m:^r\m\ '-f^iA^^^'^w^-, -^ ■^_^^■>*•^^^-^.T^J;.^f^^■- ■'.'M Ä^Ä^^ ^^>^^t^ Ä??^* /\,A,^AA:' :mm&^ MJi '/m :^.rf^ 'An"M M \ ^^-^:> j^oaK»^'^*, f./v«» tmiffSJTm: HARVARD UNIVERSITY. IvIBRARY OF THE MUSEUM OF COMPARATIVE ZOOLOGY. ^^ VV^Üd^NJofc ^A^C^^ AbC STTZITNG8-?>ER/CHTE DER GESELLSCHAFT MTURFORSOHENDER FREUNDE zu BERLIN. JAHRGANG 1903. ^BERLIN. In Commission bici R. Friedlänoer uni> Sohn. NW. Carl-Strassk 11. 1903. {■i AUG 2 L-,ü4 SlTZUN(JS-BEiUOHTE DER GESELLSCHAFT N ATÜßFOilSGHENI )E1{ FßElINl )E ZU BERLIN. JAHRGANG 1903. BERLIN. In CoMMissiON BFA R. Friedländer und Sohn. NW. Caul-Strasse 11. 19ü;]. ^7 I n h a 1 1 R - V e r z e i c h n i s .s aus dein Jahre 1903. Y r t r ä g e : Bergmann, W. Ueber ein Receptaculum seminis bei Octopus de-ßlippü und einige biologische Beobachtungen, p. 104. Berndt, W. Ueber die Anatomie von Cryptophialus striatiis n. sp., p. 436. Börner, C. Ueber Mundgliedmaassen der Opisthogoneata. Mit 1 Doppel -Taf., p. 58. — Ueber neue altweltliche Collembolen, nebst Bemerkungen zur Systematik der Isotominen und Eutomo- bryinen. Mit 1 Taf, p. 129. — Ueber die Beingliederung der Arthropoden. Mit 7 Taf., p. 292. Breddin, G. Ueber neue Peläotropische Reduviinen, p. 111. — Ueber missdeutete und neue Hemipteren- Arten der indo- austra- lischen P\iuna, p. 195. — Ueber Beiträge zur Hcmipterei>fauna der Anden, p. 366. D.MiL, Frip:dr., giebt Berichtigungen zu seinem Vortrag über Stufen- fänge echter Spinnen am Riesengebirge, p. 183. — Ueber täuschende Aehnlichkeit zwischen einer deutschen Springspinne (Bulluti depressus) und einem am gleichen Orte voikommenden Rüssel- käfer {Strophosomus capitatus), p. 273. — Ueber eine eigenartige Metamorphose der Troguliden, eine Verwandlung von Amopaum in Biscranolasma und von Metopoctea in Troyulus, p. 278. — Winke für ein wissenschaftliches Sammeln von Thieren, p. 444. DU Bois-Reymond, R. Ueber Quellungsvorgang und Gewebsflüssigkeit, p. 361. Grünberg, K. Ueber die Homologie des Trochanters bei Chilopoden und Insekten, sowie über die Bedeutung secundärer Einschnürungen am Trochanter verschiedener Insekten. Mit 1 Dopp.-Taf, p. 74. — Ueber afrikanische Museiden mit parasitisch lebenden Larven. Mit 2 Taf, p. 400. lIiLOENDORF, F., legte einen PseudocheiUnus hexataenia Blkr. mit monströser Verdoppelung der Linse vor, p. 3, — einen Süsswasser- fisch aus der Nähe von Alexandria, Faratilapia midticolor, p. 429. — HiLGENDORF Und P. Pappknheim. Ueber die Fisclifauna des Rukwa-Sees, p. 259. Jacobi, A. Ueber Singcikaden von Ost-Neuguinea, p. 10. Jaekel, Otto. Ueber die Epiphyse und Hypophyse, p. 27. — Ueber die Elytren der Coleopteren, speciell über die Elytren in der Gattung Teffhis, p. 225. — Ueber myrmekophile Insekten, speoiell über Thorictns foreli Wasm., p. 237. — lieber Ramphodus nov. gen., einen neuen devonischen Holocephalen von Wildungen, p. 383. VON Martkns lejite einige Siisswasser-Coiichylieii vom Siidufer des Tsiul-Sees vor, p. 5. — Ueber die Verbreitung der Meer-Conchylien an den Küsten von West- und Süd-Aüika, p. 188. — Ueber das Voikommen der Helix (Campylaca) Fresli und Piijici edentula bei Reichenhall, p. 396. — Zeigte durchbohrte Schalen von Land- schnecken, p. 398. — Legte Land- und Süsswasser Conchylien von Ost-Borneo vor, p. 416. Matscuie. Ueber einen Gorilla aus Deutsch-Ostafrika, p. 253. — Legte einige Photographieen von Büflfelgehörnen vor, p. 259. Meiiuing, A. Ueber den grauen BaunischUifer (Myoxus interuiedms NiiHG.) der österreichischen Alpenländer, p. 1. — Ueber il/?(.s- cardiuvs ardkiiiarius und Myoxus (ßis orientalis, nov. subsj»., aus Kliinasien, j). 187. — Ueber eine Springmaus aus IS'ordwest- Ki( ii;asien (Alactaija WiUiavisi Laticeps, n. subsp.), p. 357. l'AFrEx.ii:iM, P. Fischfauna des Rukwa-Sees. S. HiLGENDOliF, F. Scmn^ZK, F. E., demonstrirte eine A'ariatsreihe von Callimurpha culuna, ]i. ]()9, — ein circa fusslanges Modell der Stubenfliege, p. 223. — Leber einen bei Warnemünde gestrandeten ungeAvöhnlicli grossen Tunfisch, p. 432. Vekhoeff. Karl W. Ueber Tracheaten-Beine. S. Auhatz: rrugonrcita. Mit 2 Doppel-Taf, p. 82. YiRCHow, Hans. Ueber den Orbitalinhalt des Elefanten, p. 341. Berichte über die Referirabende: pp. 16, 109, 185, 194, 224, 271, 355, 399, 428, 476. Verzeichniss der im Jahre 1902 eingelaufenen Zeitschriften und Bücher, p. 16. Druckfehler und Beriehtig-ung-en. 30, Z. 1 V. 0. lies Cliimaera statt Cliimarra. 30, Erkl. d. Fig. 5, Z. 3 lies E^Epiphyse statt Z— Epiphyse. 36, „ „ „ 5, „ 4 „ (C = Cerebellum . .)Bta.tt (Cerebellum . .) 36, „ „ „ 5, „ 5 „ R = Boden statt K = Boden. 52, Z. 3 V. u. lies Berechtigung statt Berichtigung. 56, „ 8 V. o. „ Epidyse statt Edidyse. 91, „ 4 „ „ „ in fast gleichem Wortlaut statt in gleichem Wortlaut. 257, Z. 19 V. 0. lies Hinterrande statt Vorderrande. 362, „ 10 V. u. „ also statt aber. 393, „ 10 „ „ „ F. Römer statt J. Römer. 397, „ 14 „ „ „ Lattengehirge statt Luttengebirge. 424. Die 4 Figuren sollen umgekehrt stehen, mit der Spitze nach oben gerichtet. 428, Z.''lU V. 0. lies White statt Whites. 428, „ 10 „ „ „ Seiborne statt Selbourne. 429, „ 5 ,, „ „ Mareotis-See statt Marcotis-See. Nr. 1. 1903. S i t z u n g s - B e r i c h t der Gesellschaft natiirforscliender Freunde zu Berlin vom 20. Januar 1903. Vorsitzender : Herr Schwendener. Herr A. Nehring sprach über den grauen Baum- schläfer [Mijoxus intermedius Nhkg.) der Öster- reichischen Alpenländer. In der Sitzung vom 21. Oktober 1902 habe ich unserer Gesellschaft über „eine neue Jf^ö^Mi-Species aus Tirol'' Mittheilung gemacht, und zwar auf Grund eines Exemplars, welches von mir in der zoologischen Sammlung des Kaiserl. Gesundheitsamts hierselbst vorgefunden war. Seitdem habe ich mich bemüht, sonstige Exemplare jener interessanten Species festzustellen. Dieses ist mir auch bis zu einem gewissen Grade gelungen. Zunächst wandte ich mich an das „Landes-Museum" in Graz, um über das von mir schon a. a. 0. S. 157 erwähnte Exemplar aus der Umgegend von Leoben Näheres zu erfahren. Herr Prof. Marktanner-Turneretscher. der Director des genannten Museums, war so freundlich, mir sowohl dieses Exemplar, als auch ein zweites steirisches zur Untersuchung zugehen zu lassen. Beide sind ausge- stopft und montirt, beide weichen von dem typischen, röthlich-braunen Baumschläfer {M. dryas Schreb.) des süd- östlichen Europa durch ihre graue Rückenfarbe wesentlich ab; sie stimmen mit dem tiroler Exemplar des hiesigen Kaiserl. Gesundheitsamts in allen Hauptpuniiten überein. ^ ^) Von diesem Exemplar habe ich inzwischen eine Abbildung (nat. Gr.) in der „Deutschen Landwirthschaf tlichen Presse" vom 29. Nov. 1902, S. 781, veröffentlicht. 1 2 Gesellschaft imturforschender Freunde, Berlin. Nur der Schwanz erscheint weniger buschig, was aber in der abweichenden Präparirung seinen Grund hat. Ausser- dem ist zu bemerken, dass das zweite Grazer Exemplar eine dunklere Färbung zeigt, als das von Leoben; namentlich erscheint der Rücken schwarzgrau, während er bei diesem einfach grau genannt werden kann. Ein drittes Exemplar des grauen Baumschläfers erhielt ich auf meine Anfrage aus dem Innsbrucker Landes-Museum (Ferdinandeum) durch Vermittlung des Herrn Prof. Dr. V. Dalla-Toure von Herrn Prof. v. Wieser zugeschickt. Dasselbe ist. wie die beiden steirischen Exemplare, ausge- stopft und sehr gut montirt; es stammt aus der unmittel- baren Umgebung von Lienz in Tirol und ist als Mijoxiis dryas mit der Jahreszahl 1889 bezeichnet Dieses Exemplar, welches mit dem Original-Exemplar und dem von Leoben gut harmonirt. ') liegt der Publication des Herrn Prof. V. Dalla-Torre zu Grunde, welche 1889 in den Berichten des naturwissenschaftl. -medizinischen Vereins von Innsbruck p. XXXI — XXXII erschienen ist und mir am 21. Oktober 1902 leider noch unbekannt war. Herr Prof. v. Dalla-Torre hat schon 1889 a a. 0. auf das Vorkommen eines Baunischläfers in Tirol aufmerk- sam gemacht, ohne aber die Unterschiede von dem typischen Baumschläfer Südost-Europas hervorzuheben. In dem be- kannten Catalogus Mammalium von Trouessart. 2. Ausg., Rodentia, Berlin 1897, p. 454. wird diese (kurze) Publication nicht erwähnt, ebenso wenig in der 1890 erschienenen Mono- graphie über die Myoxideu von Reüvens Daher ist sie auch mir entgangen, und ich sehe mich um so mehr ver- anlasst, auf dieselbe hier aufmerksam zu machen. Dalla- Torre betrachtet den Tiroler Baumschläfer a. a. 0. als die typische Art und als Einwanderer aus dem Südosten Europas. Ich sehe die Sache etwas anders an und glaube, den grauen Baumschläfer der österreichischen Alpenländer als besondere Art von dem typischen, röthlich-braiinen Baumschläfer Südost-Europas unterscheiden zu dürfen. ') Auf cino Untersuchung des Schädels und des Gebisses niusste ich bei den Exemplaren aus Graz und Innsbruck aus nahe liegenden Gründen verzichten. Sitzung vom 20. uJnuar 1903. 3 Nach den brieflichen Mittheilungen, welche der Naturalienhändler Joh. Rohracher m Lienz mir auf meine Anfrage freundlichst zugehen liess, kommt der graue Baum- schläfer in der Gegend von Lienz (Tirol) nicht sehr selten vor; Herr Rohracher hat dort in den letzten 15 Jahren einige Dutzend Exemplare erlangt und manche davon selbst gefangen. Bemerkenswerth erscheint, dass mehrere dieser Exemplare ihr Standquartier im Thurme der Stadtkirche von Lienz gewählt hatten. Im üebrigen findet man sie dort in Laubwäldern, Obstgärten, sowie auch in sogenannten Hausmühlen. Ich vermuthe, dass der kleine, graue Baumschläfer (M. intermedius) in den österreichischen Alpenländern von den Siebenschläfer-Fängern nicht selten gefangen, aber bis- her meistens als junger Siebenschläfer (^¥i ^//.9^ betrachtet worden ist.') Hoffentlich tragen meine obigen Bemerkungen dazu bei, die geographische Verbreitung dieser interessanten Myoxiden-Form genauer festzustellen. Herr F. HiLGENDORF legte einen Pseudocheilinus hexa- taenia Blkr, mit monströser Verdoppelung der Linse vor. Das Objekt gehört zur Ausbeute des Herrn Prof. Dahl. der es am 4. August 1896 an den Korallenbänken von Ralum (Neupommern) sammelte. Es wurde von ihm in Formalin conservirt und misst nur 48 mm. Pseudocheilinus hexataenia, ist die einzige Art der Gattung; sie bleibt nur klein (unter 60 mm) und wird anscheinend nicht häufig ge- funden. (Abbildung bei Bleeker, Atlas ichthyologique Vol. I, Taf 23, Fig. 2.) Schon bei der vorläufigen Ordnung der DAHi/schen Sammlung fiel mir die Verdoppelung der Linse beider Augen auf. In der Iris verlaufen, wie bei normalen Exemplaren, zwei fast horizontale, helle Längsstreifen, dio ^) Ueber die grosse Zahl von Siebenschläfern, welche in den österreichischen Alpenländern, namentlich in Krain, gefangen werden, siehe Mojsisovics, Das Thierleben der Österreich. -ungar. Tiefebenen, Wien 1897, S. 181 f. 1* 4 Gesellschaft naturforschender Freunde, Berlin. sich der Zeichnimg des Körpers, einem System von Längs- bändern in dreifacher Helligkeit, genau anpassen. Zwischen diesen zwei Linien liegt die Pupille als langezogene, durch einen senkrechten schmalen Fortsatz der Iris zw-eigetheilte, dunkle Figur, die von zwei aneinander gepressten Kreisen gebildet wird. Der hintere Kreis, etwa die Augenmitte einnehmend, ist deutlich grösser als der vordere, der den nasalen Rand des Auges erreicht. Die benachbarten Theile der Pupillen sind (abgesehen von dem Iris-Streifen) ver- schmolzen. Die Linsen erscheinen als zwei trüb-weissliche Kreise von einem Radius, der etwas kleiner als die Hälfte des Pupillenradius sein dürfte; der Abstand beider Linsen ist wohl etwas grösser als ihr Radius. Die hintere Linse scheint etwas tiefer gelagert zu sein, ihr Umriss ist ver- schwommener; vermuthlich übertrifft ihre wahre Grösse die der vorderen Linse. Das geschilderte Verhalten ist auf der rechten und der linken Kopfseite ganz ähnlich. — Wenn man nach dem Anstoss zu der Formabweichung sucht, so drängt sich der Gedanke auf, dass bei jener völligen Uebereinstimmuug zwischen beiden Kopfhälften eine einheitliche Einwirkung für beide Missbildungen an- genommen werden muss. Die erste erkennbare Ent- wicklung der Linsen erfolgt, und zwar von der Oberfläche (vom Ektoderm) aus. an zwei derzeit schon weit von ein- ander entfernten Stellen. Es muss demnach wohl die ur- sprüngliche Ursache zur Monstrosität in dem Entwicklungs- laufe weit zurückliegen und in eine Zeit fallen, wo die Sprossgebiete für die beiden Augen noch unmittelbar an- einander grenzen oder noch verschmolzen sind. Weniger wahrscheinlich ist wohl eine indirekte Einwirkung aus dem Innern, von der Mittelebene des P^mbryo her. welche symmetrisch nach aussen wirkend, auf beiden Seiten gleiche Monstrositäten zu erzeugen vermochte. p]in zweites, schon seit längerer Zeit im Berliner Museum befindliches Exemplar von Pscudoclicübms hat Augen mit gewöhnlicher, einfacher Linse. Danach ist, was ohnehin wahi-scheinlich, die oben geschilderte Doi)pellinse, kein Gattunusmerkmal. Es ist mii- auch von andern Fisch- Sitzung vom 20. Januar 1903. 5 (und überhaupt Wirbel thier-) Foroien kein ähnliches Bei- spie], normal oder auch nur pathologisch, bekannt, das in Vergleich käme. Die Litteratur der Missbildungen habe ich allerdings nicht durchsucht. Bei Arthropoden sind ja aber zusammengesetzte Augen eine weitverbi'eitete, normale Erscheinung. ludess eine Andeutung wenigstens von Augenver- doppelung ist auch bei Fischen nachgewiesen und zwar schon seit langer Zeit, nämlich bei der südamerikanischen Süsswassergattung ÄnaUcps {A. anabkps oder tetrophthalmus ist die bekannteste der 3 jetzt gültigen Species), der Familie der Cyprinodonten angehörig. Hier sind die etwas nach oben vortretenden Augen durch einen längs gerichtet ver- laufenden dunklen Streifen in zwei Theile getrennt, neben dem man jederseits auf die (einfache) Linse hinabsehen kann. An der Zusammensetzung des Grenzstreifens sind die Conjuuktiva und in geringerem Grade die Iris be- theiligt. Herr VON fi^ARTENS legte einige Süsswasser-Con- chylien vom Südufer des Tsad-Sees vor, welche Herr Oberlieutenaut Glauning am 5. Mai 1902 daselbst ge- sammelt hat und die dem zoologischen Museum in Berlin vor kurzem zugekommen sind. Bis jetzt war, soweit dem Vortrygenden zu ermitteln möglich gewesen, noch keine Art von Mollusken als mit Sicherheit in diesem grossen Binnen- see lebend bekannt geworden. Allerdings hatte schon G. RoHLFS auf seiner Forschungsreise im Jahre 1866 einige Süsswasser-Conchylien bei der Stadt Kuka in Bornu nahe dem Westufer des Sees gefunden und dem genannten Museum zukommen lassen, kleine ausgebleichte Stücke, welche der Vortragende damals als vier auch im obern Nilgebiet vorkommende Arten bestimmte: Melania tiibercuhta Müll., Planorhis RüppcIU Dkr., Limnaea natalensls Krauss und Isidora contorta Mich.; die letztere hat später Clessin in seiner Monographie der Gattung Physa als eigene Art, Ph. Rohlfsi, beschrieben, und auch von der Limnacd und dem Planorhis dürften noch besser erhaltene Exemplare abzu. 6 Gesellsclmft naturforschender Freunde, Berlin. warten sein, ehe ein definitives Urtheil über die artliche Identität oder Verschiedenheit gegeben werden kann; Melania tuhercuhta aber ist die durch den arabischen Handelsverkehr weitverbreitete Art, von Celebes und Timor bis Malta und Marokko bekannt. Die Erklärung ihrer Verschleppung wird dadurch etwas erschwert, dass es eine lebendiggebärende Schnecke ist, wie unsere Paludina vivipara. sie also nicht im Eizustand transportirt werden kann, aber als Deckel- schnecke kann sie ohne Zweifel längere Zeit im Trocknen am Leben bleiben und es ist bezeichnend, dass sie sowohl in Indien als in Aegypten oft in Bewässerungskanälen sich findet, also dem Eingreifen des Menschen in die Natur gefolgt ist; wie sie von Aegypten aus in die Oase von Kasr-Dachel gekommen sein mag, wo sie Ascheeson an einer Ohara gefunden, so mag sie auch aus Algerien, wo sie häufig ist, nach Bornu gekommen sein. Für die drei andern Arten aus Kuka ist jedenfalls die nahe Uebereinstimmung mit Arten der obern Nilländer nicht zu bezweifeln und dasselbe ergiebt sich aus der Betrachtung der jetzt vorliegenden Conchylien aus dem Tsad-See selbst, daneben aber auch eine nahe Verwandtschaft mit den Con- chylien des Senegalgebiets. Die eine und zwar die grösste der vorliegenden Arten, Mutela rostrata, kommt auch sowohl im Nil als im Senegal vor. ohne definirbaren Unterschied, und ihr Vorhandensein im Tsad-See ist daher nicht über- raschend; nur hätte man erwarten können, dass sich hier eine eigene „Seeform" ausgebildet hätte, aber wir haben ja auch an unseru norddeutschen Unio-Arten Beispiele, dass dieselbe Form sowohl in langsam strömenden grössern Flüssen, als in ganz abgeschlossenen Seen, selbst kleinen, wie der Schlachtensee zwischen Berlin und Potsdam, lebt. Die drei andern Arten kann ich weder mit denen aus dem Nil, noch mit solchen aus dem Senegal ganz übereinstimmend finden und muss sie demnach als neue Arten beschreiben; die Vivipara ist sowohl der unicolor aus dem Nil, als der Sencyalensis nahe verwandt, aber doch von beiden zu unterscheiden; die Corhicuh steht einer vorderasiatischen Art am nächsten, aber doch auch den ostafrikanischen nicht Sitzung vom 20. Januar 1903. 7 fem. Am auffälligsten ist der Unio, indem er sich um meisten den Arten aus dem Tanganyika nähert, aber doch die Charaktere der dort herrschenden Untergattung Grandi- dieria nur in abgeschwächtem Maasse zeigt. Bemerkens- werth ist noch, dass keine Art und keine Uütergattung, kaum eine Gattung mit denen Kameruns gemeinschaftlich ist, dessen Molluskenfauna uns doch durch die früheren Sammlungen von R. Buchholtz und die jetzigen von Herrn PßEUSS sowie durch die gründliche Arbeit des Schweden Ad. d'AiLLY 1896 schon ziemlich bekannt ist; es scheint hier der Gegensatz zwischen dem acht tropischen Wald- gebiet und dem Steppengebiet, dem noch der Senegal und ein grosser Theil des Nilgebiets angehören, im Spiele zu sein. Die Arten aus dem Tsad-See sind nun die folgenden: 1. Vivipara gracilior. Testa perforata, contabulato-conoidea, nitidula, stria- tula, viridulo-fusca vel rubicundo-virescens, plerumque uni- color, rarius strigis nonnuUis nigricantibus prope aperturam picta; anfr. 6, convexi, sutura sat profunda, priores 2—3 saepe cariosi, antepenultimus et penultimus superius sub- angulati, ultimus angulo prorsus evanescente, infra ventri- cosus, circa perforationem semicircularem declivis. Aper- tura paulum obliqua, dimidiam testae longitudiaem non aequans, subcirculari-rotundata et superne vix subangulata, peristomate crassiusculo, extus nigricante, in adultis plerum- que saepius iterato. Long. 25, diam. 17V2- apert. long, obliqua 12, diam. 10 V2 mm. Operculum typicum. Südufer des Tsad-Sees, Glauning 1902. Schliesst sich zunächst einerseits durch die stumpfe Schulterkante an die für das Nilgebiet charakteristische V. unicolor Oliv, an, von welcher sie sich aber auf den ersten Anblick durch die tiefer eingesenkten Nähte und dadurch convexeren Windungen, sowie durch die verhältnissmässig geringere Ausdehnung der letzten Windung sowohl in Höhe als Breite unterscheidet; in diesen Beziehungen gleicht sie mehr der V. ruhicunda Mauts. aus dem Victoria- und Albert-Nyanza, (Deutsch-Ostafrika II, S. 179), von der sie 8 Gesellscimft naturfmschender Freunde, Berlin. sich aber wiederum durch das Vorhandensein der Schulter- kante an den obern Windungen unterscheidet. F. Senegnlensis Morelet (Journ de Conchyliologie VIII 1860, S. 190 als Paludina) unterscheidet sich nach Exem- plaren aus der Albers' sehen Sammlung im Berliner Museum von der sehr ähnlichen unicolor nur durch verhältnissmässig grössere Breite der einzelnen Windungen im Verhältniss zu ihrer Höhe, namentlich auch oberhalb der N*ht, also gerade in umgel^ehrter Richtung als unsere Art. 2. JJnio (Grandidieria) Tsadianus. Testa solida, oblongo-elliptica. sat inflata. concentrice striatula et lineis incrementi distinctioribus notata, luteo- fusca vel viridi-fusca, antice abbreviato-rotundata, postice subrostrata, margine dorsali antico declivi. postico ad longi- tudinem lamellarum horizontali, rectilineo, dein obtusangule descendente, margine ventrali antice et postice arcuatim valde ascendente; umbones tumidi, inflexi, detriti. nodulis separatis nonnullis et in parte posteriore pliculis paucis brevibus compressis recta linea descendentibus vel paulum convergentibus sculpti. Facies interna caerulesceus, sub- margaritacea. levissime radiatim striata. Dentis laterales antici (pseudocardinales) in valva dextra duo, compressi, fovea longitudinali profunda separati. superior tennis. longior, inferior crassiusculus, brevior, magis prominens, in valva sinistra unus, compressus, supra paulum concavus, arcuatim prominens et elongatus, et unus sub verticibus, compresse triangularis , obtusus, accedeutibus 2 minimi inter hunc et praecedentem; dentes laterales postici (lamellae) elongati, vix arcuati, in valva dextra unus, supra leviter lineis elevatis 2 longitudinalibus sculptus. in valva sinistra duo subaequales. Long. 31, alt. maxima 20, ad umbones 19, diam. 18 mm. Vertices in V^ longitudinis siti. Südufer des Tsad-Sees, Glauning. Erinnert schon auf den ersten Anblick an die Arten des Tanganyika. namentlich Unio Burtoni Woodw. , durch den stark gewölbten Obertheil der Schale, allgemeinen Umriss und den lebhaften Glanz der Innenseite, die Skulptur ist aber etwas schwächer und ebenso die Vorderzähne. Sitzung vom 20. Januar 1903. 