird, dass ihm alle freie Beweglichkeit von einem Orte nach einem andern benommen ist, und dass dem Boden eine andere Thätigkeit innewohnt, durch deren Wirkung das sich anhäufende Ammoniak wieder zum Verschwinden gebracht wird, welche Thätigkeit er in der Salpeterbildung erblickt. Ils wurde zur näheren Unter- suchung dieser Ansicht das Verhalten des Bodens als solcher wie seiner näheren Bestand theile in Bezug auf Ammoniakabsorption bestimmt, aus welchen Be- stimmungan wir ersehen: In lufttrockener Erde bleibt das Ammoniak als solches gebunden; Luft entzieht nicht ganz dasselbe. Unter allen nähern Bestandtheilen des Bodens (Kieselerde, Kreide, Gyps, kohlensaure Talkerde, Thonerde, Thon, Humus) ist es nur der Humus und Thonerde und Eisenoxyd in höchst geringem Grade, welche das Ammoniak chemisch zu binden im Stande sind. Eine Bindung desselben durch Flächenattraktion findet nur beim Thone statt. Anderson und Goebell behandelten das zur Stunde so mo- derne Thema der Bodenerschöpfung durch die Kultur. Sowol der englische als der deutsche Chemiker stimmen darin überein, dass eine Erschöpfung des Bodens bei Anwendung von Stalldünger nicht wol zu befürchten wäre. Nach Anderson wäre noch das Kali der einzige Stoff, bei dem man nach dem jetzigen Düngersystem eine Erschöpfung im Boden befürchten könnte. Derselbe Chemiker meint : Betrachten wir alle die Quellen an Pflanzennahrungsmitteln, die uns zu Gebote stehen und dem Boden alljährlich zufliessen, so werden Avir ersehen , dass wir jetzt keine Erschöpfung desselben zu fürchten haben. Obwol, meint Anderson, nicht behauptet werden kann, ein solcher Fall könne nie eintreten. Goebell weist namentlich darauf hin, dass, wenn es richtig wäre, dass trotz Düngung eine Verarmung im Boden an mineralischen Stoffen stattfindet, dies doch jetzt schon bemerkbar sein raüsste, was im grossen Durchschnitt der Landwirthschaft nicht der Fall ist. Die Beispiele der Ver- armung einzelner Landstrecken sieht Goebell nicht als beweisgiltig an, in- dem die Unfruchtbarkeit des Bodens eben auch durch klimatische Verhältnisse, durch den Wechsel in der Intelligenz, im Fleisse und den Betriebsmitteln der Landbauer begründet sein kann. Als weitere Beweise für die Nicht- verarmung des Bodens wird die Ernährung einer grösseren Bevölkerung, gegen früher, die Erzeugung von grösseren Massen im Lande verarbeiteter Roh- produkte u. dgl. m. angeführt. Dass es übrigens mit der von gewisser Seite so sehr gefürchteten Verarmung des Bodens denn doch nicht so rasch gehen mag, deuten auch die Analysen des Bodens von zwei nebeneinanderliegenden Feld- stücken hin, von welchen das eine durch 22 Jahre keinen Stalldünger, das andere hingegen eine solche Düngung erhalten hatte. Mit einer gleichen Quantität Guano und Knochenmehl wurden beide im letzten Herbste (1861) gedüngt. An dem durch 22 Jahre nicht gedüngten Boden mit Stallmist war keinesfalls eine Verarmung zu bemerken, Peters unterzog einen Boden, auf Literatur. 41 dem der Weizen ausartet und Jarriges sogenannte klecmüdc Bodenarten einer Analyse. Wir können aus diesen Arbeiten eben nur folgern, dass eine blosse Bodenanalyse schwerlich Aufschluss geben kann über das Missrathen und Gerathen einzelner Pflanzen. Literatur. Die Chemie der Ackerkrume. Von G. J. Mulder. Aus dem Holländischen unter Mitwirkung des Verfassers von Ch. Grimm, 1., 2., 3. und 4. Lieferung I. Bd. Desgleichen aus dem Holländischen deutsch bearbeitet mit Erläuterungen von Jo- hannes Müller, 3., 4., 5. und 6. Lieferung L Bd. L Heft IL Bd. Berlin 1861. Anleitung zur leicht ausführbaren Erforschung und hin- reichend genauen Abschätzung der Ackerkrume und des Un- tergrundes und zwar ohne ehem. Vorkenntnisse und ohne Anwendung der Waage, durch Beschreibung und Gebrauchs- Anweisung zweier neuen, für die Praxis der Landwirthschaft construirten Apparate u. s. w. Von B. v. Benningsen-Foerder. Berlin 1861. Agronomie, chimie agricole et physiologie. Par J. B. D. Boussignault. Paris 1861. Tomes H. i».A sarameij Luft am Mont-Blan Die Luft. E. Fr an kl and*) bestimmte die Zusammensetzung der .etzung der L^£|. ^^ Mont-Blauc in verschiedenen Höhen. Es wurden die folgenden Luftproben untersucht: 1. Luftprobe, gesammelt in 11000 Fuss Höhe (Grand Mulets) am 10. August bei Nordwind, Hagelfall, übrigens ziem- lich klarem Himmel. 2. Luftprobe von der Spitze des Mont-Blanc, 15,732 Fuss Höhe, am 21. August. Nordwind, schönes sonniges Wetter, Luft mit vom Winde aufgewirbelten Schneepartikeln erfüllt. 3. Luftprobe bei Chamouny, in 3000 Fuss Höhe, gesam- melt am 23. August. Nordwind, klarer Himmel. Die Resultate der Analyse sind: I. n. in. Stickstoff . . . . 79,110 78,989 79,056 Sauerstoff . . . . 20,768 20,950 20,881 Kohlensäure . . . 0,111 0,061 0,063. *) Quaterly Journ. of the ehem. Soc. Vol. XIII pag. 22 — 30; durch ehem. Centralblatt. 1861 pag. 392. Die Luft. 43 Wie andere Beobachter schon gefunden, stellt sich der Kohlensäuregehalt in der Höhe grösser als in der Tiefe, indessen in vorliegenden Fällen nicht gerade in der grössten Höhe am grössten heraus. Die bei 11000 Fuss Höhe gesammelte Luft hat den grössten Kohlensäuregehalt. Die vorstehenden analytischen Resultate zeigen auch, dass der Zunahme an Kohlensäure eine Verminderung an Sauerstoff entspricht, wie folgende Zusammensetzung zeigt, unter A die Procentgehalte der Luft an Kohlensäure, unter B die an Sauerstoff. A B Grand Mulets 0,111 20,802 Spitze 0,061 20,963 Chamouny 0,063 20,894 J. A. Barral*) macht die Mittheilung, dass er Phosphor- .«äure in dem Regen vvasser nachgewiesen habe. Er verdampfte 1295 Litres Regenwasser in Paris aufgefangen, und 390Litres auf dem Lande gesammelt. Der Rückstand des Wassers von Paris betrug 29,284 Gr. und der vom Lande 3,072. Demnach war im Litre des ersten Wassers 22 Milligr. und im letzteren 7 Milligr. fester Rückstand. Der Phosphorsäuregehalt schwankte zwischen 0,05 Milligr. und 0,09 Milligr. per Litre. Die Phos- phorsäuremeuge im Regenwasser, das auf dem Lande gesam- melt wurde, war viel bedeutender, als die des in Paris ge- sammelten. — S. de Luca'^*) hat in verschiedenen Höhen des schiefen Thurmes in Pisa Regen und Schnee gesammelt und dieselben auf Beimengungen untersucht. Er fand, dass die Regen kein Jod enthielten. Der Wind reisst aber von der Erde fast alle Bestandtheile der Ackerkrume mit in die Höhe und diese fin- den sich alle im Regen wieder. Die Regen, die in 54 und 1 8 Meter Höhe über der Erde aufgesammelt wurden, enthielten keine Phosphate und keine Jodüre, während sich in dicht über der Erde aufgesammeltem Regen Jod und Phosphorsäure findet. Salpetersäure und Ammoniak wurden im Regen stets ange- troffen, in welcher Höhe derselbe auch aufgesammelt werden mochte. S. Cloez***) giebt als Resultat seiner Arbeit an, gefun- den zu haben, dass die Luft freie Salpetersäure enthalte. Mit ♦) Journal d'agriculture pratique 1862 T. I pag. 150. ••) Compt. rend. T. LHI pag. 155. *•*) Compt. rend. T. LH pag. 527. Ueber den Pliosphor- Rüuregehalt der Luft. Unter- Huchungeu des Regen- und Schnee- Vorkuninicn von freier .Salpeter- säure in der Luft. 44 Die Luft. Verschie- dene Zusam- mensetzung der Luft. Temperatur beobach- tungcn in freier Luft und in der Nähe von Bäumen. Beobachtun- gen über den Effekt der nächtl. Autj- ätrahlung. salpetriger Säure künstlich beladene Luft erzeugt mit gelöstem Jodkalium zuerst eine salzartige Verbindung, die schwach al- kalisch ist und bei Gegenwart von Jod sich erhcält, aber bei weiterer Einwirkung der salpetrigen Luft verschwindet. Der Verfasser meint desshalb, dass die Ozonproben in Folge des Salpetersäuregehaltes der Luft alle fehlerhaft seien. — Ho uze au*) weist auf die Verschiedenheit der Luft hin, die sich an verschiedenen Orten zu erkennen giebt durch die Entfärbung des blauen Lakmuspapieres, wie durch die Röthung dieses Papieres oder die Bläuung des Jodstärkepapieres, ohne jedoch zu bestimmten Resultaten über die Ursachen dieser Er- scheinungen zu kommen. — Becquerel**) folgert aus seinen Beobachtungen der Luft- temperaturen in ganz freier Atmosphäre und der in der Nähe von Bäumen, dass diese sich unter dem Einfluss der Sonnen- strahlen erwärmen, und erkälten unter dem Einfluss der nächt- lichen Ausstrahlung, wie alle Körper, die sich auf der Erd- oberfläche finden und selbst noch mehr als der grösste Theil dieser Körper in Folge des grossen Absorptionsvermögens. Es folgt aus diesem, dass ein warmer aufsteigender und ein kalter absteigender Luftstrom, welcher letzterer bei Nacht und am Morgen den Boden abkühlt, besteht. Diese Luftströmun- gen sind verursacht nur durch eine Temperaturdiflferenz von 0,23 Graden zwischen der Temperatur der freien Luft und der unter den Bäumen. — F. Marcet***) fasst seine vergleichenden Beobachtungen über den Effekt der nächtlichen Ausstrahlung über dem Boden in dem Folgenden zusammen : 1. Die Erscheinung der nächtlichen Temperaturzunahme in den untern Lagen der Atmosphäre, in dem Maasse, als man sich vom Boden entfernt, welche man fast immer bei ruhigem Wetter bemerkt: zeigt sich nicht in bemerkbarer Art über grösseren Wasserflächen. — 2. Die Nähe einer grösseren Wasserfläche genügt, um einen grossen Theil des Effektes der nächtlichen Wärmestrahlung des Bodens zu ver- *) Compt. rend. T. LH pag. 809, 1021. **) Compt. rend. T. LH pag. 993. ***) Compt. rend. T. LIII. pag. 853. Die Luft. 45 nichten. — 3. Erstaunens werth ist der Temperaturunter- schied, der bemerkbar wird im Augenblicke des Sonnen- unterganges, zwischen der Temperatur der Luft einige Metres über dem Boden und der Luft in gleicher Höhe über einer grösseren Wasserfläche. Beobachtungen über die Temperaturzunahnie der Atmosphäre in ruhigen Nächten mit zunehmender Entfernung vom Hoden, welche 30 Metres über- steigt, veröffentlichte Marcet schon vor mehreren Jahren.*) Auch Charles Martin unternahm ähnliche Versuche.**) A. Pouriau***) unternahm vergleichende Beobachtungen vergiei über die Temperatur der freien Luft und des Bodens in einer ^'"'"'^'' ^''"^" Tiefe von 2 Metres. Die Beobachtungen wurden in den Jahren ü».«,- lu«- 1856 — 1860 an der ecole imperiale d'Agriculture de la Saul- "'"' '""''''- saie in Frankreich ausgeführt. Die Resultate derselben fasst Pouriau in den folgenden Punkten zusammen: 1. Die Mitteltemperatur der Luft betrug 10,21, die des Bodens in einer Tiefe von 2 Metres 12,79 Grade. 2. Die Mittel- temperatur des Bodens ist viel höher, als die der Luft im Winter und Herbste, welche im Sommer ungefähr um 2 Grade geringer ist, während im Frühjahre die Mitteltemperatur der Luft und des Bodens ziemlich gleich sind. — 3. Li der Luft waren die mittleren Maxima 34,5, in dem Boden 19,75; an- dererseits waren die Minima in der Luft — 12,14 und im Boden nicht unter -h 6. — 4. Demnach ist in der Luft das Mittel der Difterenzen zwischen den Maxima und Minima 46,64, in dem Boden ist dieses Mittel nur 13,74. — 5. Die Lufttem- peratur war bis — 20 (1860), die des Bodens nur auf + 5,47 Gr. gesunken. — G. Während in der Luft das Maximum der Tem- peratur gewöhnlich in den Monaten Juli oder August, das Minimum im Dezember oder Januar stattfindet, tritt im Boden hingegen das Maximum zu Ende August und das Minimum der Temperatur Ende Februar oder den ersten Tagen des März ein. — 7. Der Gang der Temperatur im Boden lässt sich in folgender Art versinnlichen: Wenn die mittlere Luft- *) Memoires de la Society de Physique et d'Histoire naturelle de Geneve. T. VIII. *•) Memoires de TAcad^raie de Montpellier T. IV. ♦•*) Compt. rend. T. LIII pag. 647. 46 Die Luft. temperatur zu Ende Juli zu sinken beginnt, erwärmen sich im Gegentheil die obersten Schichten des Bodens noch immer unter dem Einfluss der Sonnenstrahlen und theilen die Wärme den untenliegenden Lagen bis gegen Ende August mit. Nach- dem fangen die ersten Schichten an, durch Wärmestrahlung mehr Wärme abzugeben, als sie erhalten; die Richtung der Wärme wird eine andere, und zwar verliert sich die Wärme von unten nach oben. Es dauert dies bis Ende Februar und um so rascher, je niedriger die Lufttemperatur ist; Ende Februar oder zu Anfang März beginnen sich die obersten Erdlagen wieder zu erwärmen und die Wärme den untern mitzutheilen. — C. R6nou hat darauf hingewiesen, dass die strengen Winter in Gruppen zu 5 oder 6 etwa alle 41 Jahre wieder- kehren, dass sie über eine Reihe von 20 oder 21 Jahren der- gestalt vertheilen und dass sie die Hälfte der Zeit im Laufe des Jahrhunderts einnehmen. R6nou unterzieht nun weiter die Frage, ob die heissen hei.,sen Somuicr nicht einem ähnlichen Gesetze folgen, einer Betrach- tung, aus welcher wir wol nur die einzige etwas bestimmte Folgerung machen können, dass die Sommer ersten Ranges einige Jahre nach den strengen Wintern eintreten.*'*') — Barral, dem wir schon so viele interessante Untersuchungen über die Luft und das Regenwasser verdanken, lieferte wieder eine neue Arbeit in dieser Beziehung, aus welcher er folgert, dass das Regenwasser, zu Paris und am Lande aufgefangen, Phosphorsäure enthalte. Als Quelle derselben sieht Barral den Staub von phosphorsäurehaltigen Mineralien und organischen phosphorsäurehaltigen in der Luft schwebenden Stoffen an. Auch Luca fand Phosphorsäure in dem Regenwasser, das er in dem schiefen Thurme zu Pisa aufsammelte; jedoch nur in dem Wasser, das dicht an der Erde auf- gefangen wurde. Da fand er auch Jodüre, überall Salpetersäure und Ammoniak. Cloez will auch freie Salpetersäure und salpetrigsaure Verbindungen in der Luft nachgewiesen haben. Die Zusammensetzung der Luft in Bezug auf Stickstoff, Sauerstoff und Kohlensäure am Mont-Blanc in drei verschiedenen Höhen prüfte Frankland. In Uebereinstiramung mit an- dern Beobachtungen deuten diese Untersuchungen darauf hin, dass der Kohlen- säuregehalt in der Höhe grösser ist als in der Tiefe. Temperaturbeobachtungen lieferte uns wieder Becquerel und zwar Ueber die *) Jahresbericht IH. Jahrg. S. 48. **) Compt. rend. T. LH. pag. 49. Die Luft. 47 in freier Atmosphäre und in der Nähe von Bäumen. Er folgert aus diesem, dass sich die Bäume unter dem Einflüsse der Sonnenstrahlen erwärmen und erkälten unter der nächtlichen Ausstrahlung, woraus folgt, dass ein warmer aufsteigender und ein kalter absteigender Luftstrom , welcher bei Nacht und am Morgen den Boden abkühlt, existirt. Beobachtungen über den Ettekt der nächtlichen Ausstrahlung des Bodens unternahm Marc et. Wir ersehen aus denselben, dass die Erscheinung der nächtlichen Temperaturzunahme, je mehr man sich den unteren Lagen der Atmosphäre nähert, sich nicht in bemerk- barer Art über grossen Wasserflächen zeigt, ja selbst die Nähe einer grösseren Wasserfläche genügt, um den Eftekt der nächtlichen Ausstrahlung des Bodens zu paralysiren. Pouriau machte vergleichende Bestimmungen der Tempe- ratur der freien Luft und in einer Tiefe von 2 Metres im Boden. Es ist hieraus ersichtlich, dass die Mitteltemperatur des Bodens höher ist als die der Luft im Winter und Herbste, im Sommer ist die des Bodens etwa um 2 Grad geringer und im Frühlinge sind beide Mitteltemperaturen des Bodens gleich. Wir ersehen weiter aus diesen Bestimmungen den Gang der Tempe- ratur im Boden im Verlaufe des Jahres. Anschliessend au die Betrachtung über die Centralwinter unterzieht Renou auch die Sommer einer Betrachtung, aus welcher er folgert, dass die Sommer ersten Ranges einige Jahre nach den strengen Wintern eintreten. Wir verweisen schliesslich nur noch auf die fol- genden meteorologischen Beobachtungen, die hier speziell anzuführen nicht der Ort sein kann. Meteorologische Vergleichungen des Jahres 1860 mit einem sogenannten Normaljahre wurden von Meister zu Freising unternommen.*) Eegenver- hältnisse der letzten Jahre von Kohlrausch,**) Witteruugscharakter der Monate März, April, Mai, Juni, August 1860.***) In landwirthschaft- licher Beziehung brachten namentlich die folgenden Journale meteorologische Beobachtungen: Journal d'agriculture pratique J. A. Barral (T. l. p. 100, 207, 323, 437, 544, 649. T, IL p. 64, 212, 321, 431, 546, 649), umfasst ganz Frankreich. Henneberg's Journal für Landwirthschaft. (Die Beobachtun- gen beziehen sich auf Göttingen, Clausthal, Hildesheim, Hannover, Celle, Lüneburg, Otterndorf, Lingen und Emden. Seite 433, 281, 284, 433, 600). The Journal of the Royal agricultural Society of England. — *) Zeitschrift des landw. Vereines in Bayern 1860. S. 208. **) Journal für Landwirthschaft 1861. S. 119. •**) Journal für Landwirthschaft 1861. S. 268, 275. 48 Literatur. Literatur. Observations made at the Magnetical and Meteorological observatory at St. Helena with Discussions of the Observa- tories at St. Helena, the cape of good Hope, the Falkland, Islands, lalton Fort in North America, and Pekin: printed by Order of Her Mayesty's government, under the superin- tendenne of Major-General Edward Sabine. Magnetische und meteorologische Beobachtungen in Prag von Dr. J. G. Böhm und F. Karlin ski. XXH. Jahrgang. Prag 1861. Meteorologie: its Import anne to all men, especial by to farmers: containing certain ungs of Coming weather for the quarter, week or day Bead before the meeting of the Ipswich Farmer's Club, May 28, 1861 (London 1861). By Orlando Whistlecroft. Recherches sur la principaux phenomenes de meteorologie et de physique terrestre aux Antilles par M. Ch. Sainte- Claire Deville, t. 1. Paris 1860. Tableau des observations raeteorologiques, faites ä Nantes ; par Antoine Huette; 2. semestre 1860. Annuaire de la Societe raeteorologique de France t. VHI. 2. partie. Paris 1861. fitude chimique de l'air atmosph^rique de Madrid; par Ramon Tossez Munos de Luna; traduit de l'espagnol avec des notes; par Gaultier de Claubry. Paris 1861. Literatur. 49 Observatioiis meteorologiques, faites a Dijon; par Alexis Pessey ISGO. Observatioiis meteorologiques, faites ä Nijn6-Taguilck aiiiiees 1858, 1859, 1860. Paris 1861. Aiinuaire de la Societe meteorologique de France t. IX. Paris 1861. Observations meteorologiques, faites ä la Faculte des Scien- ces de Montpellier pendant l'annöe 1857 — 1860; par V. Meu- rein. Lille 1861. Annales de l'observatoire physique rentrol de Russie, publiees par ordre de S. M. L. par A. T. Kupffer. Annee 1858. St. Petersbourg 1861. The climate of England: its meteorogical character ex- plained and the changes of future years revealed. By George Shepherd. London 1861. 8 Sh. 6 d. Lehrbuch der Meteorologie, bearbeitet von Prof. Fr. Ernst Erhart Schniid. Leipzig 1861. Ueber das Klima der Argentinischen Republik. Nach dreijährigen Beobachtungen während einer Reise durch die La Plata- Staaten geschildert und mit numerischen Angaben der gefundenen Werthe belegt. Von Fr. H. Baumeister. Halle 1861. 2 Thlr. Discussion of the Magnetic and Meteorological observations made at the Yirard College Observatory, Philadelphia in 1840, 1841, 1842, 1843, 1844 and 1845. Part L Investigations of the Eleven-Year Period in the Amplitude of the Solar-diurnat Variation, and of the Disturbannes of the Magnetic Declinatiou. By A. D. Koch, L. L. D. Hoffmann, Jahresbericht IV. 50 Literatur. Meteorological Observation in the Arctic Seas. By Elisha Kent Kane M. D. United States navy. Made during the se- cond Grinnelt expedition in searcli of Sir John f'ranklin, in 1853, 1854 and 1855 at Van Rensselaer harbor, and other poiuts on the west coat of Greenland, Reduced and discussed by Charles et Schott. (Smithsonian Institution.) Meteorological Observations niade near Washington, Ar- kansas. By Dr. N. Smith (Smithsonian Institution). Meteorological Observations made at Providence, Rhode Island. Bv Prof. A. Caswell (Smithsonian Institution). Die Pflanze. Nähere Pflanzenbestandtlieile. Krocker*) lieferte die Analyse der Topinambur- Knollen. Zusammen- setzung dei- In 100 Theilen Topinambur-Knollen waren in der Ernte des Jahres : Topinambur- 1859 1860 KnoUen. Wasser . . . 80,30 83,46 Trockensubstanz 19,70 16,54 100,00 100,00 Die Trockensubstanz enthielt: Zuckergebende Subst. als „Inulin" berechnet 13,88 11,86 Fett 0,10 0,09 Pectin, Gummi 2,30 1,89 Proteinsubstanz 1,82 1,32 Holzfaser 0,80 0,51 Asche . 0,80 0,87 19,70 16,54 Th. Margold**) unternahm die Analyse einiger Obst- zusammen- arten (gereift in Böhmen), wobei er die folgenden Resultate ■*'=t'""er ^o« ^ ' '^ Obstarten. bei nachstehenden Früchten erhielt. *) Wochenblatt der Annal. der Landwirthsch. 1861 S. 424. *•) Originalmittheilung. 4* 52 Nähere Pflanzenbestandtheile. Gummi, lösl. Pectinkörper, Kerne, Namen der Frucht. Zucker. Säure. Eiweis. Farbstoffe u. gebundene Asche. Cellu- i„, i W asser. lose organische Säuren. etc. Waldbeeren, sehr reif 3,859 1,610 0,427 0,180 0,599 5,000 ! 88,325 Grosse Gartenbeeren 6,291 0,938 0,401 0,110 0,600 3,842 87,818 Rothe Stachelbeeren 8,239 1,027 0,570 0,877 0,218 4,202 84,867 Gelbe kl. do. 6,882 1,120 0,485 1,987 0,205 3,275 ' 86,046 Weisse do. 6,571 1,092 0,375 0,595 0,200 3,029 88,138 Himbeeren, roth . . 3,821 1,072 0,459 1,168 0,327 6,520 86,633 Heidelbeeren . . . 5,261 1,982 0,800 0,422 0,626 11,721 79,188 Weintrauben, loco . 9,277 1,363 0,732 0,231 0,446 4,000 83,951 do. Prag . 11,813 0,723 0,761 0,275 0,401 3,720 i 82,307 Weintrb. Cernosek . 11,996 0,499 0,392 0,301 0,327 3,820 82,665 Herzkirschen . . . 11,372 0,436 0,832 1,983 0,932 6,899 ! 77,546 Schwarze Kirschen . 3,426 0,321 0,427 0,471 0,639 6,235 88,481 Weichsein .... 6,391 1,300 0,402 0,573 0,349 5,279 85,706 Mirabellen .... 4,373 0,493 0,577 7,321 0,627 4,017 76,592 Zwetschken . . . 5,291 0,732 0,719 4,821 0,631 6,400 81,406 Aprikosen , . , . 2,011 0,748 0,630 10,237 0,495 5,210 80,669 Pfirsiche .... 1,459 0,711 0,538 11,008 0,613 5,830 79,841 Borsdorfer Aepfel . 8,760 0,720 0,417 5,333 0,460 3,020 81,290 Leder- Aepfel . . . 7,298 1,341 0,327 4,771 0,260 2,841 83,162 Quitten do. ... 5,491 0,463 0,482 5,616 0,381 3,459 84,108 Blutbirnen .... 6,834 0,210 0,482 3,180 0,381 5,121 83,877 Kaiserbirnen . . . 8,209 0,108 0,374 4,762 0,373 4,745 81,429 Zusammen- Pt b 6 1' t Hoffmauu*) luitersiichte die allbekannten so- setzung der genannten Zwiebelkartoffeln auf ihre näheren Pflanzenbestand- Zwiebel- kartoffel. theilC '. 100 Gewichtstheile enthielten: Wasser 70,70 Asche 1,10 Stärkemehl 20,00 In Wasser lösliche organische Stofle 3,00 Proteinstofle 2,01 Zellstoff 2,39 Fette Stoffe . . 0,80 100,00 *) Verhandlungen und Mittheilungen der k. k. patr. ökon. Gesellschaft in Böhmen 1860 S. 89. Nähere Pflanzenbestandtheile, 53 Der Saft der Kartoft'elii hatte ein spezifisches Gewicht von l,0H01. Der Aschengehalt desselben betrug 0,46 Die Menge der im Safte gelösten Stoffe ist beachtenswerth hoch und man könnte wol folgern, dass diö Kartoffeln nicht ganz ausgereift waren. J. Moser*) giebt die Zusammensetzung der gemeinen Hirse (Fauicum miliaceum) in folgender Art an: Zusammen- setzung der Hirse. Wasser . . . 13,15 Proteinstotfe 10,91 Oel 3,67 Stärkemehl . . 52,32 Gummi, Zucker 4,57 Holzfaser 13,06 Asche .... 2,32 Zusammen- setzung der Blätter rübe, Zucker- rübe und Kohlrabi. 100,00 Robert Hoffmann**) unterzog die Blätter vom ge- meinen Kohl, von der weissen Futterrübe, Zuckerrübe, vom Kohlrabi, ferner Sorghumstengel, Samenzuckerrübeu Kohi,Futter einer Untersuchung auf deren nähere Pflanzenbestandtheile. Den Untersuchungen sind die nöthigen Daten über Standort und Cultur der betreffenden Pflanzen beigegeben. Der eigentliche Zweck dieser Unter- suchungen war, den Nahrungswerth der betreffenden Pflanzen zu bestimmen. Die Untersuchungsresultate finden sich in Folgendem zu- sammengestellt. Es enthielten 100 Gewichtstheile der frischen: Kohlblätter Futterrübenbltr. Zuckerrübenbltr. Kohlrabibltr. Wasser . . . 85,52 62,33 91,40 85,00 Stickstoffhaltnd. org. Stoffe') . 2,83 2,08 2,39 2,84 Stickstofffreie org. Stoffe») . 10,34 30,42 5,85 10,36 Mincralstofie 1,31 5,17 0,46 1,80 100,00 100,00 100,00 100,00 ') Enth. Stickst. 0,447 0,328 3,078 0,45 ») Enth. Zellst. 0,460 0,120 2,200 1,44 *) Allgemeine land- und forstwirthschaftl Zeitung 1861 S. 8. •♦) Centralblatt für gesammte Landescultur 1861 S. 113. 54 Nähere Pflanzenbestandtheile. Maisstengel Sorghumstengel Samen-Zuckerrüben Wasser 78,00 84,11 93,600 Stickstoffhalt. org. Stoffe ') . 1,42 1,90 1,315 Stickstofffreie org. Stoffe») . 18,35 12,aO 2,685 "Mineralstotfe 2,23 1,69 2,400 100,00 100,00 100,00 ') Enthaltend Stickstoff . . 0,224 0,30 0,223 ») Enthaltend Zellstoff . . 3,00 ? 2,40 Aschen- gehalt vou Scliinarotzer- pHanzen. raristyphi Bcstand- theile des l'yrolaum- bcllata. De Luca*) bestimmte den Aschengehalt mehrerer Schma- rotzerpflanzen. Den Bestimmungen zufolge enthielt an Aschen- prozenten der Trockensubstanz: Orchideen: Angulea Clowesii 9,2; Ancellia africana 5,7; Brassavola tuberculata 7,8; Cattleya Mossiae 7,1; Cattleya Forbesii 7,2; Cymbidium aloi- folium 7,8; Dendrobium macropliyllum 12,2; Dendrobium pulchellum 15,3; Dendrobium calceolaria 4,0; Dendrobium chrysotoxum 10,6; Maxillaria Har- risoniae 7,2; Oncidium ampliatum 9,1; Oncidium altissimum 8,9; Oncidium juncifolium 18,3; Oncidium papilio 8,1; Oncidium lanceanum 16,4; Oncidium sphacelatum 5,4; Peristeria elata 7,7; Pholidota imbricata 9,1; Rhenanthera coccinea 7,0; Stanhopea dentata 9,9; Stanhopea inodora 8,8; Stanhopea "Wardii-aurea 4,9; Stanhopea ä longue tige 3,5; Sarcanthus rostratus 11,2. Br omeliaceen: Echinostackys pineliana 10,4; Pitcairnia sulphurea 4,7; Tillandsia usneoides 3,2. Pandaneen: Carludovica subacauUs 15,7; Carlu- dovica laucaefolia 9,7. Die Pflanzen erhielt der Verfasser theils aus dem botanischen Garten zu Paris, theils aus dem zu Luxemburg. In allen Aschen fand sich Kali, Natron, Kalk, Talkerde, Thonerde, Kieselsäure, Eisen, Mangan, Chlor, Schwefelsäure und Phosphor säure. Walz**) bespricht das Vorkommen eines Bitterstoffes, Paristyphin genannt, in Paris quadrifolia. In Narthecium ossifragum fand er***) eine neue Säure — Nartlieciumsäure — ferner einen in Aether und Alkohol löslichen Stoff (Narthecin), Harz und Farbstoff. S. Faisbankf) untersuchte die Pyrola umbellata und fand in derselben eisengrünenden Farbstoff, Stärkemehl, Gummi, *) Compt. rend. T. LIII p 244. **) Neues Jahrbuch der Pharm. Bd. XlII S. 355. ***) Neues Jahrbuch der Pharm Bd XIV S. 345. t) Vierteljahrsschrift für pract. Pharm. Bd. IX S. 582. Nähere Pflanzenbestandtheilc. 55 Schleimzucker, Pectiusäiire , Harz, Fett, Chlorophyll, scharfe harzige Materie, gelben Farbstoff, endlich einen gelben kry- stallinischcn Stoff Chiniaphilin genannt. Aschengehalt 5,24. Lancaster*) fand in dem Safte der Stengel von Rheum raponticum Oxalsäure, Die Blätter von Globularia Alypum enthalten nach F. Walz**) einen Bitterstoff — Globularin — eine Gerbsäure, ein augenehm riechendes Harz, einen gelben Farbstoff. — Nach Bleekrode***) enthält der Avässrige Auszug der süd-araerik. Seifenrinde Saponin und Pectinsubstanz. — Sieberty) fand in dem Heidelbeerkraut Chinasäure. Untersuchungen der Nüsse und Rinde des Becuibaumes lieferte Th. Peckolt.ft) J. Baconftt) untersuchte die sogenannten Cocosnuss-Perlen*t) Er fand eine solche, bestehend aus kohlensaur. Kalk mit sehr wenig organischer Substanz. — Arnaudon**t) machte Mit- theilungen über die sehr ölreichen Samen einer im westlichen Afrika wachsenden Pflanze, welche als Opochala oder Ovala bezeichnet werden. Ludwig und Lange***!) haben die Existenz des myronsauren Kali in schwarzem Senf nachgewiesen, das von Thielauf*) vergeblich gesucht wurde. — P. Reinschf**) hat chemische Beiträge zur Kenntniss von Viscum album und des Viscins mitgetheilt. — J. B. Enzf***) fand in dem blühen- den Kraute der Glechoma hederacea eisengrünende Gerbsäure, Essigsäure, Weinsäure, Zucker, Gummi, flüchtiges Oel, wachs- artige Substanz, und eine scharfe bitterlich schmeckende Ma- terie. — Nach F. Walz enthielt Paris quadrifolia einen Chimaphilin. Oxalsäure in Kheum raponticum. Bestand- theile der Blätter von Globularia. Bestand- theile der Seifenrinde. Cocosnuss- Perlen. Oel von Ovala. Myronsaures Kali in Senf. Bestand- tlicile von Glechoma hederacea. Paridin, Buxin. *) Report de chimie appl. T. II p. 177. **; Neues Jahrbuch der Pharm. Bd. XIII S. 281. ***) Report de chimie appl. T. II p. 8. t) Ann. der Chemie u. Pharm. CXV S. 108. tt) Archiv d. Pharm. Rd. CLVII S. 158. fff) Report de chimie appliquee T. II p. 324. Aus Proceding of the Boston Soc. of Nat. Hist. *t) Concretionen der Cocosnüsse. •*t) Journ. de Pharm, et de Chim. T. XXXVII p. 404. ***t) Zeitsch. f. Chemie u. Pharm. 