9 Aus dem Nil ist mir keine ähnliclie Art bekannt; aus West- Afrika hat eine Art, im Berliner Museum seit etwa 1841 durcli Capitain Mion vom Senegal erhalten, ähnlich dem ü. Gahonensis Küst., in Grösse und Wölbung eine ge- wisse Aehnlichkeit, steht aber durch die dünne Schale, die mehr nach hinten liegenden Wirbel, die ganz dünnen Vorder- zähne und den schwächern Perlrautterglanz der Innenseite dem JJnio Aegyptiacus und Nüoticus E'er. (Gruppe Pharaonia Bgt.) entschieden näher als unserer Art vom Tsad-See. 3. Miitela rosfrata Rang. Iridina rostmta Rang in Nouv. Annales du Museum d'hist. uat. de Paris IV 1835, S. 316 (Senegal) — Potiez et Midiaud galerie d. moll. II S. 147 pl. 56 fig. 1. Iridina coelestis Lea, observations gen. Unio II, S. 82 pl. 22. fig. 70. 1838. Mutela coelestis (Lea) Küster, Anodonta in der neuen Aus- gabe von Martini und Chemnitz S. 193 Taf. 25 flg. 1, 2. Mutela rostrata (Rang.) Jickeli, Land- und Süsswasser- Mollusken Nordost-Afrikas S. 269 (Nilgebiet); VON Martens in Deutsch-Ostafrika, Bd. II, S. 252 und 254. Simpson Synopsis of the Najades S. 905. Südufer des Tsad-Sees. Glauning. Kleine dünnschalige Exemplare, das grösste 64 mm lang, 21 hoch, 13 im Durchmesser, Wirbel in V-t der Länge. Flügelecke undeutlich markirt, in etwas mehr als ^/i der Länge. Ich sehe keinen wesentlichen Unterschied von Exemplaren aus dem Nilgebiet und aus dem Senegal. 4. Corhicula Tsadiana. Testa alte trigono-cordata, subaequilatera, solida, tumida, antice et postice rotundata. liris concentricis debilibus in- aequalibus sculpta, tactu sublaevigata, fuscescenti-flavida; margine antico a verticibus ultra dlmidiam altitudinem valde declivi, dein rotundate in marg. ventralem asceudentera transeunte, margine postico paulo magis extenso et convexo, marg. ventrali valde arcuato, utrinque subaequaliterrotundato. Dentes cardinales validi, medius et posterior valvae dextrae, medius v. sinistrae bifidi; dens lateralis anticus elongatus, IQ Geselsclmlft naturforschender Freunde, Berlin. modice arcuatus, d. lat. posticus paulo brevior, subrectus. Long. 13, alt. 12, diam. 9 mm. Vertices in 7i3 longitudinis Siidufer des Tsad-Sees, Glauxing. Ueber die Färbung der Innenseite lässt sich nichts an- geben, da das einzige Exemplar an der Innenseite völligf verbleicht, weiss ist. Unter den vorderasiatisch-afrikanischen Arten zunächst an C. crassula Mouss erinnernd, aber mit weit schwächerer concentrischer Sculptur und nach den Wirbeln zu weniger verschmälert. Herr A. JaCOBI sprach über Singcikaden von Ost-Neuguinea. Von der Firma Dr. Staudixger & Bang -Haas in Blasewitz um Durchbestimmung ihrer ansehnlichen Vorräthe an Homopteren ersucht, mache ich zunächst einige unbe- schriebene Arten von Singcikaden bekannt, deren Fundorte bisher wenig Material von jener Ordnung der Halbflügler geliefert haben. Drepanopsaltria russula n. sp. (Fig. 1, 2). Quoad staturam D. principis (Dist.) viciua, tegminum colore di versa. Sericeo-pubesceus, corpore sordide olivaceo- rufo, pronoti margine proximali macula mediana nigra no- tata, mesonoti disco fusco. Tegminibus subhyalinis, sordide rosaceis, venis fusce conspersis. Operculis cuneiformibus. Die stattliche Form reiht sich in der Erscheinung an D. princeps (Dist. 1888) an, übertrifft sie jedoch nicht un- beträchtlich in der Körperlänge, weniger in der Decken- spannung; die Körperform scheint dieselbe zu sein. Die Opercula sind von mittlerer Länge, sodass sie den Hinter- rand der Paukenöffnung gerade erreichen, aber nicht sichel- förmig wie bei D. culta (Dist.), dem Typus der Gattung, sondern stumpf keilförmig mit geradem Innen- und nach innen zu geschweiftem Aussenrande. In der Ruhelage überragen die Flügeldecken die Abdomenspitze beträchtlich. Der ader- reie Rand (Limbus enervis) ist bei beiden Flügelpaaren äusserst schmal. Eine wie bei einigen Arten von Lemheja Dist. wohlausgebildete Falte kreuzt den üeckflügel, dessen Sitzung vom 20. Januar 1903. 11 Flg.l. BrepanopscdtricL riisszdxz^ TZ.sp.^ Nal. Cr. Gymnotympctnci nenia/zs n.sp.h Nat.Gr Fig. 5. AcrilLcL nana. n.sp. Rechte FLugcldecke NalGr. Fiff.2. DrepcmopsalZricL rassidcü Ventralseite des Abdomens. Etw. oergr. Fig.^. Gymnoti/rnpana neTztans Ventralseite des Abdomens Etw. pergr Costalrand einen feinen Haarsaum trägt. Den ganzen Rumpf nebst den Beinen überzieht ein grauweisses Haarldeid, das unten länger, oben kürzer und feiner ist, auf dem Scheilel sogar nur einen kurzen Filz bildet. Die Körperfarbe ist eine schrautzigrote Olivenfarbe, auf der Unterseite nur schmutziggraugelb; die Ränder des Vorder- und Mittel- rückens sowie die Seiteuflächen des Schildchenkreuzes sind blass olivengrün, auf der Mitte des Hinterrandes des Pro= notums steht ein sehr deutlicher schwarzer Fleck. Die grauschwarze Mittelfläche des Mesonotums ist am Vorder- rande von vier kurzen paarweise stehenden und einander zu zweien sehr genäherten Keilflecken von graugelber Farbe* unterbrochen. Ueber die Mitte des Schildkreuzes verläuft eine schmale schwarzbraune Läugsbiude, die sich hinten 12 Gesellschaft naturfwschender Freunde, Berlin. verbreitert. Die Beine siud gelbbraun, auf den Vorder- hüften steht ein grösserer braunschwarzer Fleck, während die Vorderschenkel einen ebenso gefärbten Längsstreifen tragen. Die Deckflügel erscheinen, zumal in ihrer distalen Hälfte, nur halbdurchsichtig. Ihre Farbe ist ein schmutziges Rosen- roth, das durch feine graubraune Punktirung noch mehr getrübt wird. Olivengrün ist die semiopake Basalzelle, der Costalrand und die Aderung Jener wird innenwärts von einer Reihe schwarzer Punkte begleitet, während die Adern durch regelmässig gestellte kurze Strichelchen gescheckt aussehen. Die Zeichnung der Vorderflügel ähnelt nicht wenig der von Lembeja maculosa Dist. An den Hinter- flügeln ist nur die proximale Hälfte des Aussenrandes, die Basis und die Naht trüb rosenroth; im Uebrigen sind sie hyalin. cf Long. corp. ca 28—30, cum tegm. 38, Long. tegm. 3L Exp. t. 74 mm. $ Long. corp. ca. 34. cum tegm. 49, Long. tegm. 42, Exp. t. 95 mm. Hab. Deutsch -Neuguinea: Bongu (coli. auct. ex copiis Dom. Dr. Staudinger & Bang-Haas, Mus. Berol.). Bemerkung: Mit Recht hatBuEDDiN') für diejenigen bisher unter Prasia Stl. gestellten Tibicenineu, welche im Gegensatze zu der typischen Art jener Gattung (P. faMcina Stl.) deutliche Opercula besitzen, das eigene Genus Dre- panopsnltria errichtet. Obige neue Art gehört augenschein- lich in dieses Geschlecht, woraus sich weitei-hin die Wahr- scheinlichkeit ergiebt, dass für die ihr in Bau und Grösse so ähnelnde Prasia princeps Dist. dasselbe gilt, wie dies Breddin a. a. 0. auch zum Ausdrucke gebracht hat. Nur dürfte die Angabe „Abdomine .... alarumque quiesceutium apicem subattingente" nicht für alle Arten, zum wenigsten nicht für die meinige Geltung haben. Dagegen kann ich dem Urtheil B.'s nicht zustimmen, dass sich die Gattung ') 1901. Die Hemipteren von Celebes. Abli. d. Naturf. Ges. z. Halle Bd. 24, S. 113. Sitzung vom 20. Januar 1903. 13 Lembeja (olim Perissoneura Dist.) nicht von Prasia trennen lasse. Zwar ist das von Distant') angegebene Gattungs- merkmal, das Vorhandensein einer bogigen Deckflügelfalte („additional curved and rudimentary vein*'), nicht zutreffend, denn L. maculosa Dist. und wohl auch deren Nachbarin L. Fruhstorfcri Dist. einerseits und Drepanopsaltria russula m. andererseits besitzen eine solche, während sie L. paradoxa Krsch. und L. actdixiennis Krsch. fehlt, aber dem Genus kommt ein anderes sehr beachtenswerthes Kennzeichen zu, welches Karsch ') entdeckt hat und mit folgenden Worten beschreibt': „Die -/c/ stimmen ohne Ausnahme mit ihren 9 $ und mit Perissoneura maculosa Dist. 9 in einer Eigenthümlichkeit der Hinterflügeladerung überein, wie solche bei keiner anderen recenten Singcicaden- gattung vorzukommen scheint, welche von dem Zeichner der P. maculosa Dist. (P. Z. S. 1883, pl. XXV, Fig. 3)'') richtig dargestellt, aber im Texte auffallender- weie von Distant nicht hervorgehoben worden ist: die beiden sonst stets mehr oder weniger parallel und bis zur peripherischen Ader getrennt verlaufenden Längsadern zunächst dem Analfelde verbinden sich kurz hinter der Mitte und laufen so in einen langen Stiel aus". Diese Feststellung Kakschs hat Distant a. a. 0. bei der Behandlung der Gattung Lembeja unerwähnt gelassen, wodurch auch Breddin zu seiner in einer Fussnote gethanen Aeusserung veranlasst worden sein mag. Jedenfalls ist dieses Merkmal sehr bezeichnend und kommt allen bis jetzt bekannten Arten zu, womit die Selbständigkeit von Lemheja hinreichend begründet sein dürfte. Acrilla nana n. sp (Fig. 5). Minor. Area prima apicali tegminum secunda parte dimidia longior, area discoidali exteriore secunda longitudine ') 1889-92. Monograph of Oriental Cicadidae, p Hl. ^) 1890. Ueber die Singscicadeiigattuiig Perissoneura Distant. — Entomol. Nachrichten, Jahrg. XVI, S. 191. 3) und auch der Fig 13, Tab. VII in Monogr. Or. Cicad.! — J. 14" Gesellsclmft naturforschender Fremide, Berlin. aequali. Flavo- viridis, tibiis aiiterioribus tarsisque Om- nibus iTifls. Diese AcriUa unterscheidet sich von A. adipata Stl. und A. gldbosa Dist. durch ihre sehr geringe Grösse, während sie in der Aderung der Flügeldecken sich der ersteren nähert. Die Zahl der Apicalzellen im Deckfliigel schwankt zwischen 9 und 12 und zwar öfters bei einem Individuum unregelmässig. Die erste Zelle ist etwa um die Hälfte länger als die zweite; die erste Scheiben- oder Uluarzelle kommt der zweiten an Länge gleich. Das Abdomen ist nur massig aufgeblasen, und die Opercula sind sehr unvoll- ständig, wie dies der Gattung überhaupt zukommt. Die gelbgrüne Farbe des Körpers ist oben auf dem Rumpfe etwas dunkler, mehr grasgrün, wie auch die Hinterränder der dorsalen Bauchringe, An den grünlichen Beinen sind die Vordertibien und die Tarsen sämmtlicher Beinpaare rothbraun gefärbt. cT Long. corp. 17, cum tegm. 23, Exp. teg. 44 mm. 9 „ „ 20, „ „ 25 mm. Hab. Britisch-Neuguinea: Milne-Bay (coli. auct. ex copiis Dom. Dr. Staudinger & Bang-Haas). Gymnotympana neninns n. sp. (Fig. 3, 4). Major. Tegininum venis ulnaribus basi valde appropin- quatis, spatio quodam parallelis. Operculis margine externa convexis, interna infra medium subangularibus et appropin- quatis, deinde rectis et divergentibus, apice obtusis. Diese dritte Art einer in den Sammlungen selten ver- tretenen Gattung reiht sich in der Körpergrösse und Zeichnung an die andere von StÄl beschriebene G. strepitans Yon der Woodlark-Lisel an. unterscheidet sich aber wesent- lich von ihr durch Eigenthümlichkeiten des Baues. Vor allem sind die dem Genus zukommenden grossen Stimm- deckel anders geformt als bei der mir in zahlreichen Exemplaren vorliegenden G. stridcns Stl. und der mir nur aus der Originalbeschreibung und Abbildung bekannten G. strepitans Stl. Während sie mit breiter Basis dem Metaster- Sitzung vom 20. Januar 1903. lÖ num augeheftet sind, bildet ihr Aussenrand einen stark con- vexeu Bogen (Fig. 4), der Innenrand hingegen springt vor seiner Mitte in sturapfeni Winivel nach innen vor — wobei in- dessen ein beträchtlicher Zwischenraum zwischen beiden Oper- ciilis bleibt — um dann in grader Linie schief nach aussen zu verlaufen, wodurch eine stumpfe Spitze entsteht. Auch in der Anordnung der Hauptadern des Deckfliigels bestehen Auszeichnungen. Beide venae ulnares entspringen nämlich sehr dicht beieinander aus der Basalzelle, wiewohl an ver- schiedenen Ecken derselben, gehen dann eine Strecke weit parallel und ebenso genähert wie an der Ursprungsstelle, worauf sie plötzlich auseinanderweichen. Bei G. stridens hingegen und soweit ich aus der Abbildung ersehen kann, auch bei G. strepitans sind diese Sectoren von Anfang an weiter getrennt und divergenter. Rumpf und Beine sind blass gelbgrün; eine hellere Längsbinde verläuft über das Pronotum; auf dem Mesonotum stehen vier keilförmige braune Flecke, von denen die mittleren zwei kürzer sind als die äusseren, und vor den vorderen Armen des Schildchenkreuzes je ein dunkler Punkt. Der Farbenton der Unterseite ist derselbe wie auf den dorsalen Theilen. doch sind die Tarsen lebhafter grün. Auch die Aderung beider Flügelpaare ist grüngelb, ihre Basis nebst dem Costalrande ziegelroth. cT Long. corp. 22— ?5. cum tegm. 33, long. tegm. 27, Exp. tegm. 59 mm. Q Long. corp. 27—30, cum tegm. 42—46, long. tegm. 36-38. Exp. tegm. 82- 86 mm. Untersucht wurden 2 cf cf. 4 9 9. Hab. Britisch-Neuguinea: Milne-Bay (coli auct. ex cop. Dom. Dr. Staudinger & Bang-Haas). Herr Otto Jaekel sprach über die Epiphyse und Hypophyse. (Wird in der nächsten Nummer veröffentlicht). J6 Gesellsclmft naturforschender Freunde, Berlin. Rßferirabend am 13. Januar 1903. Herr von Martens über: 1) M. Weber, Der indo-australische Archipel und die Geschichte seiner Thierwelt, G. Fischer in Jena, 1902.8. 2) Taylor, Mouograph of the Land- and Freshwater- Moilusca of the British Islands, erstes Heft, 1902. 8. Herr F. E. Schulze über: Gary N. Calkins, Studie on the life-historv of Protozoa, III, 1902. Verzeichniss der im Jahre 1902 eingelaufenen Zeitschriften und Bücher. Im Austausch: Abhandlungen d. Kgl. preuss. Akad. d. Wiss. 1901. Berlin 1901. Sitzungsberichte d. Kgl. preuss. Akad. d. Wiss. zu Berlin. 1901, No. 39-53. 1902, No. 1 — 40. Berlin 1901-02. Helios. Bd. 19. Berlin 1902. Märkisches Prov. -Mus. Verwaltungs-Ber. f. 1900. Berlin 1901. Mitteilungen d. Zool. Mus. in Berlin. Bd. 2, H.2. Berlin 1902. Führer durch d. Zool. Schausamml. d. Mus. f. Naturk. in Berlin. 2. Aufl. Berlin 1902. Anleitung zum Sammeln, Konservieren u Verpacken von Tieren f. d. Zool. Mus. in Berlin. 2. verm. Ausg. Berlin 1902. Mittheilungen d. Deutschen Seefischerei- Ver. Bd. 17, No. 12. Bd. 18, No. 1-3. Berlin 1901-02. Mittheilungen d. Zool Station zu Neapel. Bd. 15, H. 3. Berlin 1901. Verhandlungen d. Physiol.Gesellsch. zuBerlin. Jg. 1901 — 02, No. 1-16. Berlin 1901—02. Verhandlungen d. Bot. Ver. d. Prov. Brandenburg. Jg. 43 (1901). Berlin 1902. Veröffentlichung d. Kgl. preuss. geodät. Institutes. N. F. No. 7 — 10. Berlin 1902. Naturwiss. Wochenschrift. N. F. Bd I, No. 12 -15, 17—48, 50—52. Bd. II, No. 1 — 11. Berlin 1901—02. Sitmn(j vom 20. Januar 1903. 17 Berliner Entomolog. Zeitsclir. Bd. 46, H. 4. Bd. 47, H. 1. 2. Berlin 1901/02. Sitzimgsberichte d. Niederrhein. Gesellsch. f. Natnr- ii. Heilkunde zu Bonn. 1901. 1902, Hälfte 1. Bonn 1902. Verhandlungen d. naturhist. Ver. d. preuss. Rheiulande, Westfalens u. d. Reg. -Bez. Osnabrück. Jg. 58. 59, Hälfte 1. Bonn 1901-02. Schlesische Gesellsch. f. vaterländ. Cultur. Jahres-Ber. 77, 78 nebst Erg.-Heft, 79. Breslau 1900—02. Nowa Acta. LXXIV, No. 2. 3 LXXVII, No. 1. 3. LXXIX. No. 1. 2. Halle a. S. 1899—1901. Leopoldina H. 37, No. 12. H. 38, No. 1-11. Halle a. S. 1901—02. Ule, W. : Gesch. d. Kais. Leopold. -Carolin. Deutsch. Akad. d. Naturf. 1852-1887. Halle a. S. 1889. Geülich, 0.: Gesch. d. Bibliothek u. Naturaliensamml. d. Kais. Leopold. -Carolin. Deutsch. Akad. d. Naturf. Halle a. S. 1894. Bericht über d. Zool. Mus. in Berlin im Rechnungsjahr 1901. (Aus d. Chronik d.üniv. Jg. 15.) Halle a.S. 1902. Mitteilungen d. Ver. f. Erdkunde zu Leipzig. 1901. Leipzig 1902. Jahresberichte u. Abb. d. Naturwiss. Ver. in Magdeburg. 1900-1902. Magdeburg 1902. Abhandlungen u. 47. Ber. d. Ver. f. Naturk. üb. d. 66. Ver- einsjahr 1901-02. Kassel 1902. Schriften d. physikal. -Ökonom. Gesellsch zu Königsberg i. Pr. Jg. 42. Königsberg i. Pr. 1901. Mittheilungen d. Deutschen Seefischerei -Ver. Bd. 18, No. 4 — 11. Hannover 1902. Jahrbuch d. Nassauischen Ver. f. Naturk Jg. 54. Wies- baden 1901. Verhandlungen d. Naturwiss. Ver. in Hamburg. 3. Folge, No. 9. Hamburg 1902. Wissenschaftl. Meeresuntersuchungen. N. F. Bd. 5, Abt. Helgoland, H. 1. Bd. 6, Abt. Kiel Kiel u. Leipzig 1902. Mitteilungen d. Geogr. Gesellsch. u. d. Naturhist. Mus. in Lübeck. Reihe 2, H. 16. Lübeck 1902. ^ ** 18 Gesellschaft naturforschender Freunde, Berlin. Verein f. Naturwiss. Braunschweig. 12. Jahresber. f. 1 899-- 1901. Braunschweig 1902. Oberhessische Gesellschaft f. Natur- u. Heilkunde. Bericht 33. Giessen 1899—1902. Jahreshefte d. Ver. f. vaterländ. Naturk. in Württemberg. Jahrg. 58 nebst Beil. Stuttgart 1902. Sitzungsberichte d. phys -med. Soc. in Erlangen. H. 33 (1901). Erlangen 1902. Verhandlungen d. Naturhist.-Med. Ver. zu Heidelberg. N. F. Bd. 7. H. 1. 2. Heidelberg 1902. Orinthol. Ver. München. 2. Jahresber. f. 1899 — 1900. München 1901. Abhandlungen d. Naturhist. Gesellsch. zu Nürnberg. Bd. 14. Nürnberg 1902. Jahresbericht d. Naturhist. Gesellsch. zu Nürnberg f. 1900. Nürnberg 1901. Jahreshefte d. Ver. f. Mathem. u. Naturwiss. Ulm a. D. Jg. 10. Ulm 1901. Annalen d. K. K. naturhist. Hofmuseums. Bd. 16, No. 1 — 4. Bd. 17, No. 1. 2. Wien 1901-02. Verhandlungen d. K. K. zool.-bot. Gesellschaft in Wien. Bd. 51, H. 1 — 10. Bd. 52. H. 1—9. Wien 1902. Sitzungsberichte d. deutschen naturwiss. -med. Ver. f: Böhmen „Lotos" in Prag. Jg. 1901. Prag 1901. Sitzungsberichte d. Kgl. Böhm. Gesellsch. d. Wiss. Mathem. - Naturwiss. Classe. Jahresber. f. 1901. Prag 1902. Museum Francisco-Carolinum. Jahresber. ßO. Nebst: Bei- träge z. Landeskunde v. Oesterr. u. d. Enns. Lfg. 54. Linz 1902. Berichte d. naturwiss. -med. Ver. in Innsbruck. Jg. 27. Innsbruck 1902. Mittheilungen d. naturwiss. Ver. f. Steiermark. Jg. 1901. Graz 1902. Bericht d. meteorol. Comm. d. naturf. Ver. in Brüim. No. 19 (1899). Brunn 1901. Verhandlungen d. naturf. Ver. in Brunn. Bd. 39. Brunn 1901. Anzeiger d. Akad. d. Wiss. in Krakau. 1901, No. 7—9. 1902, No. 1-7. Krakau 1901-02. Sitzung vom 20. Januar 1903. 19' Jahresbericht d. Kgl. Uog. Geol. Anstalt f. 1899. Bu- dapest 1901. MittheiluDgen aus d. Jahrbuche d. Kgl. Uug. Geol. Anstalt. Bd. 13, H. 5. Budapest 1902. Termeszetrajzi füzetek. Vol. 25, P. 1 — 4. Budapest 1902. Verhandlungen u. Mitt. d. Siebenbürg. Ver. f. Naturwiss. zu Hertnaunstadt. Bd. 51. Hermannstadt 1902. Neujahrsblatt hrsg. von d. Naturf. Gesellsch. auf d. J. 1902. (104. Stücl<.) Zürich 1902. Vierteljahrsschrift d. Naturf. Gesellsch. in Zürich. Jg. 46, H. 3. 4. Jg. 47, H. 1. 2. Zürich 1902. Verhandlungen d. Naturf. Gesellsch in Basel. Bericht 2—10. Bd. 1—14. Basel 1836-1901. Jahresbericht d. Naturf. Gesellsch. Graubündens. N. F. Bd. 44. 45. Chur 1901-02. K. Akad. v. Wetensch. te Amsterdam. Verslag van de gewone Vergaderiugen d. Wis en Natuurk. Afd. D. 10. 1902. Amsterdam 1902. Verhandeliugen d. Kon. Akad. v. Wetensch. te Amsterdam. Sect. 1, I). 8, No. 1. 2. Sect. 2, D. 8, No. 1—6. ü. 9. No. 1—3. Amsterdam 1901-02. Kam, N. M. : Catalog v. Sternen, deren Oerter durch selb- ständ. Meridian-Beobachtungen bestimmt worden sind. Amsterdam 1901. Tijdschrift d. Nederl. Dierkund. Vereen. 2. Ser. D. 7, All. 2—4. Leiden 1902. Nederl. Dierkund. Vereen. Aanwinsten van de Bibliotheek. 1. Jan.— 31. Dec. 1901. Leiden 1902. Journal de Botauique. T. 24, Fase. 3. Koebenhavn 1902. Geolog, fören. i Stocidiolm. Förhandlingar. Bd. 23, H. 6. 7. Bd. 24. H. 1-5. Stockholm 1901-02. Forhandlinger i Vid. -Selsk. i Christiania. Aar 1901. Christiania 1902. Aarsberetning vedkommende Norges Fiskerier for 1901. 1902. H. 1 — 4. Bergen 1902. Bergens Museums Aarbog. 1901. Afhandl. og Aarsberetn. 1902, H. 1. 2. Bergen 1901-02. SARS, G. 0.; An Account of the Crustacea of Norway, Vol. 4, P. 3 — 10. Bergen 1902. 20 Gesellschaft naUirforschender Freunde, Berlin. Stavanger Mus. Aarshefte f. 1901. (Aarg. 12.) Stavanger 1902. Acta Soc. pro Fauna et Flora Fennica. Vol. 16—20. 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Die Hypophyse ist eine Einstülpung am Zwischen- hirn, die von der Mundhöhle ausgeht und der vom Hirn- boden der sogenannte Trichter entgegenwächst, während sie selbst später in ein drüsiges Organ (glandula pituitaria) übergeht; sie bleibt mit der Mundhöhle mindestens vorüber- gehend durch einen Gang, den „Hypophysengang" und bis- weilen durch eine offene Tasche, die „Hypophysentasche", in Verbindung. Die nachfolgenden Untersuchungen sollen zunächst die Keuntniss der lebenden Formen um einiges fossile Material bereichern, das naturgemäss die weichen Gewebe von Epi- physe und Hypophyse nicht mehr erhalten zeigt, aber aus den Ausmündungsstellen Rückschlüsse, namentlich auf die Grössenentwicklung und Stellung der genannten Organe am 2 28 Gesellschaft naturfoischender Freunde, Berlin. Schädel ermöglicht. Die vergleichende Betrachtung der letz- teren ergab, dass die Epiphyse bei den Tetrapoden mit den Parietalien, bei Fischen aber in den Frontalien münden, dass auch die Hypophyse bei Fischen weiter vorn gelegen ist, und beide Organe bei älteren Wirbelthiertypen weiter verbreitet und grösser angelegt sind. Die Epiphyse und Epidyse der Tetrapoden. Durch die Untersuchungen von H. de Graaf^), F. v. Leydig^), Baldwin Spencer^), E. Beraneck^) uHd anderen ist die Form und Anlage der Epiphyse und das Vorkommen eines Scheitelloches oder „Epidyse'', wie ich es aus später dargelegten Gründen bezeichnen will, bei lebenden Reptilien und Amphibien genau beschrieben worden, und B. Spencer machte schon auf den Umstand aufmerksam, dass fossile Reptilien diese Epidyse viel grösser entwickelt zeigen, und dass daraus auf eine grössere Bedeutung der Epiphyse bei älteren Wirbelthieren zu folgern sei. Bei den Stegoceplialen ^) ist eine Epidyse wohl überall vorhanden, wenn auch mangelhafter Erhaltungszustand, ungenaue Präparation oder Abbildung sie nicht auf allen bisherigen Darstellungen erkennen lassen. Das Loch ist in seiner relativen Grösse wechselnd, übrigens darin von der Grösse der Parietalia, zwischen denen es liegt, offen- bar unabhängig. Zur Orientirung am Schädel gebe ich zunächst eine reconstruirte Normalfigur eines Stegocephalen *) H. W. DE Graaf: Bijdrage tot de Keniiis van der Bouw en de Ontwickeling der Epiphyse bij Amphibien en Reptilien, Leiden 1886. *) F. v. Leydig: Das Parietalauge der Wirbelthiere. Zool. Anz. 1887, No. 262, p. 534. ^) W. B. Spencer: On the presence and structure of the Pincal- Eye in Lacertilia. Quart. Journ. Microscop. Science XXVII, 2, pag. 239. London 1886. *) Ed. Beraneck: üeber das Parietalauge der Reptilien. Jenaiscbe Zeitschr. f. die gesammt. Naturwiss., XXI, pag. 374. Jena 1887. ^) Ich fasse diese namentlich durch ihr geschlossenes Schädeldach, doppelten Condylus occipitalis, sculpturirte Schultergürtel-Deckknochen gekennzeichneten Formen als Klasse auf, die sicher den Reptilien, wahrscheinlich auch den Amphibien, vielleicht sogar den Säugcthicren als Ausgangspunkt diente, und die Volhvirbler Holospondyhi {Lcpospon- dyla) und IJichospondyla (Tewriospomlyla Stereo.