1860 S. 430. f*) Jahresbericht über d. Fortsch. d. Chemie 18-58. f**) Beiträge zur ehem. Kenntniss der weissen Mistel. Erlangen 1860. t***) Jahresbericht über die Fortsch. der Chemie 1860 S. 542, 56 Nähere Pflanzenbestandtheile, Be Bland - theile der Rinde von Cedrela febr. krystallisirbaren Körper, das Paridin*) und Buxis semper- virens ein Alkaloid, Buxin genannt.**) — Wohl er***) berich- tet über eine neue Base, die Rieth aus der Rinde von Arariba rubra darstellte und die er Aribin nannte. — Wilhelm Lin- dauf) fand in der Rinde von Cedrela febrifuga: Stärkmehl," Wachs, eisengrünende Gerbsäure, Oxalsäure und einen Bitter- stoff. Die Asche der Rinde hat folgende Zusammensetzung: Kali . . . 0,072 Natron . . 2,716 Chlornatrium 2,045 Kalk . . . 56,820 Talkerde . . 3,114 Eisenoxyd . 0,369 Schwefelsäure . 0,922 Phosphorsäure . 1,263 Kieselsäure . 1,150 Kohlensäure 31,250 99,721 Aschenanalysen. Aschen- Relusch lieferte die Aschenanalyse der Stengel und ^^MisTeu" Blätter der Mistel ff) so wie der Föhrenäste, auf welchen die Mistel gewachsen war. Es enthielten 100 Gewichtstheile der Blätter und Stengel: KaU 22,03 7,66 Natron 3,86 3,27 Kalk 21,74 40,34 Magnesia 11,72 8,34 , Eisenoxyd, Phosphorsäure 6,50 9,60 Manganoxydul .... 0,82 1,12 Phosphorsäure .... 14,08 4,62 Kieselsäure 1,72 1,72 Schwefelsäure 1,74 0,48 Chlor 0,57 1,99 Kohlensäure . . . . . 15,27 20,23 100,05 99,41 *) Neues Jahrb. d. Pharm, «d. XIII S. 355 **) Neues Jahrb. d. Pharm. Kd. XIV S. 15. ***) Brieths Inaugural dissert. über das Aribin, Göttingen 1861. t) Wittsteins Vierteljahrsschr. Nd. X S. 388. ff) Beiträge zur chemischen Kenntniss der Mistel. Erlangen 1860. Aschenanalysen. 57 R. Bisdom*) lieferte die Aschenanalyse von Elodea Aschen canadensis. Aschengehalt der Pflanze betrug 18,6 p. C. üie """'•''' " Asche hatte nachstehende Zusammensetzung: Eludea cai deusis. Kalk .... 31,49 Magnesia . . 4,17 Chlornatrium . 4,87 Natron . . , 5,48 Kali . . . . 16,97 Eisenoxyd . . 9,60 Phosphorsäure 8,41 Schwefelsäure . 4,50 Kieselsäure . . 8,69 Kohlensäure . 6,11 100,36 Die Pflanze ist bei Utrecht aus einem Graben entnommen. Salm-Horstmar**) fand in Licopodium complanatum Fiuor im bei 100" getrocknet 6,0 p. C. Asche, in dieser 0,4 p. C. Fluor. ^■^°''"'*'"'"- A. Töpler***) untersuchte verschiedene fette Oele reifer phosphoi- Samen auf den Phosphorgehalt; in folgender Tabelle sind die Resultate dieser Untersuchung ersichtlich. gehalt vt Oelen. Ursprung des Fettes. Lupine .... Erbse .... Pferdebohne . . , Saatwicke . . . Winterlinse , . Rosskastanie . . Kakaobohne . Wallnuss . . . Olive .... Englischer Weizen Menge des Phosphors in Procenten des Fettes. 0,29 1,17 0,72 0,50 0,39 0,30 nachgewiesen 0,25 •) Jahresbericht über die Fortschr. der Chemie ]8(i0 S. ö4<». *•) Poggendorffs Ann. Bd. CXI S. 339. ••*) Mittheilungen aus Poppeisdorf 3. H. S. 119. 58 Aschenanalysen. Ursprung des Fettes. Menge des Phosphors in Proeenten des Fettes. Helena-Weizen Gerste . Eoggen . . . Hirse . . . Hafer . . . Mohn . . . Lein .... Raps Hant . . , Senf .... 0,28 0,28 0,31 0,44 Es scheint, meint Töpler, reifer Samen in viel grösserer es sich bisher vern)uthen Hess wählten Leauminoseii erweisen Aschen- analysen der Trapa natans. der Phosphor in den P'etten Verbreitung autzutreten, als Die Fette von G beliebig ge- sich sämmtlich als phosphor- haltig. Wir dürfen somit das allgemeine Vorkommen des Phosphors in den Fetten der Leguminosensamen als sehr wahr- scheinlich dahinstellen. Das Verhalten der zur Untersuchung gewählten Graminaeen beweist jedoch, dass das Vorhandensein phosphorhaltiger Fette nicht streng an gewisse Familien ge- bunden ist, da unter den 5 untersuchten Graminaeen das Fett der Plirse phosphorfrei ist. Vergleicht man die charakteristi- schen Merkmale der untersuchten Pflanzenfette mit Ergebniss der Phosphorbestimmungen, so zeigt sich, dass die phosphor- haltigen Fette nicht durch besondere physikalische Eigen- schaften vor den phosphorfreien ausgezeichnet sind. Zufolge einer Beobachtung von E. Gorup-Besanez *) dass die Asche der Trapa natans einen auftallend hohen Eisen- gehalt zeigt, wurde in dessen Laboratorium von Klinksieck, Stern und Herzogenrath die Pflanze und auch das Wasser, in welchem sie vegetirte, analysirt. **) Die untersuchte Pflanze stammt aus einem kleinen Teiche bei ünterbürg, nicht weit von Nürnberg. Die Pflanze bedeckt fast den ganzen Weiher mit *) Chemisches Centralblatt 1856 S. 894. **) Annal. d. Chem. u. Pharm. Bd. CXVIII S. 220. Aschenanalysen. 59 ihren Hochblättern, und es ist bcmerkeuswerth, dass trotz wiederholter Ver- suche, sie in einen eine Stunde davon entfernten Dutzendteich zu verpflanzen, selbe weder dort noch überhaupt an irgend einem andern Orte der Gegend ihr Gedeihen findet. Die Pflanze wurde im Mai 1858 und hierauf wieder Ende Juni desselben Jahres gesammelt, nachdem sie in ihrer Ent- wicklung so weit vorgeschritten war, dass sie mit ihren Hoch- blättern bereits die Oberfläche des Wassers hatte, jedoch keine Blüthen trug. Aschenanalyse wie die Zusammensetzung des Teichwassers ersieht man aus der folgenden Zusammenstellung. Es bezieht sich dieses auf: 1. Analyse der Asche von Trapa natans (Hoch- und Niederblätter und Wurzeln) von Th. Klincksieck. Im Juni gesammelt. 2. Analyse der Asche von Trapa natans im Jahre 1858, im Mai gesammelt, von Fr. Stern. 3. Analyse der Früchte von Trapa natans, von H. Herzogenrath, Die der Analyse unterworfene Asche stammte von Früchten, welche, bevor sie aufgesammelt wurden, schon ein Jahr von der Pflanze abgefallen waren und sich auf dem Wasser schwimmend er- halten hatten. 4. Analyse des Teichwassers, von Th. Klinck- sieck. Das W^asser war ziemlich klar, von wenig bemerk- lichem Geschmacke, neutraler Reaction und einem spec. Ge- wicht -= 1.0004. 5. 100 Theiie Massenrückstand. 1. Kieselerde . . . 27,34 Eisenoxyd . . . 23,40 Manganoxyduloxyd 14,70 Kalk 17,65 Bittererde . . . 5,15 Kali 6,06 Natron .... 2,71 Chlor 0,46 Schvfefelsäure . . 2,53 100,00 100,00 100,00 0,8044 100,00 Nach dem Resultate dieser Analysen kann es nicht mehr bezweifelt werden, dass die Asche von Trapa natans autt'alleud 2. 3. 4. 5. 28,66 4,843 0,0153 1,9020 29,62 68,603 0,0090 1,1188 7,57 9,638 0,0012 0,1492 14,91 9,778 0,3398 42,2427 7,56 0,914 0,1455 18,0880 6,89 1,264 0,0730 9,0751 1,41 0,626 0,0741 9,2119 0,65 0.414 0,0095 1,1810 2,73 3,920 0,01370 17,0313 60 Aschenanalysen, Aschen- analyse von Millingtonia hortensis. Äschen- analyse VOK MercurialiE perenuis. bedeutende Mengen von Eisen und Mangan enthält, und zwar nicht etwa deshalb, weil in Folge mangelhafter Reinigung der- selben Mangan und Eisen aus dem Schlamme anhängen. Diese Metalle müssen in Lösung in die Pflanze gelangt sein und Gorup-Besanez findet in den Resultaten obiger Analysen eine weitere Bestätigung des Satzes, dass bei der Aufnahme der Nahrungsstolfe auch durch die Wasserpflanzen eine Auswahl stattfindet. H. Hol 1 an dt*) lieferte die Aschenanalyse der Rinde von Millingtonia hortensis. 100 Gewichtstheile Asche der Rinde bestanden aus: Kali . . . 27,2336 Natron . . 0,6681 Chlornatrium 0,1622 Kalk . . 25,3198 Talkerde . 5,6198 Alaunerde . 1,2035 Eisenoxyd . 0,9473 Schwefelsäure 0,7094 Phosphorsäur 3 3,8645 Kieselsäure 6,3049 Kohlensäure 27,9669 100,000 N. Reitler**) fand die Asche von Mercurialis perennis (Kraut mit Frucht) in folgender Art zusammengesetzt: Trockensubstanz Kohlensäure . . 27,14 Chlor .... 9,18 Schwefelsäure 0,98 Kieselsäure . . 0,84 Phosphorsäure . 2,74 Eisenoxyd . . 0,27 Kalk .... 31,57 Magnesia . . . 5,59 Kupferoxyd . . Spur. Kali 14,35 Natron .... 6,84 z .-=-- 84,4 V«, A schengehalt 11,5 0/. *) Vierteljahrsschrift f. Pharm. Bd. X S. 321. **) Vierteljahrsschrift f. pract. Pharm. Bd. IX S. 282. Aschenanalysen. 61 C. Rode*) lieferte die Aschenanalyse der Blätter von Arum maculatum 100 Gewichtstheile der Asche enthielten: Kali 16,75 Natron .... 7,37 Chlornatiium . . 2,40 Kalk 28,74 Magnesia , . . 8,53 Thonerde , . . 0,15 Eisenoxyd . . . 2,29 Manganoxyd . . 0,60 Schwefelsäure . , 5,26 Phosphorsäure 6,27 Kieselsäure . . . 3,81 Kohlensäure 17,54 ~~99;7T Asciien- analy.se von Arum niacu latum. 100 Theile frische Blätter verloren bei gewöhnlicher Tem- peratur 86,8 bei 100" noch 1,2 Wasser; Aschengehalt der bei 100» getrockneten Blätter 10,12Vo. Rost von Ton- nin gen**) untersuchte die Asche verschiedener Theile des Cacaobaumes (aus Pflanzungen bei Mandado auf Celebes). Der Aschengehalt ist in Prozenten für die (bei 100"i getrocknete Substanz angegeben. Rinde. Blätter. Frucht. Samen. Aschengehalt . . . 12,86 Zusammensetzung der Asche : Kieselsäure . . . . 34,60 Schwefelsäure . . . 4,85 Chlor 0,63 Phosphorsäure . . . 23,61 Kalk 11,65 Magnesia .... 4,56 Kohlens. Kalk . . . 19,53 Kohlens. Natron . . Spur. 14,58 13,34 3,87 42,65 Spur. 0,99 10,22 3,50 4,30 0,25 0,30 0,45 5,21 7,14 38,18 14,38 3,76 1,94 6,19 3,21 Spur. 20,13 69,70 44,44 Spur. 8,66 7,83 *) Vierteljahrsschrift f. jjract Pliurni. Ikl. IX S. 530. **) Jahresbericht übir die Fortschritte der Chemie für 1860 S. 549. Ascheu- analysen von verschleii, Theilen des Caoao- baunie». 62 Bau der Pflanze. Bau der Pflanze. Zusammen- hang der Blattringe mit der Grösse und dem Zucker- gehalt der Rüben. An der agrikulturcheraischen Versuchs - Station Raitz- Blansko*) wurden Versuche über den Zusammenhang der Anzahl der Blattringe mit der Grösse und dem Zuckergehalt der Zuckerrübe von Gohren unternommen. Die Schlüsse, die sich aus der Betrachtung obiger Zahlen ergeben, sind folgende: 1. Je mehr Blattringe eine Rübe hat, desto grösser und schwerer ist sie und desto mehr liefert sie natürlich Saft und Pressliuge. 2. Der Zuckergehalt des Saftes steigt nicht im Verhältniss der Grösse der Rübe; es gibt eine Mittelgrösse von 7—12 Ringen, bei welcher der Saft am zuckerhaltigsten ist. 3. Ein gleiches Gewicht von Rüben mit verschiedener Anzahl von Blattringen liefert eine verschiedene Menge Saft von verschiedenem Zuckergehalt und verschiedenem Gewicht der Presslinge, und zwar: 4. geben Rüben mit 7—12 Blatt- ringen den meisten Saft und von dem grössten Zuckergehalt, aber die wenigsten Presslinge. Die Menge des Saftes und der Zuckergehalt desselben von den Rüben mit 7— 12 Blattriugen variirt untereinander nur sehr wenig. 5. Rüben mit wenigeren Blattringen als 7 liefern weniger Saft, von geringerem Zucker- gehalt und mehr Presslinge; ebenso Rüben mit mehr Blatt- ringen als 12, als dasselbe Gewicht der Rüben mit 7—12 Blattringen. 6. Aus der Anzahl der Blattringe lässt sich also auf die Schwere der Rübe, den Zuckergehalt ihres Saftes und die Menge der abfallenden Presslinge schliessen. In Betreff der einzelnen Zahlenergebnisse muss auf die Originalmittheilung verwiesen werden, es sei nur noch die aubgesprochene Ansicht mitgetheilt, dass die Blätter der Zuckerrübe, so lange sie noch wachsen, die von ihnen auf- genommenen Nahrungsstofi'e zunächst für ihre eigene Ausbildung und für das Wachsthum derjenigen Theile der Rübe verbrauchen, mit denen sie in direkter Verbindung stehen, und dass sie erst, wenn ihr eigenes Wachsthum aufhört und schwächer wird, die aufgenommenen Nahrungsstofl'e zur Bildung des *) Mittheilungen d. k. k. Mährisch-Schlesischen Gesellschaft f. Ackerbau 1861 S. 409. .isamnien- Bau der Pflanze. 63 Zuckers verwerthen, wesshalb die älteren nicht mehr wachsenden grünen Blätter namentlich für die Zuckerbildung nothwendig sind, ja dass sie die eigentlichen Organe der Zuckerbildung darstellen, Scliaclit') folgerte eben auch aus seinen 1858 und 1859 zus angestellten Beobachtungen über die Zuckerrübe, dass die •'*"&''«='• " ° ' Blatt- Blätter der Zuckerrübe, so lange sie noch wachsen, die von eutwickiung ihnen aufgenommenen Nahrungsstofll:"e zunächst für ihre eigene """ '**^'" ^ Zuckei-<'ehalt Ausbildung und für das Wachsthum derjenigen Theile der de,- itube,,. Rübe verbrauchen, und erst wenn ihr eigenes Wachsthum auf- hört und schwächer wird, die aufgenommenen Nahrungsstoffe zur Bildung des Zuckers verwerthen. Das Wachsthum der Rübe werde demnach durch die älteren, selbst nicht mehr wachsenden Blätter nicht vermehrt, wol aber durch Bildung neuer Blätter. Diese Folgerungen sind durch vergleichende Kulturversuche, welche im vorigen Sommer mit zweimal ganz oder halb entblätterten Zuckerrüben im botanischen Garten in Bonn angestellt wurden, aufs Entschiedenste bestätigt wor- den. Die Versuchsstücke befanden sich auf einem Felde, dessen eine Hälfte ungedüngt geblieben, die andere aber stark mit verrottetem Mist gedüngt worden war. Am 14. August wurden 1. einige Proberüben zur Gewichts- und Zuckerbe- stimmung herausgehoben, von den stehen gebliebenen aber 2. ein Theil unentblättert gelassen; 3. ein Theil völlig ent- blättert, so dass nur die jungen noch unentfalteten Blätter im Centrum des Blattkopfes stehen blieben. 4. ein Theil auf der nach Norden gerichteten Hälfte des Krautkopfes, bei 5. da- gegen auf der südlichen Seite entblättert. Am 15. September fand eine abermalige Wegnahme der Blätter in der angegebenen Weise statt. Am 31. Oktober wurden sämmtliche Rüben ge- erntet und die am normalsten gewachsenen zur Zuckerbe- stimmung ausgewählt. Die Ergebnisse der verschiedenen Un- tersuchungen sind in folgender Tabelle übersichtlich zusammen- gestellt: *) Der chemische Ackersmann 18Ö1 S. 209, entnommen der Zoitschrift des Vereins für Rübenindustric. 64 Bau der Pflanze. Gewicht der untersuchten Rüben. Pfd. Lth. Grade nach Brix. Zucker bei der Polarisa- tion. I. Ungedüngte Rüben. 1. halb entwickelt (14. August) nicht entblättert 2. reif (31. Oktober) nicht ent- blättert ........ 3. reif, am 14. Aug. u. 15. Sept. ganz entblättert 4. reif, am 14. Aug. u. 15. Sept. nördlich entblättert .... 5. reif, am 14. Aug. u. 15. Sept. südlich entblättert .... II. Gedüngte Rüben. 1. halb entwickelt (14. August) nicht entblättert 2. reif (31. Oktober) nicht ent- blättert 3. reif, am 14. Aug. u. 15. Sept. ganz entblättert 4. reif, am 14. Aug. u. 15. Sept. nördlich entblättert .... 5. reif, am 14. Aug. u. 15. Sept. südlich entblättert .... 5 11 "5 8,60 4 16 13,12 15 12 8,34 4 i2';5 8,89 — 13'5 9,96 4 lr'5 8,34 16 14 9,96 6 9 5,34 10 , 11'., 6,99 18 14 10,50 Die Grösse und das Gewicht der Rüben ist nach den vor- liegenden Versuchen durch das Entblättern nicht vermindert worden, ja es scheint sogar, als seien die entblätterten Rüben im Allgemeinen eher etwas grösser ausgefallen, was durch eine gesteigerte Bildung neuer Blätter zu erklären wäre. Es ist hieraus zu folgern, dass die vollständig entwickel- ten grünen Blätter zum Wachsthum der Rübe nicht mehr bei- tragen, sondern, dass die Grösse und damit auch die Ge- wichtszunahme der Rüben durch die jüngeren, sich fortdauernd aus dem Centrum des Krautkopfes (Herzen) nachbildenden Blätter und deren Wachsthum bedingt wird. Die Zuckerbildung in den Rüben ist dagegen durch das Entblättern in der bedeutendsten Weise und zwar am auf- fallendsten bei den an sich schon zuckerärmeren gedüngten Bau der Pflanze. 65 Rüben, aufgehalten worden, wie die Vergleichung des Zucker- gehalts der betreifenden ganz und halb entblätterten Rüben deutlich genug nachweist. Wie es scheint ist sogar die Himmelsrichtung, nach wel- cher die Entblätterung vorgenommen wurde, für den Zucker- gehalt der Rübe nicht gleichgültig gewesen, indem sowol die nicht gedüngten, als auch die gedüngten Rüben südlich ent- blättert, einen höhern Zuckergehalt ergaben. Es ergibt sich die bestimmte Folgerung, dass die älteren ausgewachsenen grünen Blätter zur Zuckerproduktion in der Rübe unentbehr- lich sind, dass sie die eigentlichen Organe der Zuckerbereitung darstellen. Auch Bretsehneider wies schon darauf hin, dass der Zeitpunkt, wo die meisten grünen Blätter bei der Rübe vorhanden sind, jener ist, wo dieselben am meisten Zucker produziren. Payen*) weist darauf hin, dass Stärkmehl in der That vchandeu- in den unreifsten Früchten vorhanden ist, was von früheren ^"° ^o" Forschern nicht nachgewiesen worden ist, und in der unvoll- i,, unreifen kommenen Ausführung der Jodreaktion zu suchen" ist W. Wicke**) lieferte Untersuchungen über das Vor- voikora kommen und die physiologische Verwendung der Kieselerde bei den Dikotiledonen, aus welcher wir entnehmen, dass die Dikouie Brennhaare vieler Pflanzen aus der Familie der Urticeen In- **"" crustationen von Kieselerde enthalten. So Urtica dioica, urens, biloba u. a., ferner bei den Loasen, Morus, Ulmus, Kumulus, Parictaria. Auch bei anderen Familien beobachtete Wicke ähn- liche Incrustationeu, doch nicht nur bei Haaren, sondern auch bei den Blättern kommen Kieselerde-Incrustationen vor. Wicke hält es für sehr wahrscheinlich, dass die Incrustation der Blätter dem Absterben derselben vorangeht. H. Karsten machte über den Milchsaft der Jatropha curcus L. und darin sich zeigende Zellenkrystalloide, ferner Muchgaftvon über die Veränderungen der chemischen Constitution der Pflan- ''cllZT zenzellenmembran und die Formveränderung der Elementar- organe der Pflanzen bei der Umbildung des Zellstoffes zu *) Compt. rend. T. LIII p. 813. **) Aus den Nachrichten v. d. G. A. Univers. v. d. kön. A. d. Wissen- schaften zu Göttingen No. 4; durch ehem. Centralblatt 1861 S. 157. Hoffmann, Jahresbericht IV. 5 Früchten. der Kiesel- erde bei den Ueber den 66 Hau der Pflanze. Ueber Me- dullar- L'eber das Eisen im Pflanzcn- körper. Balsamen, Harz und Wachs, Mittheilungen.*) — PI es**) un- tersuchte die in dem Medullargewebe der Pectonia grandis vor- kommenden Krystalhiadehi. Sie bestehen neben 2,49 p. C. org. Substanz aus 97,5 p. C. phosphors. Kalk. — Fremy***) machte Mittheiluug über den als Latex bezeichneten Saft der Pflanzen und jene als sogenanntes Cambiiim benannte gallert- artige Substanz, welche der Bildung der Zellen vorangeht. Fremy sieht den absteigenden Pflanzensaft als aus verschiede- nen Flüssigkeiten bestehend au, von welchen einige Secretionen der Pflanzen enthalten, andere zur Erneuerung von Pflanzen- theilen dienen. Nach Fremy kommt in den sich entwickeln- den Pflanzentheilen ein Stoff" vor, welcher in seiner Zusammen- setzung den sich neubildenden Stoffen nahe steht, er wird von dem Forscher als albuminführender Latex bezeichnet. Nach A. J. Weiss und Wiessnersf) mikroskopischen Untersuchungen lässt sich das Eisen im Pflanzenkörper immer nur in zwei Formen nachweisen und zwar als Oxydverbinduug, die im Wasser unlöslich ist oder als unlösliche Oxydulverbindung und zwar findet es sich in solchen Verbindungen in der Mem- bran und im Zelleninhalt. lu dieser Beziehung weisen wir zum Vergleiche auf die Untersuchungen von E. Risler über die Rolle des Eisens bei der Pflanzenernährung hin.ff) Das Leben der Pflanze. Das Keimen. Chemi.'iche Veränderuu- gew buiiu Keimen der Petersftt) unternahm eine Untersuchung über die chemi- schen Veränderungen, welche die im Samenkorne enthaltenen *) Poggcndorffs Annalen Bd. CIX S. 514; desgl. Bd. CIX S. 640. **) Report de cbeniie appliquee T. II p. 41 (aus Naturk. Fijdschrv. Nederl. Indix). «**) Compt. rend. T. LI p. 647, f) Sitzungsbericht der math. naturwiss. Klasse d. Akademie der Wissen- schaften zu Wien Bd. XL S. 276. ff) Jahresbericht II. Jahrg. S. 112. ttf) Die landwirthschaftliche Versuchsstation. VIII. Bd. S. 1. Das Keimen. 67 vegetabilischen Stoffe bei der Keimung erleiden, um die Deri- vate dieser Stoffe quantitativ zu verfolgen. Als Material diente Kürbissamen. Er war von einer ziemlich dickschaligen Varietät des gewöhnlichen Gartenkürbis mit kugeligen Früchten. Die Testa wurde vor der Unter- suchung der Keimptiänzchen ausser Acht gelassen. Nachdem das Ankeimen soweit vorgeschritten war, als gewünscht wurde, so wurden die Pflänzchen von den Sägespähnen — wo sie an- keimten — getrennt, vorerst an der Luft, dann im Wasser- bade ausgetrocknet. Die geernteten Pflänzchen wurden ge- zählt und in drei Theile zerlegt. Diese waren: a) die Cotyle- donen, b) das hypocotyle Stengelglied, vom Cotyledonenansatz bis zum Anfang der Wurzelhaare an der Hauptwurzel, c) die Wurzel. In drei Entwicklungsstadien wurden die Pflanzen unter- sucht; diese lassen sich folgendermassen charakterisiren : Erste Periode. Hauptwurzel 2—4 Centim. lang, keine Nebenwurzeln. Hypocotyles Glied ungestreckt, ungekrümmt. Knoten unentwickelt. Cotyledonen noch grösstentheils von der geborstenen Testa bedeckt, ganz farblos und ungestreckt. Zweite Periode. Die ersten 5 — G Nebenwurzeln bis auf 2—3 Centim. Länge gestreckt. Hypocotyles Glied stark ge- krümrat mit beginnender Streckung am unteren Theile. Die Basis der Cotyledonen fängt an grün zu werden. Dritte Periode. Cotyledonen ausgebreitet, sehr gross blattartig und grün, fast fertig gestreckt. Streckung der Wurzeln und des hypocotylen Gliedes vollendet. Das erste eigentliche Blatt fängt an sich zu entwickeln. Die junge Pflanze beginnt jetzt ihr selbstständiges Leben, die Keimung ist daher als beendet anzusehen. Die völlig trockene Pflanzenmasse enthielt: 68 Das Keimen. "ÖJ (M o\ !>. O CO O CO 00 t- (M_^ a5_ a5_ (M_^ o_ O Oi^ .2 3 (N of cT im" t>r so" oT oT o o CO u IX — •o M 6 .2 00 T*4 oo . CO o o (M a CO_ 00_ 00^ OT ■^ O q. o_ co_ a (m" «r im' (tT <>r CO oo' o" co" >> « rH •<* f— 4 f-H o 'S W ;?. 1—1 i' c o o ^^ oo o eo >.o o o T»< •ß *1 ■^ a5_ (N_ 00^ OJ^ l>^ t^ q_ o>_ p t>^ CO (m" CO t^ co~ i>r o" o CO o o ■^ c^ o U -o "ÖJ o '-£> OD . o CO o -* a> (M (>) -* 00 C<1 a> o. 1-H c^ 13 ö eo CO M 00 CO 00 00 ^ o CO 2 &: '"' CO *"* 2 Ol •6 6 £ CT) -J CO ao lO o ^ o 3 o O "i. 00 CO r-^ ao_ t^ t- o CO •F-t O. m CO o (M t-T o oT o 05 o CO >> Q) CO rH o <1> K B '"' ^4-9 1 O (M (M o o CO CO •^ o CO '^ •* "^ o^ lO (M CO CO o CO N o o 'S co" tH^ t>r CO o" •>* o 1-1 o o CO OP SO CO CO o o CO CO CO ^ CO cc CO f— ( 00 o^ (N o_ "i o CO o (m •*" oo" S>1 CO oT o 00 ctT o CO ^ ^ •* '"' o "C a> 13 bO 3 6 .2 CO '^ ,_t o -^ o 3 C<5 CO 0^ CO !>. iO_ 03^ 03 o_ c^ .s O. m O CO (rT o 00 <^ oT o' o co" >. « CO S 00 -* (M o 05 00 CO 05 o o u "^ 00 00 !>. 00 CO C^ o CO w cT ö~ o c»f ■rT oT 'f t^ o CO o o "* CO o Ix Oi a, pL, 1 CO <^ o c^ o CO W •* «2 m CO o _60 fH • Q^ t> ^ V •iH <ü • n ,1' So '55 o ,fl r^ -*^ ^ TS s so sS Sä o .s CS rfl a> C« 1 .s o o o bo a> ^ > PLI ^ a Q EU O a 3 a a 3 o a ca u Sa'' OQ 1 Das Keimen. 69 Der Verlust an Kohlenstoff beim Kürbissamen betrug, wenn die Keimpflanzen die oben angegebene Ausbildung er- langt hatten: a) bis zur ersten Periode 0,43° o, b) bis zur zweiten Periode ll,20''io, c) bis zur dritten Periode 21,80° o vom Gewichte des geschälten Samens. Der obige Gewichtsverlust in Rechnung gebracht und auf 1000 Pflanzen bezogen ergab: -• t>. -* ^ •ra (M 1-1 CO t^ o eo u M 00 00__ t>. 5£> lO lO 00 00 00 o 3 d" o" o ö" iO~ CO IM lO o IM t3 o ^ '"' CO o o (M a C^ 00 t>. »^ CO CO OJ_ 00 OJ_ CD_ a o o o CO (N -* CO . -* o o CO ;-i CO CO o CO o\ C>. CO o. o (M a 6 _2 5 o .-H o *"* CO C» ^~' CO o" M *"* 'm »5 -* '^ CO eo so ^ '^ q. ei o o o co" CO co~ q=l d X 50 — 1 & S ■^ c» .S 'S i a 00 lO o CO «^ CO o CO o CT» 'S ^ .q_ !X> CO IM 00 o M M ^ 2^ N o o in t- (m" •* i>r ^ t-H CO oT CO o 00 '^ (M o IM "^^ "3 s Oi 05 (M 00 C<) t^ C^ ,_, o ■<* ii ■* CO ») CO . 00 CO o o (M o CO 0? o 00 (M o CO o o 00 (M im" (M Ol d K §0 T-H oa o a lO w l>. CO Ift CO (N CO o rH 'r (M (?r i>r t>r o (M 00 (N 1« o o 1-H lO •— ( ^^^H *-H (M d ■o ^ i^ ■. 00 CO o CTS S '-0 d d Q4 1 CO otT o o o 00 CO o co" CO t3 « es •/3 CO CQ Ul t>. J s, -u bC -IJ ^ o • ^ a a 03 00 'S d C3 .0) So o o pq 5o" o 1 'S ja V ,60 c» _> O CO 9 'S O tS3 M u CO o m 'S 00 _d © Ph 'S hl a> d o CS Ii M .3 u Ph 2. 70 Das Keimen. Aus diesen Daten lassen sich die chemischen Vorgänge der Keimpflanzen verfolgen. Zieht man die in den zusammen- gehörigen Pflauzentheilen enthaltenen Stoffe in eine Zahl zu- sammen, so ergiebt sich folgende Zusammensetzung. 1000 Exemplare enthielten : Bestandtheile. ünge- keimter Samen. Keimpflanzen der ersten Periode, zweit. Periode, dritten Periode. Oel Zucker Gummi Stärke Zellstoff Proteinstoffe .... Mineralstoffe .... Extractivstoff, Bitterstoff, Pectinstotf etc. . . . Gesammtge wicht Stickstoffgehalt . . . 136,65 Spur Spur 8,34 110,07 14,08 6,86 103,51 3,81 2,56 8,89 9,33 109,60 14,14 •22,96 56,43 9,48 3,55 17,50 12,23 98,33 14,57 33,01 276,00 17,39 274,80 17,31 245,10 15,53 12,98 12,80 6,13 6,63 21,20 94,62 18,06 43,48 215,90 14,94 1. Das Oel. Es ist, wie wir sehen, einer stetigen und ra- "piden Zersetzung unterworfen. Ein Theil des Oels geht in andere Verbindungen (Stärke, Gummi, Zucker, Zellstoff) über, ein anderer Theil wird aber wahrscheinlich direct durch den Sauerstoff' der Luft oxydirt und liefert die Oxyde des Kohlen- stoffs und ausserdem Wasser. 2. Der Zucker. Im ruhenden Samen ist kein Zucker enthalten, oder doch nur eine sehr unbedeutende Menge. In einer Anzahl Keimpflanzen findet sich um so mehr Zucker, je weiter die Keimung vorgeschritten ist; blos in den Wurzeln aus der letzten Periode hat wieder eine Abnahme des Zuckergehaltes stattgefunden. 3. Die Stärke. Im ungekeimten Samen ist keine Spur von Stärke enthalten. Die Stärke kann sich nur aus dem Oele bilden, da Sachs nachgewiesen hat, dass sie bei der Keimung oelführender Sa- men oftmals an Stellen auftritt, wo kein Zucker gleichzeitig oder vorher nachzuweisen ist. Der Stärkmehlgehalt nimmt bis zur zweiten Periode zu; in der dritten tritt eine rasche Das Keimen. 71 Abnahme desselben ein, während der Zuckergehalt der ge- sammten Pflanze auch in dieser Periode noch eine Steigerung erfahren hat. 4. Das Gummi. Auch dieser Stoff liisst sich in dem ruhenden Samen kaum nachweisen; bei der Keimung wird es in um so grösserer Menge gebildet, je weiter die Keimpflanzen sich entwickeln. 5. Der Zellstoff. Vom Erwachen der Lebensthcätigkeit im Keime an wird Zellstoff gebildet; er ist in einer stetigen Zunahme im weiteren Verlaufe der Keimung begriffen. 6. Die Proteinstofte. Die Proteinstoffe erleiden bei der Keimung eine geringe Zersetzung. Der Ver- lust an Stickstoff ist so gering, dass er in der procentischen Zusammensetzung nicht hervortritt, sondern dass im Gegen- theile noch eine geringe Steigerung des Stickstoffgehaltes ein- tritt. 7. Die Mineralstofle. Die Menge dieser Stofte scheint mit der Entwicklung der Keimpflanzen sich vermehrt zu haben, obgleich sie in einem Medium vegetirten, welches nur sehr geringe Mengen von mineralischen Bestandtheilen enthielt. 8. Extractivstoff, Bitterstoff und Pectinstofte. Ueber die Zah- lenangaben dieser Colonne lässt sich wenig sagen, sie sind nicht direct gefunden, sondern mir der Ausdruck für den nach Abzug der oben einzeln aufgeführten Stoffe von dem Gesammt- gewichte verbleibenden Rest. Mit fortschreitender Keimung vergrössert sich die Gesammtmenge dieser Stoffe. Eine wichtige Rolle bei der Umwandlung des Oels scheint der Bitterstoff zu spielen. Julius Sachs liefert zu obiger Arbeit eine Naclischrift, in welcher er zu Folge mikroskopischer Untersuchungen die rapide Zellstotfzunahme in den Keimpflanzen für ganz richtig hält, wie er überhaupt auf die mehrseitige Ueber- einstimmung mikroskopischer Untersuchungsresultate mit den angeführten chemischen Resultaten hinweist. Sachs meint weiter: so wie hier die mi- kroskopischen Beobachtungen über die Entwicklung von Stärke, Zucker, Gummi, Zellstoff aus dem Oel des Samens durch die quantitative Analyse ihre Bestätigung und Erweiterung gefunden, so ist dies, meint Sachs, auch für die Entstehung des Gerbstoffes bei der Keimung der öl- sowie stärkelialtigen Samen zu hoffen. Auf die Vergleichuiig der eben mitgetheilten Versuche von Peters mit den Resultaten von andern Forschern (Boussignault, Schiei- den, Hellriegel, Sachs, Stein und v. Planta) in dieser Beziehung muss auf die Originalarbcit verwiesen werden, wo auf die Uebereinstimmung 72 Das Keimen. oder Nichtübereinstimmung der Resultate hingewiesen wird. Gelegentlich sei auch auf ein werth volles Werkchen von Prof. Fleischer hingewiesen: „Beiträge zur Lehre vom Keimen der Samen, namentlich von landwirthschaft- lichen Pflanzen 1851." Ueber das Behalten der Keimfähig- keit der Körner- früchte. F. Haberlaud unternahm Versuche, um festzustellen, wie lange unsere Körnerfrüchte die Keimkraft behalten. In nachstehender Tabelle sind die Resultate dieser Unter- suchung ersichtlich; die Jahi-eszahlen beziehen sich auf das Erntejahr der betreffenden Körner. *) Aus der allg. land- und forstwirth schaftlichen Zeitung, durch Central- blatt für gesammte Landeskultur 1861 S. 261. Das Keimen. 