^pondyhi I'hyllospondijla aut.) als getrennte Ordnungen umfasst. Sitzung vom 10. Februar 1903. 29 Schädels von der Oberseite, woraus sich ergiebt, dass die Epidyse in der vorderen Hälfte der Parietalia gelegen ist, und die Naht der Parietalia hinter der Epidyse zu zick- Fig. 1. Die typische Gliederung des Schädeldaches eines temnospondylen Stegocephalen. PM = Praemaxilleu, N = Nasalia, F = Frontalia, P = Parietalia, Os = Occipitalia superius, M = Maxille, L = das sogenannte La- crymale, Prf = das sogenannte Praefrontale, das wohl das echte La- crymale ist, Ptf = Postfrontale, Po = Postorbitale, J = Jugale, Jt = Intersquamosuni, St = Supratemporale, S = Squamosum Supra- temporale aut., Prosquam. Raur, Qj = Quadratojugale, E = Epioticum. Die Nasen liegen vorn, die Augen sind mit einem Scleroticalring ver- sehen, die Epidyse liegt zwischen den Parietalien. zackförmigen Biegungen zusammengestaut ist Bei anderen Temnospondylen wechselt die Grösse, so dass zum Beispiel bei Capitosaurus das Loch bei einer Schädellänge von 240 mm etwa 9 mm Durchmesser hat, bei den älteren und niedriger organisirten Branchiosauriden sogar mehr erreicht, m Gesellschaft naturforschemler Freunde, Berlin. während z. B. bei Trematosaurus aus der unteren Trias das Loch bei einer Schädellänge von 180 mm auf 2 mm zu- sammengeschrumpft ist. Die Lage des Scbeitelloches inner- halb der Parietalia ist normal etwa am Ende des ersten Drittels ihrer Lauge, es kann aber einerseits wie in Fig. 2 ■Fig. 2. Schädeldach von Uiccratoscmrus punctolineatus Cop. sp. aus der productiven Steinkohle von Linton, Ohio. (Orig. Mus. Berlin.) Nasen und Augen liegen weit vorn, das Parietalloch in Folge grosser Ausdehnung der hinteren Schädelknochen genau in der Mitte des ganzen Schädels. In der Mittellinie desselben folgen die Praemaxillcn, Nasalia, Frontalia, Parietalia und Occipitalia superiora normal auf einander. (Eine Beschreibung dieser neuen Gattung wird im neuen Jahrbuch für Mineralogie etc. veröffentlicht.) SitzwKj vom 10. Februar 1903. 31 Fiff 3 Schädel von Trematosaurus Brauni aus dem Buntsandstein von Bernburg, restaurirt. _ Die Plattenbezeichnung wie in Fig. 1. Die dunklen Rinnen sind die sogenannten Schleim- oder „Treraal"kanäle. 32 Gesellschaft naturforscliender Freunde, Berlin. bei einem carbonischen Stegocephalen weiter vorn liegen und andererseits wie z. B. bei dem triadischen Trematosaii'-iis in die hintere Hälfte der Parietalia rücken. Während der Ontogenie scheint eine sehr bedeutende Verkleinerung der Epidyse stattzufinden. Diese sehr be- merkenswerthe Thatsache ist schon von Herm. Crkdner in seinen vorzüglich sorgfältigen Studien über den permischen Branchiosaurus amhlystomiis beobachtet worden. Credner giebt auch an. dass bei Larven, d§ren Augenhöhlen noch grösser sind, als im erw^achsenen Zustand, das Scheitelloch vor deren hinterer Grenze liegt, bei erwachsenen Individuen auf derselben. ^) An mir vorliegenden Materialien dieser und anderer Branchiosauriden. kann ich diese Beobachtung noch dahin präcisiren, dass sich eine Verschiebung inner- halb der Parietalia bemerkbar macht, derart, dass bei jungen Individuen das Loch weiter vorn liegt als bei er- wachsenen. Die Grössenabnahme findet dabei in der Weise statt, dass das Loch selbst beim Wachsthum des Schädels keine nennenswerthe Vergrösserung erfährt. Bei einem Branchiosauriden aus der Pfalz beträgt der Längendurch- messer des Scheitelloches jugendlicher Individuen etwa Vs — Ve der Schädellänge bei dem grössten mir vorliegenden Exemplar nur etwa V20. Es will mir auch scheinen — obwohl bei der geringen Grösse und mangelhaften Erhaltung der Objecto der Beobachtung enge Grenzen gezogen sind — dass die Parietalnaht hinter der ^) Epidyse anfangs nicht so tiefe Biegungen zeigte wie später. Schliesslich wurde durch H. Credner noch bei Änthra- cosaurus raniceps die Beobachtung gemacht, dass Schuppen der Schädelhaut am Rand des Scheitelloches kleiner werden und dieses selbst freilassen. Auf Credner's Deutung dieser Erscheinung als Beweis einer vormaligen Existenz eines Parietalauges im Scheitelloch der Stegocephalen komme ich später noch zurück. ') ZeitschK d. Deutsch, geol. Gesellschaft Berlin 1886, Bd. XXXVIII, pag. 592. ») 1. c. pag. 594. Sitzung vom 10. Februar 1903. 33 Bei recenten Reptilien liegt das Scheitelloch, die Epi- dyse, wo sie überhaupt vorhanden ist, in den Parietalien. Dieselbe Lage nimmt sie auch bei fossilen Reptilien ein, wie schon die Mehrzahl diesbezüglicher Abbildungen gezeigt hat. In nachstehender Tabelle möchte ich eine Uebersicht über die Erhaltung einer Epidyse bei den Ordnungen der Reptilien zugleich im Laufe ihrer geologischen Entwickelung geben. ^ a 1 ?S .' 0) ■« 1 ü ^ H 1-5 W H HS I. A. Proterosauria . . • • ? B. Sphenodontia • • ? ? • C. LacertiUa . • ? D. Mosasauria • E. Ophidia . . — II. Pelycosauria . . III. Anomodontia . , , IV. A. Sauropteryyia ? . , . B. Ichthyosauria 9 • ? C. Flacodontia • • D. Testudinata ? — — V. A. Binosauria. 9 . — — B. Crocodilia . ? — — C. Pterosauria — — Es bedeutet: # grosse, kleine, ? fragliche Ausbildung der Epidyse» Schluss der Epidyse, Eine nennenswerthe Abweichung von diesem normalen Lageverhältniss der Epidyse bei Tetrapoden finde ich nur bei Ichthyosaurus (Fig. 4), wo die Frontalia (Fr.) rückwärts so in den Vorderrand der Parietalia (Pa.) eingekeilt sind, dass sie mit zwei Fortsätzen den Vorderrand des Scheitel- loches umfassen, und dieses also factisch auf der Grenze der Parietalia und Frontalia gelegen ist. Das ist aber auch der einzige mir bekannte Fall dieser Art unter den Tetra- poden, und derselbe mag durch die extreme Verschiebung der Orbita und Frontalia nach hinten seine Erklärung finden. Die Amphibien verhalten sich offenbar in dem Grad der Ausbildung der Epiphyse sehr verschieden. Das ihre 54 Gesellschaft naturfwschender Freunde, Berlin. Fig. 4. Der hintere Theil des Scliädeldaches eines Icldhyosaurus aus dem Lias von Lyme Regis. (Orig. Mus. Berlin.) F = Frontalia, P = Pariotalia, N = Nasalia, M = Maxilla, L = Lacry- malia, die sogenannten Praefrontalia, Ptf — Postfrontalia , S = Supra- temporale, Na = Nase, Sc = Scleroticalring, Po = Postorbitale, = Orbita, vo = vordere Theil der Orbita, A = Auge. Anlage im Wesentlichen so wie bei Reptilien und Selachiern erfolgt, geht aus Götte's Untersuchungen der Unke und Ehler's bezüglichen Vergleich iiugen (1. c. 622) hervor. Eine Epidyse, d. h. also eine dauernde Verbindung der Epiphyse mit der Oberhaut finde ich bei Siphonops annulatus, wo sie als feine Oeifnung im hinteren Theil der Parietalia gelegen ist; dagegen fand ich sie bei Ampliiuma means, wo sie auf der Crista an der Grenze der Parietalia gegen die Occipitalia liegt und bei einer Schädellänge von 27 mm den erheblichen Durchmesser von 0,7 mm erreicht. Bei einem anderen Gymnophionen. liypogcophis, habe ich sie Sitzung vovi 10. Felrrimr 1903. 35 nicht gefunden und ebenso fehlt sie anscheinend allen er- wachsenen Anuren und den meisten Urodelen. Das im Ganzen ja sehr dürftige Material fossiler Amphibien scheint leider diese Kenntnisse nicht zu bereichern. Bei den lebenden Vögeln und Säugethieren ist die Epiphyse unter der riesigen Ausdehnung der Hemisphaeren des Grosshirns unterdrüclit und dürfte es auch schon bei deren mesozoischen Vorfahren gewesen sein, da auch bei diesen der Stirntheil der Schädelkapsel schon eine erhebliche Auftreibung gegenüber den Reptilien zeigt. Die Epiphyse und Epidyse der Fische. Eine Epiphyse ist bei allen Fischen vorhanden, nur bei Amphioxus haben die diesbezüglichen Untersuchungen die Existenz einer solchen noch nicht erwiesen. Die Epi- physe der Selachier hat durch Ehlers ') eine eingehende Beschreibung erfahren. Im übrigen haben Ahlborn ^) und Beard'^) die Epiphyse der Cyclostomen beschrieben und Beard weist am Schluss seiner Schrift darauf hin, dass eine Abbildung von Asterolepis in Zittel's Handbuch eine Durchbohrung eines medianen Schädeldachknochens zeigt, die möglicherweise als Pinealloch zu deuten sei. Die naheliegende Vermuthung, dass die Schädeldachlücken bei lebenden Welsen mit dem Parietalloch in Beziehung ge- bracht werden könnten, bezeichnet er als unzutreffend. Während die Epiphyse der Cyclostomen auch mit ihren distalen Bläschen unterhalb des Schädeldaches bleibt, aller- dings durch dieses von aussen mit seinen Pigmentflecken mindestens Wärmeeindrücke empfangen mag. durchdringt das birnförmige Ende nach Ehlers bei Selachiern wenigstens in deren Jugendzustand das knorplige Schädeldach. Selbst beobachtet habe ich eine Epidyse auch im erwachsenen ') Ehlers: Die Epiphyse am Gehirn der Plagiostomen (Zeitschr. f. Wissenschaft!. Zoologie, XXX, pag. 607). ^) F. Ahlborn: Untersuchungen über das Gehirn der Petromy- zonten. (Zeitschr. f. wiss. Zoologie, XXXIX, pag. J2L 1883.) ^) J. Beard: Morphological Studies 1. The Parietal-Eye of the Cyclostome fishes. (Qaart. Jouni. .Microsc. ^icience, XXIX, pag. 55. London 1889. 36 Gesellscluift naturforschender Freunde, Berlin. Zustande von Chimarra monstrosa, wo sie als sehr feine, mit blossem Auge kaum merkliche Oeffnimg das Schädel- dach oberhalb der grossen Orbitae durchbohrt. Auch bei einem fossilen Selachier, IJyhodus Fraasi aus dem oberen Jura, ist kürzlich eine Epidyse von Campell Brown in einer Recoustruction abgebildet^). Da aber ihre genaue Lage nicht festgestellt werden konnte, und ihre restaurirte Position von der aller anderen Fische abweicht, dürfte wohl der Erhaltungszustand dieser Knj^trpeltheile eine sichere Deutung zunächst noch zweifelhaft erscheinen lassen. Bei allen diesen Formen. Selachiern, Holocephalen und Cyclostomen, ist nun eine Orientirung der Epidyse am M Fig. 5. Metliandurchschnitt durch die Gehirnkapsel eines Forellen- Enibr}'0 nach R. Burckhard. Z := Epiphyse (Zirbel), G = Grosshirn mit den paarig getheilten He- misphaeren, Z =: Zwischenhirn, M = Mittelhirn (Cerebellum oder Klein- hirn, K =: Boden und Decke der Rautengrube, H = Lage der Hypophyse, = Opticus. Schädel deshalb ausgeschlossen, weil der knorplig per sistirende Schädel dieser Fische keine Deckknochen zur ge- naueren Bestimmung der einzelnen Regionen aufweist, nur ist allerdings im Allgemeinen zu bemerken, dass die Epi- dyse dieser Formen weit vorn am Schädel gelegen ist, wie auch die Epiphyse selbst vom Dach des Zwischenhirnes aus stark nach vorn geneigt ist. In der Figur 5 habe ich eine Abbildung eines Gehirnschnittes eines lebenden Fisches ') Ueber das Genus Hi/bodus. (Palaeontographica, Band XLVI, pag. 153. Sitzung vom 10. Februar 1903. 37 nach vollständigeren Bildern von Rud. Burckhard*) ge- zeichnet, um die Lage der Epiphyse ara Gehirn und ihre Neigung nach vorn zu erläutern. Eine genaue Orientirung der Epidyse ist also nur bei den Fischen denkbar, bei denen Deckknochen vorhanden sind. d. h. bei Ganoiden, Dipnoern, Teleostiern und Placo- dernien. Von diesen haben die Teleostier und Dipnoer bisher keine Epidyse erkennen lassen und schon ein devo- nischer Dipnoer (Fhaneropleuron curtum). den ich darauf ge- nauer controllirte. zeigt keine Spur einer medianen Oeffnung im Schädeldach. Dagegen findet sich bei devonischen Ga- noiden eine Epidyse deutlich erhalten, und bei den Placo- dermen zeigte sich wenigstens überall eine grubige Ein- senkung im Innern des Schädeldaches. In Fig. ß habe ich das Schädeldach eines vorzüglich erhaltenen Diplopterus aus dem schottischen Devon abge- bildet, den ich zu diesem Zweck sorgfältig pi-äparirt habe, so dass alle Schädelelemente klar zu Tage liegen. Es sind zwar hier die vordersten Schädcltheile, Praemaxillen und Nasalia, zu einem Stück verschmolzen, welches vielleicht auch noch in seinen seitlichen Partien die sogenannten Prae- frontalia der Stegocephalen enthält, aber die Regionen der Nasalia Frontalia, Parietalia und Occipitalia sind doch so scharf geschieden und durch die Lage der Nasenöffnungen und Orbiten noch weiter geklärt, dass man nicht im Zweifel sein kann, dass hier das sogenannte „Parietal"loch die Epidyse in den Frontalien gelegen ist. Es liegt bei dieser Form sogar in der vorderen Hälfte der Fron- talia, während es bei Thiirsius, Osteolepis, Gyroptychius und Glyp)tolepis im hinteren Theil der Frontalia gelegen ist. Es weist bei Diplopterus und Thursius einen ringförmigen Kranz von Ossificationen auf, die ihrer Anordnung nach den Skle- rotical platten der Augen entsprechen. Ich möchte aber schon hier warnen, dieses Organ allein deshalb schon als „Auge" auszusprechen. Erstens sind die Plättchen den ') Rudolf Burckhard: Der Bauplan des Wirbelthiergehirns. [Orphol. Arbeiten, herausgeg. v. G. Schwalbe. Jena. IV. Bd., pag. 131. 38 Gesellschaft naturforschender Freunde, Berlin. Skleroticalplatten unähnlich, indem sie nicht flach, sondern buckeiförmig gewölbt, ferner von ungleicher Grösse und drittens bei Thursius wenigstens mit einem merkwürdigen Netzwerk von Knochensubstanz sculpturirt sind. Als Ana- Fig. 6. Schädeldach eines devonischen Ganoiden (Biplopterus) mit der Epidyse in den Frontalien (Fl, vor denselben die verschmolzene Nasalia (N) und Praemaxillae (Pm), hinter ihnen die Parietalia (P) und das beiderseits verschmolzene Occipitale superius (Os). Im Uebrigen bedeuten M = Maxiila, L = Lacrymale, J = Jugale, Po = Postorhitale, Ptf = Postfrontale, Mpt = Metapterygoid. Qj = Quadratojugale, S = Squamosum, Sy = Symplecticum, Hm = Hyomandibulare, St = Supra- temporale, E = Epiotica im Sinne von Fig. I. logon des Skleroticalringes wird man diese Bildung aller- dings wohl iusofein l)etracliten können, als sie ebenfalls eine ungeschützte und zweifellos empfindliche Stelle des Sitzung vom 10. Februar 1903. 39 Kopfes vor dem hydrostatischen Druckwechsel uud Ver- letzungen schützen mochte. An derselben Stelle wie bei jenen devonischen Ganoiden endet nun auch die Epidyse bei den Placodermeu und zwar sowohl den sihirischen und devonischen Ostracodermen, wie auch bei den echten Placo- dermen, zu denen ich namentlich die Macropetalichthyiden, Homosteiden, Coccosteiden und Pterichthyiden rechne. Zum Fig. 7. Schädeldach eines Coccosteiden (Fachyosteus hulla n. g. n. sp.) aus dem Oberdevon von Wildungen bei Cassel (Orig. Mus. Berlin). Die Nasenlöcher und Praemaxillen liegen an der Unterseite des Vorder- randes. Nasalia (N) und Frontalia (F) zu je einem Stück verschmolzen, in letzterem die Epidyse, dahinter die Parietalia (P) und das ver- schmolzene Occipitale superius. Die Augenkapseln mit einem re- construirten viertheiligen Skleroticalring. J = Jugalia, Prf = die sog. Praefrontalien, die, ich glaube, wichtiger als Lacrymalia (L) aufzu- fassen, Ptf = Postfrontalia, S = Suprutemporalia, E =; Epiotica. Die dünnen Linien auf verschiedenen Platten bedeuten Tunnel- oder Schleimkanäle. Theil ist es gerade die frontale Lage des Scheitelloches, die auf eine Klärung ihres Schädeldaches bisher verzichten liess. Nachdem ich jetzt eine ganze Anzahl dieser For- men genau genug kenne, um jeden ihrer Schädeldachkno- chen Orientiren zu können, glaube ich aber mit Sicherheit die obige Deutung der Mitteldachknochen, vertreten zu 40 Gesellschaft naturforschender Freunde, Berlin. können, die ich beistehender Zeichnung eines neuen Coccos- teidentypus gegeben habe. Durch die Grösse der sog. Praefrontalia sind allerdings bei diesen Formen die Nasalia und Frontalia starli zusammengedrängt und beiderseits zu je einem Stück verschmolzen, ebenso wie die Occipitalia, denen als Stützpunkt einer sehr kräftigen Nackenmuskulatur besondere Widerstandskraft zugemuthet wurde. Bei den Pterichthyiden, bei denen die Augen auf der Grenze der Prae- und Postfrontalia (cf. Homosteus) noch näher zusammengerückt sind, sind die Frontalia zu einem winzigen quadratischen Stück reducirt, was zwischen den brillenartig angeordneten Orbitae eingekeilt ist, aber auch bei dieser Reduction noch im Innern deutlich die Epiphysen- grube erhalten zeigt. Bei dem obersilurischeu Tremataspis finde ich zwischen den brillenartig zusammengerückten Augen ein vertieft gelegenes Medianstück eingeschaltet, welches hier sogar vollständig von einem Loche durchbohrt ist. also eine echte Epidyse bildete (Fig. 8). Entsprechend diesen Differenzen der äusseren Lage der Epidyse zeigt sich die Epiphyse bei den Tetrapoden nach hinten, bei den Fischen nach vorn geschoben und man wird wohl nicht fehl gehen, wenn man die erstere Position mit der überquellenden Vergrösserung des Grosshirns bei den Tetra- poden und die letztere mit relativ grösserer Ausdehnung des Mittelhirns bei den Fischen (Fig. 5) in Zusammenhang bringt. Im übrigen ergeben sich bemerkenswerthe Differenzen in der besonderen Anlage der Epiphyse namentlich in folgenden Punkten. Erstens handelt es sich entweder um ein ein- faches Organ (Sphenodou) oder um zwei hintereinander liegende Orgaue (Epiphyse und Parapinealorgan oder Para- physe), die entweder dauernd erhalten bleiben (Cyclostonien) oder nur in der Anlage erscheinen (Lacerta). Das eine oder die beiden Organe können oben mit einem Bläschen endigen, dessen äussere Zelllage mit der Anlage einer Linse, dessen innere mit der einer Retina verglichen worden ist. Die innere desselben kann Pigment aufweisen; ob aber dadurch eine Sehfunction dieses Bläschens wahrscheinlich wird, ist wohl stark zu bezweifeln, da weder die äussere Schicht Sitzn}uj roin 10. Febi-uar 1903. 41 eine typische Liuse. uoch die innere eine eelite Retina bildet, zudem wenigstens von Ahlhokn eine deutliche Grenze zwischen der äusseren und inneren Zellschicht bestritten wird. Lediglich als Reductionsphasen der ganzen Anlage wird man die Difterenzen auffassen dürfen, die sich be- züglich der lunervirung der Bläschen ergeben, und als primitiven Zustand ansehen dürfen, dass bei Cyclostomen Fig. 8. Der Kopftheil des Riukenpanzers von Tremataspis Schrenki aus dem obersten Silur von Oesel. In der Mittellinie vorn eine unpaare Grube („Praefrontalgrube", ? Nase der Cyclostomen). Dahinter die brillenartig verbundenen Augen- höhlen mit Resten von Skleroticalplatten. Zwischen beiden Augen eine vertieft liegende Biücke, die von der Epidyse durchbohrt wird. Hinter den Augen median eine mit schwach verknöchertem Roden ver- sehene scharfrandig ausgeschnittene (? Rauten-) Grube. Hinter ihr paarig zwei kleine Oeffiiungen, die ich als Spitzlöcher anspreche. Zu beiden Seiten 2 Paar randliche Gruben, die wohl zum Ansatz von Tentakeln bei diesen Bodenformen dienen mochten. Die in Zügen geordneten Striche sind unterbrochene Schleim- oder Tremalkanäle. Orig. Mus. Berlin. Vergröss. ^i. beide, bei Sphenodon das eine Bläschen mit Ganglien ver- sehen und durch je einen Nervenzug mit dem Zwischen- hirn in Verbindung stehen. Ob es als Regel gelten kann . dass eine Ausstülpung des Zwischenhirnes selbst in die zipfelförmige Ausbuchtung der Epiphyse eine Strecke 42 Gesellschaft naturforschenäer Freunde, Berlin. weit hineinragt, l^aun ich den mir vorliegenden Angaben nicht mit Sicherheit entnehmen. Dagegen erscheint es sicher nach den Befunden von Ehlers bei Selachiern und Spencer's bei Sphenodon, dass Blutgefässe vom Dach des Zwischenhirns aus (Adergetlecht) den Zug der aufsteigenden Epiphyse ein Stück weit begleiten. Dass die doppelte Anlage der Epiphyse ursprünglich bilateral war, d. h. diese medianen Augen wie Gegenbaur annimmt, ursprünglich auch paarig waren, halte ich für ebeöso unbewiesen, wie die primäre Gleichstellung der Epiphyse bezw. ihrer Endorgaue mit den paarigen Augen. Wäre die Epiphyse von Haus aus ein Sehorgan, so bliebe vollkommen unverständlich, warum sich dasselbe nicht wenigstens da in Function er- halten hätte, wo die äusseren Bedingungen, namentlich das ausgepaarte Loch in der Schädelwand, eine solche Function wohl gestattet hätten und dass es sich andererseits auch da bis heute erhalten hätte, wo es durch Abschluss von der Aussen weit längst jeder ausgiebigen Fuuctions-Möglichkeit beraubt war. In kürzester Fassung wird man etwa sagen können, dass an der hinteren Grenze des Zwischeuhirns und zwar an der Comraissura posterior vom Hirndach ein oder zwei hintereinander liegende Nervenzüge aufsteigen, die von Blutgefässen begleitet sind und oben Bläschen innerviren können, die immer den Eindruck rudimentärer Organe machen und bei alten Wirbelthiertypen mit einer medianeu, stets einfachen, parietalen oder frontalen Oeffuung des Schädeldaches in Zusammenhang stehen. Die Hypophyse der Tetrapoden. Wie die Epiphyse so ist auch die Hypophyse ein Organ, das durch die ganze Wirbelthierreihe erhalten und wenigstens in Jugendstadien wohl entwickelt ist. Auch die Hypophyse liegt am Zwischeuhirn und zwar schiebt sie sich hier in die grosse ventrale Gehirn bucht ein, die als Kopf beuge be- zeichnet wird, vor der sich vorn das Grosshirn mit Augen- nerven tief hinabsenkt und hinter der sich wenigstens bei Sitzung vom 10. Februar 1903. 