73 o M t>. « t- m t>. 00 00 o -^ QO O "^ oo Oa u"j 1 ^ M Tf CO •. lO •* •<# ^ a»_ Ä lo 00 o 1 00 t>. CO t^ eo lO CO O (M i« «v) • - c ' 1 i oo CO t^ lO lO t^ O CO co_ o o CO 0 Ol ■>*< ■^ O CO lO w [ GO •-I -- OS in :g fl t-^ '^ 00 o_ ■^ -rfT i>r f^r '^ to " CO Tfl CO ■<# ^ 2 (M (>) CO IN " s O O O 05 '-I oo lO Tj< CO ^ lO CO Tj* CO o «^ es uO »H ift ^ Tj< C^ CO •<* ■^ oo — Ol 00 Tjt irt ■* -* CO lO d 00 00 CO ^ o5_ t>^ iri_ CO CO oT -^ "^ s CO T»l M 1« OS © 00 in T-i CO CO CO 00 05 00 OJ 00 CO -^ CO T}( (M o CO ■>S< 00 CO CO lO lO lO t>. O. lO CÜ C^ ^ S^ -H O a 08 t>. CO OS CO .-1 3 •^ OS (M OS (M M 00 IM 1 (M i-H a ^ 00 CO CO OS r-( -^ ,M t- CO O CO o ü 00 ^ rt -H IM O o ^ si -^ >n ■* r«. O O CO (M r^ ^ ^ ^ O _, c 00 s s — < iH tH .-H o s ^ -^ 00 lO -* •^ «5_ (?^_ lO CO ^ <-i "-l rt OS t^ t>. OS 00 OS OS OS O 00 ^_J r^ rH geha >n 00 in CO CO o O -^^ c-f i-T c^r 5>r ® 00 1— 1 >-l .-1 T-l .H 1 o CO Tft u5 CO O CO Tf<_ CO 00 ^ -H © o oo "^ ,-1 ,-( ,H rt ung ten. eichn der chtar h N ä u u ^ « o w a 1 m E^ CO 00 CO O OS CO t» s OS o 00 OS OS (3 OS in OD •^ 00 (M o o :o oo «* OS 00 o M '"' 00 o in o 1 CO IM t^ o 00 CO 1 CO CO t» a o ^H in CO 1 00 IM o 00 in ■n t^ 1 •* !>. ■^ 1 1 00 CO CO 1 1 ■* in ■* &C in 00 1 ■<^ CD CO 00 1 IM in t>. s .o ^—* c« 00 i-H 1 1 1 1 © o in 1 1 1 o , 00 1 1 1 CD 1 'o d 00 CO IM in m CO bc C3 tH OS H 00 ■* 00 -1 o uT to 30 00 --. -* t-^ o ■* 00 t» o_ c o o o _3 "S, ^ t>. —< •yng aa}iT[ Uli sjajjon^ sap uaSnaj\[ ■uaqn^ jap iqoiAVOf) saja];}ii\r jap iqomaQ sajapqij\[ =! ;:; e u-- ■-0 C '■ H^ . 3 . . ■* &C t^ OS ä o 1 -ö ; § 1 -4 Uli sjajjonz ; sap uaSnai\r J5 t^ t- ■- J; .^ l^ J3 t- 1.1 TT c e — 1 "aaqny; j Jap jqoiMaf) 1 sajapij i^ M — ' 00 t^ 00 00 ^» 3s cc eo T}< O o o o 0,733 1,140 1,900 I jap ^qoiAiar) 1 sajai^jij^ O I^ 00 •* CO .--5 o n -H^ -* -f ^ o" ö~ o" o C O ..1 00 00 t>. O lO i« o* o" o" 1 ^ 3 — CO CO '^ < — < oj a> Hofifmann. Jahresbericht IV. 82 Assimilation und Ernährung. Leplay folgert aus diesen ßesultaten: In allen Bodenarten erreichten die Blätter ihre grösste Entwicklung gegen den 15. August. Bis zu dieser Periode ist das Gewicht der Blätter meist bedeutender als das Gewicht des Kübenkörpers. Beim Kalkboden ist das Gewicht der Blätter im Vergleich zu dem des Rübenkörpers wenig be- deutender zu allen Zeiten, wenn das Gewicht der Blätter zu- nahm, fand auch eine Zunahme bei dem Rübenkörper statt.*) Das Maximum des Gewichtes des Rübenkörpers fand im September und Oktober statt. Der Zuckergehalt zeigt in den verschiedenen Perioden sehr bedeutende Schwankungen. Die Variationen im Zuckergehalte zeigten sich ohne Un- terschied bei Rüben von allen Böden. Was nun die Veränderun gen des Bodens anbelangt, welche derselbe im Verlaufe der Rübenvegetation erleidet, so bezogen sich die Untersuchungen nur auf die Karbonate im Boden. Leplay gelangt zu den nachfolgenden Folgerungen aus den betreffenden Bestimmungen: Die Menge der löslichen kohlensauren Salze in den Böden ist nur eine unbedeutende. Durch die Vegetation der Zucker- rübe wird die Menge der unlöslichen Karbonate, welche sich in der Elrde befinden, die den Rüben anhaftet, vermindert und zwar bei an kohlensaurem Kalk reichen Erden bis 7io von demselben; die Verminderung des Gehaltes an unlöslichen Kar- bonaten erstreckt sich jedoch nur auf die Erdtheilchen, welche unmittelbar die Rübe umgeben. Leplay folgert weiter, dass zwischen dem Gehalte an Karbonaten und dem Zuckergehalt der Rüben ein bestimmter Zusammenhang besteht, so sind Rüben von Kalkböden zuckerreicher als solche von Böden, die arm sind an löslichen und unlöslichen Karbonaten wie Thon- böden und Saudböden. Der Gehalt an diesen Stoffen ist bei letzteren Böden an verschiedenen Stellen auch verschieden, und liefern diese auch Rüben von sehr verschiedenem Zuckergehalt. In der Zunahme an Zucker findet auch keine Gesetzmässigkeit statt. Das Gegentheil ist bei Kalkböden der Fall, wo sich Karbonate in ausreichenden Mengen finden, da scheint die Zuckerzunahme nach einer Gesetzmässigkeit vor sich zu gehen für Rüben gleicher Grösse. *) Die Tabelle zeigt dies jedoch nicht überall. Assimilation und Ernährung', Die Zuckerziinahine in sehr kalkigen Bödeu nimmt ganz regelmässig in dem Maasse, als das Gewicht der Rüben sich vermehrt, zn. Am wenigsten Interesse scheinen uns jene Resultate obiger Arbeit zu bieten, welche sich auf die Veränderungen des Bodens, welche derselbe unter dem Einfluss der Rübenvegetation erleidet, beziehen. Die betreffenden Ver- suche beziehen sich vorerst nur auf einen einzigen Bodenbestandtheil, und selbst diese bieten viel zu wenig Sicherheit als dass man allgemein giltige Folge- rungen aus denselben machen könnte. Die Bemerkung Leplays, dass Kalk- boden der entsprechendste Rübenboden sei, hat wol einige anderweitig ge- machte gleiche Erfahrungen für sich, so Manches aber auch gegen sich, wie gleich aus dem Folgenden ersichtlich ist. E. Marchand*) fasst die Resultate seiner Untersuchun- gen über die Bildung und den Reichthum des Zuckers in den Zuckerrüben in den folgenden Punkten zusammen. I. Der Reichthum der Zuckerrübe variirt nach der Epoche, in welcher die Rüben gebaut wurden, je zeitiger dies statt- findet, desto zuckerreicher sind sie bei gleicher Erntezeit. IL Die Menge der Rüben ist um so bedeutender, je zeitiger die Saat war; III. Die Natur des Bodens scheint von keinem Einfluss zu sein auf obige Resultate. IV. Das Verhältniss des Zuckers scheint nicht in Ueberein Stimmung zu sein mit der Menge des kohlensauren Kalkes im Boden. Robert Hoffmann unterzog wie im J. -ihre 1859**) auch im Jahre 1860***) Rübensäfte in verschiedenen Perioden der Entwicklung der Rüben einer Untersuehung. Die Rüben wurden einem Felde auf der gräflich Nostiz'schen Domäne Prcdlitz, unweit Töplitz in Böhmen gelegen, entnommen. Das Feld hatte eine Krume von 31, i) Centim***) und einen humosen Lehmboden mit etwa 40" o Sand. Im Frühjahr wurde das Feld in Reihen von 42,15 Centim mit Rüben- samen (peau rosa aus Queudlinburg bezogen) ohne Düngung bestellt. Die Vorfrucht war 1859 Sommerweizen, zu welchem auf 191,8 Quadratmeter 3289 Kilogr. (pro Hetzen 65 Ctr.) Stallmist verwendet worden waren. Nach abgeerntetem Sommerweizen wurde die Stoppelfrucht unterpflügt und abgeeggt, sodann im Spätherbste überackert und mit dem Untergrundpfluge auf 31,6 Cen- tim. vertieft. Ueber dU: Bildung dea Zuckers iu den Zucker- rüben. Unter- suchungen von Kübeu in verschie- denen Vegetation» - *) Jahresbericht III. Jahrg. S. 132. **) Landwirthschaftliche Versuchsstation III. Bd. S. 285 und Ergebniss- bericht d. agr. ehem. Untersuchst, zu Prag 1862 S. 1. *•*) 12 Zoll Wiener Maass. 6* 84 Assimilation und Ernährung. In acht verschiedenen Vegetations-Perioden und zwar am 5. und 25. August, 5. und 25. September, 5. und 25. Oktober und 5. und 20. November, wurden je 12 Rüben einer Unter- suchung unterzogen und zwar, wo dies die Grösse derselben erlaubte, immer jede gesondert. Die Rübensendung am 5. Dezember war bereits den Mieten entnommen. Die erhaltenen Durchschnittsresultate sind aus der folgenden Zusammenstellung ersichtlich. Unter- stichungszeit. 1 Grösste Kleinste Rübe. Grm. Grm. Mittel- gewicht. Grm. Saccbaro- ; meter- Zucker anzeige des Saftes. Asche. 5. August 647.50 •280,00 323,75 11,2 8,62 0,870 25. 770,00 •245,00 498,75 12,19 9,30 • 0,636 5. Septenib. 805,00 1 168,25 420,00 12,25 9,53 0,593 25. 1452,50 525,00 875,00 12,75 10,12 0.853 5. Oktober 1032,50 ; 358,75 647,50 15,39 12,17 0,864 25. „ 747,50 507,50 665,00 16,16 13,30 0,760 5. NoTemb. 1058,76 1 455,00 805,00 16,38 13,44 0,824 •20. „ 682,50 , 350,00 507,50 15,4 1-2,97 0,633 5. Dezember 1137,.50 ; 472,50 717,50 17,3 14,78 0,645 Die aus dem Zuckergehalte berechneten spezifischen Ge- wichte als Mittelzahlen in den einzelnen Perioden ergeben die folgenden Resultate: August . . 1 ,034748 „ . . 1,037530 September 1,037735 1,040904 5. 25. 5. 25. 5. 25. 5. November 20. 5. Dezember Oktober 1,049504 1,054260 1,054366 1,050084 1,060760 Es war tägliche Zuckerzunahme des Saftes vom: 25. August bis 5. September . . 0,0218 5. September bis 25. September 0,0290 25. „ 5. Oktober . 0,-2050 5. Oktober bis 2L Oktober . . 0,0565 25. „ 5. November . 0,0130 Assimilation und Ernährung. 85 Dividirt man mit der Saccharometeraiizeige des Saftes in den Zuckergehalt desselben, so erhält man einen Quotienten (Zuckergehaltsquotienten), welcher uns das Yerhältniss zwischen Zucker und Nichtzucker anzeigt; es betrug nun der durch- schnittliche Zuckerquotient am: 5. August , . . 0,77 25. » . 0,76 5. September . 0,78 25. ») . 0,81 5. Oktober . 0,79 25. )) . 0,82 5. November . 0,82 20. >5 . 0,83 5. Dezember . 0,85 Man ersieht aus diesem : Keine der Rüben hatte eine ab- norme Grösse erreicht. Saccharometergrädigkeit steht mit dem Zuckerprozeutgehalte des Saftes in einem geraden Yerhältniss. Vom 5. August bis 5. November*), also in 92 Tagen, nahm der Zuckergehalt des Rübensaftes um 4,82 zu und zwar täg- lich um 0,052. Die Zunahme erfolgte konstaut wenn man die Durchschnittsresultate der in den einzelnen Perioden erlangten Resultate berücksichtigt. Zieht man jedoch die einzelnen Rüben in Betracht, so ergeben sich sehr bedeutende Schwan- kungen. Die grösste Zuckerzunahme fand statt vom 5. Sep- tember bis 25. Oktober. Den kleinsten Zuckergehalt des Saftes hatte ein Rübe am 25. August, Er betrug 6,71 V IV. 0,8607".. V. 0,9084° Hier fällt sogleich ins Auge, dass die ältesten Blätter entschieden die aschenreichsten sind, und dass eine nicht un- beträchtliche Abnahme der Mineralstoffe in den Blättern von aussen nach innen beobachtet werden kann. Es ist festzu- halten, dass bei den jungen Rübenblättern das Umgekehrte stattfindet : Die jüngsten Blätter sind die wasser- und aschen- ärrasten. Die Untersuchung der Aschen ergab folgende Resultate. Sie enthielten in 100 Gewichtstheilen nach Abzug der Kohle, des Sandes und der Kohlensäure: I. 15,98%. IL 10,94% III. 0,12% IV. 8,30<'o V. 8,35" I. II. III. IV. V. Kali . . . . 18,74 25,98 32,78 37,41 50,27 Natron . . 15,21 14,43 15,79 15,01 11,09 Chlornatrium . 5,76 6,39 5,82 6,02 6,55 Kalk . . . . 24,20 19,21 18,20 15,77 4,76 Magnesia . . 24,48 22,29 13,05 8,95 6,71 Eisenoxyd . 1,42 0,49 0,63 0,58 0,51 Phosphorsäure 3,30 4,81 5,82 8,90 12,69 Schwefelsäure . 5,37 5,61 5,63 5,22 5,86 Kieselsäure . . 1,52 0,79 2,68 2,14 1,56 Die vorstehende Zusammenstellung erweiset auf das Klarste, dass sich die Zusammensetzung der Asche der Zuckerrüben- blätter mit zunehmendem Alter erheblich abändert. Diese Abänderung geschieht in folgender Art: 90 Assimilation und Ernährung. 1. Das Kali nimmt in der Asche der älteren Blätter be- ständig ab, so zwar, dass die Asche jedes jüngeren Blattkreises mehr davon enthält. Wir müssen schliessen, meint Bret- schneider, dass das Kali für die Blätter der verschiedenen Blattkreise ungleichwerthig ist. 2. Der Natrongehalt bleibt mit nur geringen Schwankungen auf derselben prozentischen Zahl, er ist im Vergleich mit der Wurzel ein- bedeutender zu nennen. 3. Wie die Asche der jüngsten Blätter die kalk- reichste ist, ist sie auch die phosphorsäurereichste, der Phos- phorsäuregehalt in der letzten Rubrik ist nahe viermal so gross als in der ersten, er nimmt von dieser zu jener con- tinuirlich zu, während 4. die Menge des Kalkes sowol, wie die der Bittererde sich mit zunehmendem Alter der Blätter in ihrer Asche beständig vermehrt. In der Asche der ältesten Blätter sind beide Körper in beinahe gleichen Quantitäten vorhanden, doch ist dies nicht in allen Untersucimngen der Fall. Im zweiten Blattkreise überwiegt die Magnesia den Kalk, ebenso im fünften, im dritten und vierten ist das Um- gekehrte zu beobachten. 5. Die Menge der Schwefelsäure ist in allen Aschen dieselbe. Bretschneider geht nun noch auf weitere Schlüsse aus diesen Daten ein. indem er die Menge der einzelnen Aschen- bestandtheile in verschiedenen Blattkreisen per Morgen be- rechnet. 100 Gewichtstheile der Trockensubstanz enthielten: I. II. III. IV. V. Kali .... 2,99 2,85 2,99 3,10 4,20 Natron . . . 2,43 1,58 1,44 1,25 0,93 Chlornatrium . 0,92 0,70 0,58 0,50 0,55 Kalk . . . 3,87 2,10 1,65 1,31 0,40 Magnesia . . 3,91 2,44 1,19 0,74 0,56 Eisenoxyd . . 0,20 0,05 0,06 0,05 0,04 Phosphorsäure 0,53 0,53 0,53 0,74 1,05 Schwefelsäure 0,86 0,62 0,51 0,43 0,49 Kieselsäure . 0.24 0,09 0,21 0.18 0,13 15,98 10,91 9,12 8,30 8,35 100 Ctr, Blätter zur Zeit der Untersuchung per Morgen angenommen, enthalten: Assimilation und Ernährung'. 91 I. II. III. IV. V. Summa. Kali .... 7,37 8,53 5,28 5,20 2,92 29,30 Pfd. Natron . . . 5,99 4,72 2,54 2,09 0,64 15,91 „ Chlornatrium . 2,27 2,09 0,93 0,83 0,38 6,50 „ Kalk . . . 9,55 6,28 2,91 2,19 0,27,f 21,20 „ Magnesia . . 9,64 7,30 2.10 1,24 0,38 20,66 „ Eisenoxyd . . 0,56 0,14 0,10 0,08 0,02 0,90 „ Phosphorsäure 1,30 1,58 0,93 1,24 0,73 5,78 „ Schwefelsäure 2,12 1,85 0,90 0,72 0,34 5,93 „ Kieselsäure . 0,59 0,26 0,37 0,30 0,09 1,61 „ 39,39 32,75 16,06 18,89 5,77 107,86 Pfd. Es geht aus den vorstehenden Tabellen unzweideutig her- vor, dass trotz des geringen Aschengehaltes des jüngsten Blattkreises die Menge des in der trockenen Materie ent- haltenen Kali diejenige bedeutend überwiegt, welche in jedem älteren Blattkreise vorgefunden wird. Man sieht, dass der den beiden innersten zunächst liegende, geringere Mengen Kali enthält, dass dagegen in einer autfallend übereinstimmen- den Weise die Kaligehalte der drei äussersten Blattkreise die- selben bleiben. Ganz dasselbe ist hinsichtlich der Phosphor- säurequantitäten zu beobachten, denn auch der Phosphorsäure- gehalt der drei äussersten Blattkreise ist vollkommen derselbe, während derjenige des jüngsten gerade doppelt so gross ist als jener. Natron und Chlornatrium dagegen müssen natür- lich in den älteren Blättern in viel grösseren Mengen zu- gegen sein, weil bei gleichem prozentischen Gehalt der Aschen an diesen Körpern die Aschenmenge von innen nach aussen sich erheblich erhöht- Grund dieser Beobachtung schon können wir die Meinung aussprechen, dass zu jeder Neubildung von Rübenblättern unter allen ^lineralbestandtheilen das Kali und die Phosphorsäure vorwiegend erfordert werden. Die absolute Menge des in den Blättern von innen nach aussen enthaltenen Kali steigt weder beständig noch pro- portional den Aschenquantitäten. Dagegen vermehrt sich die absolute Quantität des Natron in höherem Grade als die Aschenmenge, die absolute Quantität des Chlornatrium nahe proportinal derselben. In noch viel geringerem Grade wie das Kali vermehrt sich die absolute Menge der Phosphorsäure, dieser Körper nimmt kaum um das Doppelte seines Gewichtes in derselben Zeit zu, während welcher die Mineralstoffe sich 92 Assimilation und Ernährung'. um das Siebenfache vermehren. Berechnet man die absolute Zunahme, so wird auch klar, dass zu der Zeit, wo der innerste Blattkreis, die sogenannten Herzblättchen, der dritte von innen nach aussen wird, er schon die ganze Quantität Phosphorsäure in sich aufgenommen hat, die er enthält, wenn er den äussersten Blattkreis bildet. Was die alkalischen Erden anbelangt, so sieht mau, dass die Blätter um so grössere Quantitäten dersell^en enthalten, je älter sie werden. Die absolute Zunahme der alkalischen Erden ist eine sehr bedeutende, denn es vermehren sich der Kalk sowol als die Magnesia beständig. Ueberblickt man, sagt Bretschneider, die Ergebnisse dieser und vieler an- deren Untersuchungen, die hier (Ida-Mariahütte) und an an- deren Orten angestellt wurden, mit Pflanzen und deren Asche, so wird es schwer die Meinung zu unterdrücken, dass be- stimmte Aschenbestandtheile, wie das Kali und die Phosphor- säure in jungen Rübenblättern, der Kalk und die Magnesia in älteren, bestimmte Zwecke zu erfüllen haben. Es wäre sonst nicht gut denkbar, warum gerade dieser oder jener Stoff so vorzugsweise in bestimmte Pflanzentheile eingeht. Dass für jugendliche Landpflanzen von den Alkalien das Kali eine besonders hohe Bedeutung habe, scheint aus Allem her- vorzugehen, was bisher bekannt geworden ist, dass die al- kalischen Erden erst in den spätem Perioden in grösseren Qantitäten in bestimmte Pflanzen eintreten, ebenfalls. Bretschneider spricht die Vermuthung aus, dass sich die mineralischen Bestandtheile in den einzelnen concentrischen Ringen der Rübe — denn mit diesen stehen die einzelnen Blattkreise in Verbindung — auch in verschiedenen Gehalten und Verhältnissen vorfinden dürften. Berechnet man aus der Zusammensetzung der einzelnen Blattkreise die Zusammensetzung der Blätterasche aller Blätter- kreise, so erhält man: Assimilation und Ernährung. 93 Kali 27,17 Natron .... 14,8-2 ChlorniUrium ^i,^y^ Kalk .... ld,tiG Magnesia . . . 19,15 Eisenoxyd . . 0,83 Phosphorsäure . 5,36 Schwefelsäure 5,49 Kieselsäure . . 1,49 Alkalien . . . 45,19'^,. Alkalische Erden 38,81 ",'0 Ueber die Einwirkung einzelner Zu vergleichen wären die Untersuchungen, die Bretschneider*) im verflossenen Jahre über Waehsthumsverhältnisse der Zuckerrübe veröffentlichte. Friedrich Nobbe**j unternahm Versuche, die den Zweck hatten, die Einwirkung zu beobachten, welche die Gegenwart einzelner relativ überwiegender Mineralsalze auf die Zucker- Mineralsalze rübe in einem Boden hervorrufe, der an sich, zufolge seiner ""*"'*''' Vegetation physikalischen und chemischen Constitution , den bekannten aer Rui.e. Anforderungen einer mehr als mittleren Produktion dieser Kulturpflanze entspiicht. Ueber den Boden wird mitgetheilt: Das für die Aufnahme der Saat ausersehene Terrain (in Jena) war in einem massig fruchtbaren Krautgarten gelegen und besteht ursprünglich aus den Verwitterungsprodukten der unteren Triasformation: bunter Sandstein, Gyps und Mergel. Der Sandstein ist daselbst durch kohlensauren Kalk und kohlensaure Magnesia gebunden. Seit vielen Jahren wenigstens waren auf dem Versuchsfelde Rüben nicht erbaut worden. Im Jahre 1857 war dasselbe (unter Stalldüngung) mit grünem oder Kuhkohl (Brassica oleracea viridis) bestellt gewesen. Mit dem Beginn des Frühlings 1858 wurden drei neben einander gelegene Parzellen, jede zu ü Quadratmetern Fläche, abgesteckt und bis zu einer Tiefe von 4 — 5 Dezimetern wie- derholt und mit gehöriger Sorgfalt durchgearbeitet. Jede der drei Parzellen wurde sodann in sechs Abtheilungen eingetheilt, so dass in Summa 18 Abtheilungen (a 1 Quadratmetre) , ent- sprechend der Zahl der zu adhibirenden Düngsalze, vorbereitet waren. *) Jahresbericht III. Jahrg. S. 127. **) Die landwirthschaftlichen Versuchsstationen Bd. III S. 176. 94 Assimilation und Ernährung. Am 26. Ai)ril, nachdem anhaltend trockene und sonnige Witterung vorangegangen war, wurden die in destillirtem Wasser etwa 24 Stunden gequellten Samen gelegt. Zwei der Parzellen der Versuchsbeete w'urden ungedüngt gelassen und auf den übrigen 16 Parzellen drei Kohlensäuresalze, vier Phos- phorsäure- und zwei Salpetersäuresalze, drei Chloride-, drei Schwefelsäuresalze und ein Kieselsäuresalz (sechs Kalisalze, fünf Natronsalze, vier Ammoniaksalze, ein Kalksalz) in folgen- den Verbindungen in Anwendung gebracht: I. 1. kohlensaures Kali; 2. kohlensaures Natron: 3. koh- lensaures Ammoniak; IL 4. phosphorsaures Kali; 5. phosphorsaures Natron; 6. phosphorsaurer Kalk (3 Cao. P05); 7. phosphorsaure Am- moniak-Magnesia; III. 8. salpetersaures Kali; 9. salpetersaures Natron; IV. 10. Chlorkalium: 11. Chlornatrium; 12. Chloram- monium ; V. 13. schwefelsaures Kali: 14. schwefelsaures Natron; 15. schwefelsaures Ammoniak; VI. 16. kieselsaures Kali; VII. 17. und 18. keine Düngung. Von jedem dieser (reinen) Salze wurden 30 Grm. (Kaliwasserglas in stöchiometriseh berechneter Menge), entsprechend 300 Kilogrammen für einen Hectare, in Flaschen, welche etwa einen Litrc Wasser fassten, aufgelöst (der phosphorsaure Kalk und das Tripelphosphat nur suspendirt und vor jedem Aufbringen durchgeschüttelt) und von diesen Lösungen bestimmte kleine Mengen dem destillirten Wasser zugesetzt, mit welchem die Pflanzen jeden Morgen begossen wurden. Die anfangs sehr geringe Concentration der Lö- sungen wurde später, als Ende Mai die bis dahin trockene Witterung anhal- tend regnerisch wurde, wesentlich erhöht, und das Aufbringen überhaupt so eingerichtet, dass gegen Mitte Juni sämmtliche Salzlösungen dem Boden ein- verleibt waren. Am 13. Tage nach der Aussaat kamen die ersten Kotyle- donen zum Vorschein, und am 21. Tage waren die Pflänzchen aller Parzellen aufgegangen, mit Ausnahme der mit kohlen- saurem Ammoniak gedüngten, welche, da auch nach Verfluss von vier Wochen die Samen sich noch völlig unentwickelt zeigten, am 23. Mai nachgelegt wurden. Die Pflanzen der Versuchsparzelleu hatten jedoch mit Assimilation und Ernährung. 95 Julus guttulatus L. zu kämpfen und wären auch zu Grunde gegangen, hätte man nicht die von Insekten befallenen Pflanzen entfernt und die noch gesunden umgesetzt Die Pflanzen ve- getirten weiter unangefochten fort. In der zweiten Hälfte des Oktobers (Zeit der Ernte) war der Stand der Pflanzung nach dem Eindruck, welchen die oberirdischen Theile hervorbrachten, etwa folgender: 1. Kohlensaures Kali. Wachsthum der Laubkronen kräftig; Stiele der Blattrosetten hoch und stark. 2. Kohlensaures Natron. Wachsthum eher etwas zurückgeblieben; Blattstiele lang und dünn. 3. Kohlensaures Ammonium- oxyd. Laubkronen kaum mittel; Blattstiele schlank und zart. 4. Phosphor- saures Kali. Rosetten ausserordentlich kräftig; Stiele massig lang; Blatt- flächen eirund, glatt. 5, Phosphorsaures Natron. Entwicklung reichlich mittel; Stiele sehr hoch und strafl". 6. Phosphorsaurer Kalk. Kräftige Pflanzen; Blattstiele lang und voluminös, doch minder emporstrebend; Blattflächen gross, an den Spitzen abgerundet. 7. Tripelphosphat. Ueber mittel; Blattstiele lang und kräftig. 8. Kalisalpeter. Kräftige Rosetten; Blattstiele hoch, strafl', einer derselben geröthet, nicht alle so aufgerichtet, wie bei folgendem. 9. Natron- salpeter. Sehr kräftige Blattentwicklung; Stiele lang, hoch aufstrebend; Blatt- flächen gross, länglich. 10. Chlorkalium. Sehr beträchtliche Kronen; Stiele kräftig und schlank; Blattflächen gedrungen, von länglicher Form. 11. Chlor- natrium. Entwicklung einer Pflanze mittel, der drei übrigen entschieden zu- rückgeblieben; Blattstiele kurz und dürftig; Lamina der Blätter klein, kraus. 12. Chlorammonium. Wachsthum kaum mittel; Blattstiele lang und zart bei zwei Individuen, etwas gedrungener bei den beiden übrigen. 13. Schwefel- saures Kali. Sehr massige Blattrosetten; Stiele lang, straff aufgerichtet; Lamina gross, ihre Form die normale eirunde der Beta cicla L. 14. Schwe- felsaures Natron. Mittlere Entwicklung; Laubstiele ungleich ausgebildet, die äusseren kräftig und lang, die inneren sehr kurz; Blattflächen von länglicher Form, als bei vorigem. 15. Schwefelsaures Aramoniumoxyd. Eher etwas zu- rückgeblieben; Stiele der Blattrosetten kurz und dick. 16 Kieselsaures Kali. Reichlich mittel; Stiele ziemlich hoch und stark; Lamellen der Blätter normal, breit. 17. Ohne Düngung L Laubkronen reichlich mittel; Stiele ziemlich hoch und stark; Lamellen der Blätter normal breit. 18. Ohne Düngung IL Rosetten üppig; Stiele hoch und straff, zwei derselben roth gestreift; Blatt- flächen beträchtlich. Nach einer Vegetation von 181 Tagen (24, Oktober) wurde zur Ernte geschritten Die Analyse war auf den prozentischen Gehalt der Rüben an Zucker, Stickstoff, Wasser und feuer- beständigen Stoffen gerichtet. Eine Zusammenstellung der speziellen Resultate des Ver- 9(; Assimilation und Ernährung:. suchs in Bezug 1. auf die Grösse der Ernte-Erträgnisse, 2. auf die prozentische Zusammensetzung der gewonnenen Rüben bieten die folgenden beiden Tabellen dar. I. Absolute Ernte-Erträge in Kilogrammen. No. Düngsalz. Zahl der geern- teten Rüben. Gesammt- Ertrag an Blättern u. Rüben auf 1 Qu. = Metre. Kilogr. Frische Blätter. Kilogr. Frische RUben. Kilogr. Mittleres Verhältniss des Laubes zur Rübe (Laub =r. 1 gesetzt). Dnrch- schnitts- Gewicht einer Rübe. Grm. 1. Kohlensaures Kali . 4 10,841 3,641 7,200 1 : 1,98 1800 2. „ Natron 4 6,752 3,390 3,362 0,99 820 3. „ Ämmo- niumoxyd . . . 3 3,822 2,312 1,510 0,65 505 4. Phosphorsaures Kali 4 14,685 7,000 7,685 1,10 1921 5. „ Natron 4 8,363 3,684 4,675 1,27 1169 6. Phosphorsaurer Kalk 4 8,949 4,094 4,855 1,19 1214 7. Phosphorsaure Am- moniak-Talkerde . 3 11,475 5,125 6,850 1,24 2117 8. Salpetersaures Kali . 4 13,738 4,063 9,675 2,38 2419 9. „ Natron 4 11,102 4,250 6,852 1,61 1713 10. Chlorkalium . . . 4 15,885 4,625 11,260 2,43 2815 11. Chlornatrium . . . 4 9.645 3,875 5,770 1,48 1442 12. Chlorammonium . . 4 7,545 2,250 5,295 2,35 1324 13. Schwefelsaures Kali 4 15,346 5,688 9,658 1,74 2414 14. „ Natron 4 7,425 3,735 3,690 0,99 922 15. „ Amrao- niumoxyd . . . 3 4,698 1,438 3,260 2,27 1087 16. Kieselsaures Kali . 4 13,550 4,750 8,800 1,85 2200 17. Ohne Düngung I. . 3 12,647 4,412 8,235 1,87 2745 18. II. . 4 13,845 5,375 8,470 1,57 2117 Im Mittel 10,573 4,095 6,478 1 : 1,61 1708 Assimilation und Ernährung. 97 IL Procentische Zusammensetzung der Rüben. No. Düngsalz. Wasser. Ascbe. Stick- stoff. Albu- minat. Pectin und Holz- faser. Zucker. Ge- sammt- Bjenge des auf 1 Qu. = Metre produz. Zucker. Grm. 1. Kohlensaures Kali . 8G,G79 1,489 0,3190 1,9938 2,708 7,130 503,37 2. „ Natron 86,086 1,991 0,4306 2,6912 3,499 5,733 192,74 3. „ Ammo- niumoxyd . . . 79,5(J4 1,544 0,6567 4,1044 10,619 4,169 65,92 4. Phosphorsaures Kali 83,132 1,582 0,4897 3,0524 1,029 11,205 861,11 5. „ Natron 85,016 2,107 0,3268 2,0425 6,647 4,187 159,74 6. PhosphorsaurerKalk 84,252 2,104 0,5693 3,5581 1,331 8,755 425,05 7. Phosphorsaure Am- moniak-Magnesia . 86,913 1,565 0,5406 3,3787 1,716 6,427 408,13 8. Salpetersaures Kali 83,752 2,421 0,4115 2,5719 3,970 7,285 704,83 9. ,, Natron 83,260 1,915 0,4048 2,5525 5,269 7,004 479,91 10. Chlorkalium . . . 86,527 1,569 0,3432 2,1450 2,706 7,053 794,17 11. Chlornatrium . . 87,497 2,155 0,4142 2,5888 1,142 6,617 381,80 12. Chlorammonium 84,885 1,666 0,5540 3,4625 1,010 8,977 475,33 13. Schwefelsaures Kali 84,150 1,292 0,5464 3,4150 3,324 7,859 759,02 14. „ Natron 83,107 1,282 0,4581 2,8631 5,368 7,380 272,33 15. „ Ammon. 85,398 1,528 0,3659 2,2869 2,184 8,603 280,46 16. Kieselsaures Kali . 86,782 1,825 0,5528 3,4550 2,426 5,512 485,06 17. Ohne Düngung I. . 85,646 2,102 0,5537 3,3356 2,149 6,767 701,55 18. n. . 