43 höherer Ausbildungaform der hintere Theil des Gehirns in der sogenannten Brückenbeuge abwärts vordrängt (Fig. 5). Dieser eigentlichen Hypophysenanlage wächst nun vom Gehirn der sogenannte Trichter oder das lufundibuluui als ventrale Aussackung entgegen, durch die das llypophysen- säckchen etwas nach vorn an die Hinterwand des Gross- hirnes gedrängt wird. Während aber bei der Epiphyse die Ausstülpung der Hirnwand den Haupttheil dieses Organes zu bilden scheint, und die Epidyse als nebensächlich er- scheinen lässt, praevalirt hier der von der Mundhölile aus- gehende Theil des Organes. während die mit ihm in Be- ziehung tretende Aussackung des Gehirns untergeordnet erscheint. Die Untersuchung der Hypophyse erstreckte sich bisher zumeist auf deren embryonale Anlage. Ueber diese gingen die Auffassungen besonders darin auseinander, dass die einen die Hypophysenanlage vom Mesoderm, die anderen vom Ectoderm ausgehen Hessen. Die Frage scheint aber auf die andere hier nicht näher berührende Meinuugsdifferenz zurückzugehen, ob die Mundhöhle ectodermaler oder ento- dermaler Entstehung sei. Wesentlich erscheint mir hier nur. dass der Haupttheil der Hypophyse von der Mundhöhle aus angelegt ist. Eine eingehende Darstellung der Epi- physenanlage der Eidechsen hat Gaupp^) gegeben. Nach dieser Darstellung bildet sich eine Einsenkung des Oesophagus, die bis an den Boden des Zwischenhirnes reicht, und auch bei einigen Formen dauernd in der so- genannten Hypophysentasche erhalten bleibt. Von dieser „Hypodyse" sondert sich die Anlage einer medianen grösseren Kammer, des Hypophysensäckchens, welches bei den Formen, deren Hypophysentasche obliteriert ist, nun von der Rachen- höhle vollständig abgeschlossen ist. sowie zweier Seiten- falten. Andererseits hat sich wie bei der Epiphyse auch hier das Zwischenhirn in eine trichterförmige Einsenkung des Schädelbodens als „Trichter" oder „Infundibulum'" ein- gesenlvt. Schliesslich verbindet sich das Hypophysensäck- ') E. Gaupp: Ueber die Anlage der Hypophyse bei den Snurieri (Arch. f. microsc. Ariat., Bd XXXXII, pag. 569." 44 Gesellschaft natmforscliender Freunde, Berlin. chen durch Bindegewebe mit dem Trichter und geht durch Bildung sogenannter Hypophysenschläuche in ein drüsiges Organ über. ^) Für die Orientirung der Hypophyse im Schädel und deren stammesgeschichtliche palaeontologische Entwickelung sind wir auf die Lage der Hypophyseutasche oder „Hypo- dyse", wie ich sie entsprechend der Epidyse kurz nennen will, angewiesen. Im Allgemeinen wird dieselbe nach der Mundhöhle abgeschlossen und zwar 'durch das Parasphenoid, einen Deckknochen, der sich fast über die ganze Gaumen- fläche ausdehnen kann und wohl in erster Linie zur Be- deckung gerade dieser Hypodyse entstanden sein mag. Durch diesen Deckknochen wird die Grenze zwischen dem Basi- sphenoid und dem Orbito- oder Praesphenoid verdeckt und es ist nur dann möglich, die Hypophyse an der Gaumen- fläche zu Orientiren, wenn im Paraspheuoid selbst noch eine Grube vorhanden ist. wie in Fig. 9 dem Schädel einer Tupinamhis cf. teguixin L. Bei dieser Form finde ich den hinteren Theil des Parasphenoid durchbohrt, und da die beiden vorragenden Schenkel des Basisphenoid im Innern von dem Parasphenoid bis zu der punktirten Grenze reichen, so wird man daraus den Schluss ziehen dürfen, dass die Hypodyse hier ganz im Rahmen des Basisphenoid gelegen ist. In gleicher Stelkmg finde ich sie auch bei anderen Reptilien, so z. B. an einem median durchschnittenen Schädel von Chdone midas, wo das Basisphenoid sehr dick und noch durch die sogenannte Columella (nicht die des Ohres!) mit den Parietalien in Verbindung steht. Dieses Basisphenoid ist hier durch einen trichterförmigen Kanal durchbohrt, der rückwärts etwa in einem Winkel von 40" nach der Gaumen- fläche gerichtet ist und hier hinter den Pterygoidea kaum merklich austritt. Auch bei einem Alligator-Schädel ist eine Oeffnuug noch in dem stark zusammengedrängten Knochen zu be- merken, der zwischen dem Occipitale basilare und dem weit ^) cf. 0. Hertwig: Entwicklungsgeschichte des Menschen und der Wiil.clf]iifr(\ VI. Aufl. Jena 1898, pag. 4.30 n. folg. Sitzung vom 10. Februar 1903. 45 Fig. 9. Gaumenfläche des Schädels einer Tupinambis teguixin L. Hinten das Occipitale basilare (Ob), davor das Paraspheiioid (Ps) mit der ovalen Hypodyse, Op — ■ Opisthoticum, Q = Quadratum, J = Jugale, Pt = Pterygoid, T = Transversum, PI = Palatina, M = Maxille, V = Vomer, Pm = Praemaxille. zurückgezogenen Palatina gelegen und offenbar auch hier als Basisphenoid aiifziifasi^en ist. Von diesem wird hier der Uüten erweiterte Kanal vollständig umschlossen. 2 ** 46 Gesellschaft naturforschender Freunde, Berlin. Bei einem aufgebrochenen Pfoco^^ws- Schädel aus dem Muschelkalii bemerkte ich ein grosses ovales Loch in der Unterseite der Schädelkapsel, das offenbar auf die Hypo- physe zurückzuführen ist. Schon Herr v. Meyer hat es an einem anderen Schädel abgebildet, scheint es aber irrthüm- lich für die Epidyse gehalten zu haben. Leider ist die Gaumenfläche dieses Schädeltypus noch nicht genau genug bekannt, um die Ausmünduug in die Racheohöhle beobachten und damit ihrer Lage nach genauer 'fixiren zu können. Da aber bei den eben besprochenen Reptilien die vorwärts ge- wendeten Schenkel des Basisphenoid das Loch vorn um- fassen, so dürfte es hier ausschliesslich von diesem um- wachsen sein. Bei Amphibien habe ich nirgends Andeutungen einer Hypodyse beobachtet, auch bei Vögeln scheint keine Spur derselben erhalten zu sein. Dagegen hat sich beim Menschen als pathologische Rarität eine Durchbohrung des Sphenoids gezeigt. Bei einer Abbildung, auf die mich seiner Zeit RüD. ViRCHOw aufmerksam machte, war das Loch sogar recht gross. Bezüglich der Lage der Epiphyse und Hypo- physe bei Tetrapodeu lässt sich also zusammen- fassen, dass sie im Basisphenoid liegt bezw. den hinteren Theil des Parasphenoid durchbohrt. Die Parietalia. in denen die Epidyse der Tetrapoden liegt, und das Basisphenoid sind aber Schädel- elemente, die bei Annahme einer vertebralen Gliederung dem Ohrwirbel zuzurechnen sind. Die Hypophyse der Fische. Bei den Fischen ist die Anlage der Hypophyse vielfach untersucht worden, so namentlich bei Cyclostomen, Se- lachiern und Teleostiern. Die Hypophyse der Teleostomen ist besonders von Rabl-Rückhard und Dohrn beschrieben worden. Von speciellen Streitfragen abgesehen, giebt Dohrn an*), dass ^) Studien zur Urgeschichte des Wirbelthierkörpers. Tlieil II, die Entstehung und Bedeutung der Hypophysis bei den Teleostiern. (Mitth, d. zool. Station /.u Xeai)el, Band 111, Heft J, 2, pag. 264) Sitzimg vom 10. Februar 1903. 47 die Hypophyse von der Mimdhöhle ihre Entstehung nimmt, also sich im wesentlichen wie bei den Tetrapoden anlegt. Nur darin scheint sie abzuweichen, dass sie weiter nach vorn unterhalb des Gehirns gelegen ist, also aus ihrer Lage in der Kopf beuge 'etwas herausgerückt erscheint Vielleicht steht diese Erscheinung damit in Zusannnenhang, dass die Kopfbeuge auch bei den Teleostieru im Sinne einer Streckung des ganzen Gehirns mehr ausgeglichen wird. Für primitiv kann dieses Verhalten wohl schon deshalb nicht gelten, weil es die älteren Fischtypen in geringerem Maasse zeigen, also darin den Tetrapoden näher stehen. Die Hypophyse der Selachier scheint bei gleicher An- lage wie bei den Teleostomen etwas weiter rückwärts, also ähnlich, wie bei den Tetrapoden gelagert zu sein. Dasselbe gilt nach Burckhaud's Darstellung bei Protopterus von der Hypophyse der Dipnoer, wo ihre Anlage in sich noch eine Einfaltung zeigt und relativ ursprünglich entwickelt ist. DoHRN ^) gab eine zusammenhängende Darstellung der Hypophysen-Anlage bei Pdromyson. Wenn man zur Orien- tirung aus seiner Darstellung ein Stadium wie Taf. 18, Fig. 3 herausgreift, in dem die spätere Oberlippe noch relativ klein und der spätere Nasengang noch nicht auf die Dorsal- seite gerückt ist. also noch relativ normale Kopfverhältnisse vorliegen, so zeigt sich das Organ welches allgemein als Hypophyse angesprochen wird, als trichterförmige Ein- stülpung zwischen der vorn gelegenen Nase und der weiter zurückliegenden Mundbucht. Später rückt dann aber dieses Organ ganz aus der Mundbucht heraus und unter Ver- einigung mit der Nase in der unpaaren Nasengrube auf die Oberseite des Kopfes. Dieses definitive Lagever- hältniss des genannten Organes macht mich doch stutzig, ob dasselbe wirklich als Hypophyse zu deuten sei. Seine vollkommene Separation von dem Mund scheint mir dafür zu sprechen, dass entweder der Mund der Cyclostoraen nicht dem gesammten Mund der höheren Vertebraten , sondern ') Dohrn: Studien zur Urgeschichte des Wirbelthierkörpers III. Die Entstehung und Bedeutung der Hypophysis bei Petromyzon Planeri. (Mitth. d. zool. Stat. z. Neapel. Leipzig 1883, Band IV, Heft 1.) 48 Gesellschaft naturforschender Freunde, Berlin. nur derem hintersten Schlundabschnitt entspricht, oder eben jene mit der Nase verschmelzende Hypophyse nicht die echte Hypophyse ist. Bei den Myxinoiden durchsetzt der Nasengang das Gaumendach und öflfnet sich in die Mund- höhle. Das so ausgebildete Organ, welches zunächst von KuPFFER und anderen für primitiver gehalten wurde als der blind endigende Nasengang der Petromyzonteu. wurde als „Palaeostoma" als Unnund der Wirbelthiere angesprochen, bis sich herausstellte, dass der Gaumendurchbruch bei den Myxinoiden sekundär erfolgte^). Jedenfalls handelt es sich hier um ein ganz besonderes Organ, welches aber, wie mir scheint, auch die silurischen Tremataspiden (vergl. Fig. 8 pag. 41) und Cephalaspiden aufweisen, die ich auch aus anderen Gründen für Verwandte der Cyclostomen halte. Bei den genannten Fischtypen ist am erwachsenen Körper eine Orientiruug der Hypophyse gegenüber den Schädelregionen deshalb erschwert, weil bei den einen der Gaumen knorplig ist und also keine Schädelelemente unterscheiden lässt, und andererseits bei den Teleostomen die grosse Ausdehnung des Parasphenoids das Gaumendach verhüllt. Sehr wichtig war mir unter diesen Umständen die Auffindung einer Hypodyse bei AcantJwdes Bromii aus dem Perm von Lebach. demselben Fisch, der auch die bisher primitivste Ausbildung der Schädelbögen und des Schulter- skeletes kennen gelehrt hat und auch in dieser Hinsicht niedrigste Organisationsverhältnisse erwarten liess. Hier findet sich in der Schädelbasis in der Regel genau zwischen den Orbita der Knochen, den ich Fig. 10 A in ventraler Ansicht gezeichnet habe. Er zeigt bei 5 von mir präparirten Exemplaren die gleiche Form, die man danach als normal ansehen darf Wie die sonstigen Schädeltheile von Acan- tJiodes so gehört auch dieser dem Innenskelet an. ist also hülsenartig ossificirt und enthielt jedenfalls in seinem Lumen noch viel Knorpel. An seiner Gaumenfläche ist aber die 1) Vergl. M. Fürbringer: Zur systematischen Stellung der Myxi- noiden und zur Frage des alten und neuen Mundes. (Morphol. Jahrb. XXVIII, :s, 1900). Sitzung vom 10 Februar 1903. 49 Verknöcherimg abgeschlossen, während auf seiner Oberseite ein knöcherner Abschluss nicht eintrat. Von der Unter- seite (Fig. 10 A) zeigt sich nun ein ovales Loch eingesenkt, dessen Seitenwände etwa bis in eiue Tiefe von 3 mm ver- knöchert sind. Dass es diesen Knochen ganz durchsetzte, geht daraus hervor, dass sich seine Wände nach oben nicht verengern, sondern eher wieder etwas zu erweitern scheinen, an einer Stelle, wo es den im Querschnitt rundlichen Knochen nahezu durchsetzt haben muss. Dieses Loch nun kann ich nur als Hypodyse deuten und fraglich erscheint mir nur, Fig. lU A. Hypodyse von Acanthodes Brormi aus dem Perm von Lebach in einem Knochen der Schädelbasis von der GaumenfFäche gesehen. Fig. B ist anscheinend das Parasphenoid selbst eines Fisches (? Py- (jopterus) aus dem permischen Kupferschiefer von Ilmenau. Fig. C ebenfalls ein Parasphenoid eines unbekannten Wirbelthieres aus dem unteren Muschelkalk von Oberschlesien. (Sämmtl. Orig. Mus. Berlin.) ob der Knochen selbst das Basisphenoid oder das Prae- sphenoid darstellte. Für die erstere Deutung würde seine Gesammtform sprechen, wenn man dieselbe z. B. mit dem Basisphenoid von Tupinambis (Fig. 9) vergleicht, für die Deutung als Praesphenoid seine Lage zwischen den Orbita. Jedenfalls ist aus diesem und der Fig. 10 B und C ab- gebildeten Knochen der Schädelbasis anderer Formen zu ent- 50 GesellscJiaft naturforschender Freunde, Berlin. nehmen, dass die Hypophyse auch bei den älteren Fischtypen stärker entwickelt und zeitlebens be- deutender war als das bei den heut lebenden Formen der Fall ist. Auch scheint die Lage des betreffenden Knochens in der Augenregion von Acanthodes darauf hinzuweisen, dass wie die Epi- dyse dieser Formen in die Fröntalia gerückt war, so auch die Hypodyse der orbitalen Schädelregiou angehörte. Die Thatsache, dass die Epiphyse und Hypo- physe am Fischkörper eine andere Position haben als am Tetrapodenkörper. deutet darauf hin, dass beide Typen aus einem phyletischen Entwickelungs- stadium des Wirbelthierstammes divergirten, in dem der Schädel noch keine feste Gliederung in die Schädelregionen erfahren hatte, die man etwa als vertebrale bezeichnen könnte. Die Bedeutung der Epiphyse und Hypophyse. Wenn ich diese beiden Räthsel des Wirbelthierkörpers wieder einmal mit dem hypothetischen Urmund in Zu- sammenhang bringe, so weiss ich wohl, dass ich damit zu- nächst nur ein Achselzucken hervorrufen werde. Nachdem die Lösung des Räthsels auf diesem Wege von berufeneren Autoren vergeblich versucht wurde, ist es wirklich nicht Uebermuth, der mich aufs Neue in diese scheinbare Sack- gasse treibt. Aber die Schwierigkeiten, die jene Autoren mit der kühnen Urmund-Hypothese zu lösen hofften, haben sich mir bei langjährigen Studien der historischeu Entwickelung des Schädelbaues derart gehäuft, dass mir ein Verständniss des Schädels ohne die Annahme jenes Urmundes nicht mehr möglich erscheint. Die Unterbrechung der ganzen Gehirnanlage, die durch das Zwischenhirn, die Commissura posterior, und das In- fundibulura gekennzeichnet wird, ist unverständlich, wenn wir nicht an jener Stelle ein ehemaliges Hinderniss für die Anlage des Gehirnes annehmen. Es wäre ferner unver- ständlich, weshalb die Anlage der primären Schädelkapsel Sitzung vom 10. Februar 1903. 5 1 sich ohne ein solches an derselben Stelle in zwei breit ge- sperrte Aeste gabelt, die sogenannten Trabeciilae cranii, weshalb ferner die Chorda dorsalis immer nur bis zu diesem Punkte vorrückt und sich an demselben unter un- regelmässigen Krümmungen ihrer Spitze staut. Und das sind Erscheinungen, die nicht vereinzelt als Räthsel auf- treten, sondern ganz allgemein die Anlage des Wirbelthier- schädels beherrschen, ja eigentlich dessen conservativste Eigenschaften sind DoHRN hat wohl zuerst die Hypophyse als Urmund angesprochen, allerdings die dorsale Ausmündung desselben in der Rautengrube des Gehirns gesucht^). Dieser Irrthum und der Umstand, dass Dohrn später auf anderen Wegen die Hypophyse als Kieme eines praeoralen Visceralbogens verwerthen zu können glaubte. Hessen ihn jene erste Idee so schnell über Bord werfen, dass er über die Wiederauf- nahme derselben durch Köllikeu sein Erstaunen ausdrückt^). Letzterer-'') sagte darüber Folgendes: Hypophyse und Zirbel sind zwei physiologisch unbegriffene und unzweifelhaft auch unbedeutende Organe. Ihr Vorkommen bei fast allen Wirbel- thieren. mit Ausnahme des Amphioxus, in wesentlich gleicher Gestaltung stempelt sie zu Erbstücken von den Vorfahren dieser Thierklasse und liegt der Gedanke nahe, den Dohrn mit Rücksicht auf die Hypophysis allein zu verfolgen ge- sucht hat. dass dieselben mit einer früheren Durchbohrung des Gehirns durch den Darm zwischen Mittelhirn und Zwischenhirn zusammenhängen. Die Hypophysentasche auf der einen und die Zirbelausstülpung auf der anderen Seite könnten Reste einer und derselben Bildung sein, und wenn GÖTTE mit seiner Ansicht Recht hätte, dass die Zirbel von Bombinator da entsteht, wo das Hirnrohr am spätesten sich schliesst, so liesse auch diese Thatsache für eine solche Hypothese sich verwerthen." ') Der Ursprung der Wirbelthiere und das Princip des Functions- wechsels, 1875, pag. 3. ^) Studien zur Urgeschichte des Wirbelthierkörpers. Mitth. a. d. zoolog. Station zu Neapel, Band III, pag. 273. ^) Entwickclungsgeschichte des Menschen und der höheren Tbiere, 2. Aufl., pag. 533. 52 Gesellschaft naturforschender Freunde, Berlin. Enger und bestimmter hat R. Owen ^) die Epiphyse und Hypopiiyse in Beziehung gebracht und als Theile des Urmundes angesprochen, den die Wirbelthiere von Articu- laten geerbt haben sollten. Die Begründung, die er seiner Auffassung zu geben suchte, namentlich die Angabe, dass ein, beide Organe verbindender Strang das Gehirn durchsetzt, ist durch die späteren Untersuchungen nicht bestätigt, aber trotzdem scheint mir das Stillschweigen, mit dem die Wissenschaft jene Idee Owen's übergangen hat, durchaus ungerechtfertigt. Diese „Epistoma- Hypothese", wie ich sie kurz nennen will, steht natürlich im engsten Connex mit der jjnversions- Hypothese", die namentlich von Sempera) weiter ausgebaut worden ist und darauf hinausläuft, dass das Rückenmark der Wirbelthiere dem Bauch- mark der Anthropoden bezw. Anneliden homolog, und der Wirbelthierkörper sozusagen ein umgedrehrter Anneliden- körper sei. Semper's Hypothese theilt mit der obenge- nannten Idee Owen's das Schicksal, von den meisten Verstössen zu sein. Sie erschien von Anfang an unwahr- scheinlich, weil man sich nicht vorstellen konnte, dass hoch entwickelte Organismen ihre Differenzirung soweit abstreifen könnten, um einem wesentlich anderen Typus das Leben zu geben. Dass das erwachsenen Formen nicht möglich, und ein solcher Process nicht denkbar ist auf dem Wege einer progressiven Entwicklung, die immer zu dem fertigen Bau nur einen weiteren Stein zulegt, bedarf keines Zuge- ständnisses. Wenn wir aber einen solchen Uebergang auf frühe Jugendstadien verlegt denken und im Sinne einer Metakinese auffassen^), dann wird man über die Möglichkeit der Berichtigung jener Inversionstheorie schon weniger schnell hinweggehen dürfen. W^enn wir von unseren üblichen Vorstellungen über ') Rieh. Owen: Essay on the Conario-hypophysial tract and on the aspectes of the body in vertebrate and invertcbrate animals. London 1883. *) C. Semper: Die Stainnu'svenvandtschaft der Wirbelthiere aus Wirbellosen, pag. n[. Arb. a. d. zool. Inst, in Würzburg, II, 1878, pag. 25— 7(). ^) 0. Jaekel: lieber verschiedene Wege phylogenetischer Ent- wickelung. Jena, Gust. Fischer, 1902, pag. 34—53. Sitzung vom 10. Februar 1903. 53 phylogenetische Umbildungswege. die ja doch unbewiesene Voi'stellimgen sind, absehen, und die Organisation der Ci'ustaceen und Verte braten objectiv nebeineinander stellen, so springen die zahlreichen Vergleichspunkte im Rahmen der Episomatiden ^) von selbst hervor. Die Gliederung des Körpers in den Kopf. Rnmpf und Schwanzabschnitt, das \'erhältniss dieser Theile zu einander, die Anordnung der Sinnesorgane am Kopf und der Bewegungsorgane am Rumpf, die Verkalkungsart der dermalen Skeletbildungen. die Bildung von Hornstrahlen zur Verbreiterung der Flossen, die segmentaleu Secretiousorgane und last not least die Aus- bildung und das correlative Verhältniss der inneren Haupt- organe des üarmes, des Hauptnervenstammes hier als Bauch-, dort als Rückenmark, die Lage des Herzens und der Hauptblutgefässe zu den genannten Organen sind doch Vergleichsmomente, die für den Morphologen nicht ohne genetische Bedeutung bleiben können. Ich scheue mich also nicht, im Gegensatz zu Semper. höhere Arthropoden als Ausgangspunkt der Wirbelthiere zu betrachten. Zur Veranschaulichung des uns hier besonders be- rührenden Verhältnisses des Nervensystemes zum Darm- tractus habe ich in den Figuren 11 A — C schematische Medianschnitte durch einen einfachsten Arthropoden-, einen einfachsten Verte braten- und einen Tunicatenkörper zu- sammengestellt. Ich stelle mir zur Erklärung dieser Umformung des Baues der Arthropoden in den der Wirbelthiere vor, dass die ständige Innehaltung der axialen Bewegungs- richtung die Sinnesorgane am vorderen Körperpol dauernd stärkte und zu einer Verstärkung der den Arthropodenschlund umlagernden Ganglienpaare führte. Dieselben haben sich bei den Arthropoden in ein sog. oberes oder vorderes Schlundganglion und zwei oder drei postpharyngeale Ganglieupaare hinter dem Schlünde ^) 0. Jaekel: Ueber die Staniniform der Wirbelthiere. (Diese Berichte, 1896, pag. 107. 