87,816 2,250 0,4689 2,9119 2,759 4,258 1 360,65 Im Mittel 85,026 1,805 0,4681 2,926 3,303 6,940 461,73 Als unmittelbare Ergebnisse machen vorstehende Tabellen ersichtlich, dass die Zuführung eines mineralischen Salzes im Ueberfluss in fruchtbarem Culturboden nicht einfach wirkungs- los ist, dass vielmehr die auf diesem Wege produzirten Zucker- rüben, wie zu erwarten, von abnormer Beschaffenheit sind. Der an sich einer Massenerzeugung von vegetabilischer Sub- stanz günstige Versuchsboden ist nach dieser Richtung hin durch mehrere Kalisalze noch gesteigert worden, während die übrigen Düngsalze sämmtlich negativ auf die Quantität der Gesammternte sowohl, wie des Ertrags an Rüben eingewirkt haben. Die höchste Ziffer für den absoluten Ertrag (s. Tab. I.) Hoffmann, Jahresbericht IV. 98 Assimilation und Ernährung. • ergaben Chlorkalium, schwefelsaures und phosphorsaures Kali, die niedrigste Ziffer kohlensaures und schwefelsaures Ammoniak und kohlensaures Natron. Die Werthgrösse des Ertrages bei sämmtlichen Ammoniak- und Natronsalzen bleibt hinter der des Durchschnitts sowohl, als auch mit alleiniger Ausnahme des salpetersauren Natrons hinter derjenigen der ungedüugten Parzellen zurück. Die Abnormität der Rübenernte tritt quan- titativ ganz besonders in dem mittleren Verhältniss der Laub- krone zur Wurzel hervor, indem das relative Maximum des Rübengewichts (beim Chlorkalium) noch nicht das 2Vafache des Gewichts der Blätter erreicht, während bei einigen Natron- salzen und dem kohlensauren Ammoniak sogar der oberirdische Theil den unterirdischen an Masse übertrifft. Die angewende- ten Säuren betreffend, ist deren Wirkung im Allgemeinen sichtlich von der Basis abhängig gewesen, mit welcher ver- bunden sie dem Versuchsfeldc zugeführt wurden. Doch lässt sich ohne Zwang aus den speziellen vVngaben der Tabelle I. und aus den berechneten Mittel-Erträgen der einzelnen Basen und Säuren der Schluss ableiten, dass unter den sechs in Untersuchung gezogenen Säuren die Salpetersäure, Salzsäure und Phosphorsäure den günstigsten, die Kohlensäure aber einen quantitativ nachtheiligen Eiufluss geübt haben. Die Schwefelsäure hat, in der Form des Kalisalzes, den Ertrag, den ungedüngten Parzellen gegenüber, erhöht, mit Natron und Ammoniak verbunden dagegen bemerkenswerth verringert. — In der Qualität der produzirten Rüben (s. Tab. II.) tritt eine Abnormität in dem sehr hohen Relativgehalt derselben an Asche und Stickstoff' bei geringem (Tehalt an Zucker und an- deren Kohlenhydraten hervor. Nobbe meint: offenbar ist die chemische Zusammensetzung des Versuchsfeldes selbst bei diesem l^lrgebniss nicht unbetheiligt. Denn es zeigen zwar den grössten Prozentgehalt an Asche Kalisalpeter (fast 2\> Proc), das phosphorsaure Kali und Natron und das Chlor- natrium; allein von den beiden ungedüngten Parzellen rangirt die eine mit 2,25 Hroc. unmittelbar neben dem Kalisalpeter und die andere weist gleichfalls die abnorme Aschenmenge von mehr als 2 Proc. auf. Aehnlicli stellt sich die Betrach- tung für den Stickstoffgehalt, in Bezug auf welchen das durch- aus pathologisch wirksam gewesene kohlensaure Ammoniak, Assimilation und Evnäbruns;. 99 der pliosphorsaure Kalk und das Chlorammonium prädomi- niren. Doch stehen letztere Beide schon dem Stickstoffgehalte der ungedüngten Parzellen nahe. Die Stickstoffverbindungen unter den Düngsalzen selbst haben in der Form der Salpeter- säuresalze eine Erhöhung der Stickstoftassimilation in den Rübenwurzeln positiv nicht erzeugt (beide sind in dieser Reihe unter dem Mittel), in der Form des Ammoniaks aber eine mindestens zweifelhafte Wirkung hervorgebracht. Denn die durchweg krankhafte Natur der unter Mitwirkung von kohlen- saurem Ammoniak erzeugten PHanzen lässt dieselbe vielleicht besser von allen Berechnungen dieser Art ausschliessen. Auch ist der absolute Stickstoffgehalt unter Einfluss von kohlen- saurem Ammonik (99 Grm. auf den Qiiadrat-Metre) bei weitem der geringste, da schon das kohlensaure Kali, dessen relativer Stickstoffgehalt nur 48 Proc. desjenigen des kohlensauren Ammoniaks repräsentirt, auf derselben Fläche 230 Grm. Stick- stoff erzeugt hat. Das schwefelsaure Ammoniak aber rangirt unter den relativ stickstoftarmsten Rüben, lleberblicken wir endlich, heisst es, die Tab. IL mit Rücksicht auf den procen- tischen Gehalt der Rüben an krystallisirbarem Zucker, so drängt sich die Wahrnehmung auf, dass die geringe Durch- schnittszahl für sämmtliche Parzellen (6,94 Proc.) von den beiden ungedüngten Parzellen (im Mittel 5,512 Proc.) nicht erreicht worden ist. Ka folgt daraus, dass im Ganzen die Zufuhr gewisser mineralischen Salze unter den hier gegebenen Bodenverhältnissen einen der Zuckerbildung absolut förder- lichen Einfluss geübt hat. Dieser günstige Einfluss aber ver- theilt sich auf die einzelnen Salze in der Art, dass phosphor- saures Kali, Chlorammonium und phosphorsaurer Kalk die sezernirende Thätigkeit des Zellgewebes für Zucker zum rela- tiven Maximum gesteigert, kohlensaures i^immoniak und phos- phorsaures Natron dieselbe zum Minimum deprimirt haben. Aus einer Zusammenstellung, aus welcher die mittleren Pro- centenzahlen der einzelnen Basen und Säuren In der Zucker- sekretion, wie in der Assimilation von Stickstoff" und Asche liefernden Verbindungen, ergiebt sich mit Zuziehung der Tab. II, dass in einem der Massenproduktion nicht aber der Zuckerbildung günstigen Boden die Zufuhr eines relativen Ueberschusses von Kali, Kalk und Ammoniak, sowie von Phos- 100 Assimilation und Ernährung. phorsäure, Schwefelsäure und Salzsäure eine erhöhende Wir- kung auf die Zuckersekretion zu üben vermag, während da- gegen Natron, Kohlensäure und Kieselsäure entweder ohne Wirkung oder gar negativ wirksam in dieser Richtung sich erweisen; dass ferner phosphorsaiu'es Kali, phosphorsaurer Kalk und Chlorammonium diejenigen Verbindungsformen sind, deren überschüssige Gegenwart von der relativ beträchtlichsten Zuckersekretiou in der Rübe begleitet wurde. Die nachfolgende Tabelle giebt die relative Stellung der einzelnen Düngsalze in den Wirkungsreihen für Asche, Stick- stoff und Zucker. Durchsch. No. Düngsalz. Gewicht einer Rübe, i Asche. Stickstoff. Zucker. 1. Kohlensaures Kali . . . 9 16 18 8 2. „ Natron , . 17 7 11 14 3. „ Ammonium- oxyd 18 14 1 18 4. Phosphorsaures Kali . . 8 11 8 1 5. „ Natron . 14 4 17 17 6. Phosphorsaurer Kalk . . 13 5 2 3 7. Phosphorsaures Magnesia- Ammoniak ..... 6 i 13 6 13 8. Salpetersaures Kali . . 3 1 13 7 9. Salpetersaures Natron 10 8 14 10 10. Chlorkalium ..... 1 12 16 9 11. Chlornatriura .... 11 3 12 12 12. Chlorammonium .... 12 10 3 2 13. Schwefelsaures Kali . . 4 17 5 5 14. „ Natron 16 18 10 6 15. „ Ammonium- 1 oxyd 15 [ 15 15 4 16. Kieselsaures Kali . . . 5 9 4 15 17. Ohne Düngung I. . . . 2 6 7 11 18. 11. . . . 7 '' 9 16 Vorstehend zusaramengeordnete Verhältnissziffern ergeben in keiner Weise constante oder bestimmt ausgesprochene Re- lationen zwischen dem Zuckergehalt und Stickstoff, dem Stick- stoff und der Aschenmenge, dem Durchschnittsgewichte einer Assimilation und Ernährung. 101 Rübe und dem procentisclien Zuckergehalt, oder was sich sonst der Diskussion hier darbietet. Bestehen demnach ge- setzliche Verhältnisse dieser Art, so ist deren Elasticität jedenfalls eine solche, um innerhalb der Differenzen, welche die angewandten Düngsalze in den Rüben hervorgerufen haben, dieselben der Perception zu entziehen. Unter Verzichtleistung jedoch auf die Ermittlung feinerer relativen Differenzen inner- halb der Versuchsreihe selbst ergiebt sich, mit Rekursion auf Tab. I und II, zwanglos aus unserem Versuche — meint Nobbe — das allgemeine Resultat, dass der ein gewisses Mass überschreitenden Massenentwickluug der Zuckerrübe eine Abnahme des Procentgehalts derselben an Zucker ent- spricht und dass nicht minder die Umstände, welche die Assi- milation von Stickstoff oder von Mineralsalzen begünstigen, die Sekretion krystallisirbaren Zuckers in der Rübe zu be- einträchtigen scheinen. Br et schneid er*) lieferte eine Untersuchung über die Wachsthumsverhältnisse der weissen grünköpfigen Riesenraöhre. Die Pflanzen wurden einer Feldfläche entnommen, welche wachsthums mit 100 Pfd. phosphorsauren Kalk, 100 Pfd. Natronsalpeter per Morgen gedüngt war, die Pflanzen wurden in 5 verschie- denen Vegetationsperioden untersucht und zwar sind in jeder Periode immer solche Pflanzen gewählt worden, welche dem äusseren Anschein nach eine gleichmässige Entwicklung hatten. Man erntete: I. Am -25. Juli 40 Rüben, diese wogen 1103 Gr., deren Blätter 2120 Gr. zusammen 3223 Gr.; II. am 14. August 20 Rüben, diese wogen 1779 Gr., deren Blätter 2610 Gr., zusammen 4389 Gr.; III. am 4. September 20 Rüben, diese wogen 3516 Gr., deren Blätter 4020 Gr., zusammen 7536 Gr.; IV. am 19. September 20 Rüben, diese wogen 5300 Gr., deren Blätter 4620 Gr., zu- sammen 9920 Gr.; V. am 10. Oktober 10 Rüben, diese wogen 4200 Gr., deren Blätter 2930 Gr.. zusammen 7130 Gr. 1000 Ptlanzen wogen demnach in dieser Periode in preuss. Pfunden; Unter- suchungen über die Verhältnisse der Riesen- möhre. *) Die landwirthschaftliche Versuchsstation zu Ida-Marienhütte IV. Be- richt S. 74. 102 Assimilation und Ernährung. Rüben Blätter Zusammen Pfd. Pfd. Pfd. I. 55 106 161 II. 177 261 438 III. 351 402 753 IV. 530 462 992 V. 840 586 1426 Es faud mithin vom Beginn der Vegetation bis zur Ernte eJuu fortwährende Zunahme an Pflanzenmasse statt, eine fort- währende Zunahme sowol an Wurzehi wie an Blättern, doch erfahren Wurzehi und Blätter in den einzelnen Perioden keine gleichmässige Vermehrung, sondern w'ir unterscheiden die ersten Perioden von den letzten dadurch, dass in diesen vor- nehmlich die Wurzelmasse, in jenen vorzugsweise die Masse der Blätter eine Vermehrung erfährt. Die absolute Zunahme Dauer der Die tägliche Zunahme beträgt an Periode beträgt an Wufzeln Blättern Summe Tage Wurzeln Blättern Summ Pfd. Pfd. Pfd. Pfd. Pfd. Pfd. I. 55 106 161 88 0,06 0,12 0,18 II. 122 155 277 20 0,61 0,77 1,38 in. 174 141 315 21 0,83 0,67 1,50 IV. 179 60 239 15 1,1Ö 0,40 1,59 V. 310 124 434 21 1,47 0,59 2,06 Diese Zahlen erweisen, dass sich die tägliche Zunahme an Wurzelsubstanz von der ersten zur fünften Periode conti- nuirlich steigert, dass in der fünften Periode ein 24 Mal grösseres Gewicht Wurzeln täglich gebildet wurde als in der ersten. Sie lassen ferner die Beobachtung zu, dass in der Mitte des August täglich die grösste Quantität Blätter sich erzeugte, dass vorher und nachher dem Gewichte nach weniger Blattsubstanz gebildet worden ist, endlich sieht man auch aus ihnen deutlich, dass in den ersten beiden Perioden die Blatt- bilduug die der Wurzel überwiegt, während später der um- gekehrte Fall eintritt. Die Wurzeln aus verschiedenen Pe- rioden enthielten in 100 Gewichtstheilen : l. 11. III. IV. V. Wasser . . . 90,58 90,20 89,95 90,47 89,24 Trockensubstanz 9,42 9,80 10,05 9,53 10,76 Assimilation und Ernährung. 103 Die Blätter enthielten in 100 Gewichtstheilen : I. II. m. IV. V. Wasser . . . 85,48 88,39 84,96 84,29 82,28 Trockensubstanz 14,52 11,61 15,04 15,71 17,72 1000 Rüben enthielten demnach folgende Quantitäten: Trockensubstanz . 5,2 17,3 35,2 50,5 90,3 Pfd. und dere n Blätter 15,3 30,3 60.4 72.5 103,8 „ Summa 20,5 47,6 95,6 123,0 194,1 Pfd. Wir entnehmen dem Vorstehenden folgendes: 1. In den Möhrenwurzeln lässt sich eine allmählige und stetige Verminderung der relativen Menge des Vegetations- wassers kaum annehmen. 2. Die Vermehrung der trockenen Möhrensubstanz erfolgt demnach proportional der Zunahme der feuchten Wurzelmasse, die Bildung derselben erreicht innerhalb der Vegetationszeit kein Maximum, sondern findet continuirlich statt und erreicht das Maximum am Schluss der Vegetationszeit. 3. In den Möhrenblättern dagegen lässt sich eine Abnahme des Vegetationswassers im Verlauf des Sommers beobachten. 4. Die Quantität der mit den Blättern geernteten Trockensubstanz übersteigt in jeder Entwicklungsphase die der Wurzeln. I. II. III. IV. V. Wasser 90,58 90,20 89,95 90,47 89,24 Stickstoffhaltige Verbindungen 1,10 1,00 1,03 0,83 0,73 Rohrzucker 1,17 1,04 1,30 1,35 2,49 Fruchtzucker 3,13 3,65 3,91 3,63 3,59 Zellstoff 1,07 1,31 1,29 1,20 1,20 Asche 0,61 0,69 0,63 0,57 0,65 Anderweitige Verbindungen . 2,34 2,11 1,89 1,95 2,10 Man sieht, dass sich trotz des in den Möhren aus ver- schiedenen Perioden nahezu übereinstimmenden Wassergehaltes die Zusammensetzung der Rübensubstauz im Verlaufe der Vegetation abändert, und zwar bezüglich des Gehaltes an stickstoffhaltigen Verbindungen, wie des Gehaltes an Rohr- zucker, dagegen enthalten die Möhren aller Perioden fast genau dieselbe Menge Fruchtzucker, Zellstoff' und Asche. Werden beide Zuckerarten zusammengefasst, die die Möhren enthalten, so finden wir: JQ4. Assimilation und Ernährung. in der feuchten Substanz in der trockenen Substanz I. 4,30 Proc. 45,65 Proc. n. 4,69 „ 47,85 „ III. 5,21 „ 51,83 „ IV. 4,98 „ 52,25 „ V. 6,08 „ 56,40 „ und können deshalb aussprechen, dass die Substanz der Möh- ren im Verlaufe der Vegetation zuckerreicher wird. Die in den Möhren zu verschiedenen Zeiten angetroft'ene Aschenmenge gewährt insofern einiges Interesse, als sich er- giebt, dass sich dieselbe mit sehr geringen Schwankungen auf derselben procentischen Zahl erhält, denn dies stimmt mit den bei Gelegenheit der Untersuchungen über Wachsthumsver- hältnisse angestellten Beobachtungen keineswegs überein. Die Menge des Zellstoffes, welche gleiche Quantitäten Rübensub- stanz aus verschiedenen Perioden enthalten, ist eine sehr über- einstimmende zu nennen, denn wenn man zur Vergleichung die in der trockenen Materie vorhandenen Qiantitäten wählt, so sind darin enthalten: 11,36, 13,31, 12,88, 12,54, 11,15 Proc. Die absolute Zunahme erfolgt proportional der vegetabilischen Masse. 100 Gewichtstheile der Asche der Möhrenwurzeln ent- hielten : I. II. III. IV. V. Kali .... 28,67 26,20 29,11 22,19 30,48 Natron , . . 32,44 37,35 28,26 32,01 27,04 Chlornatrium . 4,21 4,06 2,33 3,73 3,44 Kalk . . . 8,75 7,68 10,24 10,85 11,53 Magnesia , . 5,72 6,14 6,75 6,35 6,46 Eisenoxyd . . 0,39 0,53 0,89 0,45 0,40 Phosphorsäure 13,19 12,27 14,56 16,11 14,H9 Schwefelsäure 4,44 4,41 4,52 7,27 :;,49 Kieselsäure . 2,19 1,27 3,34 1,04 2,08 Es geht aus dieser Zusammenstellung hervor, dass die Möhrenaschen, wie die der Zuckerrüben, überwiegend Alkalien enthalten und zwar nicht nur zur Zeit der Ernte, sondern in allen beobachteten Perioden. Zur Zeit der Ernte enthalten die Möhren nahe 60 Proc. Alkalien und es müssen demnach dieselben mit allem Rechte zu den Pflanzen gerechnet werden, Assiuiilatiou und Erniihrung. jQ5 welche wie die Hackfrüchte: Kartoffeln, Zuckerrüben, Futter- rüben etc. im Allgemeinen, hauptsächlich Alkalien in der Asche enthalten. Die Menge der alkalischen Erden nimmt in der Asche der Möhren im Verlauf der Vegetation zu, doch bezieht sich die- selbe lediglich auf den Kalk, der eine Vermehrung erfährt; die ßittererde dagegen beharrt in allen Perioden auf derselben pro- centischen Höhe, und wenn sich oben herausgestellt hat, dass die relativen Mengen der i\.lkalien eine Verminderung erfahren, so ist klar, dass das Verhältniss dieser Materien im Verlaufe der Vegetation kleiner wird. Die Menge der Phosphorsäure in der Asche der Möhre erleidet im Verlaufe der Vegetation nur geringe Schwankungen, sie scheint eine nur geringe Ver- mehrung zu erfahren. Welche Quantitäten der einzelnen un- organischen Substanzen die Möhren in verschiedenen Perioden zum Aufbau ihrer organischen Substanz bedürfen, ist aus der Berechnung derselben auf 1000 Gewichtslheile Trockensubstanz am deutlichsten ersichtlich- I. II. m. IV. V. Kali .... 18,67 18,51 18,31 13,34 18,41 Natroa . . . 21,11 26,30 17,78 19,34 16,33 Chlornatrium . 2,74 2,86 1,47 2,24 2,08 Kalk . . . 5,70 5,41 6,44 6,52 6,96 Magnesia . . 3,73 4,32 4,25 3,82 3,90 Eisenoxyd . . 0,26 0,37 0,55 0,27 0,30 Phosphorsäure 8,59 8,64 9,16 9,68 9,05 Schwefelsäure 2,89 3,10 2,84 4,37 2,11 Kieselsäure . 1,43 0,89 2.10 0,62 1,26 65,10 70,4 62,9 60,1 60,4 Bei der Betrachtung derselben fällt sogleich ins Auge, dass nur mit Ausnahme der vierten Periode die Möhrensub- stanz aller Perioden fast genau dieselben Quantitäten Kali enthält, nämlich in 1000 Theilen rund 18, während im Natron- gehalt Schwankungen zu beobachten sind. Es ergiebt sich ferner, dass die Substanzen im Verlauf der Vegetation in ihrem Gehalt an Alkalien abnehmen. Es ergiebt sich aus der Zu- sammenstellung ferner, dass die Substanz der Möhren mit fort- schreitender Entwicklung ein wenig reicher an alkalischen Erden wird, weil der Kalkgehalt steigt, dass in den ersten Perioden 106 Assimilation und Ernährung. ferner der Gehalt der Rübensubstanz an diesen Körpern etwa dem der Möhren gleich ist. Die Quantitcät der Phosphorsäure in Möhren verschiedener Perioden ist nahe gleich gross. 100 Gewichtstheile der Asche der Möhrenblätter enthielten: I. II. III. IV. V. Kali .... 18,12 18,65 15,47 19,24 14,68 Natron . . . 26,37 24,36 25,88 27,18 26,33 Chlornatrium . 8,36 5,28 3,98 3,67 4,48 Kalk . . . 20,89 21,31 26,44 26,17 27,45 Magnesia . . 7,67 11,79 7,27 5,93 6,70 Eisenoxyd . , 1,23 1,25 2,31 0,73 1,86 Phosphorsäure 7,30 6,52 6,11 6,39 6,38 Schwefelsäure 7,2G 8,25 7,87 9,46 9,72 Kieselsäure 2,80 2,59 4,67 1,23 2,40 Dass die Zusammensetzung der Möhrenblätterasche er- heblich von der der Möhrenwurzelasche verschieden ist, erhellt auf den ersten Blick. Erstere enthält viel weniger Alkalien, viel weniger Phosphorsäure, aber viel mehr Kalk und mehr Schwefelsäure in allen Perioden. In der Asche der Möhreu- blätter wird neben weniger Kali auch weniger Natron ange- troÖen, als in der Asche der Möhreuwurzeln. Die relativen Mengen der Phosphorsäure, der Schwefel- säure und der Kieselsäure zeigen in den Aschen der Blätter eine grosse Uebereinstimmung. Im Jahre 1860 wurden im Mittel aus 8 Versuchen 172 Ctr. Möhren und 58 Ctr. Blätter geerntet. Mit diesen mittleren Erträgen wurden nun folgende Mengen der einzelnen un- organischen Bestandtheile eingeerntet: o 'S 1^ S 'C "S e u o 'S Magnesia. Eisenoxyd. o . O !e8 OD 'S M :e zwischen Luft- zirkulations- und gewöhnliche Drains unternahm. Literatur. Die vollständige Breiiukiiltur in der Landwirthschaft in Bezug auf Torf-, Moor-, Rasen-, Gras- und Haidebrennen, Gereut- und Küttisbrennen, Thon-, Lehm-, Mergel- und Kalk- brennen etc. zum Behuf der Beurbarung, Verbesserung und Düngung der Kulturländereien. Herausg. von F. A. Pinckert. Berlin, 1861. Praktisches Handbuch der Bodenkultur durch Entwässerung, Bewässerung und Umwandlung, nach eigenen praktischen Er- fahrungen bearbeitet von F. G. Fürstenhaupt. Mit lith Tafeln. Berlin, 1861. Der Dünger. Düngererzeugung und Analysen verschie- dener hierzu verwendbarer Stoffe. üeber W- Zeithammer*) veröffentlichte eine Abhandlung unter Hofdüugei- ^|gj^ Titel: „Düugerstätte und Hofdünger", und behandelt in derselben die Anlage der Düngerstätten und die Erzeugung des Hofdüngers. Im Allgemeinen fasst er die nothwendigen Erfordernisse einer guten Düngerstätte in den folgenden Punk- ten zusammen. 1. Dass dieselben nahe zu den Stallungen liege; 2. dass keine Flüssigkeit aus dem Haufen verloren gehe und dass 3. die sich ausscheidende in einen Behälter fliesse, eben so jene aus den Stallungen, aus welchen sie auf den Dünger- haufen zurückgebracht werden kann; 4. dass ausser dem Regen der unmittelbar aus den Wol- ken auf die Stätte fällt, kein anderes Wasser hinzuströme; 5. dass die Stätte geräumig genug sei, um den Mist nicht zu hoch übereinander aufthürmen zu müssen; 6. dass man mit dem Fuhrwerke gemächlich hinzu könne. ♦) Allg. land- und forstwirthsch. Zeitung 1861 S. 577. Düngererzeugung u. Analysen verschied, hierzu verwendbarer Stoffe. ] 69 In Bezug der Behandlung des Düngers: 1. Ist der Dünger nicht zu hoch (nicht über 5') aufzu- schichten ; 2. ist derselbe, wo möglich, nach je einem Schuh mit einer Lage Erde von 2 — 4 Zoll zu bedecken; und 3 ist derselbe mit der im Jauchbehälter vorhandenen Jauche alle Woche ein-, bei trockener Witterung zweimal zu begiessen. Ausser dem oben Gesagten soll die Sohle der Düngerstätte undurchlassend, somit ausgepflastert, oder mit Tegel gut ausgestampft und so beschaffen sein, dass von allen Seiten ein Gefäll gegen die Jauchgrube vorhahden ist, und die absitzende Flüssigkeit dahin abfliessen kann. Ferner soll am äussersten Rande der Düngerstätte am tiefsten Punkte, wo möglich nahe an den Stallungen, eine mit Pfosten überdeckte Jauchgrube angebracht sein, welche die Jauche von der ganzen Düngerstätte und von den Stallungen aufnehmen kann. Ober- halb der Jauchgrube soll der Abort auf solche Weise ange- bracht sein, dass die menschlichen Ausscheidungen unmittelbar in die Jauchgrube herabfallen, von wo aus dieselben mit der Jauche mittelst einer Pumpe und mit Hülfe von Leitungs- röhren auf den Dunghaufen geleitet werden können. Nebst der Pumpe soll auch im Jauchbehälter eine senk- recht stehende, hölzerne, mit mehreren querstehenden Stäben versehene Welle, Balken, angebracht sein, mittelst welchen man stets vor dem Aufpumpen die Jauche mit den festen Ausscheidungen vermengen kann. Die Düngerstätte muss mit einem Erdauf würfe, oder noch besser mit einem 1' hohen Rande aus Schotter derart umgeben sein, dass dadurch das Zuströmen des Regenwassers vom Hofe und den Dachungen abgehalten wird, doch aber darüber gefahren werden kann. Die Düngerstätte soll wo möglich mit Bäumen umgeben sein, wenn sie nicht überdacht werden kann. Endlich muss noch Wasser in der Nähe der Düngerstätte sein, um für den Fall, als der Urin der Thiere zu wenig wird, der Dünger begossen werde, um ihn feucht zu erhalten und vor Schimmel zu bewahren. Zeithammer giebt in der Originalabhandluug Grundriss, Aufriss und Detail-Beschreibung der Düngerstätte, auf welche wir verweisen müssen. Weiteres über Hofdünger- bereitung. 170 Düngererzeugung u. Analysen verschied, hierzu verwendbarer Stoffe. Gustav vonSuttuer*) glaubt, dass obiger Düngerstätte eine Hauptbedingung fehlt, nämlich die Einfachheit und die von dieser bedingte Möglichkeit, den Dünger fortwährend be- handeln zu können, wie dies nöthig ist. Suttuer glaubt die Mängel der Hofdüngerbereitung nach Zeithammer dadurch zu beseitigen, dass: eine einfache Druckpumpe aufgestellt wird, welche die Jauche 7 — 8' weit zu treiben im Stande ist, dass diese Pumpe sich nach allen Richungen hin drehen lässt und so beschaffen sei, dass sie mit Leichtigkeit gehandhabt werden kann. Nach Suttner würde eine Düngerstätte in folgender Art anzu- legen sein. Alle Canäle der Stallungen in einem Hofe sind in eine oder mehrere, allenfalls 6' tiefe, 6—8' lange und 4 — 5' breite Jauchgrube, welche natürlich ausgemauert und am besten mit Portland-Cement angeworfen werden soll, um das Zerfallen der Ziegel zu verhindern, zu führen. Diese Grube ist mit Pfosten zu bedecken und in deren Mitte ein Loch für die Jauchpumpe zu belassen. Piechts und links von dieser Grube sind zwei Plätze, allenfalls 6 — 7 ' im Quadrat horizontal zu planiren, und auf einem dieser Plätze ist dann mit dem Aufführen des Dün- gers derart zu beginnen, dass ein Viereck mit rechten Win- keln von 6 ' und 5 ' Länge und Breite mit kleinen Holzpflöcken ausgesteckt wird, in welchen Raum bei jedesmaligem Aus- misten die Streu derartig gebracht wird, dass die Seitenwände senkrecht aufgeführt werden. Nachdem der Haufe so angelegt ist, wird um denselben in einer Entfernung von 1' 2 Schuh ein G" hohes Prisma aus Latten rund herum angelegt, welches in die Jauchgrube ein- mündet und Raum lässt, um mit einer Schaufel den Haufen mit der von demselben abfliessenden Jauche in den Seiten zu bespritzen, und welches zugleich das von den Dächern und dem Hofe zuströmende Wasser abhält. Die in der Jauchgrube befindliche Pumpe ist in einer ab- gehobelten und gehörig ausgebohrten Baumröhre eingefügt, welche sich auf einem eisernen Stift dreht, welcher selbst *) Allgem. land- und f'orstwirthsch. Zeitung ISöl S. 775. Düngererzeugung u. Analysen verschied, hierzu verwendbarer Stoffe. 17] auf einem am Boden der Jauchgrube befindlichen und daselbst eingemauerten Querbalken befestiirt ist. Ist nun ein Haufe in der Höhe von 5 — 6' vorhanden und zum Ausführen reif, was gewöhnlich nach 5 — 6 Wochen der Fall ist, so fängt man an, den zweiten Platz mit Dünger zu belegen. Auf diese Art erhält man einen Dünger, der nichts zu wünschen übrig lässt, und die nothwendigen Vorauslagen sind dabei ungemein gering. Auch Suttncr giebt der Beschreibung 'der Düngerstätte die nöthigen Zeichnungen bei. Le Hardy de Beaulieu erstattete in der Sitzung der Societe central d'agriculture de Belgique am 1 1. Februar 1861 *) den Bericht der Kommission, welche die Frage über die Be- nutzung des sogenannten städtischen Düngers zu studiren hatte. Die Kommission spricht sich in Beziehung auf Brüssel für eine Ansammlung des Menschenkothes, Urins, Kehrichts u. dergl. , in eigenen Sammelgruben ausserhalb der Häuser aus und schätzt den Werth dieses auf diese Art in Brüssel zu gewinnenden Düngers auf 300,000 Fr. p. Jahr. Im Wesentlichen ist diesem Berichte nichts Neues zu entnehmen. Das Interessanteste ist eben an demselben, dass man ersieht, wie man sich auch in Brüssel bemüht, dieses so kostbare Dungmittel der Landwirthschaft zuzu- führen, was wol von der Hauptstadt Belgiens, eben nicht wundern kann. Uebrigens wird der Kehricht in den meisten Städten Belgiens mit besonderem Fleisse gesammelt, wovon sich jeder leicht überzeugen kann, der Gelegenheit hat, einen Blick in die Ferme des boues von Brüssel zu werfen, diesen Stapelplatz der Abfälle des Lebens und Treibens einer grossen Stadt. An diesem Orte wird sämmtlicher Kehricht und andere Abfälle von Brüssel zu- sammengeführt und Landwirthen dann abgelassen, welche auf Kanalschiffen unmittelbar aus dem Hofe" den Dünger über einen grossen Theil von Belgien verführen. lieber den Werth der menschlichen Auswürfe hielt Berail bei Gelegenheit der Versammlung niederländischer Landwirthe zu Nyrawegen einen Vortrag, gestützt auf mehr als 30jährige Erfahrung über diesen Gegenstand.**) Das Hauptaugenmerk *) Journal de la Soci^t^ Cent. d'Agriculture de Belgique 1861 p. 63. **) Agronom. Zeitung 1861 S. 11 (Aus Sussmann 's Zeitschrift de Boeren-Goudmiju). iJericht über die Benut- zung tlCH Ka nhaltus V( Brüssel. Ueber den Werth der liehen Aus- würfe. 172 Uüngererzeugung u. Analysen verschied, hierzu verwendbarer Stoife. Kunst- ilüngererzeu- gung in England. Berail's war daraul" gericlitet, etwas herzustellen, was die Aborte mit ihren übelriechenden Rinnen und Gruben abändern und neben der Beförderung der Reinlichkeit, den Hauptzweck erziele, die menschlichen Exkremente unverdorben und in ihrer ursprünglichen Kraft für den Landbau zu erhalten. Berail erwähnt nun wol, es sei ihm nach 25jähriger Ausdauer ge- lungen, endlich geruchlose Aborte und Pissoirs (Inodores und Urinoirs genannt) anzufertigen. lieber die Construction derselben suchen wir jedoch vergeblich nach einer Beschreibung, wenn wir auch immerhin sehr viel Lobenswerthes über diese Inodores hören und treffliche Worte gegen Verschwendung der mensch- lichen Exkremente finden. Auch eine eingehende Ertragsberechnung bei der Benützung der Exkremente nach seinem Systeme ist angeführt E. Kirchhof*) macht den Vorschlag, die Landwirthe mögen so lange als wir noch keine durchgängige Gewinnung des Senkgrubeninhaltes unserer Städte in entsprechender, leicht transportfähiger Form haben, den Inhalt der am wenigsten wasserreichen zum allgemeinen Vortheil durch die Umwand- lung in Gyps - Guano benutzen. Unter Gyps - Guano ver- steht Kirchhof das Gemenge aus Gyps und dem Senkgruben- inhalt, das man dadurch erhält; dass man in die leeren Cloakengruben feinen ungebrannten Gyps bringt, und dann noch von Zeit zu Zeit solchen Gyps in die sich sammelnden Exkremente einrührt. Man kann den Gypszusatz immer so weit beschränken, dass nach dem Durchmengen sich noch stets eine geringe flüssige Schichte obenauf erhält, über welche man einige Mass Steinkohlentheer giesst, um sie vor jeder Ver- flüchtigung zu schützen. Eine sehr zu empfehlende Zusammenstellung der Entwicklungsgeschichte der Benutzung der Exkremente des Menschen als Dünger und der zur Stunde in Frankreich und den grösseren Städten bestehenden Einrichtungen in dieser Beziehung lieferte M. Block.**) J. Reihlen behandelt die Kunstdüngererzeugung in Grossbritannien, indem wir auf diesen Artikel die Fachleute verweisen***), heben wir die nachstehenden Daten hervor: *) Allg. land- u. forstwirthsch. Zeitung 1861 S. 67, •*) Annalen der Landwirthschaft 1861 S. 192. ***) Wochenblatt f. Land- u. Forstwirthschaft 1861 ö. 185. Düngererzeu,?unp u. Analysen verschied, hierzu verwendbarer Stoffe. I73 Die ersten Düngerfabriken wurden von Mr. T. R. Law es und der Londoner Düngergesellschaft im Jahre 1840—41 ein- gerichtet. Jetzt bestehen derartige Fabriken in allen Theilen des Landes. Der Verbrauch an mineralischen Phosphaten wird in folgender Art per Jahr beziffert: Koprolithen von Cambridge 40000 Tonnen, Koprolithen von Suffolk 3000 Tonnen, Apatit und andere mineralische Phosphate 5000 Tonnen. Von Chilisalpeter belaufen sich die Einfuhren in England auf 2600 Tonnen jähr- lich, von schwefelsauren Ammoniak werden ungefähr 6000 Tonnen verwendet. Karmrodt"^) macht Mittheilungen über die Phosphorite aus Westphalen und deren Aufschliessung. Es wurde der Analyse unterzogen: L Phosphorit von Horde (mittlere Probe); IL Phosphorit aus Westphalen (Fundort nicht angegeben); IIL Phosphorit aus den Eisensteingruben bei Schwelm (Durch- schnittsprobe). Die Ergebnisse der Untersuchung sind folgende: Pliospliorit aus West- phalen. 