54 Gesellsclmfi natnrforscJiender Freunde, Berlin. gesondert (Fig. 11, D). Wenn man sich nun vergegen- wärtigt, wie gross und wie früii das Gehirn ontogenetisch entsteht, wird man verstehen, dass die phylogenetische Zunahme dieser Ganglien schliesslich die Schlundanlage derartig umfasste und beengte, dass sie bei einem Theil Fig. 11. Schematische Längsschnitte durch den Körper A eines Arthropoden (wesentlich nach Sograff aus Korschelt& Heider, Entwickl. Gesch., II, pag. 748 von Geophilus firragineiis), B eines Wirbelthieres, C eines Tunicaten (Asciäia, wesentlich nach Kowalewski), D = Darm, längsgestreift, N — Nervussystom, schwarz, Pc = Pro- cerebrum der Arthropoden, GH — Grosshiru oder Vorderhii-n der Vertebraten, Gai = Antennularganglion und Gaj =r Antennen- ganglion der Arthropoden, MH = Mittelhirii und C = Cerebellum der Vertebraten, G = Ganglion der Tunicaten, Au = die paarigen Augen der Arthropoden und Vertrebaten, M = Mund der Arthro- poden, Epidyse der Vertebraten, A = After, der in Fig. A von aussen der Darmanlage entgegenwächst, Ch — Chorda dorsalis, P = Haftpapillen der Ascidien. D Schematische Ansicht eines Arthroj)odengehirnes mit der vortical gestrichelten Mundanlage. E Rückenansicht eines \'ertebratengehirnes vorn mit den grossen Hemi- sphären, dahinter dem verengten Zwischenhirn mit den rudimentären Anlagen des Urmundes, dann das Mittel- und Nachhirn. Sitzuncj vom 10. Februar 1903. 55 der Formen ganz zugeschnürt wurde, und ein neuer Mund an der entgegengesetzten Seite entstand. Solche secundären Durchbrüche eines definitiven Mundes sind ja ebenso wie die des Afters bekanntlich in der Ontogenie durchaus ge- wöhnliche Erscheinungen. Setzte man die prae- und postoralen Ganglienpaare der Arthropoden dem Gehirn der Wirbelthiere gleich, wie dies schon Geoffkoy st. Hilaire gethan und dann namentlich R. Owen weiter ausgeführt hat (Op. c, pag. 13). so würde der praeorale Gangliencomplex (Procerebrum, Archicerebrum) oder kurz das „Gehirn" der Arthropoden dem Vorder- oder Grosshirn der Wirbelthiere entsprechen. Als postorale Ganglienpaare werden von Korschelt und Heider, deren Darstellungen ich hier folge ^), bei den Arthropoden die des Antennular- und die des Antennen- segmentes angesehen. Diese sind nicht nur mit einander durch die postorale Coramissur eng verschmolzen, sondern bisweilen auch mit dem Procerebrum so eng verwachsen, dass z. B. Claus das vordere dieser Ganglienpaare auch noch als praeoral ansah. Es dürfte sich also hier um eine Tendenz handeln, postoral angelegte Ganglien vor den Mund zu schieben, wo der Hauptsitz der geistigen Functionen zu suchen ist. Denken wir uns nun die Hypodyse und Epidyse als Reste und Axenpunkte des Arthropodenmundes, und nehmen wir an, dass die Ontogenie ohne Rücksicht auf morpho- genetische Bequemlichkeiten unbeschränkt den historischen Ditterenzirungsgang der Organe innehalten könnte, so würden wir folgendes zu erwarten haben. *) E. Korschelt und K. Heider: Lehrbuch der vergleichenden Entwickelungsgeschichte der wirbellosen Thiere. Band II, Jena 1892 pag. 862, 367. 2) Herr Geheimrath Fr. Eilh. Schultze, dem ich für vielfache Belehrung bei dieser Studie zu grossem Danke verpflichtet bin, sprach in der Discussion obiger Ansichten den Gedanken aus, dass ihm namentlich die engen morphogenetischen Beziehungen zwischen den Segmental - Organen der Anneliden und der Nierenbildung der Verte- braten die Inversionstheorie annehmbar erscheinen Hessen. Im Verfolg derselben möchte er der Idee Ausdruck geben, dass möglicherweise die zunehmende Schwere einer Leber pelagisch schwimmende Wurmformen zu einer Umdrehung des Körpers veranlasst haben könnte. 56 Gesellschaft natur forschender FVeunde, Berlin. Die einzelnen metameren Gehirnbläschen würden sich selbständig anlegen wie etwa die oberen Schlundganglien der Anneliden und anscheinend auch noch der Arthro- poden, dann würden diejenigen des Grosshirus und Mittel - hirns durch seitliche, den Urmund umfassende Commissuren mit einander verschmelzen und schliesslich den Urmund so einschnüren, dass er nur als ein dünner Schlauch das Gehirn durchsetzte, aussen an der Edidyse austräte und immer an der Hypophyse in den Schlund einmündete. Das wäre das Bild, welches sich Owen von der Epiphyse und Hypophyse vorstellte. Aber ebensowenig wie dieses der Wirldichkeit entsprach (vergl. pag. 52) ebensowenig kann die ontogenetische Anlage eines hoch specialisirten Gehirnes in der angedeuteten Weise vor sich gehen. Zu der compli- cirtesten physiologischen Einheit verbunden legt es sich als ganzes an und zwar vom Rücken aus durch eine einheitliche Einstülpung. Nun legt sich anscheinend bei den Anneliden und den meisten Arthropoden der Mund etwa ebenso früh an wie das Kopfnervensystem. Wenn man sich aber die weitere Differenzirung des Gehirnes vorstellt und erwägt, dass Organe ontogenetisch um so früher und grösser angelegt werden, je feiner sie histologisch differenzirt werden sollen so erklärt sich, dass schliesslich ein Zeitpunkt eintrat, wo das Gehirn früher angelegt wurde als der Mund. Die damit eintretende Collision mit dem Urmund (Ml) konnte sich dann wohl nur in der Weise lösen, dass ent- weder der vom Darm vorwachsende Theil des Mundes sich in die Gehirnaulage von innen her eindrängte (Hypophyse) und die äussere Mundanlage beim medianen Zusammen- schluss des Schädeldaches eine Lücke als Epidyse hinterlässt (Normaltypus der Vertebraten). oder dass die Gehirnanlage bei sehr schwacher Ausbildung den Urmund umging und wie bei dem dabei unsymmetrisch gewordenen Amphioxns die Chorda nach sich zog und hier bis an die Spitze des Kopfes vorführte, oder dass schliesslich der Urmund sich als der stärkere erwies und die Gehirnanlage hinter sich zurückdrängte (Tunicaten cf. Fig. 11 C.). Sitzung vom 10. Februar 1903. 57 Die Hypodyse bezw. der Hypophysengang wäre danach der innere Theil des Urmundes, der sich am Gehirn gestaut hat. und an dieser Stelle nicht nur dauernd eine tiefe Ein- stülpung desselben bewirkte (Kopfbeiige). sondern auch im inneren Bau des Gehirnes und der Schädelkapsel eine Anzahl besonderer Gestaltungen hervorrief. Die Epiphyse liegt zwar auch auf einer Einschnürung des Gehirnes von oben her, ist aber selbst keine Ein- senkung. sondern der Hauptsache nach eine Ausstülpung des Hirndaches, die ich auffassen möchte als ein Rudiment von Nerven und Blutgefässen, die ursprünglich den Urmund und seine Organe versorgten. Das würde auch erlilären, dass sie bald als einzelne einfache Ausstülpung erscheint, bald wie bei den Cyclostomen in zwei Endorgane ausläuft, und zunächst noch Sinnesfunctioneu diente. Die Epidyse aber wäre der äussere Urmund selbst, der bei dem dorsalen Abschlüsse der Gehirnanlage stehen geblieben wäre. Es wäre in diesem Zusammenhang auch verständlich, dass gerade die primitivsten Wirbelthiertypen, zu denen ich aber weder Ämphioxus noch die Cyclostomen rechne, die Epidyse und Hypophyse am deutlichsten er- halten zeigen, und dass mit der Höhe der Organisation und besonders der Zunahme des Gehirns (vergl. die Tabelle pag. 54) die Rudimente des Urmundes mehr und mehr unterdrückt werden. Bei den Tunicaten legen sich bekanntlich wie bei den Wirbelthieren Rückenmark. Chorda und Darm in derselben Lagebeziehuug an. nur dass kein Vertebratenmund gegen die Kopfdarmhöhle von aussen einwächst, sondern diese sich vor dem Gehirn dorsal öffnet. Die Berührungsstelle des letzteren mit der Kopfdarmhöhle hat man schon mit der Hypophyse der Wirbelthiere in Parallele gebracht, aber die Beziehung wird meines Erachtens noch überzeugender, wenn man die ganze dorsale Ausmündung der Kopfdarm- höhle, die zu dem definitiven Munde der Tunicaten wird, als Hypophyse im obigen Sinne, d. h. als Urmund der Vertebraten betrachtet. Die hier angedeutete Auffassung würde nicht mit dem 58 Gesellschaft natur forschender Freunde, Berlin. nahe liegenden Bedenken coUidiren, dass eine Umdrehung des Articulatenkörpers und namentlich eine vorübergehende Schliessung des Mundes im erwachsenen Zustand schwer denkbar ist, in dem ich den Umbildungsprocess in Jugend- bezw. Larvenstadien verlegte. Sie würde die engen morpho- logischen Beziehungen zwischen Arthropoden und Wirbel- thieren erklären und für eine ganze Reihe von Räthseln des Wirbelthierschädels eine befriedigende Lösung bieten. Das sind die Gründe, weshalb icli das Interesse der Fach- genossen aufs Neue auf diese Fragen lenken wollte. Herr C. BÖRNER sprach über Mundgliedmaassen der Opisthogoneatd. Es ist heutzutage eine feststehende Thatsache, dass die Mundwerkzeuge der Crustaceen und der übrigen Arthro- poden (mit Ausschluss der Tardigrada, Linguatu ida und Fantopoda) dem Kaugeschäft angepasste Gangbeine sind. Auch ist man schon seit einiger Zeit zu der Ueberzeugung gelangt, dass es die Hüftglieder, die Coxen der Beine sind, welche hauptsächlich bei der Zerkleinerung und Aufnahme der Nahrung betheiligt sind, während die d'staleu Beiu- glieder meist zu Tast-, Geruchs- und Geschmacksorganen umgewandelt oder auch wohl rückgebildet worden sind. Das Studium der Gliederung der Laufbeine der Ate- locerata Heymons ') führte mich nun begreiflicher Weise auch dazu, eine Homologisirung der Mundbeinglieder mit denen der Laufbeine bei den opisthogoneaten Vertretern dieser Reihe anzustreben, und es sei mir dalier gestattet, bereits jetzt die wichtigsten Resultate hier vorläufig mitzu- theilen. Bei den Chilopoden haben schon Heymons-) und Vekhoeff^) diesen Weg betreten und letzterer sagt: .,dass ^) C. BÖRNEu: Ueber die Gliederung der Laufbeine der Atelocerata Heymons. Diese Zeitschrift, 1902, No. 9, pag. 205 — 229. -) R. Heymons: Entwicklungsgeschichte der Scolopender. Biblio- theca Zoologica, herausgegeb. von Chun, Leipzig, Bd. LXXX, 1901. ä) K. W. Verhoeff: Beiträge zur Kenntniss paläarktischer Myrio- poden, XVI. Aufsatz, Nova Acta d. Leop.-Carol. Deutsch. Akad. d. Naturforscher, Halle !90l. Sitzioig vo))t 10. Februar 1903. 59 man sich überhaupt einen schöneren Uebergang von Beinen zu Fressgliedern gar uicht denken kann und nur erstaunen muss über die Treue der Urkunden, die uns das Finden des geistigen Weges erleichtern." Bezüglich der Hexajjoden schreibt Heymons'): „Bei Lepisma zeigt es sich mit grosser Deutlichkeit, dass der Palpus maxillaris resp. labialis den distalen Gliedern eines Extremitätenstammes, also etwa dem eines Thoraxbeines, homolog ist. Das Basalstück einer Maxille, von dem der Palpus ausgeht, hat man dagegen dem Coxalabschnitt eines Beines gleichzusetzen. An diesem basalen oder coxalen Theil erheben sich später als Auswüchse die Lobi interni und externi." „An dem vordersten Kieferpaare, den Mandibeln, ist der gesammte distale Abschnitt des Ex- tremitäteustanimes überhaupt zu Grunde gegangen, und es hat sich nur ein allerdings um so grösseres und kräftigeres Coxalstück erhalten."-) Ebenso spricht Kolbe^) den „Stamm" der 1. Maxille sammt seinen Lobis als Coxa an. unrichtiger Weise bezeichnet er aber als „Schenkelring" den sogenannten „Tasterträger" des Maxillarpalpus, der jedoch nur eine Differeuzirung des „Stammes" und kein eigentliches Bein resp. Palpusglied ist. Hansen-) sieht da- gegen in den „Coxen" die Aequivalente des 2. und 3. „Stammgliedes" der Crustaceenbeine, eine Anschauung, die ich aus Gründen, welche später noch mitgetheilt werden sollen, nicht theilen kann. *) R. Heymons: Entwicklungsgeschichtliche Untersuchungen an Lepisma saccharina L. Zeitschr. f. Wissensch. Zool., Bd. I^XII, 4, 1898, pag. 621. ') Bei manchen Insekten kommen an den Mandibeln bewegliche Fortsätze vor (so z. B. bei russaUden und Staplujliniden unter den Coleopteren, vielleicht auch bei Ephcmeriden-havven); es scheint mir jedoch unmöglich, in diesen Reste von „Palpen" erblicken zu können, ■welche eine ganz andere Lage an der Mandibel haben müssten. Sie entsprechen jedenfalls der „Lacinia mobilis" H.'\nsen's, die bei vielen Crustaceen beobachtet wird, eine Ansicht, deren Urheber H. J. Hansen ist (cf. dessen Aufsatz: Zur Morphologie der Gliedmaassen und Mundtheile bei Crustaceen und Insekten. Zool. Anz., Bd. XVI, Xo. 420/421, §§ 18 und 47). *) H. J. Kolbe: p]inführung in die Kenntniss der Insekten. Berlin, 18ü;?, pag. 212. 60 Gesellschaft naturforschender Freunde, Berlin. Da die Mandibeln, wie gesagt, bei den Insekten und auch den Chilopoden echter „Palpen" ^) entbehren, so Ivanu ich sie hier schon aus meiner Darstellung ausschiessen; sie sind, wie es ja auch aus dem Citat von Heymons her- vorgeht, Coxalglieder, und Verhoeff befindet sich im Irrthum. wenn er verschiedene Differenzirungen derselben bei den Chilopoden (Cnjptops) als „ Fernorale'', „Tibiale" und „Tarsale" anspricht, ohne siah dabei der Anschauungen von Heymons und anderen Forschern, sowie der taster- tragenden Mandibeln zahlreicher Cnistaceen zu erinnern. Die beiden") Maxillenpaare liegen belvanntlich bei den Chilopoden hinter einander, so wie sie ursprünglich angelegt werden, und es bleiben auch an ihren Seiten Sternalstücke resp. Subcoxen erhalten. Diese Anordnung derselben ist bei einer Reihe von Hexapoden erhalten geblieben oder sekundär wieder entstanden, wie u. a. bei den cntotrophen Thysanuren, Collembolen, Rhynchoten und Siphunculaten (Pedicididae). Bei vielen anderen Hexapoden ist aber insofern bekanntlich eine Abänderung der ursprünglichen Lagerungsverhältnisse der beiden Maxillenpaare eingetreten, als das 2. Paar weiter nach vorn gewandert ist und dadurch die Hüft- glieder des 1. Paares auseinander getrieben hat, sodass die Grundglieder beider neben einander gelagert sind. Oft reichen sogar die 1. Maxillen weiter nach hinten als die zweiten. Mit der Vorwärts Verlagerung der letzteren geht eine Neubildung von hinter ihnen gelegenen Platten Hand in Hand, Platten, die als Mentum, Submeutum, Gula und Subgula etc. in der Entomologie bekannt sind. Heymons hat sich meines Wissens zuerst für den sekundären Charakter dieser Chitinstücke ausgesprochen. In ihnen die Sternite des 2. Maxillensegmentes zu erblicken, halte ich für ganz unmöglich, da bei einigen Insekten noch Reste ^) Palpus = Telopodit Verhoeff's. ') Aus praktischen Gründen lasse ich hier die viel umstrittenen „Maxillulen" (Hansen) oder „Superlin,s;ua" (Folsi)m), die von vielen Forschern mit nicht geringer Wahrscheinlichkeit als echtes Kieferpaar bei den Hexnyoden aufgefasst worden, ausser Betracht, zumal ts sich bei ihnen nur um Coxalreste handeln köinite. Sitzuru) vom 10. Februar 1903. (\\ eines Steruums zwischen den Hüften der hinteren Maud- füsse vorkommen (Fig. 1). ') Ich beginne meine Betrachtungen mit dem 2. Maxillen- paar. weiches für gewölmlich Unterlippe (Labium) ge- nannt wird, eine Bezeiclinung, welche aber meist nicht gerade sehr glücklich ist, da nicht jenes, sondern der Hypopharynx die der „Oberlippe" (Labrum) gegenüber liegende „Unterlippe" bildet, zwischen denen beiden sich der Eingang in den Pharynx befindet. Die Basalglieder hat man meist als „Stamm" oder „Palpiger" bezeichnet, um hier von dem. u. a. auch durch das bekannte Lehrbuch der Zoologie von R. Hertwig verbreiteten Terminus „Mentum" (Kinn) abzusehen, der sonst allgemein für die hinter dem „Stamm" gelegene Platte gebraucht wird. Für die Ghilopoden hat schon Verhoeff^) die Un- zweckraässigkeit dieser Ausdrücke betont nnd sie durch den Namen „ Coxosternum" ersetzt. Ich'') konnte jedoch zeigen, dass die Grundglieder der 2., wie auch der 1. Maxillen keine Coxosterna, sondern echte, stark ver- grösserte Coxae sind, die oft (immer?) noch ringförmig geschlossen sind und in der Mitte deutlich von einander getrennt sein können. Die Coxae sind bei den Ghilopoden durch die bekannte Hüftleiste ausgezeichnet, welche hier nach hinten convergent gerichtet sind (cf. Fig. 11 der sub •'') citirten Arbeit). Sie entbehren stets der Coxopodite (Kauladen), wodurch die Ghilopoden in deut- lichen Gegensalz zu den meisten Hexapoden treten, bei denen „labiale" Goxopodite die Regel sind und nur sekundär einer Rückbildung unterlegen sein können. — ') J. W. Folsom: The developpment of the niouthparts oi Anurida «?aro ;;ur Kciiiitniss curoiniistlicr Psociden. Silzuufj vüiii 10. Februar 1903. 65 köünen. Sie fehlen z. B. bei den Bhynclioten, Siplmn- culaten und zahlreichen Lepidopteren. Die Hüftglieder der 2. Maxilleu. das alte ,.Labiuin", sind nun nicht selten ganz mit einander verwachsen, sodass es zur Bildung eines unpaareu Stückes gekommen ist, welches sich von Sterniten aber fast immer durch seine hohlkörperartige Beschaffenheit unterscheidet. So liegen die Verhältnisse bei manchen Coleoptcren, Lepidopteren, Hymenopteren (speziell den Apiden), Dipteren, Puliciden, Pediculiden etc. Auch bei den EhpncJioten ist dies der Fall; während aber bei jenen Formen die „Palpen" ent- weder frei bleiben oder verloren gegangen sind, sind bei diesen auch die Palpenglieder mit einander zur Bildung des gegliederten Wanzenschnabels ver- wachsen. Am 4gliedrigen Rhynchotenrüssel haben wir offenbar Coxa, Trochanler, Femur und Tibiotarsus zu unterscheiden, und nur die Corixiden machen eine Aus- nahme, da man bei ihnen ausser dem „Labium" (den ver- schmolzenen Coxen) nur noch einen Igliedrigen Palpus beobachten kann (Fig 4). Diese Erklärung des Wanzen- schnabels, welche übrigens keineswegs neu ist, sondern sich schon bei F. Brauer^) angedeutet findet, stimmt nicht mit den Resultaten von Heymons-) überein, welcher sagt. „dass die bis jetzt vorliegenden Ergebnisse jedenfalls aber nur den Schluss gestatten, dass die Existenz von Palpi labiales bei den Heteropteren (und folglich bei allen Bhijnchoten), welche den Lippentastern kauender Insekten homolog sind, bisher wenigstens in keinem Falle mit Sicherheit erwiesen ist." Meiner Ansicht nach können wir aber keine andere Deutung für die Entstehung jenes Rüssels geben; so erklärt es sich auch, dass seine Spitze zweitheilig ist, und der mediane kleine Lappen, welcher bisweilen zwischen diesen Spitzen gefunden wird, ist nichts anderes als eine sekundäre Bildung der Ver- ') F. Brauer: Systematisch-zoologische Studien. Wien, 1885. 2) R. Heymons: Beiträge zur Morphologie und Entwicklungs- geschichte der Rhynchoten. Nova Acta, Bd. LXXIV, No. 3, 1899, pag. 410. 6ß Gesellschaft naturforschcnäcr Freunde, Berlin. waclisiingszone der Tibiütarsalglieder'). — Eine ähnliche Verschmelzung von Gliedern der „Labialpalpen" kommt auch bei Puliciden vor, eine Thatsache, welche die letzte mit Bezug auf die Bhynclioten gemachte Annahme noch mehr befestigt. Wie Fig. 5 zeigt, ist bei Pulex {serraticeps Gehv.) ausser den Coxen auch noch das folgende Glied der beiderseitigen Palpen verwachsen, während die distalen 3 Glieder noch frei sind. Ein^ Homologisiruug dieser Glieder wage ich nicht zu unternehmen, yielleicht ist das auf die Coxen folgende Glied ein Trochanterofemur (Trfe?). Einen anderen Punkt möchte ich hier aber noch einflechten, dass nämlich auch bei diesen Formen ein stabförmiges Mentum, das man bisher übersehen hat, vorkommt (m., Figur 5). Das I. Maxillenpaar bietet uns in mancher Hinsicht ein ganz anderes Bild dar. Bei den Chiloxjoden unterscheiden wir wieder 2 grosse, mit je 1 medianen Coxopoditen versehene, in der Median- linie des Körpers sich berührende Coxen, die auf der Hinter- (Unter-) seite zwischen dem Coxopodit und dem übrigen Theil ihrer Fläche noch die Reste der „Hüft- leiste" aufweisen können (cl. Fig. 10 der sub ') pag. 61 citirten Arbeit), ferner noch 2 Glieder, welche ich-) als Trochanterofemur und Tibiotarsus interpretirt habe. Verhoeff-'') hat auch hier die Coxen als Coxosternum auf- gefasst. während er das distale Glied gleichfalls Tibio- tarsus genannt hat. Ein Klauenglied fehlt, was im Hinblick auf das 2. Maxillenpaar der Chilopoden immerhin beachtens- werth ist. Bei den Ilcxapoden sind die Coxen und die „Taster" bei der 1. Maxille stets scharf von einander abgesetzt. Die Bestandtheile der Coxen sind allgemein als Stipes. Lobus internus und externus (resp. Lacinia und ^) Bezüglich der Deutung der von Leon (vcrschiedone Aufsätze über Labialtaster bei den Hemipteren) beschriebenen Labialtastor der Wiynchota verweise ich auf die in der vorhergehenden Anmerkung citirte Arbeit von IIf.ymons. ^) cf. die sub ^) pag. 61 citirte Arbeit. ^) cf. die sub ^) pag. .58 citirte Arbeit. Sitzimscheinung als eine Versteifungseinrichtung des lauggestreckten Trochanters auf. Verhoeff hält nun dieses proximale Stück des Trochanters für ein selbständiges Glied und glaubt es dem Trochanter der Chilopoden homolog setzen zu müssen, weil auf dasselbe die von ihi ') Kakl W. Verhoeff: Ueber Tracheaten -Beine. 2. Aufsatz: Trochanter und Praefemur. Zool. Anz., XXVI, pag. 205. ') F. Dahl, Beiträge zur Kenntniss des Baues und der F'unctionen der Inselvtenbeine. Inaugural-Dissertation. Kiel 1884. *) C. Börner: Kritische Bemerkungen über einige vergleichend morphologische Untersuchungen K. W. Verhoeff's. Zool. Anz., No. 695, 1903. 76 Gesellschaft naturforschender Freunde, Berlin. Definition anwendbar ist. Das distale Ende des Trochanters wird zu Gunsten der alten gebräuchlichen Nomenclatur Praefemur genannt. Es lässt sich jedoch nachweisen, dass Vekhoeff's Definition in dem zweiten, die Muskulatur be- treffenden Punkte irrthüralich ist und dass nicht nur das proximale Ende des Odonatentrochauters, sondern das ganze bisher so bezeichnete "Glied dem Trochauter der Chilopoden homolog ist. Vor Kurzem hat Börner^) auf Grund einer ver- gleichend morphologischen Untersuchung die Homologie der Beingliederuug der Chilopoden und Insekten nach- gewiesen, indem er die Tollkommene Identität der Muskeln und Gelenke feststellte. Einer der wichtigsten Beweis- gründe war, dass er im Trochanter von Geojjhilus illyricus den bisher bei Chilopoden nicht bekannten Remotor femoris auffand. Ich konnte mich sowohl au Börner's Praeparaten von Geopliilus iUyriciis, wie auch bei mehreren anderen Geophiliden^) von der Richtigkeit dieser Beobachtung ül)er- zeugen. So fand ich bei Gcophüus carpopltagus (Fig. 1) den Remotor femoris sehr deutlich ausgebildet. Am Grunde des Trochanters entspringen auf der hinteren Seite des Gliedes zwei dicht unter der Oberfläche verlaufende breite Muskelbündel (Rem. fe.), von denen das eine sich an den Grund des Femur anheftet, während das andere eine kurze Strecke in das Femur hineingeht. Zwei schwächere Muskel- bündel in der Nähe der Remotores femoris entspringend, heften sich als Remotores tibiae an den Grund der Tibia (Fig. 1 Rem. ti.). Noch viel deutlicher ist der Remotor femoris bei Himantarium ausgebildet, wo er gleich dem Remotor femoris bei den Insekten eine bedeutende Grösse erreicht. Der Trochanter der Chilopoden entbehrt also nicht einer eigenen Muskulatur, sondern wir finden in demselben bei Geophiliden einen Remotor femoris. wie bei den Insekten. Es ist also bei den letzteren ein dem ') C. Börner: Die Gliederung der Laufbeine der Atelocerata Heymons'. Sitz.-Ber. Ges. naturf. Freunde Berlin, 1903, No.9, pag. 2Ü5. ') Herr Dr. Yerhoeff unterstützte mich in liebenswürdigster Weise mit Material, wofür ich ihm auch an dieser Stelle meinen ver- bindlichsten Dank aussprechen möchte. Sitzung vom 10. Fchruar 1903. 77 Trochanter der Chilopoden entsprechendes Glied vorhanden. Da dasselbe genau au derselben Stelle (zwischen Coxa und Femur) liegt wie der Trochanter der Chilopoden, so ist es folgerichtig demselben gleichzusetzen und es muss daher die bei den Insekten für das fragliche Glied bereits ge- bräuchliche Bezeichnung „Trochanter" beibehalten werden. Beachtet man ferner noch, dass die Gelenke, Coxo- Trochanteral - Gelenk, Trochantero - Femoral - Gelenk und Femoro-Tibial- (Knie-)Gelenk bei Chilopoden und Insekten Yollkommen gleichen Bau und gleiche Lage aufweisen (was bereits durch Böunek ') gezeigt wurde), so muss die Homo- logie der Beingliederung bei Chilopoden und Insekten als ausser Frage stehend erscheinen. Bei den Odonaten finden wir nun, dass der Remotor femoris in dem Yon Veiuioeff als Praefemur bezeichneten Stück des Trochanters sitzt. Ferner haben wir am Ende des Praefemur das Trochantero -Femoral -Gelenk und am Ende des darauf folgenden Gliedes das typische Kniegelenk. Zwischen Trochanter (im Sinne Veuhokff's) und Praefemur dagegen ist weder eine Verbinduugshaut noch ein Gelenk Yorhanden-). Aus diesen Gründen müssen wir das ganze zwischen Coxa und Femur liegende Stück als einheitliches Glied und zwar als Trochanter auffassen, d. h. das Glied muss seinen bisherigen Namen behalten. Will man das vordere abgesetzte Ende des Trochanters trotzdem als „Glied" interpretiren, so kann man es nicht als ein pri- märes, sondern nur als sekundär vom Trochanter abge- schnürtes Glied auffassen. Indessen scheint mir eine andere Auslegung mehr Wahrscheinlichkeit für sich zu haben. Bei erwachsenen Odonaten kann man sich leicht davon überzeugen, dass die ') Siehe Fussnoto ') auf pag. 75. ') Yerhoeff erwähnt allerdings bei Agrion hastulatum zwischen Trochanter und Praefemur sowohl eine Zw;ischenhaut wie auch ein Gelenk. Ich konnte bei keinem Odonat, auch nicht bei Larven, eine Zwischenhaut finden und glaube, dass Verhoeff irrthümlich helle Stellen im Chitin für eine solche gehalten hat. Das von Verhoeff beschriebene Gelenk halte ich für den optischen Durchschnitt einer der gleich zu erwähnenden Verdickungsleisten. 2t 78 Gesellschaft natwforschender Freunde, Berlin. EmschnüruDg des Trochanters durch eine starke Chitiol eiste Yerursacht wird, welche ringförmig um die Innenfläche des Gliedes herumläuft. Besonders bei optischen Durchschnitts- bildern sieht man deutlich, dass es sich um Chitinleisten handelt (Fig. 2 u. 3. Die optischen Schnitte der Chinin- leisten sind schwarz punktirt eingezeichnet.) An den seit- lichen Grenzlinien des Trochanters sieht man, dass keine eigentliche Furche vorhanden ist, wie sie sich sonst bei verwachsenen Gliedern findet, sondern nur eine Ein- schnürung, über welche sich das Chitin der Aussenseite ununterbrochen fortsetzt. Fig. 2 u. 3 zeigen diese Verhält- nisse bei Ägrion. Fig. 2 stellt den Trochanter desselben Beines von vorn. Fig. 3 von hinten gesehen dar. (Fig. 3 ist von der falschen Seite durchgepaust). Die ringförmige Leiste verästelt sich mehrfach und .^chliesst weniger stark chitinisirte Stellen ein, welche gewöhnlich dicht mit Hautporen besetzt sind. ') Ausser der ringförmigen Leiste sind am Trochanter noch weitere Chitinleisten vorhanden. Der vordere Piand ist ebenfalls stark verdickt und auf der äusseren Seite zieht eine Leiste nach der Gelenkpfanne des Trochanters (Fig. 2). Weiter bemerkt man am distalen Rande des Trochanters eine starke Randleiste, welche eine zweite Leiste nach dem Hinterrande entsendet (Fig. 2). Die hier für Agrion geschilderten Verhältnisse kehren bei allen erwachsenen Odonaten mit unwesentlichen Unter- schieden wieder. Caloptcryx verhält sich wie Agrion. Bei Aeschniden, Gomphiden und Lihdlididen fallen die Ver- dickungsleisten durch ihre besonders starke Ausbildung auf. Die meisten älteren Odonatenlarven lassen schon dieselben Verhältnisse erkennen wie die Imagines. Bei Calopteryyidcn, Aeschniden und Lihelluliden wird die Einschnürung des Trochanters ebenfalls schon durch Verdickungsleisten ver- ') Verhoeff beschreibt diese Hautporen als „Gelenkdrüsen" und giebt an, dass sie in der zwischen Trochanter und Praefemur übrig gebliebenen Gelenkhaut liegen. Wie jedoch vorhin erwähnt wurde, ist eine Gelenkhaut an dieser Stelle nicht vorhanden und ausserdem kommen Gelenkdrüsen meines Wissens bei Arthropoden im Allgemeinen nicht in der Verbindungshaut zwischen zwei Gelenken vor, sondern immer nur auf der chitinirten Oberfläche der Glieder. Wenn sie aber in der Gelenkhaut vorkommen, so münden sie immer auf besonderen Chitinplättchen. Sitzung vom 10. Februar 1903. 79 ursacht, welche jedoch noch nicht so stark ausgebildet sind wie bei den Imagines. Die letztere Thatsache spricht jedenfalls auch nicht dafür, dass das vordere Stück des Trochanters ein primäres Glied ist. Nur bei Agrioniden- Larven und ganz jungen Larven der übrigen Familien finden wir anstatt der Verdickuogsleisten eine ring- förmige Furche, sodass das vordere Stück des Trochanters hierdurch deutlich abgesetzt erscheint (Fig. 4). Da aber weder eine Zwischeuhaut noch ein Gelenk vorhanden ist, so wird man auch hier, bei Beachtung der Muskel- und Gelenkverhältnisse, das proximale Stück des Trochanters, wenn man es als Glied auffassen will, als ursprünglich zum Trochanter gehörig und erst sekundär von demselben abgeschnürt betrachten müssen. Am Trochanter verschiedener Orthopteren sowie bei IMachilis kommen ähnliche Verhältnisse wie die oben für die Odonaten beschriebenen vor, welche Verhoeff eben- falls schon erwähnt und in seinem Sinne gedeutet hat. Ich konnte selbst verschiedene Formen auf diese Verhält- nisse untersuchen und bin der Ueberzeugung, dass es sich ebenso wie bei den Odonaten um Verstärkungsleisten des Chitins handelt. Bei Phyllodromia germanica (Fig. 5) be- merkt man auf dem Trochanter zwischen den Gelenkhöckern ein ziemlich complicirtes System von Chitinleisten '), welches sich nach dem proximalen Ende des Trochanters zu in eine starke vorspringende Leiste fortsetzt, durch die der vorderste Theil des Trochanters ebenfalls abgesetzt er- scheint. Eine weniger starke Chitinleiste, ebenfalls von dem erwähnten Leistensystem ausgehend. Am Trochanter der Larve von JDijüscus fand ich, ähn- lich wie bei Odonaten, auch eine durch eine ringförmige Chitinleiste bedingte Einschnürung. Auch Machilis zeigt ähnliche Verhältnisse und wurde deshalb von Verhoeff zu den Insekten mit echtem Trochanter (in Verhoeff's Sinne) gerechnet. Hier ist auf dem Trochanter eine sehr starke Verdickuugsleiste vor- ') Ein von der Coxa ausgehender breiter lappenfönniger Fortsatz legt sich über diese Leisten und verdeckt sie, weshalb er in der Figur durchsichtig gezeichnet ist. 80 Gesellschaft nahirforschcnder Frcmide, Berlin. banden (Fig. 6, Vdl), welche nach dem Condylus des Coxo- Trochanteral- Gelenkes geht und dann dem Rande des Trochanters folgt. Der optische Durchschnitt (Fig. 7, Vdl) zeigt deutlich, dass es sich nur um eine starke, ins Innere vorspringende Verdickungsleiste des Chitins handelt und dass hier nicht einmal, wie etwa bei Odonaten, eine nennens- werthe Einschnürung vorhanden ist. Die Trochanterleiste von Machilis ist übrigens nichl zu homologisiren mit der ringförmigen Leiste der Odonaten, welche sich an einer ganz anderen Stelle befindet. Sie entspricht vielmehr der Leiste, welche bei den Odonaten vom vorderen äusseren Ende des Trochanters zum Condylus des Coxo-Trochanteral- Gelenkes läuft. Die Leiste von Machilis lässt sich daher auch nicht in demselben Sinne als Grenzlinie eines Gliedes auslegen, wie die ringförmige Leiste der Odonaten. ^) Es fragt sich nun, welche Bedeutung den auf dem Trochanter von allen Odonaten (mit Ausnahme der jungen Larven) befindlichen Verdickungsleisten zukommt. Zum Vergleich lassen sich ähnliche Fälle bei anderen Myriopoden- und Insektenbeingliederu heranziehen. Sowohl bei Myriopoden wie bei Insekten sind gewöhnlich auf den Coxen hervortretende Chitinleisten vorhanden, welche zu den Gelenkhöckern hinziehen (Fig. 2, 5, 6). Die Bedeutung derselben kann hier nicht zweifelhaft sein: sie dienen, wie seit langem bekannt ist, zur Stütze der Gelenke und zur *) An dieser Stelle möchte ich noch mit einigen Worten auf die eigenartigen Miiskelverhilltnisse des Trochanters von 3Iachilis eingehen. Wie BÖKNER kürzlich nachgewiesen hat, besitzt 3Iachilis einen doppelten Levator trochanteris (Fig. 7), einen vorderen (h tro.) und einen hinteren (htro.). Vkrhoeff bildet in seinem letzten Aufsatz nur den hinteren dieser beiden Muskeln ab; in seiner früheren Arbeit (siehe Fussnote ') auf pag. 73) dagegen bildet er nur den vorderen Levator ab, und zwar den proximalen Theil, während Sehne und Insertionsstelle nicht ge- zeichnet sind. Das Eigenthümjiche dieser Muskeln ist, dass sie nicht an der gewöhnlichen Stelle, am vorderen oberen Rande des Trochanter sich anheften, sondern durch den Trochanter hindurch nach der andern Seite desselben gehen (Fig. 7). An der Stelle, an welcher der Levator trochanteris sich ansetzen sollte, findet sich nur ein kleines, aus wenigen Fasern bestehendes Muskelbündel, das sich in der Z^vischenhaut zwischen Coxa und Trochanter anheftet (Fig. 7 1: a tro.). In diesem schwachen Muskelbündel, welches von Börner übersehen wurde, haben wir jedenfalls den Rest des ursprünglich hier sich ansetzenden vorderen Levator trochanteris zu erblicken. Sitznnij vom 10. Februar 1903. gl VersteifuDg der Glieder. Den am proximalen und distalen Rande des Trochanters vorhandenen und den zu den Ge- lenkhöckern des Trochanters ziehenden Leisten (Fig. 2, 5, 7) kommt zweifelsohne dieselbe Bedeutung zu und es ist sehr wahrscheinlich, dass auch die Ringleiste der Odonaten zur Versteifung und Festigung des Trochanters beizutragen be- stimmt ist. Die Thatsache, dass sie sich mehrfach ver- zweigt und seitliche Aeste absendet (Fig. 2 u. 3) scheint mir jedenfalls zu Gunsten dieser Annahme zu sprechen. Wenn es sich um die Verwachsungsstelle zweier Glieder handelte, würden wir wahrscheinlich keine verästelte Chitin- leiste, sondern eine einfache Furche finden, wie auch bei andern verwachsenen Gliedern. Ringförmige Leisten finden sich übrigens auch noch an anderen Boingliedern, z. B. bei Odonaten und Blattiden am vorderen Ende der Tibia. Plier wird, ähnlich wie am Trochanter der Odonaten durch eine um die Tibia herum- laufende Verdickungsleiste ein keilförmiges Stück abge- schnürt. Man wäre daher auch hier berechtigt, das proxi- male Schuürstück der Tibia als besonderes Glied aufzu- fassen. Noch auffälliger als die eben erwähnten Formen verhält sich in dieser Beziehung Machilis. Hier ist am ersten Maxillartaster das proximale Ende der Tibia durch eine deutliche Furche vom distalen Ende abgeschnürt (Fig. 8). Eine Chitinleiste ist nicht vorhanden. Wir haben hier genau dieselben Verhältnisse wie sie oben für die jungen Odonaten- larven beschrieben wurden. Will man mit Bezug auf die- selben bei den Odonaten den vorderen Theil des Trochanters als Glied auffassen, so muss man auch das vordere Ende der Tibia bei Machilis, Odonaten und Blattiden als solches interpretiren. Diese Auffassung scheint mir jedoch wenig Wahrscheinlichkeit für sich zu haben, da an derselben Stelle, wo früher die Furche vorhanden war, später einfache Ver- dickungslelsten auftreten, welche aus den oben besprochenen Gründen nicht als Gliedgrenze gelten können. Ich halte es vielmehr für das Wahrscheinlichste, dass die ringförmigen Verdickungsleisten, wo sie an Beingliedern von Insekten vorkommen, ebenso wie andere Leisten zur Festigung und Versteifung des betreffenden Gliedes dienen. 82 Gesellschaft naturforschender Freunde, Berlin. Figurenerklärung, Allgemeine Bezeiclmuug-eu. Co — Coxa. Fe = Femur. h tro =r vorderer Levator des Trochanter. lia tro ^z .) )) )7 ^^ I2 tro — hinterer „ „ ^j Rem. fe. := Reinotor femoris. Rem. ti. z= Remotor tibiae. Ti — Tibia. Tro zzz Trochanter. Vdl = Verdickungslciste. Fig. 1. Geophilns carpophagus. Optischer Schnitt durch Trochantei und Femur, um die Remotores femoris und tibiae zu zeigen. Y\g. 2 u. 3. Afjrion sp. Trochanter von vorn (Fig. 2) und von hinten (Fig. 3). Fig. 4. Trochanter einer Larve von A(jrion. Fig. 5. Trochanter von Fliyllodromia (jermanica mit seinen Chitinleisten. Fig. 6. Trochanter von M<(chilis sp. Fig. 7. Machilis sp. Coxa und vorderes Ende des Trochanters im optischen Durchschnitt. Vdl = Chitinleiste. Fig. 8. Machilis sp. Hinteres Ende des Femur und vorderes Ende der Tibia des ersten Maxillartasters. Das vorderste Ende der Tibia ist durch eine Furche abgeschnürt. Herr Karl W. Verhoeff sprach über Tracheat en-Beine, 3. Aufsatz: Frogoneata. Im ersten Aufsätze, welcheu'ich über Tracheaten-') Beine veröffentlichte (vergl. Nova Acta d. L. K. Aitad. deutscher Naturforscher, Halle 1902), habe ich die Opistho- goneata für sich behandelt, ohne Berücksichtigung der Progoncata. Das geschah mit vollster Absicht und schon damals in dem Bewusstsein. dass die Beine der Opistho- goneata und Frogoneata in ihrer Gliederung und Musku- latur nicht homolog sind. Nachdem ich an anderer Stelle meine Untersuchungen über die Beine der Opisthogoneata fortgesetzt habe^j, soll es meine jetzige Aufgabe sein, den Laufbeinen der Frogoneata näher zu treten. Einzelne ^) Ich gebrauche den Begriff Traclieata im Sinne von Äntcnnatn! *) Vergl. im Zoolog. Anzeiger meinen 2. Aufsatz über Tracheaten- Beine, ]9U3, No. 692, und eine weitere Arbeit, welche voraussichtlich in den Nova Acta, Halle 1903, erscheint. Dort habe ich auch, so weit die Opisthogo7ieata in IBetracht kommen, Stellung genommen zu dem Aufsatz Börneu's in No. 9, 1902, dieser Zeitschrift: „Die Gliederung der Laufbeine der Atelucevata.^^ SitzwKj vom 10. Februar 1903. 83 MittheiluDgeu zu diesem Thema habe ich schon in früheren Jahren gemacht'), auch standen mir schon seit längeren Jahren hunderte von Präparaten zur Vorfügung, die auch auf dieses Thema Bezug haben und welche in den letzten Jahren sich noch vermehrten, sodass der Wunsch nach einer Zusammenfassung immer dringender wurde, zumal diese Verhältnisse nicht nur an und für sich sehr wichtig sind für vergleichende Morphologie sowohl, als auch Phylogenie und Systematik, sondern auch besonders für die grosse Menge metamciphosirler Segmentanhänge, namentlich bei Diplopoden. Einen Theil dieses Themas, nämlich die Charakterisirung der Hüften und die Unter- scheidung von Coxiten und Telopoditen habe ich bereits im Wesentlichen erledigt, worüber sich viele IMittheilungen in meinen Schriften über Diplopoden zerstreut finden. Am Grunde der Hüften giebt es sehr charakteristische Kreuzungsmuskeln, (die ich mehrfach erörtert und ab- gebildet habe-) d.h. solche schräge Muskeln, welche von der Tracheentasche (oder andern Rumpfstützpunkten) einer der durch die Sagittalebeue getrennten Hälften eines Rumpfsegmentes ausgehend sich an den Grund der Hüfte der andern Segmenthälfte befestigen (und bei dieser um- gekehrt). Die Hüften der Progoneata sind also solche Grundglieder der Beine, welche am Grunde von den Kreuzungsmuskeln bedient werden und ent- weder unmittelbar an das zugehörige Sternit stnssen oder sogar meist ganz in demselben ein- gelenkt oder befestigt sitzen. Dies war bisher bereits geklärt worden, wenn auch noch nicht ganz in diesem Wortlaut ausgedrückt. Jetzt aber handelt es sich um eine genaue Klarstellung der einzelnen Telopoditglieder und eine der bestimmten Klar- *) Vergl.: „Ein Beitrag zm- Kenntniss der Glomenden", Verh. d. nat. Ver. f. Rheinl. u. Westfalen, 1895, Diplopoden aus Bosnien u. s. w., Y. Teil, Archiv f. Naturgesch., .1898 (namentlich Polyzonium) u. a. a. Stellen. ') Vergl. z. B. den VIII. Aufsatz meiner „Beiträge zur Kenntniss pal. Myriopoden", Archiv f. Nat., 1899. 84 Gesellschaft nahirf orscheyider Freunde, Berlin. Stellung entsprechende Nomenklatur, die sich so weit als möglich mit der der Opisthoyoneata, decken soll. Dass die Muskulatur für die Bestimmung der Telopodit- glieder bei den Opisthoyoncata entscheidend ist, habe ich im 1., 2., 4. und 5. Aufsatze ausgeführt, wir werden sehen, dass ihr diese ausschlaggebende Rolle auch bei den Progoneata zukommt. Im4.und5. Aufsatz überTracheaten-Beine werde ich zeigen, dass wir drei grosse Gruppen von Beinmuskeln in ver- gleichend-morphologischer (und auch physiologischer) Hin- sicht zu unterscheiden haben, nämlich I. Krallenmuskeln, n. indirecte Wandmuskeln oder Brückenmuskeln und III. directe Wandmuskeln oder kurz directe Muskeln. Diese drei Gruppen treffen wir auch bei den Pro- goneaten an: I. Die Kralleumuskeln entsprechen durchaus denen der Opisthogoneata, sind aber höchstens in drei Bein- gliedern vertreten, in drei Gliedern z. B. bei Volijsonium (Abb. 4) und Fohjxenus^) (Abb. 8), in zwei Gliedern — was auch bei den Progoneata ein sehr häufiger Fall ist — z. B. in den Fällen, welche die beigegebenen Ab- bildungen 1, 11, 12 und 15 vorführen. Zahlreich aber treffen wir ausserdem Beine mit nur einem Krallenmuskel, wie anbei die Abbildungen 2, 3, 5, 9. 10 und 14 zeigen. Besonders beachtenswerth ist ferner, dass bei ein und derselben Form eine Verschiedenheit in der Zahl der Krallenmuskeln beobachtet werden kann, so z.B. bei Folyzonhim (Abb. 3 und 4). wobei aber zu betonen ist, dass dieser Unterschied sich zwischen den beiden vordersten Laufbeinpaaren einerseits und den übrigen Beinen andererseits findet. II. Die Brück enmuskelu sind (wie auch bei den Opisthogoneata), die für die Bestimmung der Beinglieder wichtigsten. Gerade sie sind es zugleich, welche in auf- fallender und beständiger Weise eine von den Opistlio- *) Für diese Gattung hat sie Börner a, a. 0., No. 9, pair. 2)7, lichtig angegeben. Sitzuny vom 10. Februar 1903. 85 goneata abweichende Vertheilung zeigen. Ich unter- scheide wie dort grund- und endwärtige Brückenmuskeln. a) gruQdwärtige Brückenmuskeln (proximale) sind mir fünf (sieben) bekannt geworden, von denen drei (b. bl und b 11) aus der Hüfte entspriagen und sich durch die Hüfte, das (wenn es vorhanden ist) kleine schmale erste Telopoditglied, (das keine directen Muskeln besitzt) und das erste grössere Telopoditglied (welches fast immer directe Muskeln besitzt) erstrecken und sich am Grunde des zweiten grösseren Telopoditgliedes befestigen. Der vierte Muskel (br Abb. 6) fehlt meistens, hat denselben Verlauf wie die drei vorigen, kommt aber schon aus dem Rumpfe (Steniit). Der fünfte Muskel (b 2 Abb. 7) hat denselben Verlauf wie die drei ersten, zieht aber noch um ein Glied weiter, also an den Grund des dritten grösseren Telopoditgliedes. Ausserdem giebt es noch zwei grund- wärtige Brückenmuskeln (coxotrochanterale), welche hier und da vorkommen, welche aber nur bis an den Grund des ersten grösseren Telopoditgliedes gelangen und von denen der eine (tm Abb. 7 bei Folyxenus) von der Hüft- leiste L entspringt, der andere bei Folysonitim entweder vom Sternitrande (tm 1 Abb. 4) oder dem Sternitknoten k (cm Abb. 3). b) Endwärtige Brückenmuskeln (distale) giebt es drei, welche in der Folge von grund- nach endvvärts hinter einander liegen und von denen der erste b 3 und dritte b 4 zw-ei Glieder durchziehen, der mittlere b 44 aber drei Glieder. Der grundwärtigste b 3 derselben drei Muskeln liegt im zweiten und dritten grösseren Telopodit- glied (den kleinen Trochanter ohne directe Muskeln abge- rechnet), der endwärtigste b 4 im dritten und vierten Telopoditglied und der mittlere b 44 im zweiten, dritten und vierten grösseren Telopoditglied. Die drei grundwärtigen, hcäufigsten Brücken- muskeln, welche die Hüfte, den kleinen Trochanter und das erste grössere Telopoditglied durchziehen und am Grunde dos zweiten sich anheften, liegen also vollkommen proximalwärts von den end- 3(3 Gesellschaft nafurforschender Freunde^ Berlin. wärtigen Briickenmuskeln, d. h. nicht mit ihnen in einem Gliede neben einander, was ein wichtiger Unter- schied ist von den Opistlio(joneata, wo das grundwärtige der von den grossen distalen Brücl\enniuske]n durchzogenen beiden Glieder zugleich das endwärtigste Glied ist der von den grundwärtigen Brückenmuskeln durchzogenen Glieder. Mit andern Worten: Bei den Opisthogoncata greifen griind- und endwärtige Brückenmuskeln im Bereiche eines Gliedes (und zwar des Praefemur) über einander weg, während bei den Frogoneata die endwärtigen Brücken- muskeln vollkommen distal hinter den grundwärtigen liegen (ausgenommen den selten vorkommenden Muskel b 2, der aber vier Glieder durchzieht und aus der Coxa stammt, übrigens neben den andern grundwärtigen Brücken- muskeln vorkommt). Die endwärtigen Brückenmuskeln bieten uns aber noch ein anderes Verhalten, was den Opisthogoncata gegenüber einen wichtigen Unterschied darstellt, nämlich die schon erwähnte Lage hinter einander, während sie bei den Opisthogoncata neben einander vorkommen. Während also der grosse (endwärtige) Brückenmuskel der Opistho- goncata m den beiden Gliedern proximal vor dem den letzten (endwärtigsten) Krallenmuskel enthaltenden Gliede liegt, giebt es bei den Progoneata einen solchen Muskel zwar auch und das ist b 3 [der grundwärtigste der end- wärtigen Brückenmuskeln], aber die beiden andern, weiter end wärts liegenden b 4 und b 44 fehlen den Hexapoda durchgehends, den Chilopoda wenigstens b 44. Was die Verbreitung der Brückenmuskeln angeht, so kommen wir im Allgemeinen zu einem sehr ähnlichen Ergebniss wie bei den Opisthogoncata, indem nämlich die Brückenmuskeln im Allgemeinen um so mehr verschwinden, je abgeleiteter die betreffende Gruppe ist. Die niedrig stehenden Folyxcnus z. B. besitzen fünf Brückenmuskeln, die Poly^onium vier bis fünf, die Lysiopetaliden, welche Grundlagen für verschiedene derivatere Gruppen bieten, haben sogar bis sechs Brücken- Sitzmuj vom. 10. Februar 1903. 