1. 2. unbekannter 3. Aus Schwelm Kali. . . . Natron . . . Aus Horde, 0,515) 0,220' Fundort. 1,420 ungeröstet. geröstet. Kalk . . . Bittererde . . 24,204 1,270 23,140 1,280 — — Manganoxydul Eisenoxydul . Eisenoxyd . . Thonerde . , 1,1951 13,17o| 0,855' 4.610 28,930 4,670 — — Phosphorsäure Kohlensäure . 19,410 3,955 12,680 19,52% 22,82"/« Kieselsäure . 13,715 15,410 — — Fluorcalcium . 3,393 — — — Schwefelkies . 1,662 Kohlenstoff . Wasserstoff/ Sauerstoff 1 1,645 8,281 — — Stickstoff . . Feuchtigkeit . kleine Mengen 1,900 — — — 100,000 100,000 *) Zeitschrift des landwirthsch. Vereins f. Rheinpreussen 1861 S. 389. 174 Düngererzeugung u. Analysen versohiefl. hierzu verwendbarer Stoffe. Die Versuche, welche unternommen worden sind, um die Phosphorsäure des Phosphorits in einen für die Landwirth- schaft brauchbaren Zustand zu bringen, richteten sich zunächst, da es gewünscht wurde, auf die Beseitigung des Eisenoxydnls, weil man Eisenoxydulverbinduugen überhaupt als schädlich für . die Pflanzenvegetation erkannt hat. Durch Glühen (an der Luft) gelangt das Mineral wol in eine passendere Form, indem die verbrenubaren Stoffe beseitigt werden und das Eisenoxydul sich grösstentheils iu Eisenoxyd verwandelt; aber die Schwefelkiese werden in einfach Schwefeleisen verwandelt, und dieses geht an feuchter Luft bald in Eisenvitriol und erst später in andere oxydirte Eisenverbindungen über. Man sollte also den geglühten Phosphorit nicht gleich als Düngemittel verwenden, sondern denselben erst einige Zeit feuchter Luft aussetzen. Der nicht geglühte gepulverte Phosphorit wird wegen der vorhandenen bituminösen Substanz nur langsam seine Bestandtheile — also auch die Phosphorsäure — zur Wirkung kommen lassen. Man hat vorgeschlagen, den Phos- phorit mit Schwefelsäure aufzuschliessen, in der Weise, wie man auch mit Knochenmehl, wenn selbiges auch in Superphos- phat verwandelt werden soll, verfährt. Das aus Schwelm ein- gesandte Material, im gerösteten und nicht gerösteten Zustande wurde feingepulvert mit Schwefelsäure versetzt, welche vor ihrer Anwendung mit einem gleichen Gewichtstheile Wasser verdünnt worden war. Das Pulver wurde mit der Säure gut vermischt und massig erwärmt. Nach langandauernder Kohlen- säureentwickelung wurde die Masse nach und nach klumpig und hart und hatte eine dunkelaschgraue Farbe angenommen. Die Gewichtszunahme betrug L bei Anwendung von 10 pCt. englischer Schwefelsäure : bei angeröstetem bei geröstetem Material 10,6% 15,2"» Die Masse wurde zerrieben und mit Wasser ausgewaschen. In Lösung kamen nur 0,2 Proc. Phosphorsäure bei angeröstetem Minerale und 0,12 Proc. bei geröstetem Minerale. 2. J"nfferwerth Gewerben zu Zwecken ihres Düngerwerthes. I'" BiTici " Die Säure, welche aus den Bleichanstalten der Papier- anstaite... fabriken abgeht, und deren schadloses Unterbringen dem Fa- brikanten häufig viel Noth macht, enthält im Liter: ]. 2. o. Freie Salzsäure .57,60 53,75 50,70 Eisenchlorid . 40,50 40,30 37,95 Manganchlorür 142,50 76,90 78,20 Chlor .... 21,30 wenig wenig Chlorcalcium . wenig 0,65 7,70 ♦) Wochenblatt d Annal. d ],andwirtbsf:h. ISCI S. 548. **) Zeitschrift des landwiitbsc^h. ^'^^eills \<)u Klicinprciis.sen 1801 S. 387. HotfmanD, Jabreäbericbt IV. 12 178 Düngererzeugung^ u. Analysen verschied, hierzu verwendbarer Stofte. Es würde gewagt sein, derartige Flüssigkeiten für land- wirthschaftliche Zwecke unbedingt zu empfehlen. Sie sind aber wahrscheinlich zur Bindung des Ammoniaks auf dem Dung- haufen und im Jauchenkeller zu benützen, meint Karmrodt. Eine andere Flüssigkeit aus einer Papierfabrik enthielt im Liter 2,31 Grm. Chlorcalcium, 0,88 Grm. Chlorkalium, 1,12 Grm. Chlornatrium, 0,24 Grm. schwefelsaures Kali, 1,79 Grm, Am- moniak und 2,02 Grm. feinvertheilten Thon. Mit Wasser ver- dünnt wird diese Flüssigkeit in Ermangelung von Jauche zum Begiessen der Gemüse, aber auch zum Ueberfahren der Wiesen und anderen ähnlichen Zwecken nützlich zu verwenden sein. Dängerwerth Das WoHwäschc-Wasser aus einer Streichgarnspinnerei, welches wonrä..ch- ™ Liter 0,18 Grm. Mineralsalze, 1,25 Grm. stickstoffhaltige Wasser», orgaulsche Substanzen (Fettschweiss von Schafen etc.), 8,07 Grm. fetten Oels und 5,4 Grm. Ammoniak enthält, bedarf, wenn es zu Düngezwecken verwendet werden soll , einer grösseren Ver- dünnung mit Wasser als die vorige Flüssigkeit aus der Pa- pierfabrik. Düngerwerth Robert Hoifmann''') lieferte die Analyse von Abfällen der Abfälle ^^^^ elucr Sodafabrlk und aus einer Tabakfabrik. aus eiuer Sodafabrlk. 100 Gewichtstheile der Abfälle aus der Tabakfabrik enthielten: Wasser .^ 32,16 Organische Stoffe 10,G0 (Mit Stickstoff 0,279) Kohlensauren Kalk mit geringen Mengen Magnesia 13,50 Eisenoxyd, Thonerde 2,ötj Alkalien (meist Kali) 1,77 Phosphorsiiure 0,80 Sand, Thon 38,51 100,00 *) Centralblatt f. d. gesammte Landeskultur 1861 S. 210, Düngererzeugung u. Analysen verschied, hierzu verwendbarer Stoffe. [79 Au3 der Sodafabrik: Hygroscopisches Wasser 10,000 Eisenoxyd, Thonerde 3,400 Schwefelsaurer Kalk . . 2,441 Kohlensaurer Kalk . . 48,143 Schwefelsaures Natron . a,800 Kohlensaures Natron . 7,205 Schwefelcalciuni . . . 7,205 Sand 3,000 Kohle 14,400 99,594 Obwol in einer jeden Tabakfabrik von der eigentlichen Pflanze alles so sorgsam wie möglich Benutzung findet, so zeigt es sich doch, dass der Kehricht, Staub u. dgl. aus den Arbeitssälen, welche Stoffe im Allgemeinen obige Abfälle bil- den, doch nicht ohne Werth ist und sich obige Erde, wo die Fracht nicht zu viel beträgt, recht gut zu Composthaufen ver- wenden lässt. Wenn diese Abfälle der Sodafabrik nun eben auch keinen so besonderen Werth als Dungmittel beanspruchen, so ist es doch immer unverzeihlich, wenn man sie geradezu in Gruben versenkt — wie dies geschieht — um sie zu vertilgen. Th, Siegert lieferte als Anschluss an seine früheren Analysen*) in dieser Beziehung eine weitere von Schlamm.**) Der Schlamm stammt aus dem Teiche Grüna in der Nähe von Chemnitz. Die Zusammensetzung dieses Schlammes war folgende : *) Jahresbericht III. Jahrg. S. 39. *•) Amtsblatt f. d. Ir.ndw, Vereine d. Königr. Sachsen 18G1. S. 40. 12* 28Q DüiigcvfTzeuguiig u. Analysen verschied, hierzu verwendbarer StofiFe. im lufttrockenen im frischen rhlaiiim iialvKeii. Wasser . . . . Organische Stoffe Thon und Sand iThonerde in Salzsäure ),- Eis löslieh. Kalkerde Talkerde . Natron . Kali . . . Schwefelsäure Phosphorsäure Salpetersäure , Kohlensäure . Chlor . . . Stickstoff . . Ilumussäuren . noxyd Zustand 6,69 °>. 14,68,, 65,40 „ 7,88 „ 0,30 „ 0,49 „ 0,10,, 0,54 „ 0,28 „ 0,63 „ Spur 99,99 "i 0,82 „ 3,90 „ Zustand 70,87 "/o 4,74 „ 21,10 „ 2,55 „ 0,09 „ 0,16 „ 0,03 „ 0,17 „ 0,09 „ 0,20 „ Spur 100,00".. 0,26 „ 1,26 „ Auch Pincus aiialysirte Proben yoii Schlamm u. z. Teich- schlammproben.*) 100 Theile Teichschlamm (lufttrocken) enthielten: S J 5 'S 4M CS N •c o o ii l_J tu Robacowa, Preussen. Ni>. 1. ~ o 1 ^ No. 11. SS a> No. 111. Hygrosoopiselie Feuch- tigkeit Organische Substanz . . Asche 1.3,21 74,12 12,67 18,24 34,74 47,02 6,22 37,32 56,46 21,00 66,62 12,38 3,77 7,81 88,42 18^28 07,20 14,52 10,05 83,37 6,58 In der organischen Substanz: Humussäuren . . . . iim Ganzen in ]''orm von Ammoniak 11,79 7,08 3,92 37,61 29,56 2,59 1,75 1,57 1,55 0,47 2,80 0,19 0,11 0,06 0,10 - 0,14 83,37 2,59 0,02 *) Agrikultuichemische und chemische Untersuchungen und Versuche, ausgeführt an der Versuchsstation lusterburg 11. Bericht S. 117. Düngererzeugung u. Analysen verschied, hierzu verwendbarer Stoffe. Jßl Asehenbestaudthcile : £ S CS rO •SS o In Salzsäure unlöslich Lösliche Kieselsäure . Schwefelsäure . . . Phosphorsäure . . . Chlor Kohlensäure .... Eisenoxyd I Thonerde ( • • • • Kalkerde Magnesia Kali Natron 2,58 0,09 0,67 0,17 3,25 0,95 4,61 0,25 0,06 0,02 29,05 1,12 0,79 0,17 0,10 4,57 1,43 1,25 7,71 0,34 0,23 0,21 12,95 46,97 23,41 0,52 6,01 0,37 6,67 2,21 0,23 15,34 0,64 0,55 0,45 3,53 0,48 0,86 0,11 0,02 0,99 0,98 1,07 4,01 0,24 0,04 0,04 Robacowa, Preussen. No 1. No. 11. r^ u C ^ & i « o ° R- ■/J " 67,25 0,18 4,10 5,26 0,55 0,48. 0,90 0,21 2,69 0,09 1,22 0,13 3,10 0,66 0,25 5,71 0,24 0,22 0,20 1,00 0,06 0,44 0,01 1,47 0,67 0,17 2,36 0,07 0,09 0,09 56,40 12,37 1 78,93 14,51 6,43 Zusammensetzung' und Eigenschaften der Dungmittel des Handels. W. Knop*) behandelte die Frage: Was dem Landwirtlie uebo?den die chemische Analyse der Dünger nützt. Vorerst weist er darauf hin, dass die Chemiker dem Landwirthe zum Tlieil un- genügende Analysen liefern. Er weist auf die noch jetzt üb- liche Gewohnheit vieler Chemiker hin, die Analysen von Knochenmehl, Superphosphat, Guano oder anderen Materialien derart abzufassen, dass man dem Landwirthe Zahlen für fol- gende Dinge angiebt: I) Eine Zahl für phosphorsaure Erden; 2) eine Zahl für den Wassergehalt ; 3 ) eine Zahl für organische Substanzen. Knop weist weiter daraufhin, dass es dem Landwirthe oft nicht klar ist, was er überhaupt als Hilfsdünger zu kaufen Werth der cliem. Anal. der Diing- nittel fiir die L.andwir^h- schaff. *) Amtsblatt f. d. landw. Vereine Sachsens 1861 S. 2. 132 Zusammensetzung u. Eigenschaften der Dungmittel des Handels. braucht. Es kommt hierbei nur darauf an, sich klar zu machen, dass die Hilfsdünger zunächst in 2 Klassen zerfallen: 1) Solche, durch welche diejenigen Stoße dem Felde wieder zugeführt werden, an welchen bei fortwährendem Bebauen des Feldes dieses verarmt; 2) solche, welche in dieser Beziehung be- deutungslos aber dadurch wirksam sind, dass sie die im Boden vorhandenen Stoffe löslich machen. Als Dungmittel der ersten Klasse unterzieht Knop Knochenmehl, Superphosphat, Knochen- kohle, Guano und Kuhdttnger einer Betrachtung. Das Knochenmehl kann auf einmal zwei Stoffe (Phosphor- säure, stickstoffhaltige Stoffe) an denen der Boden durch die Pflanzenkultur wieder verarmt, wieder ersetzen, und dieses ist seine Bedeutung als Dünger. Knop hebt besonders hervor, dass der Landwirth im Knochenmehle nichts anderes kauft, als Phosphorsäure und stickstofflialtigen Knorpel; denn den Kalk kann er billiger kaufen, und Alkali enthält der Knochen von Natur so gut wie gar keins. Will er sich also vom Werthe eines Knochenmehls überzeugen, so fordere er die Bestimmung 1) der Phosphorsäure, 2) der organischen Substanz. Durch diese ist der Werth bestimmt, und weiter braucht bei Knochenmehlanalysen nichts bestimmt zu werden. Was das Beinschwarz und das daraus bereitete Superphosphat an- belangt, so kauft der Landwirth in demselben nur Phosphor- säure und diese im Beinschwarz in unzweckmässiger (zu schwer löslicher) Form, in Superphosphaten in löslicher Form. Hieraus folgt die Regel, dass der Landwirth Superphosphate nur nach dem Gehalt an löslicher Phosphorsäure kaufen muss. Bei Guanos kommen drei Bestandtheile in Betracht: Kali, Phos- phorsäure und stickstoft'hältige organische Substanzen. Was nun die H. Klasse der Dungraittel anbelangt, d. h. gewisse Mineralsalze, deren nützliche Wirkung für den Landbau, wenn auch nicht allgemein, so doch in besonderen Fällen unbestreit- bar ist, führt Knop als Beispiel das Kochsalz und den Gyps an. Soll dem Landwirthe die Analyse eines Düngers etwas nützen, so müssen eben diejenigen Stoffe, durch welche dieses oder jenes Dungmittel wirkt, deutlich in denselben hervorgehoben sein. Zusammensetzung u. Eigenschaften der Dungmittel des Handels. 183 Ed. Peters*) lieferte mehrere Aualysen des sogeuaimten Analyse vom Stassfurter Abraumsalzes. Dieselben sind mit Angabe der ^t'^'^«''"'-'"- AbrauniBalz. Bezugsquelle in Folgendem ersichtlich. 100 Gewichtstheile des bei 100" getrockneten Salzes enthielten: No. I. No II. No. III. Vom Herrn ! Vom Herrn Vom Herrn Oek.-R. Okel,:Oek.-E. Okel, Dir. Schober, aus Stassfurt aus Berlin aus Stassfurt bezogen. bezogen. bezogen. Kohlensauren Kalk Schwefelsauren Kalk Vierdrittel bors. Magnesia . . . Chlormagnesium Schwefelsaures Kali Schwefelsaures Natron .... Chlornatrium Sand und Thon Brom, Wasser, bituminöse und organische Stofi'e 0,327 2,004 4,099 22,729 19,212 17,205 29,081 1,760 3,583 6,500 8,296 1,600 0,567 1,924 9,258 51,222 17,600 3,033 2,448 3,528 16,250 5,346 12,269 57,313 0,580 2,266 Berechnete Chlormenge .... Gefundene Chlormenge .... 100,000 34,622 34,502 100,000 31,494 31,584 100,000 46,905 47,108 No. I. Die Probe war ursprünglich sehr feucht, im Wasserbade getrocknet bildete es ein grobkriimcliges Gemenge von klaren, durchscheinenden, farb- losen Stückchen, welche fast ganz aus Natronsalzen bestanden und einer zu- sammengebackenen Salzmasse, untermischt mit Staub- und Schmutzpartikelchen. Unterscheiden Hessen sich noch kleine schneeweisse Krümelchen, welche viel Magnesia und Borsäure enthielten. No. IL Diese Sorte hatte ein von dem der vorigen sehr abweichendes Ansehen, sie war auch beim Transport viel weniger feucht geworden. Im trockenen Znstande bestand sie aus einem aschgrauen, erdigen Pulver, untermischt mit einzelnen Stückchen von Braun- kohlenkohle und mit etwas Sand, in welchem verschiedenartige grössere Stücke eingemengt waren. Diese letzteren, von Erbsengrösse bis zur Grösse eines Taubeneies, waren theils krystallinische, oder derbe, durchsichtige und farb- lose Salzmassen, welche, der qualitativen Untersuchung nach, aus ziemlich reinem Kochsalz bestanden; andere Stücke zeigten sich undurchscheinend, dies waren theils flache, aschgraue Massen, theils weisse opake Krümelchen. Die aschgrauen Stücke bestanden fast ganz aus schwefelsaurem und kohlen- *) Die landwirthschaftlichen Versuchsstationen Bd. II. S. 293. 184 Zusammensetzuns; u. Eigenschaften der Dungmittel des Handels. saurem Kalk mit etwas Kochsalz und schwefelsaurem Natron, die opaken, weissen enthielten borsaurc Magnesia. Das von den direkt aus Stassfurt bezogenen Sorten ganz verschiedene Ansehen dieser Berliner Sorte, macht es wahrscheinlich, dass diese nur zum Theil aus Abraumsalz bestand, welches mit Pfannenstein, dem beim Versieden von Salzsoole in den eisernen Kesseln sich anlegenden Absätze, und ausserdem noch mit Sand und Braunkohlen- asche vermengt war. No. III. Das Salz bestand in dem Zustande, in welchem es ankam, aus kleineren und grösseren Klumpen, unter denen sich Schollen von mehreren Pfunden an Gewicht vorfanden. Es zeigte sich, dass es aus mehreren verschiedenen Salzmasseu gebildet war, welche an vielen der grösseren Stücke in übereinanderliegenden Schichten sich unterscheiden Hessen. Die Königliche Salzwcrksdirektion in Stassfurt hat ebenfalls mehrere Analysen des Abraumsalzes ausführen lassen.*) Ferner lieferten v. Liebig,**) Hßllriegel, ***) Birncr,t) Brettschneider und Küllenberg ff) Analysen dieses Salzes. Es enthielten 100 Gewichtstheile : Chlornatvium ....... Ohlorkalium Schwefelsaures Natron .... Schwefelsaures Kali . . . . Chlorcalcium . Schwefelsaure Magnesia . Schwefelsaurer Kalk .... Schwefelsaure Thonerde . . . Kohlensaurer Kalk Chlormagnesium ...... Chloraluminium Eisenoxyd, Phosphorsäurc . . Sand Organische Stoße Feuchtigkeit, Hydrat- u. Kry- stallwasser . 19,68 0,54 19,20 0,00 0,00 ifid 30,11 16,14 12,87 2,69 57,5 0,00 0,74 — — — — 14,34 1,9 ; 16,70 12,24 15,76 2,0 0,00 2,31 — — 7,50 0,00 — 2,4 — — — 19,1 0,74 — — — — — — 4,4 — 31,49 — — 0,22 — — — — — Spur 1,41 2,53 — 5,1 — — — 0,5 •29,76 28,13 35,72 7,1 39,18 0,32 15,24 23,09 1,11 0,11 8,22 20,73 Ueberblickt man die verschiedenen Analysen des Stassfurter Abraum- salzes, das erst in neuester Zeit im Handel vorkommt, so ersieht man, dass *) Die laiidwirthscliaftlichen Versuchsstationen Bd. II S. 293. **) Zeitschrift d. laudwirthschaftlichen Vereins in Baiern 1860 S. 32. ***) Die landwirthsch. Versuchsstation Bd. II S. 306. f) Wochenblatt d. Annalen d. Landwirthsch. 1861 S. 274. ff) rV. Hericht der landwirthsch. Versuchsanstalt Ida-Marienhütte S. 4. Zusammensetzung u. Eigenschaften der Dungmittel des Handels. 185 wir es mit einem Salze zu thun haben, das keinesfalls frei von fremdartigen Beimengungen ist, im Gegentheil eine sehr bedeutende Menge von verschie- denen Kali-, Magnesia-, Kalk- und andern Salzen enthält, welche Beimen- gungen jedoch dessen Verwendbarkeit als Dungsalz nicht beeinträchtigen, sondern nur vermehren, namentlich durch den Gehalt an Kalisalzen. Das Salz, welches unter dem Namen „Stassfurter Abraumsalz" in dem Handel vorkommt, lagert auf den eigentlichen Steinsalzlagern von Stassfurt*) und muss erst entfernt werden, um zu denselben gelangen zu können. Diese Schichten des unreinen Salzes sind einige hundert Fuss mächtig und bieten in ihrer Zusammensetzung eine grosse Verschiedenheit, indem das Salz dieser Schichten mit verschiedenen, namentlich Kali, Magnesia, Kalk, Schwefelsäure, Kohlensäure und Borsäure enthaltenden Mineralien**) gemengt ist, ferner variirende Mengen von Thon, Sand und organischen Stoffen enthält. Es muss auf das eindringlichste das landwirthschaftliche Publikum auf dieses so überaus billige Dungsalz aufmerksam gemacht werden, weil durch dasselbe auch dem Boden eine Menge von Kalisalzen einverleibt werden. Der Zentner dieses Salzes wird zu 7 Ngr. 8 Pf. loco Stassfurt abgelassen und zwar unter Garantie eines Kaligehaltes von 12 — 13" o. Es ist dies eine neuere Bestimmung der Salinendirektion, aus welcher wir folgern können, dass dieselbe im Besitze entsprechender Vorrichtungen ist, um die verschie- denen Ablagerungsschichten des Salzes, die wie die Analysen zeigten, so ver- schieden zusammengesetzt sind, gleichmässig zu mengen, was sehr zu wünschen ist. Sollte sich Jemand besonders für das Steinsalzlager vonj Stassfurt in- teressiren, so verweisen wir auf das Schriftchen von Dr. E. Reichardt: ,,Das Steinsalzbergwerk Stassfurt bei Magdeburg." K rock er***) lieferte die vergleichende Analyse der grünen Anaiysenvon und braunen Rapskuchen. braunem und grünen Raps- Es enthielten 100 Gewichtstheile brauner grünlichgelber Feuchtigkeit 5,8 10,50 Proteinsubstanz 41,12 28,18 In Wasser mit l" o Salzsäure lösliche Proteinstoffe 15,43 21,03 In reinem Wasser lösliche Stoffe 24,24 31,82 In Wasser von l"o Salzsäure lösliche Stoffe . . . 35,20 50,00 Fett 9,00 12,00 Andere stickstofffreie Substanzen 21,08 30,75 kuchen. *) Stassfurt liegt 3^ Meilen von Magdeburg unweit der Mündung der Bode in die Saale. Obwol es schon seit älterer Zeit Salzquellen besitzt, fand man doch erst im Jahre 1839 durch Bohrversuche das ungemein mächtige Stein- salzlager. Seit 1852 wird das Salz bergmännisch abgebaut. •*) Solche Mineralien sind: Stassfurtit (Boracit), Polyhalit, Martinsit, Carnallit, Kicserit, Gyps. ***) Aus der schles. landw. Ztg. durch Wild 's Centralblatt 1861 S. 307. Guanos Igf) Zusammensetzung u Eigenschaften der Dungmittel des Handels. brauner grünlichgelber Asche 7,60 (3,02 Stickstotfgehalt 6,58 4,51 Unter- K ji T 111 T cl t ''') üoferte uns eine Untersuchung über die suchungen ^ugammcnsetzung und die Eigenschaften der näheren Bestand- über die näheren Bc- theile des ecMcn Peruguauo. standtheiie K a r 111 r d t sagt: Bei Betrachtung eines Guano bemerken wir zunächst, dass in demselben grössere feste Stücke und pulverige Bestandtheile vorkommen. Ein übrigens sehr guter Guano zeigte durch's Sieb getremit: 1. Stücke bis zur Faustgrösse ..... 48,09 Proc. 2. Grobes Pulver bis Erbsengrösse , . 14,18 „ 3. Feines Pulver bis zur Rapskorngrösse 99,96 „ Die Bestandtheile hatten folgende Zusammensetzung: 1. 2. 3. Kali und Natronsalze .... 3,27 0,89 1,97 Phosphorsaure alkalische Erden 9,27 3,37 9,39 Kieselerde und Sand .... 0,43 0,16 0,55 Aschenmenge . . .... 12,97 4,42 11,91 Flüchtige verbrennbare Stoffe . 28,93 7,90 20,82 Feuchtigkei t 6,19 1,86 4,96 48,09 14,18 37,69 Stickstoffge halt 7,47 2,05 5,34 Phosphorsäuregehalt .... 5,14 1,76 4,85 Um die Zusammensetzung dieser Theile mit der eines gleichmässig ge- mischten Peruguanos zu vergleichen , mögen folgende procentische Zahlen dienlich sein. 1. 2. 3. Kali und Natronsalze 6,80 6,27 5,23 Phosphorsaure alkalische Erden . 19,28 23,77 24,91 Kieselerde un d Sand 0,89 1,13 1,46 Aschenmenge 26,97 31,17 31,60 Flüchtige und verbrennbare Stoffe 60,15 55,71 55,24 Feuchtigkeit 12,88 13,12 13,16 100,00 100,00 100,00 Stickstoffgeha lt 15,53 14,45 14,17 ' Phosphorsäuregehalt 10,68 12,41 12,87 *) Zeitschrift des landw. Vereins von Rheinpreussen 1861 S. 401. Zusammensetzung u. Eigenschaften der Dungmittel des Handels. Jg? Gewöhnlich findet man das Pulver des Guano feuchter als die Stücke, dies ist wol mehr von der Eigenschaft pul- veriger Körper, leichter feucht zu werden, als dichte Massen abhängig. Peinige Versuche mit den gut ausgetrockneten Ge- mengtheilen, welche auf ein gieichmässig feines Pulver gebracht wurden, ergab, dass Grobe Stücke Kleine Stücke Pulver (feinzerrieben) (feinzerrieben) (feinzerrieben) in 48 Stunden 1,40 Proc. 1,30 Proe, 1,10 Proc. in 4 Tagen 3,90 „ 3,8b „ 4,07 „ in 22 Tagen 13,90 „ 12,65 „ 12,50 „ Wasser aufnahmen. Die kleinen Unterschiede, welche sich hierbei ergaben, sind wahrscheinlich mehr durch die nicht vollkommen gleiche Pulverisirung als von der etwas verschiedenen Zusammensetzung der Gemengtheilc des Guano hervorgerufen. Jedenfalls würden sich grössere Unterschiede gezeigt^ haben, wenn hygroscopische Verbindungen in diesem oder jenem Theile vorgeherrscht hätten. Ausführliche chemische Untersuchungen eines Guano lassen nun einen Blick in dessen eigentliche Zusammensetzung thun. Karmro dt hat zu dieser Darstellung einen sehr guten Guano gewählt und fand in demselben: Chlornatrium 2,44 Schwefelsaures Ammoniak 1,82 Schwefelsaures Kali 3,30 Chlorammonium 1,55 Phosphorsaurc Ammoniak-Bitterde 4,00 Phosphorsaures Ammoniak 0,90 Kleesaures Ammoniak 13,60 Harnsaures Ammoniak 12,74 Stick stolf und schwelelhaltigc organische Substanzen . 3,61 a) Summa der in Wasser leicht löslichen Eestandtheile 43,96 Phosphorsaurer Kalk 18,22 Phosphorsaures Eisenoxyd 1,04 Kieselerde 0,64 Harnsäure 21,14 Harz 1,11 Fettsäure (Guanofettsäure) 1,60 StickstofiF und schwefelhaltige organische Substanzen 2,29 b) In Wasser sch\ver löslich, löslich in Salzsäure, Alkohol u. Aether 46,04 Summa beider Theile 100,00 188 Zusammensetzung u. Eigenschaften der Dungmittel des Handels. Der Hauptwerth des Peruguano liegt in seinem Stickstoff- gehalte; im vorliegenden Falle ergab die Analyse der luft- trocknen Probe (mit 14 p. C. Feuchtigkeit) die bedeutende Menge von 16,66 p. C Stickstoff, oder im wasserfreien Guano, auf welchen alle vorhin mitgetheilten Zahlen bezogen sind, 19,25 p. C. Dieser Stickstoffreich thum vertheilt sich hier: auf die Harnsäure zu .... 10,72 Proc. auf das Ammoniak (der Salze) zu 6,73 „ auf die organische Substanz zu . 1.80 „ Wir dürfen mit grosser Wahrscheinlichkeit annehmen, meint Karmro dt, dass bei der Wirkung des Guano als Dttngestoff von den Stickstoff Verbindungen zuerst die Am- moniaksalze beansprucht werden. Gleichzeitig und weiterhin verwandelt sich unter dem F.infiusse der Feuchtigkeit, der Luft und der Wärme die Harnsäure nach und nach ebenfalls in Ammoniak und Kohlensäure. Obige 10,72 p. C. würden nach und nach also über 36 p. C. kohlensaures Ammoniak bilden. Unter den Bestandtheilen des Guano sind ferner noch bemerkenswerth, die verschiedenen Verbindungen der Phos- phorsäure mit Ammoniak, Bittererde und Kalk. Der phos- phorsaure Kalk, welcher in einer im Wasser schwerlöslichen Form vorhanden ist, unterscheidet sich bezüglich seiner Wirk- samkeit auf die Pflanzenvegetation vielleicht nur wenig von dem phosphorsauren Kalke der stickstofffreien Guanosorten der Südsee -Inseln u. s. w. oder dem phosphorsauren Kalke der feinern und besser präparirten Knochenmehlarten. Die in Wasser leicht löslichen phosphorsauren Verbindungen des Ammoniaks und der Bittererde enthalten hier fast 7 p. C. oder ungefähr die Hälfte der ganzen vorhandenen Phosphor- säure. Die oben als stickstoft- und schwefelhaltig bezeichnete organische Substanz scheint ein Gemenge mehrerer Stoffe zu sein; sie enthält ungefähr 30 p. C. Stickstoff und 10 p. C. (?) Schwefel. Die Stückchen, welche im Guano vorgekommen sind, sorgfältig gereinigt, oft weiss, grauweiss, braun oder röthlich gefärbt, sie sind oft matt und bröcklich, oft fett- glänzend und krystallinisch. Sie haben keine konstante Zu- sammensetzung, sondern wechseln, wie der Guano selbst, in ihrer Zusammensetzung, je nach der Art ihrer Abstammung, Zusammensetzung u. Eigenschaften der Dungmittel des Handels. 139 ihrem Alter, und je nach den Einflüssen, welche auf sie ein- wirkten. Die zu vorliegender Analyse verwendeten Stücke waren weiss, nicht sehr hart und wenig krystalliiiisch. Sie enthielten : Schwefelsaures Kali ^ 7,49 Phosphorsaures Kali 9,52 Phosphorsaures Natron 9,08 Phosphorsaures Ammoniak .... 7,D7 Schwefelsauren Kalk 3,40 Harnsaures Ammoniak 4,09 Kleesaures Ammoniak 41,28 Stickstoffhaltige organische Substanz 10,17 Feuchtigkeit 7,40 (Kieselsäure 0,5%?) 100,00 Nach dieser Zusammensetzung unterscheiden sich solche Stücke wesentlich von dem Guano, in welchem sie vorkommen. Der Stickstoffgehalt, welcher im Ganzen 14,84 p. C. beträgt, vertheilt sich: Auf die Ammoniaksalze 10,70 Proc. „ „ Harnsäure 1,18 „ „ ,, nicht näher bezeichnete organische Substanz 2,96 „ diese enthält 29 Proc. Stickstoff. Wir finden vergleichsweise im Guano Kali ... 1,79 Proc. Natron . . . 1,22 „ Kalk. . . . 11,92 „ Phosphorsäure l.'),82 „ Ammoniak . 12,50 „ Kleesäure . . 7,90 „ Harnsäure. . 32,16 „ Proben von Baker - Jarvis - Howland - Guano analysirten W. Wolf,*) Drysdale,**) Payen=^**) und Malaguti.f) in den Stücken 7,83 Proc. 2,75 1,40 17,62 19,88 23,97 3,54 *) Chem. Centralblatt 1861 S. 266. ••) Chem. Centralblatt 1861 S. 278. ♦*•) Journal d'Agriculture prat. 1861 t. I p. 458. t) Ebendaselbst. . 190 Zusammensetzunp: u. Eigenschaften der Dungmittel des Handels. o o o W ^ o ä ^ o O O t^ o o s>> o O OJ a a> o OO O O , Oi t» O 05 05 X -ig a >-. ^^ o O !M ■^ O ^ CO ] i ^ (M .--^ c3 3 O C3 1 1 1 #N M fe CO t>. O — 1 CT» O CO c IM O • p-^ ; ' d 3 o ,-. JM uC 1^4 O pH ö bC o i-H ^ 1 '■J- ^ CT) O 05 3 O (3 im" •O" CC- 1 1 1 !>? 1 »d^ cT o" SS 'S •^ ! ^ ^ ^,^^ ^ 6 3 rs c^ f^ I>. O i. CT) Ol 'S 1 « c3 bc CS ^-■~ cc g. 1 i 1 7^ 1 =» 3 •"^ 3 "3 cc » 02 ■ , ^-^ d 's 'S ,^ X O t- CO O a. t^ -f 1 t- .-1 1 o ! 1 o o 1 1 o O >H 1 w Q^ ^^ a; ^ c "3 TS ■M ir~ OO X o O O a^ c .--5 o -* t^ , . . c l-H , s O O X 1 i-i o 1 — ' ' ^ g ' i Q ,, — ^ o tß d eo :o •^ CO i^ c CTi •»H fl i^ !N , l>. — , T)< 1 , , c 00 1 . . >. 00 2, 1 rJH O 1 ~ 1 1 1 c " rf ! 1 1 '-S Ü5 u ^ 7» ^ d "o t^ o — CC o- C 1*^ o O a> c ^ ^ ■?a r- 't_ 1 "^ c <5 , 1 '^ , CS m 8S s CO t-^ 1 ? 1 i " ^ - 1 1 (> ~ 1 ..-T 1 1 3 ^^ O 1 • ^ 'S ^ 'S 3 Ä " CS ,_^ 3 ^ ♦■ .S CS 1 1i M tn OS ^ 'S rs -z> b c < ^ 03 w 3 3 Sa o 00 3 ■£ 3 h ö 3 »H a 03 ä 3 1 ''} u '03 ^ IS || CS u 02 «2 3 kl 3 03 1 o 'S 0! O c i E <1 'S (S 3 'S ® 1- 'S 'S ::S 'S cc r3 >. X O a 0) 03 f- 03 3 -3 E- :c 'ö _0 03 * PL, 3 CS CC 'j^ 03 M g » Pincus*) hat auch die Analysen von Bolivia- und Baker Guano veröifentlicht. *) II. Bericht der agrik.-chem. Versuchsstation zu Insterburg S. 109. Zusammensetzung u. Eigenschaften der Dungraittel des Handels. |91 100 Gewichts theile enthielten von: Bolivia- Baker- Guano. Guano. Wasser 9,71 7,35 n • u o u . / Stickstoff 1,12 0,55 Organische Substanz; ' I Kohlenstoff, Wasserstoff, Sauerstoff 10,11 8,31 Ammoniak 0,51 0,1 li Feste miner. Bestandtheile (Asche) 79,55 83,66 100,00 100,00 Aschenbestandtheile auf 100 Theile Guano bezogen. BoliWa- Baker- Guano Guano Chlor . . . 0,45 0,42 Kohlensäure . — 0,61 Schwefelsäure . 0,21 1,50 Phosphorsäure 34,26 36,95 Kali .... 0,78 0,14 Natron . . . 3,64 0,78 Kalkerde . . Magnesia . . 33,03 1,71 j 43,49 Eisenoxyd . . 0,50 0,63 Kieselsäure Sand .... 0,31 3,81 0,35 Asche 78,70 84,87 Zum Vergleiche muss auf die Guanoanalysen, die in dieser Beziehung von Liebig, Barral, Bobierre, Johnson*) u. A. geliefert wurden, ver- wiesen werden. Die Erhöhung der Löslichkeit dieser Guanosorten durch Kochsalz wurde von beiden Chemikern (Malaguti, Payen) beobachtet. Barral meint, dass jedoch der Werth dieser Guanosorten am meisten durch eine Zugabe von Chilisalpeter vermehrt würde. Näheres über das Vorkommen dieses Guanos findet sich in dem Bericht des Herrn Drysdale über die Inseln der Americ. Guano-Comp. New-York. Januar 1861. Seit einiger Zeit kommen nach Europa Guanosorten unter dem Namen Guano von Shay, Guano von Lion, Guano von Guano von Pinguoin und Guano von Carriere. ^^^^' ^'''"' ringuoinund Malaguti liefert nähere Mittheilungen über diese Guano- sorten.