87' muskeln, Craspedosomideu häufig vier, Pauropodeii drei bis vier, dagegen Polydesiniden drei und oft nur zwei. Juliden nur zwei. Noch deutlicher werden diese Gegensätze, wenn wir allein die grund wärtigen Brücken- muskeln ins Auge fassen, da es besonders diese sind, welche bei den höheren Gruppen wegfallen, es haben nämlich an diesen die Polyxeniden 4, Lysiopetaliden 2 — 3, Polyzoniiden 2—3, Craspedosomideu 1—3, Paui'opoden 2. Glomeriden 1, Polydesmiden — 1, Juliden 0. III. Die directen Muskeln treten in sehr ver- schiedener Anzahl auf. sind auch niemals alle zugleich bei einer bestimmten Form anzutreffen. Ganz allgemein gültig jedoch ist ihr Fehlen im letzten Gliede und im ersten des Telopodit. vorausgesetzt, dass dies ein schmaler Ring ist und zugleich drei seitliche Ge- lenkknöpfe vorkommen (vergl. Abb. 1 und 7) (fehlt der schmale Eing, so kommen nur zwei seitliche Gelenkknöpfe vor). Die Hüfte enthält stets wenigstens zwei directe Muskeln, welche sich an den Grund des ersten grösseren Telopoditgliedes heften und hier nicht als Brückenmuskeln aufgeführt werden, weil das kleine Ringglied häufig fehlt. Im Telopodit können dann weiterhin vier Segmeute directer Muskeln vorkommen, von denen das letzte (welches sich also im vorletzten Gliede befindet) selten vorkommt. Auch das vom Grunde aus dritte Segment directer Telo- poditmuskeln (das übrigens von mir nur rückenwärts d. h. als Extevsor angetroffen worden ist) kommt nicht häufig vor, wurde anbei aber in Abb. 10 von Stroncjulosoma und AUopauropiis abgebildet. Die directen Muskeln des ersten und zweiten grösseren Telopoditgliedes (prf und fe) sind fast immer gut ausgebildet, oft sowohl Extensoren als auch Flexoren, oft auch nur einer von beiden, während im ersten dieser beiden Glieder noch ein seitlicher Muskel vorkommen kann^) (Folydenms). An den beiden vordersten Bein- ^) Von I*(»RMEK i'iclitig nachgewiesen bei iUyriciis Verh. gß Gesellschaft naf urforschender Freunde, Berlin. wältigen Briickenmuskeln, d. h. nicht mit ihnen in einem Gliede neben einander, was ein wichtiger Unter- schied ist von den Opisthogoneata, wo das grundwärtige der von den grossen distalen Briickenmuskeln durchzogenen beiden Glieder zugleich das endwärtigste Glied ist der von den grundwärtigen Briickenmuskeln durchzogenen Glieder. Mit andern Worten: Bei den Oxnsthogoncata greifen grund- und endwärtige Briickenmuskeln im Bereiche eines Gliedes (und zwar des Praefemur) über einander weg, während bei den Progoncata die endwärtigen Brücken- muskeln vollkommen distal hinter den grundwärtigen liegen (ausgenommen den selten vorkommenden Muskel b 2, der aber vier Glieder durchzieht und aus der Coxa stammt, übrigens neben den andern grundwärtigen Brücken- muskeln vorkommt). Die endwärtigen Brückenmuskeln bieten uns aber noch ein anderes Verhalten, was den Opisthogoneaia gegenüber einen wichtigen Unterschied darstellt, nämlich die schon erwähnte Lage hinter einander, während sie bei den Opisthogoneata neben einander vorkommen. Während also der grosse (endwärtige) Brückenrauskel der Opistho- goneata in den beiden Gliedern proximal vor dem den letzten (endwärtigsten) Krallenmuskel enthaltenden Gliede liegt, giebt es bei den Progoncata einen solchen Muskel zwar auch und das ist b 3 [der grundwärtigste der end- wärtigen Brückenmuskeln], aber die beiden andern, weiter endw'ärts liegenden b4 und b 44 fehlen den Hexapoda durchgehends, den Chilopoda wenigstens b 44. Was die Verbreitung der Brückenmuskeln angeht, so kommen wir im Allgemeinen zu einem sehr ähnlichen Ergebniss wie bei den Opisthogoneata, indem nämlich die Brückenmuskeln im Allgemeinen um so mehr verschwinden, je abgeleiteter die betreffende Gruppe ist. Die niedrig stehenden PoJgxcnus z. B. besitzen fünf Brückenmuskeln, die Polysonium vier bis fünf, die Lysiopetaliden, welche Grundlagen für verschiedene derivatere Gruppen bieten, haben sogar bis sechs Brücken- SitZH)i(j rotit 10. Februar 1903. gj. muskeln, Craspedosomiden häufig vier, Pauropodeu drei bis vier, dagegen Polydesmiden drei und oft nur zwei. Juliden nur zwei. Noch deutlicher werden diese Gegensätze, wenn wir allein die grund wärtigen Brücken- muskeln ins Auge fassen, da es besonders diese sind, welche bei den höheren Gruppen wegfallen, es haben nämlich an diesen die Polyxeniden 4, Lysiopetaliden 2 — 3, Folyzoniiden 2—3, Craspedosomiden 1—3. Pauropoden 2, Glomeriden 1, Polydesmiden — 1, Juliden 0. III. Die directen Muskeln treten in sehr ver- schiedener Anzahl auf. sind auch niemals alle zugleich bei einer bestimmten Form anzutreffen. Ganz allgemein gültig jedoch ist ihr Fehlen im letzteu Gliede und im ersten des Telopodit. vorausgesetzt, dass dies ein schmaler Ring ist und zugleich drei seitliche Ge- lenkknöpfe vorkommen (vergi. Abb. 1 und 7) (fehlt der schmale Eing, so kommen nur zwei seitliche Gelenkknöpfe vor). Die Hüfte enthält stets wenigstens zwei directe Muskeln, welche sich an den Grund des ersten grösseren Telopoditgliedes heften und hier nicht als Brückenmuskeln aufgeführt werden, weil das kleine Ringglied häufig fehlt. Im Telopodit können dann weiterhin vier Segmente directer Muskeln vorkommen, von denen das letzte (welches sich also im vorletzten Gliede befindet) selten vorkommt. Auch das vom Grunde aus dritte Segment directer Telo- poditmuskeln (das übrigens von mir nur rückenwärts d. h. als Exteiisor angetroffen worden ist) kommt nicht häufig vor, wurde anbei aber in Abb. 10 von Strongulosoma und Allopauropus abgebildet. Die directen Muskeln des ersten und zweiten grösseren Telopoditgliedes (prf und fe) sind fast immer gut ausgebildet, oft sowohl Extensoren als auch Flexoren, oft auch nur einer von beiden, während im ersten dieser beiden Glieder noch ein seitlicher Muskel vorkommen kann^) ( PoJydemus). An den beiden vordersten Beiu- ^) Von Ijörneu richtig nachgewiesen bei illyrUit.s Yerh. gg Gesellschaft naturforschender Freunde, Berlin. paaren, die immer mehr oder weniger von den übrigen abweichen, beobachtete ich bei JDorypetalum (Abb. 2) und Odontopyge (Abb. 13) das vollständige Fehlen der directen Muskeln des ersten grösseren Telopoditgliedes. Von denen des zweiten Telopoditgliedes ist besonders oft der Flexor allein kräftig entwickelt, z. B. bei Folydesmus (Abb. 11) und bei Glomeris nebst Typlüoglomeris (Abb. 12). Dieser Flexor im dritten Segment directer Beinmuskeln liegt stets in dem grundwärtigen der beiden Glieder, welche der grundwärtigste der distalen Brückenmuskeln durchzieht. Nach dieser Erörterung der drei Beinmuskelsysterae sind wir in die Lage gesetzt, die einzelnen Beinglieder ganz scharf charakterisiren zu können und damit, ähnlich den Opisthogo7ieata ein Muskelhomologlegesetz für die Proyoneata oder doch zunächst jedenfalls für die Diplo- poda aufzustellen. ^) Die Coxa wurde schon oben erörtert und für die weiteren Beinglieder gebrauche ich in der Folge von grund- nach endwärts dieselben Bezeichnungen wie bei den Opisthogonedtd , so weit das möglich ist, also Trochanter, Praefemur, Femur, Tibia und Tarsus. Da nun aber, gegenüber den Opisthogoneata die Pro- goneata meist ein muskelführendes Telopoditglied mehr besitzen (von dem Trochanter der Opisthogoneata, der nur bei Geophiliden einen Seitenmuskel besitzt, nie aber Extensoren oder Flexoren, ist natürlich abzusehen), so erhebt sich die Frage, wie dies zu benennen sei. An und für sich ist das gleichgültig, aber ich werde eine Be- zeichnung wählen, die mir der Lage und den Muskeln dieses Gliedes gemäss erscheint. Bei einem Vergleich der Pro- und Opisthogoneata ersehen wir zunächst, dass das erste Glied die Coxa und das letzte (seltener die letzten) muskellosen d. h. Tarsus, einander entsprechen. Das kleine auf die Hüfte folgende, muskellose Glied der Pro- goneata entspricht zwar nicht seiner Entstehung nach, wohl aber nach Muskellosigkeit, Lage und Funktion dem Trochanter der Opisthogoneata, weshalb ich es auch Trochanter nenne, wie es bisher schon meist (nicht ') Auf die Pauropoden und Symphylcn komme icli weiterhin zurück. Sitzmuj vom 10. Februar 190S. 89 immer!) richtig geschehen ist. Das erste grössere Telopoditglied, bei Fro- und Opisthogoneata über- einstimmend die letzten Strecken fast aller griind- \v artigen Brückenmiisk ein enthaltend, kann daher auch als bei beiden homolog erachtet und ebenfalls Praefemur genannt werden. Gleichfalls homolog für beide grossen Gruppen ist die Tihia als letztes muskelführendes und zwar die distalsten Krallenrauskeln enthaltendes Glied, beiProgoneaten mit eingliedrigemTarsus stets das vorletzte. Somit bleiben zwischen Praefemur und Tibia bei Progoneaten noch zwei Glieder übrig, wäh- rend es deren bei Opisthogoneaten nur eins giebt. Eins dieser beiden Glieder der Diplopoden und zwar das proximale können wir jedenfalls Femur nennen, obwohl es dem Femur der Opisthogoneata nicht homolog ist, da es eine, wie schon gesagt, abweichende Muskulatur aufweist. Die Lage und Funktion ist aber eine ähnliche und da es sehr oft auch durch seine Grösse ausgezeichnet ist (vergl. Abb. 1, 2, 11, 12. 13), namentlich dem fraglichen, weiter folgenden Gliede gegenüber, so kann über die Be- rechtigung dieses Gliedes als Femur kein Zweifel bestehen. Das Glied endlich, welches zwischen Femur und Tibia übrig bleibt, muss einen neuen Namen erhalten und ich bezeichne es als Postfemur. Mit der Praetibia der Epimorphen-Endbeine kann dasselbe nicht gut verwechselt werden, da es das mittlere der drei Glieder ist. welche die endwärtigen Brückenmuskeln enthalten, was für jene Glieder der Epimorpha-Endbeine nicht gilt. An typischen Diplododen - Beinen kommen folgende Muskeln immer vor (soweit die Thatsachen bekannt sind), 1. Ein distaler Krallenmuskel (km) bei der ge- wöhnlichen Zahl von sieben Beingliedern (ohne Krallen) im vorletzten Gliede. jedenfalls immer im letzten überhaupt Muskeln führenden (bei dem selteneren Falle von acht Beingliedern also im drittletzten Gliede). 2. Der distalste der drei endwärtigen Brücken- muskeln (b 4). welcher bei sieben Beingliedern stets durch das dritt- und zweitletzte Beinglied zieht, jeden- falls immer im voiietzten und letzten muskelführeudeu. 90 Gesellschaft naturfor sehender Freunde, Berlin. 3. Ein bei niederen Formen schwacher, höheren aber mehr oder weniger starker, directer unterer Muskel, welcher bei sieben Beingliedern stets im zweiten grösseren Telopoditgliede liegt und zugleich stets vor dem grund- wärtigen der beiden Glieder, welche den vorerwähnten Muskel b4 enthalten, immer also im drittletzten der muskel- führenden Glieder. 4. Diese drei Constanten habe ich in Abb. 16 als die quergestrichelten Muskeln km, b 4 und d schematiscli vor- geführt, zu denen dann noch als vierter wahrscheinlich eben- falls constanter b3 kommt! Ich möchte darauf aufmerksam machen, dass die drei Muskeln km, b 3 und d zu ein- ander in demselben Lageverhältniss stehen wie ent- sprechende bei Opisthogoneaten, was besonders für Insekten auffallend ist (dort also endwärtiger Krallen- muskel, grosser Brückenmuskel und schräger oder unterer directer Praefemurmuskel). Trotzdem kann keine voll- ständige Homologie zwischen den Beinen der Opistho- und Progoneaten festgestellt werden, einmal weil wir noch den anderen endwärtigen Brückenmuskel b 4 haben, \) der jeden- falls für die Chilognathen constant ist und bei den Pselaphognathen, wo die Beobachtung schwierig ist, vielleicht noch gefunden wird, der aber von den Opistho- goneaten allgemein unbekannt ist, sodann wegen des ge- schilderten Verhaltens der endwärtigen Brückenmuskeln, die bei Progoneaten grundwärts nicht über das Gelenk x der Abb. 16 hinausgehen (b), während sie bei d(i]i Opistho- yoneatciFemm und Praefemur durchziehen, also vom Gelenk y an über x hinausreichen. Das Postfemur ist nun offen- kundig als eine endwärtige Abschnürung des Femur entstanden, womit sehr schön die Thatsache harmonirt, dass wir die allmälige Vergrösserung der directen Mus- keln des Femur innerhalb der Diplopoden verfolgen können von den primitiven zu den aberranteren Formen, man vergl. z. B. PoJyxcnus (Abb. 8) und PoJyso- nium (Abb. 4) mit Polydcsmus (Abb. 11) und Juliden (Abb. 14). ') Niclit selten auch iloii Miiskol h 44. Sitznng mw 10. Februar 1.903. Dl Ich gebe hier jetzt in GegenüberstelluDg die xMuskel- homologiegesetze für Opistho- und Proyoneata, wobei icli bemerke, dass das Gesetz für die OpistJioyoneata in gleichem Wortlaut auch in den Nova Acta, Halle, veröffent- licht wird: Progotieata (Diplopoda, Sym2)hyla, Fauropoda). § 1. Der Tarsus ist ein- oder zweigliedrig und euthält niemals Mus- keln, ist aber von der Klauensehne durchzogen. §2. Die Tibia enthält, mögen ein, zwei oder dr eiKr allen mus kein vor- handen sein, stets den endwärtigsten derselben [selten directe Muskeln], (fast) immer die End- hälfte eines distalen Brückenmuskels. § 3. Das Postfemur [welches alle typischen Di- plopoden - Beine besitzen, nicht aber diejenigen der Pauropoden und Sym- phylenj existirt. wenn es fünf muskeltragende Beinglieder giebt^j immer und enthält, wenn zwei oder drei Krallenmus- keln vorkommen, den vorletzten derselben. ^) In den seltenen und nur von den beiden ersten Beinpaaren be- kannten Fällen, wo nur vier muskeltragende Glieder vorkoumien, existirt das Postfemur dennoch, wenn der Trochanter fehlt und das vom Grunde aus zweite Beinglied keine directen Muskeln besitzt. OpistJiof/oneata (Hexapoda und Chilopoda). § 1. Der Tarsus ist ein- oder mehrgliedrig und enthält niemals Muskeln, ist aber von der Klauensehne durch- zogen. § 2. Die Tibia ent- hält, wenn zwei oder mehr Krall enmus kein vorhanden sind, stets den endwärtigen (distal- sten) derselben [ausser- dem häufig directe Mus- keln], niemals aber Brückenmuskeln. — Ein Postfemur fehlt. -I 92 Gesellschaft naturforschender Freunde, Berlin. § 3. Das Femur ent- hält, wenn zwei oder mehr Kralleumuskeln vorhanden sind. im ersteren Falle den grimd- w^ärtigen (proximalen), im letzteren Falle den vorletzten derselben, ausserdem stets die end- wärtige Hälfte des oder der endwärtigen (dista- len) Brückenmuskeln Wenn es zwei oder drei endwärtige Brückenmus- keln giebt. enthält es die Grundhälfte des distalen derselben und die Endhälfte des proxi malen, letztere immer nanrentlich auch dann wenn überhaupt nur ein endwärtigerBrückenmus kel vorkommen sollte Von den grundwärtigen Brückenmuskeln reicht keiner in das Postfemur. § 4. Das Femur ent- hält, wenn fünf muskel- führende Glieder und ein oder zwei Krallenmus- keln vorkommen, keinen derselben, wenn drei Krallenmuskeln vorkom- men und fünf muskel- führende Glieder den proximalsten derselben. Kommennur vier mus kel - führende Glieder vor [und fehlt das Post- femur], so besitzt das Femur den proximalen Krallenmuskel. Stets ent- hält dasFemur die Grund - hälfte eines endwärti- gen Brückenmuskels und zwar, wenn nur einer vorkommt. eben von diesem, wenn zwei oder drei vorkommen, stets den proximalsten der- Sitzung vom W. Februar 1903. 03 § 4. Das Praefemur enthält, wenn zwei Kral- lenmuskeln vorkommen, keinen derselben." wenn mein' vorkommen, ent- liält es einen derselben und zwar bei drei den grund wärtigen, bei vier den zweiten derselben vom Grunde aus. Stets enthält es die grund- wärtige Hälfte des oder der endwärtigenBrücken- muskeln. Kommengrund- wärtige Briickenmuskeln vor, so befinden sich die eudwärtigsten Stücke derselben stets im Prae- femur. § 5. Der Trochanter enthält, wenn zwei oder dreiKrallenmuskeln vor- kommen, keinen dersel- selben') [Bei Diplopoden enthält das Femur stets wenigstens einen directen Muskel]. § 5. Das Praefemur besitzt niemals Krallen- muskeln und niemals endwärtige Brüciienmus- keln, es ist mit wenig- stens einem directen Muskel versehen, wenn nicht (vergl. die zwei vor- deren Beinpaare. Abb. 2 z.B.) dann giebt es in der Bein- grundhälfte nur zwei (2 -f 2) seitliche Gelenk- knöpfe an zwei Gliedern, statt der gewöhnlichen drei. Wenn grundwärtige Brückenmuskeln vor- kommen, durchziehen dieselben stets auch das Praefemur. Dieses wird von der Hüfte entweder durch ein schmales, stets muskelloses und 1 — 2 seitliche Gelenkknöpf- chen führendes Glied ge- trennt oder stösst, wenn dieses fehlt, unmittelbar an die Hüfte. § 6. Der Trochanter enthält niemals Krallen- muskeln, niemals end- wärtige Brückenmuskeln ') Die kleinen Gruppen der Pauropoden und Symphylen verhalten- sicli ein wenig anders in ihren Brüclienniuskeln als die Diplopoden, worauf ich noch zurückkomme, entsprechen aber auch diesem Gesetz. 94 Gesellschaft naturforschender Freunde, Berlin. und niemals directe Mus- keln, entbehrt also einer eigenen Muskulatur. Wenn er fehlt, giebt es in der Grundhälfte des Beines höchstens zwei (2 + 2) seitliche Gelenk- knöpfe, wenn er vor- kommt deren drei, (34-3) auch ist dieses Glied stets klein und geht nicht über das Ringartige hinaus. ben, wenn vier vorkom- men, den grundwärtig- stendieser. Erhatanden endwärtigen Brücken- muskeln keinen Antheil [oder doch nur dann (Chilo- poda). wenn der grosse Brückenmuskel einen drei Glieder durchziehenden Nebenmuskel aufweist]. Kommen grundwärtige (proximale) Brücken- muskeln vor, so ziehen sie stets auch durch dieses Glied, welches, wenn es vorkommt, stets das nächste hinter der Coxa ist und höchstens einen (seitlichen) directen Muskel enthält, meist aber überhaupt keinen. Hiermit sind auch die wächtigsten Unterschiede zwischen den Beinen der Pro- und Opisthogoneata hervorgehoben. Man wird bemerken, dass in diesen Uebersichteu die Be- stimmung der Glieder allein aus ihrem gegenseitigen Lagever- hältniss eine sehr geringe Rolle spielt, was eine Haupt- stärke dieser Begriffs- Aufstellungen ist. zumal man bisher bei den Antennaten meist annahm, dass neue Glieder nur am Ende auftreten, während am Telopodit thatsächlich die jüngeren Glieder sowohl am Grunde, als am Ende, als in der Mitte auftreten können. Während ich bei den Opisthogoneata vier Beinglieder als ältere nachgewiesen habe^) (nämlich Coxa. Praefemur. Femur und Tibia), beobachten wir deren bei den Pro- goneata fünf, nämlich Coxa, Praefemur. Femur. Tibia und Tarsus, ein Umstand, der mit der geschilderten Be- ^) Ich verweise hinsichtlich (h'S Tarsus ;iber auf ineiiien satz in den Nova Acta. Auf- ISUznny roin 10. Febnuir I!J()3. 95 «chaffoüheiL der eodwärligen ßriickeüimiskeln in Zusammeu- hang steht, indem sich an den Grund des Tarsus ein end- wärtiger (bei den Opisthogoncata fehlender) Briickenmuskel anheftet (b 4), der mit seinem Nachbarn b3 sich halb über- greifend eine gemeinsame Entstehung voraussetzen könnte, da sie die Gelenlve. (iber welche sie hinwegziehen, nur in einer Zeit überschreiten konnten, wo dieselben als solche noch nicht bestanden. Da aber das Postfemur der Chilognatha an seinem Grunde niemals einem Brückenmuskel Ansatz gewährt, der Muskel b 3 also, nach Einschnürung des Ur-Femur in Femur und Postfemur sekundär aus einem directen zu einem in- directen Muskel wurde, ist der Brückenmuskel b4 älter als b3 und somit der Tarsus unzweifelhaft eines der älteren Beinglieder der Progoneata. Wir kennen auch kein Laufbein, an welchem er fehlte. Progoneata: a) ältere Beinglieder: ') Coxa, Praefemur, Femur, Tibia und Tarsus [Tibiofemur!]. b) jüngere Beinglieder: Trochanter, Postfemur und Tarsusabschnitte. 1. Der Trochanter ist als jüngeres Beinglied charakterisirt durch seine Muskellosigkeit und sein nicht seltenes Fehlen, namentlich an den beiden ersten Bein- paaren. ') Wollen wir noch weiter zurückgehen, so lässt sich leicht zeigen, dass von diesen fünf älteren Beingliedern eines entschieden jünger ist als die vier anderen, also ein mittel altes Glied genannt werden könnte (worauf ich in einem siDätcreii Aufsatz zurückkommen möchte). Es betrifft das die Tibia, welche durch Einschnürung des Tibio- femur '[in Femur und Tibia entstand Nach Wegfall des directen Femurmuskels und seines Gelenkes erhält man in b3, wie schon ge- schildert, einen directen . Muskel. Der Muskel b4 konnte aber ent- stehen, wenn das Gelenk, an welches sich der Muskel b3 heftet, noch nicht existirte. fDieser ist also nicht älter. Denken wir uns ihn fort, in- dem wir ihn durch ein abgespaltenes Muskelsegment, nämlich den directen Tibialmuskel zu einem Muskel b 44 ergänzen, was der Ur- zustand der endwärtigen Brückenmuskeln ist, so haben wir das Tibio- femur. Der directe Muskel des Femur setzt nur das Gelenk voraus, welches er bedient. b4 setzt ebenfalls dieses Gelenk voraus. Der sprechendste Hinweis auf das Tibiofemur ist b 44. 