*'^) Der Guano von Shay, gebildet aus den Exkremen- ten und Ueberresten von Cormorans, zeichnet sich durch seinen Reichthum an Stickstoif, der fast eben so bedeutend, wie der des Peru -Guano ist, aus. Die Farbe desselben erinnert an Carriere. *) Jahresbericht IIL Jahrg. S. 192— 19C. *•) Journal d'agriculture prat. 1861 t. II. p. 401. 192 Zusammensetzuns: u. Eigenschaften der Dungmittel des Handels. den Peru-Guano, er ist wenig gleichartig und man unterscheidet in demselben Federn, Knochentheilchen und mancherlei Krystalle von kohlensaurem Ammoniak ; sein Geruch ist ammoniakalisch. Die Hälfte seines Gewichtes besteht aus organischen, stick- stofil'hältigen Stoffen und etwa '/s ist aus dreibasischem phos- phorsauren Kalk. Der Stickstoffgehalt schwankt zwischen 8 und 12 p. C. Der Guano von Shay stammt von einer kleinen von Cormorans bewohnten Insel in der Nähe des Caps der guten Hoffnung. Der Guano von Lion ist eine Anhäufung von Resten von Amphibien, i,^emengt mit einer gell)lichen Felsart und Krystallen von Struvit und pliosphorsaurem Ivalk. Die Analyse wies in diesem Guano Phosphorsäure, Kalk, organische stickstoffhaltige Substanzen, Salze der Alkalien und alkalischen Erden, nament- lich salpetersaure, nach. Das Gestein, welches sich in dem Guano findet, zeigte die folgende Zusammensetzung: Organische Stoffe 23,24 Phosphorsaurer Kalk (saurer) 10,20 Phosphorsaurer Kalk (dreibas) 50,76 Schwefelsaurer Kalk .... 5,87 Fluorcalcium 0,70 Sand . 3,00 99,77 Corenwinder weist noch auf das Vorkommen von braunen Krystallen neben Struvit in dem Guano von Lion hin. Die- selben /.eigten die folgende Zusammensetzung: Organische Stufte 23,50 Phosphorsaurer Kalk (saurer) 22,10 Phosphorsaurer Kalk (basisch.) 51,30 Kieselsäure 0,20 Fluorcalcium 1,90 Alkalien, Verlust 1,00 100,00 Der Lion-Guano kommt von den Pingouins-Iuseln. Der Guano von Pingouin kommt in hinreichender Quan- tität aus Patagonien. Dieser Guano bedeckt den FJoden in Lagen von verschiedeuer Stärke und ist sehr reich an Knochen, Federn, Ueberresten von Fischen und Steinen. Man bringt Zusammci;setzUTif!: u. Ei,s:cnsohaftcn der Duiiomittel des Handels. 193 diesen Guano auf Haufen und lässt ihn eine Art Gährung durchmachen, wodann er eine zusammengebackene trockene Masse bildet, die gepulvert nach Europa versendet wird. Dieser Guano hat ein viel homogeneres Ansehen, als die beiden an- deren vorerwähnten Guanosorten, jedoch sind die Ueberreste der Federn und Knochen zu erkennen. Er enthält die Phos- phate von Kalk, Eiseuoxyd und namentlich der Thouerde, ferner Nitrate. Der Stickstoffgehalt variirt zwischen 4 und 4,5 p. C. Der Guano von Carriere bildet eine teigartige Masse, die getrocknet wie die vorigen Guanos und zerrieben nach Europa verschifft wird. In seiner Zusammensetzung nähert er sich am meisten dem Guano von Pingouin. Er enthält keine Federn, Knochen u. dgl. Dieser Guano scheint eben nur ein sehr alter Pingouin- Guano zu sein. Wir wollen hier der neuerer Zeit von v. Liebig ausgesprochenen An- sicht über die Ursache der Wirkung des Peruguanos gedenken. Von Liebig"^) weist darauf hin, dass die so günstige rrsad.en Wirkung des Peruguano noch keine genügende Erklärung ge- funden hat; denn weder Anunoniaksalze noch Phosphate, Wirkung de die beiden namentlich wirksamen Bestandtheile des Guano, dem Boden in solchen Quantitäten einverleibt, wie sie sich im Guano finden, entweder einzeln oder vereint sind im Stande den Guano zu ersetzen. Aus Versuchen folgert Lie- big, dass durch Zusatz von Ammoniaksalzen zum Knochen- mehl, dessen Wirkung häufig gesteigert wird, aber lange nicht in dem Verhältnisse, wie dies durch eine entsprechende Menge Guano von gleichem Gehalt an pliosphorsaurem Kalk geschieht. Der Hauptuntei'schied liegt bei beiden in der liaschheit der Wirkung und gerade diese ist unerklärt; die des Guano macht sich gleich im ersten Jalu-e, oft schon nach einigen Wochen bemerklich und niuinit in den folgenden Jahren ab, während die des Knochenmehls im ersten elahre gering und in den fol- genden steigend ist. Lieb ig meint nun, dass die Ursache der rascheren, oder wie man in diesem Falle sagt, der stär- keren Wirkung des Guano in seinem Gehalte an Oxalsäure tigen mg des Peru-Guano. ♦) Agronomische Zeitung 1861. S. 514. Hoffroann, Jahresbericht IV. 13 194 Zusammensetzung u. Eigenschaften der Dungmittel des Handels. liegt Die verschiedenen Guanosorten enthalten eine sehr un- gleiche Menge der Oxalsäure ; es scheint die Menge der Oxal- säure im umgekehrten Verhältnisse zur Harnsäure im Guano zu stehen d. h. die an Harnsäure reichen Sorten sind in der Regel ärmer an Oxalsäure. Liebig erklärt die Wirkung der Oxalsäure im Guano durch ein Löslichwerden von Phosphorsäure und zwar in der Art: durch das im Guano nie fehlende schwefelsaure Ammoniak wird der phosphorsaure Kalk etwas löslich gemacht, aber er geht als solcher nicht in die Flüssigkeit über, soudei-n der Kalk wird augenblicklich durch die Oxalsäure des Oxalsäuren Ammoniak gefällt und Phosphorsäure geht in Lösung über. Da nun aber die Wirkung des schwefelsauren Ammoniaks immer fortdauert, so schreitet auch die Zersetzung fort. Diese Umsetzung wird dadurch, dass man den Guano mit etwas Schwefelsäure befeuchtet, ungemein befördert und erst voll- kommen ermöglicht Essigsäure, ja schon kohlensaures Wasser hat wie die Schwefelsäure gleiche Wirkung auf den Guano. In einer von C. Clemm-Lennig in Mannheim bezogenen Guanosorte, welche sich durch ihren Reichthum an Harnsäure (sie enthielt IS "„ Harnsäure) auszeichnete und verhältniss- mässig arm an Oxalsäure war, gaben 100 Theile an Wasser ausser Kali, Natron und Ammoniak ab: Phosphorsäure 2,857, Oxalsäure 4,202 Schwefelsäure durch die Umsetzung des phos- phorsauren Kalkes, beschleunigt durch einen kleinen Zusatz von Schwefelsäure, es traten an die Stelle der 4,2 "/o Oxalsäure in diesem Guano beinahe o " ., Phosphorsäure, so dass durch dieses Mittel sehr nahe die Hälfte aller im Guano enthaltenen Phosphorsäure (18 %,) löslich gemacht wurde. Bei anderen Guanosorten kann die auf dem angegebenen Wege löslich ge- machte Phosphorsäure auf 10 — 12 " o d. h. auf die ganze über- haupt im Guano enthaltene Phosphorsäure steigen. Es ist wol kaum nöthig — meint Liebig — die Aufmerksamkeit der Landwirthe darauf zu lenken, dass sie die Wirkung des Guano, insoweit dieselbe auf der durch die Oxalsäure löslich werden- den Phosphorsäure beruht, ganz sicher inachen, wenn sie den Guano mit sehr verdünnter Schwefelsäure befruchten, bevor sie ihn auf's Land bringen und 24 Stunden liegen lassen. Die feuchte Masse muss sauer reagireu. Zusamnionsetzunp^ u. Eigenschaften der Dungmittel des Handels, 195 Wenn ein Feld mit Peru - Guano gedüngt wird, so ver- einigen sich bei Regenfällen, welche nicht stark genug sind, um den mit Erde gemischten Guano auszulaugen, alle Be- dingungen zur Löslichmachung einer gewissen Menge an Kalk gebundener Phosphorsäure und damit zur Verstärkung der Wirkung des Ammoniaks. Starker und anhaltender Regen wirkt durch Auslaugen der Erde störend auf die vor sich gehende Umsetzung ein. Unter der Bezeichnung „Mug" wird jetzt von einer Analyse Königsberger Fabrik ein Dungmittel in den Handel gebracht, ""' ""^' das aus Wollabfälleu erzeugt wird. Nach einer Analyse von Bitthausen*) zeigt dasselbe nachstehende Zusammensetzung in 100 Gewichtstheilen: Mineralstoffe. . 21,87 Stickstoff . . . 9,10 Die mineralische Substanz l>esteht fast ganz aus Kiesel- säure, Thon u. dgl. L u c a n u s '^'''■') analysirte 3 Proben von Analyse von Dungmitteln aus der Berliner Dünger-Pulver-Fabrik und zwar: »""g«""«'" Concentrirtes Düngpulver No. L; Concentrirtes Düngpulver iTerDung"- No. II. und einfaches Dungpulver No. I. *'''^"''- Zusammensetzung : Conc. Couc. Einf. Dung-Pulv. Dung-Pulv. Dung-Pulv. N. I. N. II. N. I. Feuchtigkeit 8,22 8,47 12,26 Organische Stoffe u. resp. Am- moniaksalze 48,69 65,36 43,13 Mineralbestandtheile .... 35,54 20,28 26,80 Sand ■ . 7,55 5,89 18,31 100,00 100,00 100,00 Stickstoff 7,14 6,53 3,22 Phosphorsäure 14,10 8,72 3,73 Anderson***) lieferte die Analyse einer Probe von Fisch- Auaiys« v»n Guano aus Norwegen. Fuchguano. «) Wochenblatt der Annalen der Landwirthschaft 1861. S. 8. ••) Wochenblatt der Annalen für Landwirthschaft 1861. S. 550. **•) The Journal of agricult. of Ilighland and agricult Soc. of Scotland 1861. July p. 65 13« 19G Zusammensetzung u. Eip^en Schäften der Dungmittel des Handels. Analysen v. Proilukten der Dünger- Fabrik zu Linden. Es enthielten 100 Gewichtstheile desselben: Wasser 13,02 Organische Stoße . . 49,40 Phosphate 30,26 Kohlensauren Kalk . . 1,20 Alkalisalze 5,89 Saud . 0,23 100,00 Ammoniak 7,76 Zu vergleichen wäre die Analyse des norwegischen Fischguano, die im Tharander Laboratorium ausgeführt wurde.*) Sie stimmt mit dieser überein. Stohniann und Rautenberg analysirten die Produkte der Kunstdüngerfabrik zu Linden. Es wird von dieser Fabrik Kunstdünger, saurer phosphorsaurer Kalk und gedämpftes Knochenmehl in den Handel gebracht. Der „Kunstdünger" stellt eine grau-braune Masse dar, die zum grössten Theil aus ziemlich feinem Pulver, zum übri- gen aus gröberen Brocken besteht, die sich zwischen den Fingern zerdrücken lassen; schwarze Kohlentheilchen, weisse Knochenmehl - Partikeln und bernsteinartige Stückchen von Hornmehl und Aehnlichem sind mit blossem Auge als Ge- mengtheile zu erkennen. 100 Gewichtstheile enthielten: Feuchtigkeit 15,7 Organische Substanz . . . 32,0 Asche*) ■ 52,3 *l enthaltend: 100,0 Phosphorsäure .... 20,3 Kalk 22,6 Magnesia 0,7 Alkalisalze (als schwefelsaure Salze berechnet) .... 3,5 Chlor, Kohlensäure, Sand . 5,2 52,3 Der Stiskstoftgehalt wurde in drei verschiedenen Bestimmungen im Durch- schnitt mit 3,8 Proc. gefunden. *) Jahresbericht III. Jahrg. S. 201. Zusammensetzung u. Eigenschaften der Dungmittel des Handels. 197 Gedämpftes staubfeines Knochenmehl. Hellgraues Pulver von der Beschaffenheit des feinsten Mehls. Feuchtigkeit .... Organische Substanz*) Asche**) *) enthaltend Stickstoif . . **) „ Phosphorsäure . Kalk . . . Eisenoxyd Kohlensäure . Sand .... Magnesia, Alkallen 9,6 28,4 62,0 100,0 Proc. 3,8 23,0 26,3. 4,0J 1,7" ''\ 3,8' Saurer phosphorsaurer Kalk. Eine grauschwarze Masse von ähnlicher mechanischer Beschaffenheit, wie der Kunst- dünger, im Ganzen jedoch feiner zert heilt. 19,1 100 Gewichtstheile enthielten: Wasser bei 120° C. entweichend .... 13,4 Phosphorsäure iu Wasser löslich . . . 5,8 „ ,, „ unlöslich . . 13,3 Kalk 20,3 Magnesia 0,5 Schwefelsäure nicht an Alkalien gebunden 11,2 Schwefelsaure Alkalien ....... 4,2 Eisenoiyd 2,U Sand 6,4 Organische Substanz etc . 22.9 10075 Stickstoff 3,2 Als Rohmaterialien verwendet die Kunstdüngerfabrik zu Linden von Hannover menschliche Exkremente (Fäces und Harn), Knochenkohle, Knochen, Fleisch, Flechsen, Blut, Hörn, Leder und Haare. Krönt lieferte die Analysen dieser ver- schiedenen Rohstoffe. Die Art der Verarbeitung aller dieser Stoffe findet sich in einem kommissionellen Berichte an den Central - Ausschuss d. k. Hannov. Landwirthschaftgesellschaft niedergelegt, auf welchen Bericht wir Fachinteressenten auf- merksam machen müssen.*) *) Journal für Landwirthschaft 1861. S. 214. 198 Zusammensetzung u. Eigenschaften der Dungmittel des Handels. Analyse Ton Untcr dein Nameii Gas manure (Gas - Dünger) kam vor Gas manure. einigcii Jahreii in England ein Dungmittel in den Handel, das man als Nebenprodukt bei einem patentirten Verfahren der Gasreinigung erhielt und als billige Ammoniakquelle empfohlen wurde. Nach einer Analyse von Anderson*) zeigt dieses Dungmittel die folgende Zusammensetzung: Wasser 13,17 Organische Stoffe . . 28,75 Schwefel 36,83 Eisen 6,03 Schwefelsaurer Kalk . 9,24 Alkalisalze .... 4,32 Sand .... ■ . 1,66 100,00 Ammoniak .... 4,6 Analyse von Zufolge elttcr iiii CoHservatoire des arts et des metiers chodzko'B ^uggefQ|^j.|;eji Analyse hat Chodzko's Luftdünger die nach- Luftdunger. ^ o J o stehende Zusammensetzung."^*) Stickstoffhaltige organische Stoffe . . 53,53 Fertig gebildetes Ammoniak . . . 0,65 Phosphorsäure . • 4,48 Kieselsäure und Sand 4,50 Kalkerde 4,07 "Wasser . 17,75 Gesammter Stickstoffgehalt 4,20. Ueber die Erzeugung dieses Düngers ist das im letzten Jahresberichte Gesagte zu vergleichen.***) Ueberblicken wir die verschiedenen Arbeiten, die über den Dünger im verflossenen Jahre geliefert wurden, so finden wir auch in diesem für den Landwirth so unendlich wichtigen Kapitel so manches Interessante. Wir haben vorerst über eine nicht unbedeutende Anzahl von Analysen zu berich- ten, welche den Landwirth mit dem Düngerwerth gewisser Stoffe, die uns die Natur entweder unmittelbar bietet, oder die hier und da sich als Abfälle bei *) The Journal of agricult. of Highland and agricult. Soc. of Scotland 1861, January p. 510. **) Wilders Centralblatt 1861, S. 480. (I.) ***) S. 189 in. Jahrg. Zusammensetzung u. Eigenschaften der Dungmittel des Handels. 199 verschiedenen Industriezweigen ergeben, bekannt machen sollen. Je nach ihrer Zusammensetzung können derartige Stoffe entweder unmittelbar auf die Felder als Dungmittel gebracht werden, oder erst nur als Rohmaterial zur Düngererzeugung Verwendung finden, Robert Hoffmann lieferte die Analj-sc der Flüssigkeit, welche beim Ausschmelzen des Talges mittelst Schwe- felsäure gewonnen wird, und des Düngers, welcher aus derselben auf eine leichte Weise gewonnen werden kann. Ferner lieferte derselbe Chemiker die Analysen der Rückstände aus einer Sodafabrik, Tabakfabrik; Karmrodt hingegen die der Waschwässer aus einer Streichgarnspiunerei und Bleich- anstalt — alle diese genannten Stoffe werden vertilgt, oft mit nicht unbedeu- tenden Schwierigkeiten und doch enthalten sie alle mehr oder weniger be- deutende Mengen von Pflanzennahrungsmitteln. Ereidenstein folgert aus einer grossen Anzahl von Analysen der so- genannten Schlerapekohle (erhalten durch Einäschern der Rübenmelassen- schlempe), dass dieselbe 34—42 p. C. Kali und 6 — 17 p. C. Natron enthält. Melassenschlempe wird wol selten weglaufen gelassen, dennoch entgeht sie an vielen Orten auf eine andere Art dem Feldbaue, indem sie zur Erzeugung von Kali- und Natronsalzen verwendet wird, die für die Landwirthschaft ver- loren gehen. Wir können nicht umhin, auf das nachdrücklichste die Land- wirthe vor einer solchen Manipulation zu warnen. Die Alkalien, wie er sie dem Boden bei der Rübenkultur in so bedeutender Menge entzieht, ohne sie demselben, wenn er die Melassenschlempe auf Alkalisalze verarbeitet, wieder- zugeben, ersetzt er weder durch Stalldünger noch durch ein anderes gebräuch- liches Dungmittel und eine gefährliche Verarmung an Kali in kürzerer oder längerer Zeit im Boden muss die Folge sein. Es ist das um so mehr zu beachten, als eben das Kali jener Bestandtheil im Boden ist, von dem am ehesten bei unserem Wirthschaftssystem ein Mangel im Boden eintreten kann. Mehr Beachtung finden von Seite der Landwirthschaft jene düngende Be- standtheile enthaltenden Stoffe, welche uns die Natur liefert. In dieser Be- ziehung sind die Analysen von mehreren Phosphaten (phosphorsauren Kalk enthaltende Mineralien), die in Westphalen namentlich bei Horde vorkommen und auf die Dr. Drevermann anerst hingewiesen hat, hervorzuheben. Wir er- sehen aus diesen von Karmrodt gelieferten Untersuchungen in Berück- sichtigung anderer Analysen, dass man den durchschnittlichen Gehalt an Phosphorsäure, der Phosphorite aus Westphalen, mit 20 p. C. ansetzen kann. Die Versuche, um die in den Phosphoriten enthaltene Phosphorsäure in eine lösliche Form durch Behandeln mit Schwefel- oder Salzsäure (sogenanntes Aufschliessen ähnlich wie bei Knochen), haben noch zu keinen brauchbaren Resultaten geführt. Eine andere sehr wichtige phosphorsäurehaltige Substanz ist in der Neuzeit in den Guanos , die über Hamburg von den Baker- Jarwis- und Howland-Inseln im stillen Oceane unter den Namen Baker-Jarwis und Howlands - Guano in den Handel von einer eigenen Compagnie gesetzt werden, entdeckt worden. Diese Guanos sind sehr reich an Phosphorsäure und den Baker -Guano kann man als das an Phosphor reichste unter allen bekannten Dungmitteln (Knochen, Phosphorite u. dgl.) ansehen, er enthält im Durchschnitt 40 p. C. Phosphorsäure. Die Mengen an Stickstoff erreichen 200 ZusanimensetzunET u. Eiffcnsehaften der Dunsmittel des Handels. kaum 1 p. C. Als neu muss hier der Ausiclit Liebig's über die Wirkung des Peruguanos gedacht werden. Dieser Chemiker sagt: Die günstige Wirkung des Peruguanos hat noch keine genügende Erklärung gefunden; denn weder Ammoniaksalze noch Phosphate, die beiden wirksamen Bestandtheile des Guanos, dem Boden in solchen Quantitäten einverleibt, wie sie sich im Guano finden, sind im Stande den Guano zu ersetzen; Guano wirkt stärker und Lieb ig sucht diese stärkere Wirkung in dem Oxalsäuregehalte desselben. Malaguti analysirte die Guanosorten, die neuerer Zeit unter den Namen: Guano von Shay, Lion, Pingouin und Carriere nach Europa kommen. Der Guano von Shay ist fast eben so reich an Stickstoff (8—12 %) wie der Peru- Guano. Er stammt von einer kleinen von Cormorans bewohnten Insel in der Nähe des Caps der guten Hoffnung. Der Guano von Lion ist ein Gemenge einer Anhäufung von Amphibien mit einer phosphorsäurehaltigen Felsart. Er kommt von den Pingouins-Iuseln. Der Pingouin -Guano enthält nament- lich Thonerdephosphat und 4—5 % Stickstoff. Der Carriere - Guano nähert sich in der Zusammensetzung ungemein dem von Pingouin. Eine weitere wichtige Erscheinung ist das Stassfurter Abraumsali; als billige Kaliquelle. Weiter wurden die Analysen der nachstehenden künstlichen Dungmittel ge- liefert, als von „Mug" (erzeugt aus Wollabfällen), norwegischem Fisch-Guano, Gas manure (gewonnen aus den Abfällen bei der Gaserzeugung), Luftdünger von Chodzko und deu Fabrikaten der Berliner Düngerpulver-Fabrik, Nebst dem wurde eine nicht unbedeutende Anzahl Analysen von verschiedenen Dung- mitteln ausgeführt, die wir jedoch übergangen haben, weil sie in keiner Be- ziehung ein allgemeines Interesse beanspruchen. So lieferte Siegert eine ganze Reihe von Knochenmehl- und Guano- Analysen.*) Karmrodt analysirte Proben von gedämpftem Knochenmehl von den Fabrikanten: Hoff mann & Co. und Clam-Lenning.**) Es sei hier nur bemerkt, dass durch das Dämpfen der Knochen ein nur ganz geringer Theil des Stickstoffes der Knochen verloren geht. Literatur. Oll the use of lime iu agriculture. By Prof. Thorston. London, 1861. Prise 6 S. De l'emploi des phosphates mineraux en agriculture. Par Baron P'snoulf. Paris, 1860. *) Amtsblatt d. landw. Vereins im Königr. Sachsen 1861. S. 88. **) Zeitschrift des landw. Vereins zu Rheinpreussen 18G1. S. 113, 117 Literatur. 201 Just US Lieb ig und die Erfahrung. Ein Beitrag zur Düngerfrage. Von Reuning. Dresden, 1861. \i Thlr. Populäre Düngerlehre oder fassliche Beschreibung aller Düngerstoffe, einer zweckmässigen Anlage der Miststätten, der Behandlung und Verwendung des Düngers. Von J. A. S c h 1 i p f. Pforzheim, 1861. 2. Ausg. Das Stassfurther Steinsalz und dessen Brauchbarkeit für Haus- und Landwirthschaft, im Vergleiche zu dem Greifswalder Koch- oder Coctur- und dem englischen Salze. Von Prof. Dr. Trommer. Greifswald, 1861. 3 Ngr. Etudes chimiques sur le phosphate de chaux et son emploi en agriculture; par Ad. Bobierre. Paris, 1861. Fassliche Belehrung über die Sammlung, Behandlung und Verwendung der menschlichen Exkremente und thierischen Abfälle. Eine zeitgemässe Mahnung an die Bewohner der Städte, Landgüter, Dörfer und Kolonien, jenen häufigen, wohl- feilen und dabei höchst kräftigen Düngemitteln eine allseitige und möglichst vollkommene Berücksichtigung zuzuwenden ; von Reinhold Nobis. 186L Welcher ist der werthvollste Bestandtheil des Düngers? Mitau, 1861. Dtingerverwendung, Düngungs- und Kultur -Versuche. Dungraittcl. ueber die J. B. LawGS*) liat lii eiiiem Schriftchen für die landwirth- sprecreuci.te ^chaftliche Praxis jene Regeln zusammengestellt, welche sich Verwendung lu Bezug auf dlc entsprcchcndstc Verwendung der verschiedenen Dungmittel für die einzelnen landwirthschaftlichen Kultur- pflanzen als hinsichtlich der nothwendigen Rücksichtnahme auf eine rationelle Vertheilung der Dungmittel, aus den fast 20 Jahre lang fortgesetzten Düngungsversuchen zu Rothamstedt ergeben haben. Die Hauptpunkte des Schriftchens finden sich in Folgendem hervorgehoben. 1. Verwendung der verschiedenen Düngemittel für die verschiedenen Früchte. Es heisst da: Die Be- standtheile des Düngers bilden einen Theil des in der Wirth- schaft umlaufenden Kapitals ; der Landwirth wird um so höheren Nutzen von diesem Kapitale haben, einen je grösseren Theil desselben er in jedem einzelnen Jahre dahin zu bringen ver- steht, dass er am Vegetationsprozesse lebhaft theilnehmen könnte. Es folgen nun einige Regeln über die spezielle Be- nutzung der verschiedenen Düngemittel zu den hauptsäch- *) Der chemische Ackersmann S. 171. 1861. Düngrerverwendung', Düngungs- und Kultur-Versuche. 203 liebsten englischen Kulturpflauzeu. Weizen. Auf leiclitem Boden, wo der Stalldünger erfahrungsniässig vortlieilhaft zur Weizenkultur ist, sollte zu dieser immer der reichste Dünger verwendet werden. Auf schwerem Boden ist der letztere den Runkelrüben zuzuwenden und für Weizen Peruguano, 130 bis 200 Pfd. pr. Morgen Preuss., anzuempfehlen. Derselbe ist vor der Saat breitwürtig auszustreuen und einzueggen. An manchen Orten hat sich ein Zusatz von der doppelten Menge Kochsalz vortheilhaft erwiesen. Gerste und H a f e r. Folgen diese nach einer Halmfrucht, so sind 130 Pfd. Peruguano (oder Chili- salpeter) mit 130 Pfd. Superphosphat per ^lorgen Preuss. eine angemessene Düngung; folgt er nach Turnips, Runkelrüben etc. so genügt schon die Hälfte der angegebenen Quantitäten. Auf- bringung wie beim Weizen. Erfordert eine Halmfrucht eine Nachdüngung im späten Frühjahr, so wendet man hierzu am besten Chilisalpeter (60 — 90 Pfd. per Morgen) an. Runkel- r üben. Dieser Frucht sollte man immer, zumal in den schweren Bodenarten, den besten Stalldünger, den man zur Verfügung hat, und in reichlicher Menge geben, von 150—250 Ctr. pr. Morgen, nächstdem noch 130 — 200 Pfd. Peruguano mit 260 bis 400 Pfd. Kochsalz gemischt. Turnips. Runkelrüben erfordern im Allgemeinen eine stärkere Düngung als die Turuipsarten, und von diesen der schwedische Turnips wieder eine stärkere als der gewöhnliche.*) Kartoffeln. Die noch allgemein übliche Praxis, die Kartoffeln stark mit Stallmist zu düngen, ist kaum eine em- pfehlenswerthe; jedenfalls sollte man dann den Mist bereits im Herbste auf das Feld bringen und unterpflügen. Besser thut man, den Stallmist zur Vorfrucht anzuwenden und den Kartoffeln noch eine Beihülfe von 1—1', 4 Ctr. Peruguano und ebensoviel Superphosphat pr. Morgen zu geben. Werden die Kartoffeln verkauft, so hat man im Auge zu behalten, dass man mit einer Mittelernte von Kartoffeln wohl 8 Mal so viel Kali e.xportirt als mit einer Mittelernte von Weizen, von der nur die Körner zum Verkaufe gelangen. — Grasland. Wird dieses zur Heu Werbung benutzt, so ist es rathsam, dasselbe *) Die Turnips werden sehr eingehend behandelt, wir glauben dies über- gehen zu können. 204 Düngerverwendung. Diingungs- und Kultur-Versuche. Bericht über das System der fiiissii^en Düngung in England. alle 4 — 5 Jahre im Monate November mit 100 bis 120 Ctr. verrotteten Stalldüngers per Morgen zu bedüngen. Nächstdem erweisen sich noch vortheilhaft Mischungen von Peruguano, Ammoniaksalzen und Chilisalpeter, allein, oder besser in Ver- bindung mit Superpliosphat. Hopfen. Zur vortheilhaften Kultur dieser Pflanzen ist eine reichliche Düngung mit massigem, animalischem und vegetabilischen Dünger nothwendig. Nur in Verbindung mit diesen ist von der gleichzeitigen Mitverwendung von con- centrirten käuflichen Düngemitteln, insbesondere von Guano, eine befriedigende Leistung zu erwarten. Wollene Lumpen, Wollstaub, Hautabfälle, Horuspäne u. a. stickstoffreiche Ab- fälle haben sich als vorzüglich wirksame Zusätze zu dem Stall- dünger erwiesen; auch Kapskuchen haben sich vortrefflich bewährt. Maron und Homeyer-Ranzin*) erstatteten Berichte an den Minister für landwirthschaftliche Angelegenheiten in Preussen über das System der flüssigen Düngung durch Röhren- leitungen. Maron spricht sich dahin aus, dass die strenge Durchführung der Irrigation für ganze Güt(^r, namentlich für grössere, als durchaus verfehlt betrachtet werden muss, und dass es jetzt keinem grösseren Farmer in England mehr ein- fallen wird, sein ganzes Feld mit eisernen Röhren zu durch- ziehen und seinen ganzen Dünger in flüssiger Form zu ver- wenden. Dagegen wird das System in beschränktem Mass- stabe sich mit Sicherheit Bahn brechen und allmählig im Kleinen überall in Anwendung kommen, d. h. ein durch die Verhältnisse bestimmter Theil jener Farm wird dazu verwen- det werden, einen Theil des Farm-Düngers in flüssiger Form vermittelst eines einlachen und wo möglich auf natürliches Gefälle berechneten Röhrensystems aufzunehmen. Als wirklich gemachte Erfahi'ung glaubt Maron bezeichnen zu können, dass die flüssige Düngung überall, aber auch nur da von dem ge- wünschten Effecte begleitet ist, wo es sich um die Erzeugung grosser Futtermassen, und zwar grüner Futtermassen handelt. Durch reichliche Wässerung wird die Lösung solcher Stoffe im Boden vorwiegend begünstigt, werden solche gelöste Stoffe *) Annalen der Landwirthschaft in Preussen 1861. S. 417. Düngerverwendung. Düngungs- und Kultur-Versuche. 20"' dem Boden zugeführt, welche eine üppige Halmbildung er- zeugen, ohne dass die Körnerbildung im Stande wäre, damit gleichen Schritt zu lialten. Es scheint ferner die Thatsache festzustehen, dass trotz allem Widerspruche einiger vereinzelt stehenden Enthusiasten die flüssige Düngung für Weizen, wie für alle Körnerfrüchte als durchaus verfehlt, für Wurzelgewächse zweifelhaft und von Verhältnissen abhängend, und nur für Gras und Klee, hier aber auch entschieden und unter allen Umständen empfehlens- werth ist. Die zweite grosse Erfahrung, welche man in England ge- macht hat, betrifft den Modus der Ausführung und lautet fast übereinstimmend dahin, dass die Anlagekosten im Allgemeinen zu hoch sind, um eine sichere Rente abzuwerfen. Die Kosten der englischen Anlagen stellen sich etwa auf 25 Thlr. pr. Morgen Auch die angeblich hohe Rentabilität der Herrn Mechi gehörigen Tiptreehall konnte Herrn Maron nur in seiner oben ausgesprochenen i\kinung bekräftigen. In einer beschränkten Anwendung des Systemes sieht Berichterstatter die abklärende Wahrheit; er meint: In allen unseren Wirthschaftshöfen sam- melt sich in den Miststätten flüssiger Dünger, in den meisten Fällen sogar auch auf solchen Stellen des Hofes, die keine Miststätten sind. Ein Theil unseres Mistes (z. B. Schweine- mist) wird entschieden vortheilhafter durch eine einfache Latten- einrichtung in flüssiger Form gewonnen; aus diesen beiden Positionen setzt sich ein bestimmtes disponibles Quantum von flüssigem Dünger zusammen, welcher seine höchste Yerwerthung findet, wenn er in dieser flüssigen (natürlich durch Wasser verdünnten) Form selbstständig zur Erzeugung grüner Futter pflanzen verwendet wird. Diese reichliche und sichere Futter- erzeugung, welche eine grosse Viehhaltung mit reichlicher Ver- pflegung sicher stellt, wird zur Produktion desjenigen Düngers, welcher in fester (Jestalt zur Körner -Erzeugung nothwendig ist, das nothwendige Material darbieten. Es wird weiter darauf hingewiesen, dass sich mit wenigen Ausnahmen bei allen Wirthschaftshöfen ein Theil (his Feldes als geeignet heraus- stellen wird, um ihn mit Kosten, welche im Verhältniss zum Gesammt- Areal gering sein werden, für inmier dem künst- lichen Futterbau mittelst flüssiger Düngung zu überweisen. 200 Düngervevwendung, Düngiings- und Kultur- Versuche Honieye r- Kanzin' 's Berieht ü Sel- die flüssi ige Düuguu 'S in Engia iid. Sclireilie des Herr Meclii üb die Yerwe des Cana iiihaltes In vielen Fällen wird nach irgend einer Seite hin sich so viel Gefälle vorfinden, dass der Dünger ans dem Plaupt- reservoir im Hofe nach den Stationen im Felde ohne An- wendung von Darnj^fkraft gelangen und mittelst eines einfachen Druckwerkes (Feuer - Spritze i auf dem Felde vertheilt wer- den kann. Homeyer-Ranzin fasst die Gründe, welche einer An- lage zur Berieselung mit flüssigem Dünger das Wort reden können in Folgendem zusammen: 1) Ein vortheilhafter Molkerei-Betrieb, auf Schlempe, Rüben und Grünfutter basirt, wo der Dünger meist in flüssiger Form abgeht, und wo es an Stroh zum Auffangen dessel- ben fehlt; 2) hinreichender Zufluss von Wasser, um die Jauche zu ver- dünnen und in trockener Zeit den Regen zu ersetzen; 3) ein zum Anbau von italienischem Ray -Gras passender lehmiger Sandboden ; 4) zur Verminderung der Anlagekosten: Erhöhte Lage des Wirthschaftshofes event. anderweitiger Gebrauch für die Maschine, welche das Pumpen besorgt. Mechi richtete am 20. Oktober 1861 ein Schreiben an den Herausgeber der „Times", in welchem er seine Freude äussert, dass in der Verwendung des Canal-Unrathes der Städte in flüssiger Form zur Erzeugung von Grünfutter bedeutende Fortschritte gemacht worden sind, und führt mehrere Beispiele au. So, sagt er, sah ich, dass ein ganzer Strom von Canal- Unrath aus Watfort mit vielem Vortheile auf dem Ackerboden verwendet wird. Erfolge dessen sind die ungeheuren Ernten von Wurzelgewächsen, Roggen und anderen Erzeugnissen. Der Canal - Unrath von Wimblenden benetzt 20 Acres im Parke zu Wimbledon — üppige und lohnende Ernten sind die Folgen. Der Unrath von gegen 25,000 Einwohner von Croydon erhält gegen 300 Acres in sutem Stande. So meint Mechi, dieser so eifrige Vertheidiger des Systemes der flüssi- gen Düngung — gerne rufen wir mit ihm: ,,der Gedanke ist wirklich er- freulich, dass wir unsere Felder durch den Unrath unserer Städte wieder zur Fruchtbarkeil gelangen sehen soUeu" — dies ist in der That über allen Zweifel erhaben, aber das System der flüssigen Düngung, das Mechi zuerst in Aus- führung gebracht, von Dickenson und Willesdon erweist sich nicht als Düngerrerwendung, Pünguiigs- und Kultur-Versuche. 207 so glänzend als man anfangs glaubte. Stimmen dagegen erhoben sich und es zeigte sich die Kehrseite dieses Systemes. Wir dürfen solche Stimmen nicht unbeachtet lassen. Erst mit Hilfe derselben werden wir iir.s über die Aus- führbarkeit und die richtige Verwendung der flüssigen Düngung ein richtiges Kild verschallen können; denn dass die ]>erichte über die flüssige Düngung, die aus England herüber kamen, zu enthusiastisch waren, konnte man voraussehen. In einem Artikel des Mark-Lane-Express vom 20. Mai 18G1*) tritt eine solche Stimme hervor. In diesem als „Kehrseite des Systems der flüssigen Düngung" betiteltem Artikel hcisst es: „Wir kamen vor 17 Jahren zu der Ueberzeugung, dass, wenn man eine Verwendung für das Raygras, entweder in der Molkerei oder im Pferdestalle Labe und flüssigen Dünger ökonomisch sammeln oder an- wenden könne, man mehr und bessere Ernten an Grünfutter erlangen würde, als auf irgend einem andern Wege, und bis auf den heutigen Tag, nachdem viele tausend Pfund für Versuche im allergrössten Maassstabe verausgabt worden sind, haben wir noch nichts weiter erreicht. Auf dieses einfache Factum begründete aber Herr Edwin Chadwick eine reformirte Ackerbau- Theorie. Unglücklicherweise haben die Erfahrung und siebzehnjährige Ver- suche weder Herrn Chadwick's Ruf begründet, noch Vertrauen zu seinen Theorien erzeugt. Die liiebbaber des Spritzröhrensystems verschwinden einer nach dem andern , die Röhrenleitungen werden vernachlässigt oder als altes Eisen verkauft. Von den vielen Gütern, welche das System der flüssigen Düngung im Jahre 1844 angenommen hatten, ist nur noch ein einziges in Thätigkeit ge- blieben, welches zur Unterhaltung der Liverpooler Kaufleute zu Liskeard be- trieben wird, um italienisches Raygras zu bauen, dasselbe arbeitet ohne die geringste Aussicht auf Gewinn. Nachdem noch auf mehrere fehlgeschlagene Unternehmungen dieser Art hingewiesen wird, heisst es schliesslich; Die im Jahre 1855 von Chalniers Morton beschriebenen schottischen Farms wurden als ein l'eispiel des Erfolges der ausschliesslichen Anwendung der flüssigen Düngung dargestellt, und fort- während als solche von der Schule der Chadwickianer angeführt, nachdem sie ihre Besitzer ruinirt hatten, und nur noch ganz unbedeutende Grasernten gaben. Herrn Walcker's Farm mit flüssiger Düngung zu Rugby wurde dann das Vorbild der modernen Musterwirthschaften; jedoch nach ein paar Jahren fand es sich, dass die Resultate keine genaue Prüfung vertrugen. Das Gut in Baujours ist bis jetzt mit unausgesetztem Verlust bewirthschaftet worden und, was das merkwürdigste ist, einem Verluste bei jeder Ernte mit Ausnahme des italienischen Raygrases. Dies beweist, dass, wie es auch immer mit der theoretischen Vorzüglichkeit des Systems der flüssigen Düngung bestellt sein mag, die praktischen Schwierigkeiten unübersteiglich sind." *) Landwirthschaftl. Centralblatt 1861, S. 40. 208 Düngervcvwendun^'-, Diiiigungs- und Kultur-Versuche. r)üngung:s- Karmrodt*) berichtet über Düngungsversuche bei Kar- K^vtlilu.' toffehi. Zweck dieser Versuche war, zu prüfen, ob die Phos- phorsäure eine besondere Wirkung auf die Vegetation der Kartoffehi ausübe: ob ihr Ernteertrag oder ihre Güte in Bezug auf den Stärkmelilgehalt durch die Gegenwart einer mehr oder minder leicht löslichen Phosphorsäureverbindung wie sie in den verschiedenen Knochenmehlarten und Superphosphaten enthalten sind, beeiuflusst werde. Zum Versuche diente ein Stück Land, welches im dritten Jahre ohne Düngung war. Nach Rüben, zu welchen mit Guano gedüngt wurde, hatte es Weizen und Gerste getragen. Es wurden die folgenden Dungmittel verwendet: Parzelle No. 2. gedämpftes Knochenmehl, „ No. 3. Superphosphat, „ No. 4. Guano von den Sea-Islands im stillen ücean, ein fast sticktofffreier Guano, Parzelle No. 5. Knochenerde, ,, No. 6. Bone manure (Knochenmehl), „ No. 7. Gesäuertes Knochenmehl, „ No. 8. Animalischer Dünger, „ No. 9. Chemischer Dünger. Diese 4 sind englische Präparate aus einer Fabrik in Glasgow, Parzelle No. 10 Aufgeschlossener Phosphorit Die erste Parzelle blieb ungedüngt. Es wurde von jedem Dungmittel so viel verwendet, dass auf die Fläche einer Quadratruthe j^ Pfd. oder per Morgen 90 Pfd. Phosphorsäure vertheilt wurde. Das Legen der Kartoffeln geschah am 2G. bis 28. April 18G0. Das Aufkeimen war im Allgemeinen ziemlich gleichmässig; bei weiterer Entwicklung zeigten sich sehr bemerkbare Ver- schiedenheiten in Beziehung der Höhe, als der Farbe des Krau- tes: die bestbestandenen Parzellen waren die mit Guano von den Südseeinseln, mit Kuochenerde und mit gesäuertem Knochenmehl aus Glasgow gedüngten; die in ihrer äusseren Entwicklung am meisten zurückgebliebene, war die mit chemi- schem Dünger (aus Glasgow) versehene Parzelle. Später glichen sich diese äusseren Unterschiede jedoch fast voll- ständig aus; auch war um diese Zeit das Schwarzwerden des Krautes fast gleichmässig über alle Parzellen verbreitet. Am *) Zeitschrift des landwivthschaftlichcn Vereins zu Rheinpreussen 18(jl. S. 105. Düngerverwendung, Düngungs- und Kultur- Versuche. 209 29. September — 1. Oktober wurde die Ernte bewirkt; die Kartoffeln hatten also 5 Monate vegetirt. Es wurde au Kar- toffeln per Morgen gewonnen durch: 638.5 Pfd. animalischen Dünger 11897 Pfd. mit 11,7 % krank. K. 29-2,0 „ Knochenerde 11700 Pfd. mit 5,6 % kranken K. 865,0 „ Bone manure 11337 „ „ 3,7 % „ „ 424,2 „ aufgescLloss. Phosphorit 11198 Pfd. mit 17,6 % krank. K. 373,0 „ gedämpft. Knochenmehl 11060 „ „ 9,6% „ „ 484,0 „ Deutsch. Superphosphat 10800 „ „ 7,0 % „ „ 597,0 „ Guano v. d. Südseeinseln 10680 „ „ 4,8 % „ „ 558.6 „ ehem. Dünger .... 10365 „ „ 14,8 % „ „ 556,5 „ engl. Knochenmehl . . 9658 „ „ 11,6 % „ „ Die ungedüngte Parzelle lieferte 9570 Pfd. mit 10,3 % kranken Kartoffeln. In den Düngemitteln wurden dem Boden folgende nach den Analysen berechnete Hauptbestandtheile zugeführt: Ein Morgen empfing durch: i-i - i m u o .2 CS i . ja o aj na O P "es 'S o S e M CS ^ ja •rt a> i . •» a u 13 a C § S Ol Xi aw Ohne Düngung . . . Gedämpftes Knochen- mehl Deutsch. Superphosphat Guano von den Südsee- inseln Knochenerde .... Bone manure .... Englisches Knochen- mehl Animalischen Dünger . Chemischen Dünger Aufgeschlossenen Phos- phorit 9570 2786 11060 10800 10680 11700 11337 9658 11897 10365 3200 3298 2903 3486 3071 2948 3483 3128 1972 79 2519 60 2540 71,5 2355 68,8 2637 86,1 2282 64.3 2200 56,5 2480 68,3 2260 59,6 2550 71,3 64 46 54 52,7 69,5 51,2 43,7 53,0 4 6,0 59,7 15 14 17,5 16,1 16,6 13,1 12,8 15,3 13,1 11,6 24 18,8 23,2 22,4 21,45 20,50 20,4 23,3 19,7 19,5 Es lässt sich aus dieser Aufstellung erkennen, welches Düngemittel die allgemein beste Wirkung hatte, obenan steht die Knochenerde, welche auch die billigste Düngung gewesen sein wird: dieser folgt der aufgeschlossene Phosphorit, welcher zwar eine geringere Quantität, aber eine sehr gute Qualität brachte. Auch das deutsche Superphosphat und das gedämpfte Knochenmehl brachten stärkemehlreichere Ernten als die übri- gen. Die an leicht löslicher Phosphorsäure reichsten Dünge- mittel lieferten das wenigste Stärkmehl. Bei weiterer Durch- sicht oberer Zahlen ergiebt sich endlich, dass die ungedüngte Parzelle so grosse Mengen Mineral Stoffe lieferte, wie sie von 14* 212 Düngerverwendung, Düngungs- und Kultur- Versuche. Düngun Versuche Roggen gs- den meisten anderen Parzellen nicht erhalten wurden, so dass man zu der Ansicht gelangen möchte, alle die Dtingstoffe hätten ihre Schuldigkeit nicht gethan und ihre Menge wäre mit grossem G eidaufwand e unnütz geopfert worden. Dem ist nun nicht so. Die Erträge der Kartoffeln steigern sich durch die Düngung, und ihre Güte, namentlich ihr Stärkmehlgehalt, hat bedeutend zugenommen. Es ist indessen nicht nachzu- weisen, dass die Phosphorsäure diese Wirkung hervorgebracht hat; sogar ist dargethan worden, dass sich die Menge der- selben unter den verschiedenen Düngungen fast gleich bleibt, ja noch von der nicht gedüngten Parzelle übertroffen wird, woraus geschlossen werden könnte, dass die ursprüngliche Phosphorsäure des Bodens als Hauptquelle derselben zu be- trachten sei. Pincus*) unternahm Düngungs versuche bei Roggen, um den Einfluss verschiedener Dungmittel auf denselben fest- zustellen. Das Versuchsstück, circa 3 Morgen gross, bot einen möglichst gleich- massigen, ziemlich leichten Boden, der mehrere Fruchtfolgen gehabt hatte und für das nächste Jahr, da man ihn ohne Düngung nicht mehr für lohnend tragfähig hielt, brach liegen sollte. Die Einsaat geschah ziemlich spät, erst Anfangs Oktober, und wurde Guano, Knochenmehl, Fischguano, Rungescher oder sogenannter Deutscher Guano und Stallmist als Düngmittel benützt. Bei der Ende Juli 1859 stattgehabten Ernte ergab sich folgendes, gleich auf Morgen berechnete Resultat: Düngung pro Morgen. Körner- ertrag pro Morgen Gewicht eines SphpfFpk Stroh- ertrag pro Morgen Verhält- niss der Körner in Pfd. k^x^iicuicio. in Pfd. zum Stroh. 1 Ohne Dünger .... 788 78,8 1120 1: 1,49 2 % Ctr. per. Guano, 1 Ctr. 856 77,8 1230 1: 1,44 Knochenmehl .... 8C7 78,8 1300 1 : 1,55 3 2 Ctr. Rungescber Guano 4 4 Fuhren Stallmist . . 924 82 1360 1: 1,48 5 2 Ctr. aufgeschlossenes Knochenmehl .... 928 77,8 1360 1 : 1,47 6 2 Ctr. per. Guano . . . 936 78 1360 1 : 1,47 7 1 Ctr. per. Guano . . . 1120 78,5 1680 1 : 1,50 8 2 Ctr. Fischguano . . . 996 78 1520 1 : 1,52 9 1^ Ctr. Fischguano . . 1132 78 1760 1: 1,56 *) II. Bericht der Versuchsstation zu Insterburg. S. 52. Düngerverwendung, Düngungs- und Kultur- Versuche, 213 Es ist auffallend, dass sowohl beim peruanischem Guano wie beim P'ischguano die geringeren Quantitäten nicht blos relativ, sondern auch absolut einen höheren Ertrag lieferten, als die grösseren, ohne dass bei den stärkeren Düngungen das Maass in der Düngung überhaupt schon überschritten scheint. Eben so auffallend ist, dass Stallmist und Knochenmehl im Vergleich zu den Guanosorten so wenig geleistet haben. Es er- giebt sich hier unzweifelhaft der günstige Erfolg, welchen die stickstoffreichsten Düngmittel, Guan» und Fischguano, hatten; ein verhältnissmässig weit geringerer Erfolg für die Düngung mit phosphorsäurereichen und überhaupt für die an Mineral- bestandtheilen reichen Düngmittel, wie Knochenmehl und Stall- mist. Dies geht aus der Wirkung des Fischguano hervor, der im Verhältniss zu peruanischem Guano weit weniger phos- phorsaure Erden und fast gar keine Alkalien enthält. Pincus weist besonders darauf hin, dass der Boden eine.überwiegende Menge phosphorsaurer Salze, die sich in Wasser und verdünn- ter Salzsäure leicht lösen, enthält. Uebrigens meint Pincus, konnte die volle Wirksamkeit keines Düngmittels auf einem Acker zur Geltung kommen, der auch ungedüngt noch das zehnte Korn lieferte, als Beweis, wie reich derselbe noch an allen pflanzennährenden Bestand- theilen war. Es hat sich desshalb auch, wie eine Rechnung zeigt, kein einziges Dungmittel rentabel gezeigt. Wenn man nun auch wegen der Wahl des Ackers keinen Schluss über den Werth der angewandten Dungmittel nach dem Erfolge derselben ziehen kann, so lässt sich doch der Schluss ziehen, dass auf einen. Acker, der reich ist an Aschen- bestandtheilen der darauf zu kultivirenden Pflanzen, nament- lich an Phosphorsäure, und nicht minder reich an stickstoff- haltigen Pflanzennahrungsmitteln, dennoch die Zufuhr der letz- teren verhältnissmässig weit kräftiger wirkt, als die Zufuhr der ersteren. Theodor Sieger t *) unternahm einen Düngungsversuch, Düngungs. durch welchen die folgenden speziellen Fragen beantwortet ^l^'yy^^J^^ werden sollen : und Roggen 1. Bleibt das Verhältniss zwischen Phosphorsäure und *) Die landwirthschaftlicben Versuchsstationen III. Bd. S. 128. 214 Düugerverwendung, Düngungs- und Kultur- Versuche. Stickstoff bei einer und derselben Varietät von Weizen und von Roggen unter Einfluss verschiedener phosphorsäure- und stickstoffhaltigen Düngungen constant? 2. Findet eine Ver- tretung der einzelnen Proteinstoft'e bei der Aenderung dieses Verhältnisses statt? Zu den Versuchen wurde ein Stück des Chemnitzer landwirthschaftlichen Versuchsfrartens benutzt, dessen Ackerkrume aus einem ziemlich schweren, aus Felstuff entstandenen Thonboden besteht; die Fläche hatte vorher mehrere Jahre Kartoffeln getragen, ohne jedoch gedüngt worden zu sein. Von den zu je 17,323 Quadratm^tre (216 Quadratfuss sächs.) abgesteckten zwölf Beeten wurden im Herbst 1858 sechs mit je 417 Grm. Mary's Goldweizen (Trit. vulg.) und sechs mit je 500 Grm. Holsteiner Winterroggen (See. cereale) besäet, nachdem beide Reihen folgendermaassen gedüngt worden waren: Die erste Parzelle einer jeden Reihe blieb ungedüngt, die zweite erhielt 114 Grm. Stick- stoff in Form von schwefeis. Ammoniak, die dritte eine gleiche Menge Stick- stoff in Form von salpeters. Kalk, die vierte 152 Grm. Phosphorsäure als sauren phosphors. Kalk, die fünfte 152 Grm Phosphorsäure als sauren phos- phorsauren Kalk und 114 Grm. Stickstoff als schwefeis. Ammoniak und end- lich die sechste Parzelle 152 Grm. Phosphorsäure als sauren phosphorsaureu Kalk und 114 Grm. Stickstoff in Form von salpetersaurem Kalk. Bei der Berechnung dieser Düngerquanta war angenommen worden, dass eine mittlere Weizenernte einem Stück Land von der Grösse der Versuchsbeete 38 Grm. Phosphorsäure und 114 Grm, Stickstoff entziehe; es wurde, wie man erkennt, von der zum Ersatz nöthigen Phosphorsäure die vierfache Menge genommen. Im Frühjahr 1859 erhielten die Versuchsbeete die Hälfte ihrer Herbst- düngung als Kopfdünger aufgestreut; zugleich erhielten noch 6 neue Parzellen von derselben Grösse wie die früheren eine Düngung, welche an Qualität und Quantität der Herbstdüngung einer der andern Reihen vollkommen gleich war, und hierauf als Einsaat 367 Grm. gemeinen Sommerweizen (Tr. vulg.). Im Frühjahr standen die Pflanzen des Wintergetreides auf den mit Ammoniaksalz gedüngten Parzellen am kräftigsten, auf den mit Salpetersäuresalz bestreuten am schlechtesten; später Hess sich jedoch, wie auch beim Sommerweizen, kaum ein Unterschied wahrnehmen. Gegen Ende der Reife lagerte sich der Winterroggen auf den beiden mit Ammoniaksalz ge- düngten Beeten gleichmässig, aber doch nicht so bedeutend, dass die vollkommene Reife der Körner hätte verhindert wer- den können. Am 21. Juli geschah die Ernte des Winterroggens, am 4. August die des Winterweizens und am 18. August die des Düngerverwendung, Düngungs- und Kultur-Versuche, 215 Sommerweizens. Die Ergebnisse des bald darauf erfolgten Ausdrusches sind in folgender Tabelle zusammengefasst: M i^ nr i-^^' to i^ o O ö te o Ö oS 6C a :3 TS ? bc a Schwefelsaure Ammoniak. Salpetersaure Kalk. Saurer phosph saurer Kalk. Saurer phosph saurer Kalk u; schwefelsaure Ammoniak. Saurer phosph« saurer Kalk u salpetersaurer K Grm. Grm. Grm. Grm. Grm. Grm. Winterweizen: Körner .... 2750 4750 2750 2500 4000 3000 Stroh .... 7750 11000 6500 6750 11600 9500 Spreu .... 750 750 750 600 850 850 Summa 11250 16500 10000 9850 16450 13350 Winterroggen: Körner .... 3850 4200 4750 3750 4100 4100 Stroh .... 7100 10750 8350 6700 10000 8250 Spreu .... 250 700 350 250 500 500 Summa 11200 15650 13450 10700 14600 12850 Sommerweizen : Körner .... 2000 2350 2100 2100 2100 2100 Stroh .... 3250 4500 Ü500 3750 3850 3700 Spreu .... 750 1600 1250 850 1500 1200 Summa 6000 8450 6800 6700 7450 7000 Das Ammoniaksalz hat, mit Ausnahme der fünften Par- zelle des Sommerweizens, überall eine Erhöhung des Ernte- ertrages hervorgebracht, einmal jedoch, bei der dritten Par- zelle des Winterroggens, übertrifft derselbe das schwefelsaure Ammoniak im Körnerertrag. Dagegen hat das schwefelsaure Ammoniak immer eine entschiedene Vermehrung des Stroh- ertrags verursacht und wird hierin vom salpetersauren Kalk nicht erreicht. Die Phosphorsäure hat nur geringe und keiner Regelmässigkeit folgende Schwankungen hervorgebracht. Ferner wurden je lÜO Pflanzen von jeder Parzelle abgezählt, gewogen und aus dem Mittel mehrerer solcher Wägungen das Gewicht einer jeden einzelnen Pflanze (d. h. Halm -+- Aehre, ohne Wurzel) bestimmt. 216 Düngerverwendung, Düngungs- und Kultur-Versuche. Eine Pflanze wiegt im lufttrockenen Zustande: Düngung. Winter- Weizen. Grm. Winter- Roggen. Grm. Sommer- Weizen. Gl ni. Ungedüngt Schwefelsaures Ammoniak .... Salpetersaurer Kalk Saurer phosphorsaurer Kalk . . Saurer phosphorsaurer Kalk u. schwe- felsaures Ammoniak Saurer phosphorsaurer Kalk u. sal- petersaurer Kalk 1,97 2,38 ■ 1,15 2,09 ! 2,00 1 1,37 1,97 2,58 ! 1,55 1,92 2,59 : 1,19 _ _ 1 ■ _ 2,21 2,49 1,57 im Mittel 1,99 2,38 1,36 Durch Division des Gesammtgewichtes durch das Ge- wicht einer Pflanze ergiebt sich die Anzahl der Pflanzen auf jeder Parzelle. Düngung. Winter- Weizen. Winter- Sommer- Roggen. Weizen. Ungedüngt Schwefelsaures Ammoniak .... Salpetersaurer Kalk Saurer phosphorsaurer Kalk . . . Saurer'phosphorsaurer Kalk u. schwe- felsaures Ammoniak Saurer phosphorsaurer Kalk u. sal- petersaurer Kalk 5700 7910 5080 5110 9210 6050 4700 7830 5220 4140 6580 5160 5220 6170 4420 5630 5520 4460 im Mittel 6500 5600 5200 Es wiegen 500 Körner vom: Düngung, Winter- Weizen. Winter- Roggen. Grm. Sommer- AVeizen. Ungedüngt Schwefelsaures Ammoniak , . . . Salpetersaurer Kalk Saurer phosphorsaurer Kalk . . . Saurer phosphorsaurer Kalk u. schwe- felsaures Ammoniak . . . . . Saurer phosphorsaurer Kalk u. sal- petersaurer Kalk 20,8 19,2 20,2 20,6 18,3 20,5 15,6 12,4 15,3 15,5 15,7 12,41 12,0 11,8 11,9 12,7 12,1 12,1 Düngerverwendung, Düngungs- und Kultur-Versuche. 217 Die Anzahl der auf den verschiedenen Parzellen geernte- Körner erhalten durch die Division des Erntegewichts durch das Gewicht eines Kornes, ist bei: D u n g u n g. Winter- Weizen. Winter- Roggen. Sommer- Weizen. üngedüngt Schwefelsaures Ammoniak . . . . Salpetersaurer Kalk Saurer phosphorsaurer Kalk Saurer phosphorsaurer Kalk u. schwe- felsaures Ammoniak Saurer phosphorsaurer Kalk u. sal- petersaurer Kalk 66000 124000 68000 61000 109000 73000 123000 169000 155000 121000 131000 IGüOOO 83000 100000 88000 83000 87000 87000 Um noch ein Bild von der Ausbildung der einzelnen Pflanzen zu geben, wurde das Gewicht und die Anzahl der von einer Pflanze gebildeten Körner in folgender Tabelle zu- sammengestellt Es kommen auf eine Pflanze Kürner bei: Winter- Winter- Sommer- Düngung. Weizen. Rog gen. Weizen. Grm. Stück. Grm. Stück. Grm. Stück. üngedüngt 0,48 12 0,82 26 0,38 16 Schwefelsaures Ammoniak . . 0,60 16 0,54 22 0,38 16 Salpetersaurer Kalk .... 0,54 1 ^'^ 0,91 30 0,47 20 Saurer phosphorsaurer Kalk 0,49 1 12 0,91 29 0,37 15 Saurer phosphorsaurer Kalk u. schwefelsaures Ammoniak . . 0,43 12 0,62 20 0,38 16 Saurer phosphorsaurer Kalk u. Salpeters. Kalk 0,50 12 0,79 32 0,47 20 im Mittel 0,51 ! 13 0,76 26 0,41 17 Als mittleres Ptesultat ergiebt sich: 1) die Phosphorsäure- düngung hat in diesen Versuchen keine Einwirkung auf Er- trag und Ausbildung der Pflanze gezeigt. 2) Die Aramoniak- düngung erhöhte den Ertrag, und zwar wirkte sie verhältniss- raässig mehr auf die Erzeugung von Stroh als von Korn; sie hat ferner zwar die meisten Pflanzen und die grösste Körner- zahl hervorgebracht, aber die Körner und die Halme sind leicht und die Aehren sind dürftig. 3 ) Das Salpetersäuresalz hat auf die Vermehrung der Pflanzensubstanz nicht so intensiv 218 Düngerverwendung, Düngungs- und Kultur- Versuche. wie das Ammonialvsalz hingewirkt, aber es hat schwere Pflanzen mit reichen Fnichtständen gebildet. Was die chemische Untersuchung betrifft, so wurde die- selbe beim Stroh auf die Bestimmung des hygroskopischen Wassers und der Asche, bei den Körnern auf Wasser, Asche, Phosphorsäure, Gesammtstickstoff und Kleber ausgedehnt. f]s folgen nun die übersichtlich zusammengestellten Unter- suchungsergebnisse. Prozentische Zuammensetzung des Strohes im lufttrockenen Zustande. Winterweizenstroh. Düngung. Wasser. Trocken- substanz. Asche. Organische Stoffe. Ungedüngt Schwefelsaures Ammoniak . Salpetersaurer Kalk . . . Saurer phosphorsaurer Kalk Saurer phosphorsaurer Kalk u. schwefeis. Ammoniak . Saurer phosphorsaurer Kalk und salpetersaurer Kalk . 13,92 13,48 13,22 13,63 13,98 14,20 86,08 86,52 86,78 86,37 86,02 85,80 4,31 3,30 3,18 4,14 3,43 3,65 81,77 83,22 83,60 82,23 82,59 82,15 im Mittel 13,74 86,26 3,67 82,59 Winterroggenstroh. Düngung. Wasser. Trecken- | , , Organische Substanz. 1 '^^''°^- Stoffe. i Ungedüngt Schwefelsaures Ammoniak . Salpetersaurer Kalk . . . Saurer phosphorsaurer Kalk Saurer phosphorsaurer Kalk u. Schwefels. Ammoniak . Saurer phosphorsaurer Kalk u. salpetcrsaurer Kalk 13,96 86,04 13,69 86,31 14,44 85,56 14,06 85,94 13,58 86,42 14,11 85,89 4,89 3,15 4,11 4,33 3,84 3,54 81,15 83,16 81,45 81,61 82,58 82,35 im Mittel 13,97 1 86,03 3,98 82,05 Düngerverwendung, Düngungs- und Kultur- Versuche. 219 Sommerweizenstroh. Düngung. Wasser. Trocken- substanz. Asche. Organische Stoffe. Ungedüngt Schwefelsaures Ammoniak . Salpetersaurer Xalk . . . Saurer phosphorsaurer Kalk Saurer phosphorsaurer Kalk u. schwefeis. Ammoniak . Saurer phosphorsaurer Kalk u. salpetersaurer Kalk . . im Mittel 14,55 14,13 14,62 14,74 14,54 14,55 85,45 85,87 85,38 85,26 85,46 85,45 3,30 3,70 2,88 2,72 2,00 1,95 82,15 82,17 82,50 82,54 83,46 83,50 14,52 85,48 2,76 ! 82,72 Prozentische Zusammensetzung des Strohes im getrockne- ten Zustande. Stroh von Düngung. Winterweizen. Winterroggen. Sommerweizen. Asche. Organ. Stoffe. Asche. Organ. Stoffe. Asche ^'■^^°- ^^'^^^- \ Stoffe. 1 Ungedüngt Schwefelsaures Ammoniak . Salpetetersaurer Kalk . . Saurer phosphorsaurer Kalk Saurer phosphorsaurer Kalk und schwefeis. Ammoniak Saurer phosphorsaurer Kalk und salpetersaurer Kalk 5,01 3,82 3,67 4,80 4,00 4,26 94,99 96,18 96,33 95,20 96,00 95,74 5,68 3,65 4,81 5,04 4,44 4,12 94,32 96,35 95,19 94,96 95,56 95,88 3,87 4,31 3,38 3,19 2,33 2,28 96,13 95,69 96,62 96,81 97,67 97,72 im Mittel 4,26 95,74 4,62 95,38 3,23 96,77 Prozentische Zusammensetzung des Korns im lufttrockenen Zustande. Winterweizen. Düngung. „T Trocken- ' , , Wasser. i . Asche. Substanz. 1 1 Organische Stoffe. Ungedüngt Schwefelsaures Ammoniak . Salpetersaurer Kalk . . . Saurer phosphorsaurer Kalk Saurer phosphorsaurer Kalk und schwefeis. Ammoniak Saurer phosphorsaurer Kalk und salpetersaurer Kalk . 16,48 15,99 16,97 15,40 15,90 16,84 83,52 84,01 83,03 84,60 84,10 83,16 1,70 1,62 1,62 1,81 1,63 1,52 81,82 82,39 81,41 82,79 82,47 81,64 im Mittel 16,26 1 83,74 1,65 82,09 220 Düngerverwendung, Düngungs- und Kultur-Versuche. Winterroggen. Düngung. Wasser. Trocken- substanz. Asche. Organische Stoffe. i Ungediingt 19,43 '[ 80,57 1,71 1 78,86 Schwefelsaures Ammoniak . 19,17 i 80,83 1,69 79,14 Salpetersaurer Kalk . . . 20,80 79,20 1,61 77,59 Saurer phosphorsaurer Kalk 8,51 1 81,49 1,69 79,80 Saurer phosphorsaurer Kalk und schwefeis. Ammoniak 18,11 ! 81,89 1,70 80,19 Saurer phosphorsaurer Kalk 1 und salpetersaurer Kalk . 16,07 83,93 1,72 82,21 im Mittel 18,68 i 81,32 1,69 l 79,63 Sommerweizen. Ungedüngt Schwefelsaures Ammoniak . Salpetersaurer Kalk . . . Saurer phosphorsaurer Kalk Saurer phosphorsaurer Kalk und schwefeis. Ammoniak Saurer phosphorsaurer Kalk und salpetersaurer Kalk . im Mittel 16,24 15,78 15,88 15,67 15,68 16,06 83,76 84,22 84,12 84,33 84,32 83,94 1,91 l,6:i 1,61 1,83 1,69 1,53 81,85 82,59 82,51 82,50 82,63 82,41 15,88 84,12 1,70 82,42 Prozentische Zusammensetzung des Kornes im getrockneten Zustande. NVinterweizen. Düngung. < Organische Stoffe. Phosphor- siiure. Stickstofif im Ganzen. un- löslicb. löslioli. Ungedüngt Schwefelsaures Ammoniak . . Salpetersaurer Kalk .... Saurer phosphorsaurcr Kalk . Saurer phosphorsaurer Kalk u. schwefelsaures Ammoniak Saurer phosphorsaurer Kalk u. salpetersaurer Kalk . . . 2,03 1,93 1,95 1,98 1,94 1,83 97,97 98,07 98,05 98,02 98,06 98,17 0,90 0,93 0,94 0,94 0,91 0,89 2,29 2,10 2,18 2,15 2,12 2,31 1,62 1,47 1,46 1,43 1,45 1,57 0,67 0,63 0,72 0,72 0,67 0,74 im Mittel 1,94 98,06 0,92 2,19 1,50 0,69 Düngerverwendung, Düngungs- und Kultur- Versuche. 221 Proteinstoffe Stickstoff. lose Bestand- theile. VerbältnidS Düngung. B •" CS O ■■o 6 "öS :0 .Stoffe zu deu stick- stoffioaen Besiand- thoilen. Ungedüngt Schwefelsaures Ammoniak Salpetersaurer Kalk . . Saurer phosphors. Kalk . Saurer phosphors. Kalk u. schwefeis. Ammoniak . Saurer phosphors. Kalk u. salpetersaurer Kalk . . 14,31 13,13 13,63 13,44 13,25 14,44 10,12 9,19 9,13 8,94 9,06 9,81 4,19 3,94 4,50 4,50 4,19 4,63 83,66 84,94 84,42 84,58 84,81 83,73 1 : 5,85 1: 6,47 1: 6,19 1:6,29 1 : 6,40 1 : 5,80 im Mittel 13,70 9,37 4,33 84,36 1: 6,16 Winterroggen. Asche. Organ. Stoffe. Phos- phor- säure. Stickstoff Düngung. im Gauzeu. un- löslicb. löslich. Ungedüngt Schwefelsaures Ammoniak Salpetersaurer Kalk . . Saurer phosphors. Kalk . Saurer phosphors. Kalk u. salpetersaurer Kalk . 2,12 2,10 2,04 2,08 2,05 97,88 97,90 97,96 97,92 97,95 0,93 0,92 0,82 0,90 0,90 2,26 2,28 2,43 2,38 2,20 1,18 1,19 1,37 1,31 1,22 1,08 1,09 1,06 1,07 0,98 im Mittel 2,08 97,92 0,90 2,29 1,24 1,05 Proteinstoffe Stickstoff- Verhältnis.s der Protein- Düngung. 1 M ■o 1 lose Bestand- theile. Stoffe zu den stick- stofflosen Bestand- theilen. Ungedüngt 14,13 7,38 6,75 83,75 1 : 5,93 Schwefelsaures Ammoniak 14,25 7,44 6,81 83,65 1: 5,87 Salpetersaurer Kalk . . 15,19 8,56 6,63 82,77 1: 5,45 Saurer phosphors. Kalk . 13,81 7,31 6,50 84,11 1 : 6,09 Saurer phosphors. Kalk u. schwefeis. Ammoniak . 14,88 8,19 6,69 83,04 1 : 5,58 Saurer phosphors. Kalk u salpetersaurer Kalk . . 13,75 7,62 6,13 84,20 1: 6,12 im Mittel 14,33 7,75 6,58 83,59 1 : 5,84 222 Düngerverwendung, Düngungs- und Kultur-Versuche. Sommerweizen. Asche. Org. Stoffe. Phos- phor- säure. Stickstoff Düngung. im (ianzeii. un- löslich. löslieh. Ungedüngt 2,23 97,77 1,04 2,39 1,76 0,63 Schwefelsaures Ammoniak 1,93 98,07 0,86 2,73 2,08 0,65 Salpetersaurer Kalk . . 1,92 98,08 0,86 2,81 2,12 0,69 Saurer phosphors. Kalk . 2,16 97,84 1,04 2,49 1,86 0,63 Saurer phosphors. Kalk u. schwefeis. Ammoniak . 2,00 98,00 0,89 2,62 2,02 0,60 Saurer phosphors. Kalk u. salpetersaurer Kalk . . 1,81 98,19 0,84 2,80 2,18 0,62 im Mittel 2,01 97,99 0,92 2,64 2,00 0,64 Düngung. im Ganzen. 's 1 g-i un- 2. 1 lösliche. S li e 1 •o Stickstoff- lose Bestand- theile. Verhältniss der Protein- Stoffe zu den stick- stoflflosen Hcstand- theilen. Ungedüngt Schwefels. Ammoniak . Salpetersaurer Kalk Saurer phosphors. Kalk Saurer phosphors. Kalk u schwefeis. Ammoniak Saurer phosphors. Kalk u salpetersaurer Kalk . 14,94 17,06 17,56 15,56 16,38 17,50 11,00 13,00 13,25 11,62 12,63 13,63 3,94 4,06 4,31 3,94 3,75 3,87 82,83 81,01 80,52 82,28 81,62 80,69 1 : 5,54 1 : 4,75 1 : 4,59 1 : 5,29 1: 4,98 1:4,61 im Mittel 16,50 12,52 3,98 81,49 1 : 4,94 Siegert hebt nun aus diesen Versuchen die folgenden Beziehungen hervor: Was zunächst das Stroh betrifft, so ist der Wassergehalt ziemlich konstant, die Aschenmenge dagegen bei dem Winterweizen- und Winterroggenstroll, welches auf den mit stickstoffhaltigen Substanzen gedüngten Parzellen ge- baut worden war, erheblich kleiner, als bei dem Stroh der beiden anderen Beete, die organische Substanz daher durch Stickstoff'düngung vermehrt worden. Der Wassergehalt der Körner zeigt weder sehr bedeutende, noch regelmässige Schwankungen, ist jedoch im Durchschnitt etwas grösser, als Düngerverwendung, Düngungs- und Kultur- Versuche. 223 derselbe von anderen Chemikern angegeben wird. Die Äschen- bestandtheile scheinen in den ohne stickstoffhaltige Düngung gewachsenen Körnern, ähnlich wie beim Stroh, in grösserer Menge als in denen der anderen Parzellen abgelagert worden zu sein; wenigstens ist dies beim Sommerweizen deutlich zu erkennen, während die Differenzen beim Wintergetreide zu gering sind. Die Phosphorsäuremengen schwanken im Winterweizen und Winterroggen wenig. Bei dem Sommerweizen hat der saure phosphorsaure Kalk keinen Einfluss gezeigt, während schwefelsaures Ammoniak und salpetersaurer Kalk eine deut- liche Verminderung des Phosphorsäuregehaltes bewirkt haben. Die Phosphorsäure schwankt demnach proportional der Asche, jedoch ist das Verhältniss zwischen beiden Bestandtheilen kein konstantes. Der Stickstoffgehalt entfernt sich im Allgemeinen nicht weit von den durch die früheren Untersuchungen fest- gestellten Mittelwerthen, doch sind die vorhandenen Unter- schiede in den verschiedenen Ernten nicht zu übersehen. Beim Winterroggen sind zwei solcher Abweichungen deutlich zu be- merken, die sich aber nicht mit der Düngung in Einklang bringen lassen; beim Sommerweizen dagegen ist die pro- zentische Menge des Stickstoffes bei der Stickstoft'düngung entschieden vermehrt; das Salpetersäuresalz scheint sogar noch etwas mehr auf eine solche Vermehrung hingewirkt zu haben, als das Ammoniaksalz. Das Verhältniss zwischen Stickstoff' und Phosphorsäure ist kein konstantes. Im Allgemeinen wird man bei der Vergleichung der Zahlen der drei Versuchsreihen bemerken, dass die Unterschiede in der Zusammensetzung des Roggen- und Weizenkorns nicht grösser sind, als diejenigen, welche zwischen den beiden Weizenvaiietäten selbst stattfinden. Siegert lieferte weiter die Berechnung für die Mengen an Trockensubstanz, Asche, Phosphorsäure und Stickstoff, welche dem Boden nach mitgetheilten Analysen entzogen wer- den, es lassen diese Zahlen erkennen, dass nirgend die ganze Quantität der zugesetzten Nährstoffe, die für je eine Parzelle beim Wintergetreide 171 Grm. Stickstoff' und 228 Grm. Phos- phorsäure, beim Sommergetreide 114 Grm. Stickstoff' und 152 224 Düngerrerwendung, Düngungs- und Kultur- Versuche. Grm. Phosphorsäure betrug, wieder entzogen worden ist, trotz- dem dass der Ertrag einer mittleren Ernte nur einige Male überschritten wurde. Interessant ist die Wirkung des Am- moniaksalzes, welches bei dem Winterweizen überall die Auf- nahme der Bodenbestandtheile mehr als das Salpetersäuresalz förderte, während es bei dem Roggen und dem Sommerweizen sich vor dem Letzteren w^eniger oder gar nicht auszeichnete. Was die Zusammenstellung der oben aufgestellten Fragen anbelangt, so formulirt sie Siegert wie folgt: 1) Phosphor- säure und Gesammtstickstoff stehen in keinem konstanten Verhältniss zu einander; die prozentischen Mengen beider lassen sich variiren ; Stickstoffdüngung vermehrte, diesen Ver- suchen zufolge, den Prozentgehalt an Stickstoff und verminderte den an Phosphorsäure; 2) eine Vertretung der beiden Gruppen der Proteinkörpei-, der im Wasser löslichen und der unlös- lichen, findet nicht statt; doch dürfte eine solche innerhalb dieser Gruppen nicht unmöglich sein. Diese schönen Untersuchungen von Siegert schliessen sich zunächst an die von Mayer, welcher eine nicht unbedeutende Anzahl von bayrischen Roggen-, Weizen-, Gerste- und Hafersorten, wie Leguminosen analysirte, an.*) Mayer folgerte aus seinen Untersuchungen, dass die Proteinstoife einer ge- wissen Menge Phosphorsäuie zu ihrem Bestehen bedürfen. Für jeden ein- zelnen ProteinstofF (Kleber, Albumin, Legumin) musste die Phosphorsäure- menge zwar eine verschiedene, jedoch eine konstante sein. Der eben nicht günstige Einfluss von stickstoffhaltigen Düngern auf die kräftige Entwicklung des Samens beobachtete Alex. Müller bei der Gerstenpflanze.**) Zum Ver- gleiche sei noch auf verschiedene andere Roggen- und Weizenuntersuchungen hingewiesen; solche sind geliefert worden — neben den erwähnten May er- sehen — von Reiset,***) Millon,t) P^ligot.tt) Bibra,ttt) Zöllcr,*t) *) Ergebnisse landwirthschaftl. Versuche der Münchner Versuchsstation. Heft. S. 1. **) Pharm. Centralblatt 1855. S. 892. ***) Pharm. Centralblatt 1854. S. 145. t) Pharm. Centralblatt 1851 Bd. I. S. 169. ff) Journ. f. prakt. Chemie. Bd. 50. S. 243. tff) Bibra's Monographie über die Getreidearten und das Brot. *t) Annal. der Chemie u. Pharm. Bd. CXH. S. 29. spezifische Düngerverwendung, Düngungs- und Kultur- Versuche. 225 Fehling und Faisst.*) Auf die Vergleichung dieser verschiedenen Ar- beiten mit der eben mitgetheilten einzugehen, erlaubt der Raum nicht und wir müssen in dieser Beziehung auf die Abhandlung von Siegert, wo eine solche Vergleichung geschieht, verweisen. Hartsteiii**) berichtet über den Fortgang der schon seit dem Jahre 1858 von ihm begonnenen Versnche über die spezifische Wirkung verschiedener Dungmittel. **'^) wnkuugver- st-hiedener Uungmittel. Die Abtheilungen ä 24 Fuss Fläche jeder Versuchsreihe erhielten wie bei den früheren Versuchen folgende Düngungen : Auf Abtheilung I. zum Vergleiche ungedüngt, „ „ II. 209,6 Grm. kohlensauren Kalk, „ „ III. 86,6 „ kohlensaures Kali und 209,6 „ kohlensauren Kalk, „ „ IV. 75,2 „ salpetersauren Kalk und 163,6 „ kohlensauren Kalk, „ „ V. 216,5 „ 3 bas. phosphors. Kalk „ „ IV. 216,5 „ 3 bas. phosphois. Kalk 86,6 „ kohlensaures Kali und 75,2 ,, salpetersauren Kalk. T. Versuchsreihe für Runkelrüben auf sandigem Lehm- und Sandboden. Die 1858 begonnenen Versuche in Kästen, gefüllt mit verschiedenen Bodenarten, wurden in gleicher Weise für das Jahr 1860 fortgesetzt. Sowol für den sandigen Lehm, wie für den Sandboden waren je (i Kasten bestimmt. Am 12. Juni wurden die Felder G Zoll tief um- gegraben und mit den betreffenden Dungmitteln versehen. Am folgenden Tage geschah das Aussetzen der in einem Sa- menbeete gewonnenen Pflänzlinge (18 Pflanzen auf jeden Kasten). Die Runkelrübensorte war die runde Oberdorfer. *) Riecke's Wochenblatt 1852, N. 15. **) Annalen der Landwirthschaft 1861. Bd. XXXVII. S. 163. ***) Es muss auf die Anordnung und die Resultate dieser Versuche, auf das im II. Jahrg. S. 282 und III Jahrg. S. 234 dieses Jahresberichtes Mit- getheilte verwiesen werden. HofTmanu, Jabresberioht IV. 15 226 Düngerverwendmig, Düngungs- und Kultur-Tersuche. Ertrag an Rübenblättern. Auf den Sandfeldern. Auf dem Lehmboden. Art der Düni^ung. Ertrag an Blättern. Grm. Mehrertrag über das ungedüngte Stück. Grm. Ertrag an Blättern. Grm. Mehrertrag über das ungedüngte Stück. Grm. 1. Ungedüiigt 2. Gedüngt mit kohlens. Kalk 3. Gedüngt mit kohlens. KaU 4. Gedüngt mit Salpeters. Kalk 5. Gedüngt mit phosphors. Kalk 6. Gedüngt mit dem Salz- gemenge 5100 3150 2872 5350 2971 5747 — 1850 — 2228 + 250 — 2129 -MG47 4750 3950 2920 7120 4510 8730 — 800 — 1830 + 2370 — 240 + 4000 Ertrag an Wurzeln. Art der Düngung. Auf den Sandfeldern. Ertrag an Wurzeln. Grm. Mehrertrag über das ungedüngte Stück. Grm. Auf dem Lehmboden. Ertrag Mehrertrag über das ungedüngte Stück. Wurzeln. Grm. Grm. 1. Ungedüngt 2. Gedüngt mit kohlens. Kalk 3. Gedüngt mit kohlens. Kali 4. Gedüngt mit Salpeters. Kalk 5. Gedüngt mit phosphors. Kalk 6. Gedüngt mit dem Salz- gemeuge 4ÜG9 2870 2776 8881 3734 10593 — 1793 — 1893 + 4212 - 935 + 5924 5140 5296 4339 12739 5910 16463 + 156 — 801 + 7599 + 770 + 11323 DüngerverwenduDg, Düngungs- und Kultur- Versuche. 227 Die während der Vegetation angestellten Beobachtungen ergaben, wie auch in dem vorhergehenden Jahre, auf den Lehmfeldern durchgängig eine kräftigere Entwicklung der Rüben als auf den Sandfeldern. Ebenso wiederholte sich die 1859 gemachte Beobachtung, dass auf beiden Yersuchsabtheilungen (Lehm- und Sandfeldern) die mit dem Salzgemenge N. VI. und dem salpetersauren Kalk gedüngten Stücke im Laufe der ganzen Vegetation durch eine kräftige Wurzel- und Blatt- bildung sich auszeichneten, während erhebliche Unterschiede auf den andern Versuchsstücken nicht bemerkbar waren. Die tarnte erfolgte auf allen Abtheilungen am 6. November. Die Rüben (im frischen Zustande nach dem Gewicht bei der Ernte berechnet) enthielten nach den Untersuchungen Töpler's in 100 Gewichtstheilen : Versuchsstück. A. Sandi'elder: 1. Ungedüngt 2. Gedüngt mit kohlcns. Kalk 3. Gedüngt mit kohlens. Kali 4. Gedüngt mit Salpeters. Kalk ;>. Gedüngt mit phosphorsaur. Kalk G. Gedüngt mit dem Salzge- menge B. Lehmfelder: 1. Ungedüngt 2. Gedüngt mit kohlens. Kalk 3. Gedüngt mit kohlens. Kali 4. Gedüngt mit Salpeters. Kalk ü. Gedüngt mit phosphorsaur. Kalk 6. Gedüngt mit dem Salzge- mcnge 1,040 97,15 1,042 96,79 1,041 96,65 1,045 96,83 1,040 97,12 1,043 97,48 1,039 97,28 1,044 97,22 1,0U 97,03 1,040 97,34 1,045 96,74 1,042 97,54 6,35 7,20 7,29 8,73 7,19 7,90 7,30 8,25 7,71 7,49 8,28 7,76 2,85 3,21 3,3.3 3,17 2,88 2,52 2,72 2,78 2,97 2,66 3,26 2,4(J 1,19 1,25 1,14 0,79 1,06 0,85 1,13 0,80 0,74 0,80 0,79 0,73 0,81 0,84 0,88 0,76 0,93 0,78 0,77 0,77 0,72 0,85 0,89 0,81 Wir finden hiernach in Betreff der Quantität des Wurzel- ertrages in beiden Versuchsreihen gleichmässig das günstigste Resultat nach der Düngung mit der Salpetersäure und dem 15* 228 Düngerverwendung, Diingungs- und Kultur- Versuche. Salzgemenge. Hinsichtlich der Beschaffenheit der Zusammen- setzung der Rüben sind aus den vorher mitgetheilten Unter- suchungen folgende Punkte hervorzuheben: 1. Das spezifische Gewicht des Saftes steht in nahem Zusammenhang mit dem Zuckergehalt. 2. Die Menge der un- löslichen Bestandtheile (Pressrückstand) schwankt zwischen 2,G6 nnd 3,35, sämmtliche Rüben sind als saftreiche zu be- zeichnen 3. Hinsichtlich des Zuckergehaltes ergiebt sich auf den Sandfeldern das auffallende Resultat, dass die Rüben des ungedüngten Feldes den kleinsten, der mit salpetersaurera Kalk und Salr^gemenge gedüngten Abtheilungen dagegen den grössten Zuckergehalt besitzen, obgleich letztere durchschnitt- lich die grössten Rüben produzirten. Auch auf dem Lehm- boden hat die ungedüngte Abtheilung Rüben von dem ge- ringsten Zuckergehalt geliefert. 4. Der Gehalt an Proteinstoffen ist auf den Sandfeldern bei den Abtheilungen 4. und 6. am geringsten und steht somit im umgekehrten Verhältnisse zum Zuckergehalt. 5. Schwankungen im Aschengehalt sind im Ganzen nicht erheblich. In beiden Versuchsreihen hatte die Düngung mit phosphorsaurem Kalk den grössten Aschengehalt zur Folge. Hartstein fragt nun: Welche Folgerungen sind nun beim Gesammtüberblick der dreijährigen Versuchsresultate mit einiger Sicherheit zu ziehen? Bei gewissenhafter Beurtheilung beschränkt sich das thatsächlich Erwiesene auf wenige Punkte. Vor Allem geht aus dem Ueberblick des Ganzen die ernste Mahnung an diejenigen hervor, welche auf vereinzelte, noch so genau durchgeführte Versuche weitgreifende Thesen be- gründen möchten. Was zunächst den quantitativen Ertrag betrifft, so kann Folgendes für den sandigen Lehm- und den Sandboden als Anhalt dienen : 1. Die Runkelrüben -Erträge werden durch die Düngung mit salpetersaurem Kalk und dem oben beschriebenen Salz- gemenge am meisten gesteigert, und 2. der kohlensaure Kalk, den betreffenden Bodenarten in kleinen Mengen zugeführt, übt auf den Rübenertrag keinen wesentlichen Einfiuss aus. Hinsichtlich der Wirkung der anderen Düngungsmittel da- Dünger Verwendung, Düngungs- und Kultur- Versuche. 229 gegen lässt sich bis jetzt nichts Bestimmtes aufstellen, weil die Unterschiede in den Erträgen der betreffenden Versuchs- Abtheiliingen zu gering und in den einzelnen Jahrgängen zu schwankend sind. Auch hinsichtlich der Wirkung der Düngungs- mittel auf die Quantität des Blättorertrages gelten im Allge- meinen ähnliche Verhältnisse wie bei den Wurzelerträgen; namentlich bringt die Düngung mit Salpetersäure und dem Salzgemenge eine reiche Blattentwicklung hervor. Bezüglich der chemischen Zusammensetzung der Rüben ist folgendes hervorzuheben: 1. Das spezifische Gewicht des Saftes schliesst sich ziem- lich eng dem prozentischen Gehalt an Zucker an. 2. Der all- gemein angenommene Erfuhrungssatz, dass der Zuckergehalt im umgekehrten Verhältniss zum Gewichte der Rüben stehe, findet in den Versuchsjahren 1858 und 1859 Bestätigung. 3. Der Gehalt an Proteinstoflfen scheint im umgekehrten Ver- hältnisse zum Zuckergehalte der Rüben zu stehen. 4. In Be- zug auf den Aschengehalt, welcher in den Versuchsjahren im Ganzen wesentlich verschieden ist, zeigt sich das überein- stimmende Resultat, dass die Düngung mit phosphorsaurem Kalk den grössten Aschengehalt zur Folge hatte. II. Versuchsreihe für Winterweizen auf sandigem Lehmboden. Der Boden wurde am 27. Oktober ]8ü9 mit dem Spaten auf 6 Zoll Tiefe umgegraben, sorgfältig zerkleinert, darauf die angegebenen Düngungsmittel breitwürfig ausgestreut und durch wiederholtes Rechen mit der Krume gleich- massig gemischt. Am folgenden Tage wurde der Weizen gesäet. Bei der herrschenden feuchten Witterung verspätete sich die Reife derart, dass die Ernte erst am 22. August vorgenommen werden konnte. Die geerntete Frucht wurde einige Zeit an einem luftij;eu Orte aufbewahrt, bis sie sich in einem gleiuhmässig trockenen Zustande befand. Nach genauen Wägungen stellten sich die Erträge der einzelnen Abtheilungen wie folgt: 230 Düngerverwendunir, Düngungs- und Kultur-Versuche, Versuchsstücke. Ertrag an J Stroh Körnern. ^ -g-^g. Grm. ! Grni. im Ganzen. Grm. Mehrertag über das ungedüngte Feld an Körnern. Grm. an Stroh. Grm. 1. Ungedüngt 2. Gedüngt mit kohlens. Kalk 3. Gedüngt mit kolüens. Kali 4. Gedüngt mit Salpeters. Kalk 5. Gedüngt mit phosphors. Kalk 6. Gedüngt mit dem Salz- gemenge 219,5 I 610,4 ! 185,3 I 463,1 199,8 i 536,5 j 315,5 ■ 944,7 218,1 253,0 538,2 667,5 829,9 648,4 736,3 1260,2 756,3 920,5 34,2 —147,3 — 19,7 + 96,0 -1,4 — 73,9 + 334,3 - 72,2 33,5 I + 57,1 Wesentliche Unterschiede in der äusseren Beschaffenheit des Körnerertrages waren bei den einzelnen Versuchsabtheihm- gen nicht bemerkbar. Was die chemische Zusammensetzung der Körner betrifft, so ergaben die Untersuchungen Töpler's folgende Resultate in 100 Gewichtstheilen: Versuchsstück. 1. Ungedüngt 2. Gedüngt mit kohlensaurem Kalk 3. Gedüngt mit kohlensaurem Kali 4 Gedüngt mit salpetersaurcm Kalk 5. Gedüngt mit phosphorsaur. Kalk 6. Gedüngt mit dem Salzge- menge 14,92 10,05 70,04 1,84 1,18 15,30 10,48 69,22 1,57 1,14 14,70 11,25 69,11 1,48 1,30 16,17 11,81 67,72 1,27 1,10 17,08 10,57 67,30 2,07 1,17 14,68 11,62 68,87 1,81 1,25 1,97 2,29 2,16 1,93 1,81 1,77 Düngerrerwendung, Düngungs- und Kultur- Versuche. 231 In Bezug der dreijährigen Versuchsresultate wird be- merkt, aus den VVeizendüngungsversucheu lassen sich weit- gehende Schlüsse bis jetzt noch nicht ziehen. Was zunächst die quantitativen Erträge an Körnern und Stroh betrifft, so ergeben sich zwischen den einzelnen Jahrgängen ausser- ordentliche Schwankungen. Die Versuche von 1859 und 1860 zeigen in ihren einzelnen Abtheilungen mehr Ueberein- stimmung. In auffallender und durchaus gleichmässiger Weise hat die Düngung mit salpetersaurem Kalk eine erhebliche Steigerung des Strohertrages zur Folge. Ebenso ergiebt sich eine ziemlich gleichmässige Vermehrung des Körnerertrages nach dem salpetersauren Kalk und dem Salzgemenge. Ferner bestätiget es sich, dass der kohlensaure Kalk, in geringen Quantitäten auf den sandigen Lehm des Rheinthaies zugeführt, einen irgend wesentlichen Einfluss auf die Körner und den Strohertrag des Weizens nicht ausübt. Hinsichtlich der chemischen Zusammensetzung der Körner geben die analytischen Untersuchungen zu folgenden Be- merkungen Veranlassung: 1. Die Düngung mit den stickstoffhaltigen Substanzen (salpetersaurer Kalk und das Salzgemenge) hat in den drei Versuchsjahren den höchsten prozentischen Gehalt an Protein- stoffen hervorgerufen. Es ffndet somit der allgemein geltende Satz über die Vermehrung der Getreidekörner an Albuminaten durch stickstoffhaltige Düugungsmittel in den Versuchen seine volle Bestätigung. Beim Vergleich des Stickstoffgehaltes der Körner in den einzelnen Versuchsjahren ist derselbe 18-50 durchgängig um einige Prozente niedriger. Diese Erscheinung möchte mit ziemlicher Sicherheit der niedrigen mittleren Temperatur wäh- rend der Vegetations-Periode zugeschrieben werden. Es steht damit die I^rfahrung in Einklang, dass der Weizen um so reicher an Kleber ist, in je wärmeren Klimaten er cultivirt wird. So steigt z. B, der Gehalt an Proteinkörpern im egypti- schen Weizen auf 18 bis 19 Prozent. 2. Der Gehalt an Stärke und Gummi stellt sich in den drei Versuchsjahren am höchsten auf dem ungedüngten Stück, so wie auf den mit kohlensaurem Kali und phosphorsaurem Kalk gedüngten Abtlieilungen, nur im letzten Versuchsjahre machte die Düngung mit phosphor- 232 Düngerverwendung, Düngungs- und Kultur-Versuche. saurem Kalk eine Ausnahme. Ferner ergiebt sich ein konstan- tes Yerhiiltniss des Fettgehaltes zu den Proteinstoffen und zur Stärke. In den vorliegenden Untersuchungen steigt und fällt derselbe im Allgemeinen in dem ^laasse, als die Kohlenhydrate zu- oder abnehmen, und scheint somit in demselben Verhält- niss zu den Proteinstoffen zu stehen, als Stärke und Gummi. 3. Der Gehalt an Holzfaser und Asche bietet beim Vergleich der Resultate in den drei Jahrgängen wesentliche Unterschiede dar. Die Schwankungen in der einzelneu Versuchsreihe jedes Jahres sind jedoch nicht erheblich, wobei bestimmte Beziehun- gen zum Stickstoffe und Stärkegehalte der Körner nicht zu erkennen sind. Dagegen scheint zwischen dem Aschengehalt und der Schwere des Kornes ein Zusammenhang stattzufinden, indem der grösste Aschengehalt der geringsten Schwere des Kornes entspricht. Dieses Verhältniss ergab sich wenigstens in den beiden letzten Versuchsjahren. III. Versuchsreihe für Sommergerste auf Sand- boden. Die Erträgnisse der einzelnen Abtheiluugen wurden in einem gleichmässig trockenen Zustande festgestellt, wie folgt: Ertrag Mehrertrag über das ungedüngte Versuchsstück. an Körnern. Grm. an Stroh u. Kaff. Grm. im Ganzen. Grm. Stück an Körnern. Grm. an ^ Stroh. Grm. 1. Ungedüngt 2. Gedüngt mit kohlens. Kalk 3. Gedüngt mit kohlens. Kali 4. Gedüngt mit Salpeters. Kalk 5. Gedüngt mit phosphors. Kalk 6. Gedüngt mit dem Salz- gemenge üö,7 i 197,7 j -253,4 I I I 65,8 i 177,6 1 ■243,4 i 1 86,5 I 244,5 | 331,0 491,3 ; 616,7 56,5 168,9 1108,0 225,4 570,0 I 812,6 I 1382,6 + 10,1 I —20,1 + 30,8 +-435,6 -+-0,8 +-514,3 H-46,8 -+-419,0 — 28,8 -+-614,9 Xachträglich wird bemerkt, dass diese Düngungsversuche in 6 Kästen in gleicher Art mit denselben Duugmitteln wie Diingerverwendung, Düngimgs- und Kultur- Versuche. 233 bei den vorhergehenden Versuchsreihen ausgeführt wurden; die Aussaat geschah am 9. Mai, die Ernte am 13. August. Nach den Untersuchungen Top 1er 's hatten die Körner in 100 Theilen folgende Zusammensetzung: 1. IJngedüngt . . . . , 2. Gedüngt mit kohlens. Kalk 3. Gedüngt mit kohlens. Kali 4. Gedüngt mit Salpeters. Kalk 5. Gedüngt mit phosphor- saurem Kalk . . . . 6. Gedüngt mit dem Salz- gemenge 15,39 I 10,38 15,95 10,G7 15,32 I 10,71 17,45 i 10,39 17,87 I 8,92 15,71 9,87 65,21 3,83 65,62 2,84 66,05 3,05 63,66 4,11 64,84 3,50 66,84 3,58 1,55 1,34 1,54 1,32 1,32 1,48 3,64 3,58 3,33 3,07 3,55 2,52 1) Den höchsten Gehalt an Proteinkörpern besitzen die mit kohlensaurem Kali und kohlensaurem Kalk gedüngten Ver- suchsstücke, den geringsten das Stück mit phosphorsaurem Kalk. 2) Die mehlreichsten Körner sind nach der Düngung mit kohlensaurem Kali und dem Salzgemenge gewonnen; die mehl- ärmsten nach der Düngung mit salpetersaurem Kalk. Beim näheren Eingehen auf die zweijährigen Versuchs- resultate ergiebt sich zunächst hinsichtlich des quantitativen Ertrages Folgendes: 1) Die Düngung mit dem salpetersauren Kalk und dem Salzgemenge steigerte in den beiden Versuchsjahren die Stroh- wüchsigkeit der Gerste. 2) Die Wirkung des kohlensauren Kalkes auf den Sand- boden ist indifferent oder doch wenigstens sehr geringfügig. 3) Bezüglich der Wirkung des kohlensauren Kalis und des phosphorsauren Kalkes findet in den beiden Jahrgängen keine Uebereinstimmung statt, und lässt sich über die Be- 234 Düngerverwendung, Düngungs- und Kultur-Versuche. deutung derselben für die Vegetation der Gerste auf dem Sandboden noch keine bestimmte Ansicht feststellen. Hinsichtlich der chemischen Zusammensetzung der Körner ist beim Gesammtüberblicke der A'ersuche Folgendes hervor- zuheben: 1) Der Wassergehalt ergiebt sich auch hier, wie bei den Weizen- Düngungsversuchen, im letzten Versuchsjahre etwas höher, was der feuchten Witterung des verflossenen Jahres beizumessen ist. 2) Ebenso übereinstimmend mit den Weizen - Versuchen zeigt das letzte Versuchsjahr auch bei der Gerste einen geringen Stickstoffgehalt, worauf die niedrigere mittlere Tempe- ratur während der Vegetation von Einttuss gewesen zu sein scheint. Hinsichtlich des Gehalts an Proteinkörpern nach den stickstoffhaltigen Düngungsmitteln findet dagegen kein be- stimmtes gleichmässiges Verhältniss statt. 3) In Betreff des Stärkemehls hat die Düngung mit sal- petersaurem Kalk in beiden Versuchsjahren den niedrigsten Gehalt davon hervorgebracht, während die anderen Düngungs- mittel auf den Stärkegehalt keinen bemerkenswerthen Einfluss ausübten. 4) Das bei dem Resume über die Weizen-Düngungs- Ver- suche angedeutete Verhältniss des Fettgehaltes zu den Protein- körpern resp. dem Stärkmehl, wonach der Fettgehalt im Ver- hältniss der Zu- oder Abnahme des Stärkemehls sich vermehrt oder vermindert, wird auch durch die Gerstedüngungsversuche wahrscheinlich gemacht. 5) Der Vergleich des Gehalts an Holzfaser, so wie an Asche ergiebt wesentliche Schwankungen unter den Abtheilun- gen der Versuchsreihe, die aber in den verschiedenen Ver- suchsjahren nicht übereinstimmen. Dune-ng«. P.retschneider*) unternahm Düngversuche bei Weizen, die den Zweck hatten, das Verhalten des Kochsalzes neben stickstoft'reichen künstlichen Düngern zu erforschen. Die zu den beabsichtigten Düngversuchen bestimmten Felder hatten Roggen, Kartoffeln und Hafer getragen, aber niemals, so lange diese Felder der Ver- Verßuche bei Weizen. *) Die landwirthschaftliche Versuchsstation zu Ida-Marienhlitte IV. Be- richt. S. 24. Düngerverwendung, Düngungs- und Kultur- Versuche. 235 Suchsanstalt Ida-Marienhütte, wo die Versuche durchgeführt wurden, zur Dis- position stehen, Stalldünger erhalten und waren, wie dies auch aus dem Stande des im vorigen Jahre erbauten Hafers hervorging, durchweg im abgetragenen Zustande. Am 10. August wurde der Stalldünger in der Menge von 250 Ctr. pro Morgen auf eines der acht, je ÜO Q.-R. umfassenden Felder, aufgetragen, sogleich gebreitet und untergeackert. Die übrigen Ver- suchsfelder wurden gleichzeitig nach dem Umbrechen der Stoppeln 10" tief gepflügt und bis zur Saat in rauher Furche liegen gelassen. Mitte September wurde der Acker zur Saat vorbereitet, indem man denselben 'mit dem Exstirpator durchfahren und abeggen Hess. Die Saat erfolgte am 23. September 1859. Die acht Ver- suchsfelder wurden, wie folgt, pro Morgen gedüugt: 1) Un- gedüngt: 2) 250 Ctr. Stallmist; 3) 171 Pfd. schwefelsaures Ammoniak; 4) 171 Pfd. schwefelsaures Ammoniak und 200 Pfd. Kochsalz; o) 197,4 Pfd. Katronsalpeter; 6) 197,4 Natron- salpeter und 200 Pfd. Kochsalz; 7) 200 Pfd. Peru -Guano; 8j 200 Pfd. Peru-Guano und 200 Pfd. Kochsalz. Am 18. waren die Aehren auf den mit Guano gedüngten Feldern vollkommen entwickelt, der Schaft ist vollkommen aufrecht, dagegen neigten sich die mit schwefelsaurem Ammoniak und mit Natronsalpeter gedüngten Pflanzen zum Lager, die Aehren kamen auf diesen Feldern erst am 22. zum Vorschein. Das mit Guano und Kochsalz gedüngte Feld zeigte nun den günstigsten Stand, das mit Stallmist gedüngte unterschied sich nur wenig von dem Ungedüngten. Anfang Juli lagerten nach längerem Regen auf sechs F'eldern die Pflanzen vollständig, dagegen gar nicht auf der mit Stallmist und der nicht gedüngten Parzelle. Häufiger Eegen verhinderte nach und nach die immer wieder empor- strebenden Pflanzen daran, sich aufzurichten, und es entstanden in Folge des Streben« der Pflanze, die Aehre aus der liegen- den Stellung in die aufrechte hineinzubringen , Biegungen im oberen Theil der Stämme (Knie), Lager findet demnach bis zur lernte auf den sechs Feldern statt, auf dem Ungedüngten und den mit Stalhnist gedüngtem Felde ist dagegen Lager nie- mals vorhanden gewesen. Am 9. August wurde gehauen, am 13. eingefahren. Es ergeben sich die folgenden Ernteresultate: 236 Düngerverwendung, Düngungs- und Kultur-Versuche. Ernte pro Morgen. 1. üngedüngt 2. ^ö't Ctr. Stallmist 3. 171 Pfd. schwefeis. Ammoniak . 4. 197,4 Pfd. Xatronsalpeter 5. 171 Pfd. schwefeis. Ammoniak und 200 Pfd. Kochsalz . . . 6. 197,4 Pfd. 2vatronsalpetcr und 200 Pfd. Kochsalz 7. 200 Pfd. Peru -Guano und 200 Pfd. Kochsalz 8. 200 Pfd. Peru-Guano .... Körner. PM. Schfl. Mi7 592 6 10 632 8 716 9 738 10 754 I 10 1 1156 94 1364 84 1790 104 2250 158 i960 110 2180 144 2340 132 2132 188 1250 1418 1894 2408 U:90 81,0 2014; 81,5 2506| 77,0 3034 74,0 2472 3240 2320I3II7 Werth der Ernte p. M. Kr des D stcn üngers. Mehr oder weniger als die Kosten. Tlilr. .Sirr. Pf Tl.lr. Slt. Pf Tlilr. Sjr. Pf. 1. üngedüngt 21 3 3 : 2. 250 Ctr. Stallmist .... 26 15 9 8 10 — 2 27 6 3. 171 Pfd. schwefeis. Ammoniak 30 3 4 11 29 — . 2 28 11 4. 197,4 Pfd. Natronsalpeter . 33 5 5 11 9 6 ~h — 22 8 5. 171 Pfd. schwefeis. Ammoniak und 200 Pfd. Kochsalz . . 32 27 8 13 29 — — 2 4 7 6. 197,4 Pfd. Natronsalpeter u. 200 Pfd. Kochsalz .... 37 5 10 13 9 6 + 2 23 1 7. 200 Pfd. Peru-Guano u. 200 Pfd. Kochsalz 38 21 7 12 + 5 3 4 8. 200 Pfd. Peru-Guano . . . 38 15 10 10 15 + 6 27 7 Es wird aus diesen Versuchen namentlich hervorgehoben: Der sehr geringe Mehrertrag, den Stallmist gegen üngedüngt hervorbrachte; doch >Yurde durch ihn das schwerste, beste Korn, die relativ grösste Menge Körner überhaupt, gewonnen Man muss dem Natronsalpeter die Eigenschaft zugestehen, dass er trotz seines mit der verwendeten Menge schwefel- sauren Ammoniaks gleichen Stickstoftgelialtes zur Bildung einer Düngerverwendung-, Düngungs- und Kultur- Versuche. 237 weit grösseren Menge Stroh Veranlassung gab als der eben genannte Körper. Eine äquivalente Menge Natronsalpeter brachte einen be- deutenderen Strohertrag als schwefelsaures Ammoniak hervor. Der Körnerertrag wurde durch beide Salze in nahezu gleicher Weise gesteigert. Der Peru-Guano muss seiner Wirkung nach nllen übrigen Düngern entschieden vorangestellt werden, er gab in Stroh und Korn die höchsten Erträge, obgleich 200 Pfd. des verwendeten Peru-Guano dieselbe Quantität Stickstoff enthalten, wie 171 Pfd. schwefelsaures Ammoniak und 197,4 Pfd. Natronsalpeter. Was die Wirkung des Kochsalzes an- belangt, so war dieselbe auf dem lehmigen Sandboden nicht so wirksam wie an anderen Orten*) (Bogenhausen); denn man erntete nach einer Beigabe von 200 Pfd. Ko