96 Gcsellscliaft naturforschender Freunde, Berlin. 2. Der durch EiQschuüriing des Tarsus entstehende zweite Tarsus ebenfalls durch Muskellosigkeit und sein Vorkommen nur in einzelnen Gruppen. 3. Das Postfemur ist zwar allgemein bei den Diplo- poden verbreitet, fehlt aber den kleinen Klassen der Symphylen und Pauropoden (Abb. 15), ausserdem gehen an seinen Grund keine Brückenmuskeln, sondern nur directe, die also nach Entstehung dieses Gelenkes auftreten konnten, da sie nur dieses Gelenk, aber keine andern zur Voraussetzung haben. Nur bei Polyxenus konnte ich einen Brückenmuskel (b 2 Abb. 7) nachweisen, welcher am Postfemurgrunde wirkt. Derselbe lässt sich aber viel- leicht so erklären, dass er von vornherein etwas über den Femurgrund hinausging, wie das thatsächlich für den den Femur bedienenden Muskel bl gilt, welcher an der Leiste L angeheftet ist und dass er dann sekundär, bei Einschnürung des Femur in zwei Glieder an das neue Gelenk zu liegen kam. Das Verhalten des Muskels bl weist geradezu auf diese Erklärung hin und entspricht vollkommen den ge- schilderten Verhältnissen bei Chilognathen. In einem be- sonderen Aufsatze werde ich zeigen, dass in gewissen ab- geleiteten Verhältnissen das Postfemur auch bei Diplopoden fehlen kann. Ich komme schliesslich noch auf die Pauropoden und Symphylen. Für die Pauropoden haben wir eine Abbildung der Muskulatur zuerst durch Silvestei erhalten (vergl. Abb. 15), welcher das Praefemur als „Trochanter" bezeichnet. Eine andere Abbildung lieferte Bökneu (No. 9 d. Z), ohne die genannte von Silvestri, welche den grundwärtigen Brückenmuskel bl gut erkennen lässt, berücksichtigt zu hahen Börner lieferte auch zwei dankenswerthe Abbildungen der Scolopendrella-'QQme. hat aber deren Glieder am „Vorderbein" nicht richtig ge- deutet. Er nahm eine Verschmelzung von Tibia und Tarsus au („„Tita""), während ein Vergleich seiner eigenen Ab- bildungen mit Leichtigkeit lehrt, dass thatsächlich eine Verschmelzung von Tihia und Femur erfolgt ist! Durch diese Verschmelzung sind beide Krallenmuskel in Sitziüuj ruin 10. Februar WU3. 97 eiu (Jlied gekoinmeu. währcud sie bei seiner Auiuihine docii miüdesteus mit einem Bündel in der „Tita" angetroffen werden müssten, was aber natürlich nicht der Fall ist. Pauropoden und Symphylen zeigen in ihrer Organi- sation eine eigenthümliche Mischung primärer und sekun- därer Charaktere. Wir sehen, dass die Beine der Pauro- poden mit dem zweigliedrigen Tarsus (Abb. 15) etwas entschieden Sekundäres darstellen, wofür auch die im Ver- gleich mit den meisten Diplopoden keineswegs einfachen Krallen sprecjien, während das Fehlen des Trochanter so- wohl primär als sekundär aufgefasst werden kann. Die Beine der Pauroden und Symphylen sind einander homolog, dagegen la'ssen sie sich weder mit den Opisthogoneata noch Biplopoda in voll- kommene Homologie bringen. Von den Opisthoyoneata trennt sie der endwärtige Brückenmuskel b4, Abb. 15). welcher bei diesen Micro- progoneata neben dem distalsten Krallenmuskel liegt, bei den Opisthogoneata liegen dagegen die endwärtigen Brückeiimuskeln vor dein distalsten Krallenmuskel. Mit den Diplopoda dagegen stimmen sie in dieser Hinsicht überein, besitzen aber (nach Börner) einen Brückenmuskel, welcher Praefemur und Femur durchzieht und den Diplopoda fehlt. Auch diesen Muskel hat SiLVESTRi zuerst abgebildet. Die Existenz dieses Muskels steht in enger Beziehung zum Fehlen des Postfemur bei den 3Iicro2)rogoneata. Trotz dieser bemerkenswertheu Unterschiede habe ich oben im Muskelhomologiegesetz der Progoneata die Micro- progoneata mit berücksichtigt. Für alle krallenführenden tyj)ischen Laufbeine mit mindestens vier Gliedern lässt sich folgendes all- gemein für die Äntennata gültige Gliederbestimmungsgesetz geben: Der distalste Krallenmuskel charakterisirt die Tibia. Was proximal hinter der Tibia und vor der Anheftungsstelle der Krallensehne liegt, ist Tarsus. Die Hüfte isi; das grundwärtigste, stets 98 Gesellschaft naturforschender Freiende, Berlin. au (las Sternit grenzende Bciugiied. Zwischen Coxa und Tibia giebt es bei Diplopoden drei bis vier, bei andern Antennaten höchstens drei Glieder. Giebt es bei Diplopoden vier Glieder, so sind es grundwärts ein kleines, muskelloses, der Trochanter und dann drei grössere Femoralia, nämlich Prae- femur, Femur und Postfemur, giebt es drei Glieder, so sind es die drei letzteren. Bei den anderen An- tennaten sind es, wenn drei Glieder zwischen Coxa und Tibia liegen, erst ein kleines, meist muskelloses, der Trochanter, dann zwei grössere, Praeferaur und Femur. Wenn zwei Glieder zwischen- liegen, sind es Praefemur und Femur, wenn nur eins zwischen Coxa und Tibia vorkommt, ist es das Femur. [Sehr selten kommt ein Vereiutsein von Tibia und Femur oder Tibia und Tarsus vor, in welchen Fällen die obigen Muskelhomologiegesetze zur Entscheidung führen.] Sollten sich noch Fälle nachweisen lassen, in welchen sich der distalste Krallenmuskel anders verhält als das Gesetz augiebt. so würde das eine Modifikation nicht aber eine Aufhebung desselben bewirken können. Bisher aber sind solche Fälle nicht bekannt geworden. Oben habe ich bereits darauf hingewiesen, dass die beiden vordersten Beinpaare der Progoneaten, namentlich der Diplopoden, manche interessante Eigenthümlichkeiten aufweisen und hoffe in einem späteren Aufsatze darauf eingehender zurückkommen zu können. Jetzt hebe ich nur hervor, dass die Unterschiede in der Praefemurmuskulatur. nämlich das Vorkommen von 0, 1, 2 oder 3 directen Muskeln sehr schön die allmälige Rückbildimg derselben zeigen und zugleich lehren, wie wenig darauf zu geben ist. dass bei dem Trochanter der OpisthoyonccWi ausnahmsweise (Geophiliden) auch mal ein Muskel zur Entfaltung gelangt, nur ist beim Praefemur der Progoneata die Muskel- losigkeit. beim Trochanter der Opisthoyoncata der Muskel besitz die Ausnahme. Ich glaube nun zur Genüge klargelegt zu haben, dass weit weniger das Vorkommen irgend eines Muskels Sitzung vom 10. Fehruar 1903. 99 Überhaupt, als die gesetzmässigen Lageverhältnisse der Muskeln zu einander von grundlegender Be- deutung sind. Als Belege für das Gesagte hätte ich statt der bei- gegebenen 2 Tafeln auch 20—30 von anderen Arten, Gattungen und Familien liefern können, ich l)egnüge mich hier damit, auf die grosse Zahl untersuchter Formen hin- zuweisen. Zum Schlüsse bleibt mir nichts Anderes übrig, als die Mittheilungen C. Börners in No. 9 d. Z. wenigstens so weit sie die Proyoneata betreffen, noch zu besprechen, obwohl sie im Wesentlichsten bereits durch das Gesagte berichtigt sind: [Ueber die Oplsthogoneata im 4. und 5. Aufsatz!] Einer seiner folgenschwersten Irrthüraer besteht darin, dass er (bei Chilopoden sowohl als auch Diplopoden) glaubt, die Verkümmerung der Krallenmuskeln geschähe vom Beinende aus, während sie thatsächlich von proxi- mal- nach distal wärts erfolgt, wie jeder aus meinen Abbildungen leicht ersehen kann. (Man vergl. z. B. Abb. 4, 12 und 14.) BöRNER hat daher den endwärtigsteu (Krallen- muskel des „Tarsus I" für einen „accessorius" gehalten, während in Wirklichkeit dieser der constante und der des Femur und Postfemur schwankend sind. Hinsichtlich des Trochanter („Complementärringes") von Polyxenus will BöRNER „noch keine Klarheit gewonnen" haben. In- dessen liegen bei dieser Form die Verhältnisse dieses]Gliedes nicht wesentlich anders als bei andern Diplopoden. Wir haben uns nur zu vergegenwärtigen, dass während bei andern Diplopoden die ganze Wandung der Beinglieder (namentlich durch Unterstützung von abgelagertem Kalk) eine recht feste ist, das Hautskelett der Polyxeniden ein zartes ist. Daher bemerken wir bei diesen au der Hüfte, Trochanter, Praefemur und Femur vorne eine Verdickungs- leiste\) (L Abb. 7 und 8), welche einem Theil der Muskeln zum Ansatz dient und zugleich die drei bekannten seitlichen ') Die ich auch schon J896 in No. .500 des Zoolog. Anzeigers erörtert habe. 100 Gesellschaft naturtorschcnder Freunde, Berlin. Gelenkknöpfe der Diplopoden bildet, zwischen Coxa und Ti'ochanter, Troclianter und Praefemur und zwischcm diesem und dem Femur. Im Femur endet die Leiste, ohne dessen Ende zu erreichen. Die beiden Gelenliknöpfe des Troch anter charakterisiren denselben nun ebenso wie seine ringartige Kleinheit und das Fehlen der directen Muskeln als das Gebilde, welches in entsprechender Weise die andern Diplopoden haben. Aus dem Vergleich der Abb. 7 und 8 ersieht mau zugleich, dass auch bei Polyxenus die beiden vordersten Beinpaare durch das Fehlen des Trochanter ausgezeichnet sind, wie auch Börner angedeutet hat. Den tiefgreifenden Unterschied zwischen directen und iudirecten Beinmuskeln kennt Börner nicht, vielmehr sehen wir aus seinen Aeusserungen z. B. auf S. 217 „ich sah Fasern des Levator femoris bis in die Coxa gehen" und „bisweilen einen Theil des Depressor femoris durch die Coxa bis in den Rumpf verlaufen" u. dergl.. dass er hier nicht bemerkte, dass es sich um ganz ver- schiedene Muskeln handelte. In einer physiologischen Arbeit ist dergleichen unter Umständen erlaubt, nicht aber in einer vergleichend-morphologischen! Von den Krallen- muskeln giebt er den Fall des Vorkommens dreier für Polyxenus richtig au. nennt das aber „selten", indem er meine Arbeit „IX. Aufsatz'' der „Beitr. z. Kenntniss pal. Myriopodeu", Archiv f. Naturgesch. 1899, Taf. XIX. Abb. 4 nicht gekannt hat. wo für Hcterosonium carnio- lense Verh. (m. W. zum ersten Male) drei Krallenrauskeln nachgewiesen sind.') „Extensores (Tibiae und der folgen- den Glieder) fehlen zum Unterschiede von den Opistho- goneaten gänzlich" (Börmer^). Auch das ist unzutretfend, wie anbei die Abb. 9 und 10 zeigen, wo sowohl dem Femur als dem Postfemur ein sehr deutlicher Extensor zukommt. Solche Formen können nun immerhin übersehen werden, nicht übersehen werden brauchte aber ein für M Ein Buch, welches diesen Aufsntz enthiilt, liahe icli Börner damals selbst in die Hand gegeben! -') Börneh's „Tibia" entsi)iicht dem (iliede, welches ich anbei als Postfemur bezeichnet habe. Sitzung vom 10. Februar 1903. 101 Paiiropodeii bereit« von SiLviisiia nachgcwieseuei" Ex- teusor, den Abb. 15 zeigt. Dass eine „Variabilität der Miiskulatiir" wirklich be- steht, ist keine Frage, aber dieselbe bewegt sich in einem ganz bestimmten, gesetzmässigen Rahmen. Nach meiner Definition des Trochanter soll, schreibt BöuNEK, „nur den Diplopoden mit Complementärring ein Trochanter zukommen", was doch gar nicht richtig ist, da er nach meiner Definition zutreffend charakterisirt ist, indem er überall eigener directer Muskeln entbehrt, mit alleiniger Ausnahme der Geophiliden, bei denen der betreffende Muskel ein seitlicher ist. nicht aber ein typischer Flexor oder Extensor. Für Börner s Anschauungen charak- teristisch ist der Umstand, dass er seine „Betrachtungen über das phyletische Alter der Beinglieder" für Pro- und Opisthogoneata zugleich anstellt, während dieselben, wie ich gezeigt habe, überhaupt nicht homolog sind, seine Tabelle auf S. 225 aber ist unhaltbar aus einer ganzen Reihe von Gründen, die ich theils schon anführte, theils in den Nova Acta veröffentlichen werde, theils noch weiter- hin in einem späteren Aufsatz besprechen möchte. Den so- genannten „ Tibiotarsus " habe ich bei Myriopoden nirgends bestätigen können, auch nicht für die Vorderbeine von Scolopendrella. indem dort ein Tibio- femur vorliegt, was aus Bökner's eigenen Abbildungen zu ersehen ist! Diese Frage gehört aber hauptsächlich ins Hexapoden-Kapitel. (Vergl. meinen 4. und 5 Aufsatz.) Ebenso unhaltbar wie der „Tibiotarsus" ist der „Trochanterofemur" als älteres Beinglied. Für die Hexapoda habe ich das an anderer Stelle bewiesen und bespreche es jetzt noch für die Progoneatu. Börner ver- steht unter „Trochanterofemur" derselben eine Verschmelzung derjenigen beiden Glieder, welche ich Praefemur und Femur nenne. Obwohl er hierfür kein einziges richtiges und nur ein unrichtiges Beispiel im Bereich der Fro- goncata hat anführen können, wird doch auf S. 223 eine Betrachtung „über das Alter der Beinglieder der Ätcloce- rata'' angestellt und auf Grund von „5 Fällen" bewiesen (!) t02 Gesellschaft naturforschender Freu)ule, Berlin. „dass der Trochanter^) kein primäres, sondern erst ein sekundäres Beinglied ist". Von diesen ,,5 Fällen" ist No. 1 — 4 eine Vermengiing des Trochanter und Praefenmr, indem in No. 1 und 2 das Praefemur. in No. 3 und 4 der wirkliche Trochanter herangezogen sind. No. 5 ist eine Abnormität, die dadurch ei'möglichl wii-d. dass bei Orchesella an die Grenze zwischen Praefernjir und Femur keine grund- wärtigen Brückenmuskeln mehr ziehen' und die Beine dieser Thiere durch das Sprungvermögen an Bedeutung etwas verloren haben. Bei den Vrogoneata ist aber ein ,,Trochanterofemur''. also eine Vereinigung von Praefemur und Femur ebenso ausgeschlossen wie bei den Cliilopoden und Thiiscaiur en, denn gerade an der Grenze zw'ischen Praefemur und Femur liegen, wie meine Abbildungen zeigen (z B. Abb. 1), die Wirkungspunkte der meisten proximalen Brückenmuskeln. Ausserdem zeigen die hier befindlichen Gelenkknöpfe eine bemerkenswTrthe Con- stanz. Wie man zwischen „Femur" und „Tibia" (= Femur und Postfemur in meinem Sinne) ein „Kniegelenk'' suchen kann, wie es Böhmer in seiner Abb. r2a von Polydesmus illyricus durch einen „■^" markirt hat, weiss ich nicht. Ohne einen einzigen Anhaltspunkt (wie bei „Trochan- terofemur" der Progoncata) eine Hypothese (oder gar mehrere) in die Welt schicken, heisst gewiss nicht der Wissenschaft einen Dienst leisten!!! Erklärniig- der Abbilduugeu. Allgemein gelten folgende Abkürzungen : CO = Coxa. ta = Tarsus. tr = Trochanter. V = Bauchplatte. prf = Praefemur. k = Knoten derselben. fe — Femur. n = Beinnerv. pstf := Postfemur. coa = Coxalorgan. ti = Tibia. L = Muskelleisten. b 11 u. b 2 = grundwärt ige Brückenmuskeln, welche da femur durchziehen, tm und tni 1 = coxotrochanterale Brückenmuskeln , welche das Praefemur nicht durchziehen, br = grundwärtiger, aus dem Rumpf kommender Brücken- muskel, welcher ebenfalls das Praefemur durchzieht. ') Bei Progoneato gleich meinem Praefemur ta Z Ivn Tafel I. zu Seite 82. p'i- /cm. it pstf ^ ti ta pstf 5^^>^ ^l/t- i^a. km Tafel II. zu Seite .S2. CO ■\ /ß ^ ba 13 \\ Sitzung vom 10. Februar 1903. 103 1)3, 1)4 und b44 = eiuhvürtipo Brückenniuskeln, welche oiidwiirts hinter dem Praefemur liegen. b3 = femoraler cndwärtiger Brückenmuskel. b4 = tibialer endwärtiger Brückenmuskel, km, knil, km 2 = Krallenmuskeln (km = tibialer, km 1 — post- femoraler, km 2 = femoraler). Die directen, Muskeln sind meist nicht besonders bezeichnet. Tafel I. Abb. 1. Caüipus havmliyerus Verh. 8. Bein, Männchen. „ 2. Borypdalum degenerans Latz. 2. Bein, Männch. „ 3. Folijzoninm truussdvmucmu Verh. 1. Bein, Münnch. ,, 4. — hosniense Verh. 8. Bein, Männch. „ 4 a. Flatydesvnis typJdus Dad. Endhälfte des 7. Beines, Männch. „ 5. Mustigophoroi)]iyllon cirriferum Verh. 4. Bein, Männch. „ 6. Craspedosoma Canestrini Fedri. 1. Bein, Männch. „ 7u.8. Folyxenus lagurus (L.). 7. Das 5. Bein, Grundhälfte von vorn gesehen, 8. Das 1. Bein, von hinten gesehen. Tafel II. Abb. 9 u. 10. Strongylosoma italicum Latz. 9. ein 5. Bein, 10. ein 2. Bein des Männchens. „ 11. Folydesmus banaticus Dad. 8. Bein, Männch. „ 12. Typhlogloineris coeca Verh. Ein Laufbein. „ 13. Odontopyge Attemsi Verh. 1. Bein, Männch., Grundhälfte. „ 14. Typhloiulus psilonotus Latz. 2. Bein, Männch. „ 15. AUopauropua brevisetus SiLV. Ein Laufbein. [Alle Abbildungen sind original, nur Abb. 15 nach Silvestri, wo ich aber eine andere Bezeichnung beigesetzt habe.] Anmerkung: Herr Prof. Dahl hatte die Freundlichkeit, mir das Präparat eines Libellenlarven-Beines (Agrion) zu zeigen, in welchem die beiden Glieder zwischen Coxa und Femur sehr deutlich von einander ab- gesetzt zu sehen waren, ganz übereinstimmend mit dem, was ich in meinem 2. Aufsatz veröffentlicht habe. — Inzwischen konnte ich den echten Trochanter auch von einigen Käferlarven nachweisen, wovon sich die Herren Prof. Külbe und Dr. Obst an der Hand meiner Prä- parate ebenfalls überzeugten. Neuerdings habe ich Trochanter und Praefemur auch bei Trichopteren-Larven gesehen. R, Lauterborn zeichnet sie im Zoolog. Auz. Nr. 694 von Ithyirichia und zwar völlig unbeeinflusst, da er sie im Text überhaupt nicht erwähnt! Wenn nun von anderer Seite gegen den Trochanter der Libellen Einwendungen zu machen versucht wurde, so sind dieselben einmal schon halbe Zustimmungen und im Uebrigen haben sich die Zeugnisse für das neue Beinglied so gemehrt, dass ich in keine weitere Erörterung darüber eintrete, doch muss daran erinnert werden, dass Grünberg von der irrthümlichen Voraussetzung ausgeht, Börner habe „die Homologie der Beingliederung der Chilopoden und Insekten nachge- wiesen" vergl. dieses Heft S. 75). Denjenigen Fachgenossen, welche sich für die Beine der Ojojsit/io- und Proyoneata interessiren, empfehle ich mit Buntstiften auf den Tafeln die homologen Muskeln kenntlich zu machen. 104 Gesellschaft naturforschender Freunde, Berlin. Herr W. BERGMANN sprach über ein Receptaculum seminis bei Octopus de-filippU und einige biologische Beobachtungen. Zwischen meinem in Neapel für meine Untersuchungen über das Ovarium und die Eibildung bei den Cephalopoden gesammelten Material befand sich auch ein Ovarium eines jungen Weibchens von Octopus de-fdippii. Da ich von dieser Art nur dies eine Stück besass und dasselbe dazu noch sehr klein war. verzichtete ich auf die makroskopische Präparation und zerlegte das ganze Organ in Schnitte. Schon bei der makroskopischen Betrachtung fiel mir an dem Oviduct. den ich zum Theil mit conservirt hatte, eine eigenthümliche, fast kugelige Aussackung desselben, dicht bei der Mündung des Oviductes in die Ovarialkapsel, auf. Dieser Körper hatte ungefähr V-* der Grösse des ganzen Ovariums. Anfangs schenkte ich ihm keine besondere Aufmerksamkeit, bei der Durchsicht der Schnittserie zeigte es sich jedoch, dass er im Inneren in lauter runde, follikel- artige Abtheilungen zerfiel (s. Textfigur). In der Mitte zwischen diesen Abtheilungen verlief ein Gang (od). Die Follikel, wenn ich die Abtheilungen so nennen darf, waren vollständig mit Spermatozoen erfüllt, die mit ihren Köpfen in dem Epithel, das die Follikel aus- kleidet, zu stecken schienen. Zunächst dachte ich an Hermaphroditismus, wies diesen Gedanken jedoch bald von mir und sah in diesem eigen- thümlichen Organ ein Receptaculum seminis. Wie die Durchsicht der Litteratur ergab, hatte ich mit letzterer Auffassung Recht. Brock (1. pag. 254) erwähnt bei Tremoctopus violaceus grosse Samentaschen, die er jedoch nicht näher beschreibt. Soviel ich aus seiner Arbeit zu ersehen glaube, hält er das Vorkommen von Samen- taschen überhaupt für charakteristisch für die Philo- nexiden. während er von ihrem Vorkommen bei den höher stehenden Octopoden nichts erwähnt. Rako- wiTZA (5.) fand bei Octopus vuU/aris an dem oberen Ende des Oviductes, jedoch dem Ovarium nicht eng an- liegend, eine Verdickung der Oviductwandiing (bulle). Die Sitzung vom 10. Fehruor 1903. 105 i ei. sp. l\ f ■■;■ -r^A: f: .0^. Querschnitt duicli dru Oviduct von Octopiis de-filippii, mit Anlage eines Keceptaculum seniinis. ei = Ei, f = Follikel, od = Oviduct, or.k = Ovarialkapsel, sp = Spermatozoon. — Vergr. 60. Spermatophoren drangen bis an den unteren Rand dieser Verdickung vor, nicht aber in diese hinein. Es mag sein, dass es sich auch hier um eine Art Receptaculum se- min is handelt. Das Receptaculum bei Octopus de-filippii be- steht aus mehreren schlauchförmigen Ausstülpungen des Oviductes. die wie dieser von einem einschichtigen Cylinderrepithel ausgekleidet sind. Die Mündung der 106 Gesellschaft naturforschender Freunde, Berlin. Schläuche in den Oviduct ist enger als ihr Lumen, etwas weiter von ihrer Mündung enfernt. Sie sind rings um den Oviduct augeordnet, biegen dicht hinter ihrer Mün- dung um und verlaufen dann parallel zum Eileiter. Ob sie blind endigen oder an ihrem distalen Ende wieder in den Oviduct münden, konnte ich nicht erkennen. Ersteres scheint mir jedoch wahrscheinlicher zu sein. Ueberhaupt konnte ich wegen Mangels an Material nicht feststellen, ob dies Verhalten normal ist, oder ob ich nur eine Abnormität vor mir hatte. Der Umstand, dass Brock ebenfalls Receptacula fand, scheint mir für ein normales Verhalten zu sprechen. Die Wandung des central verlaufenden Oviductes ist gefaltet. Diese Falten sind wahrscheinlich Fortsätze der Falten der Ovarialkapsel , die nach der Mündung des Oviductes hin zusammenstrahlen und sich in diesen fort- setzen. Die Abbildung zeigt Letzteren zweimal getroffen und man ersieht hieraus, dass derselbe geschlängelt ist uud nicht in gerader Richtung verläuft, wie Brock es angiebt. Eine Bewimperung des Epithels, wie ich sie bei Deca- poden beschrieben habe, konnte ich, übereinstimmend mit Beoc'k, weder in dem Oviduct noch in der Ovarialkapsel auffinden. Die schlauchförmigen Ausstülpungen dienen, wie alle Receptacula, nach erfolgter Begattung zur Aufspeicherung der Spermatozoen, die von hier aus die den Eileiter passii-euden Eier befruchten, ßei den Formen, bei denen eine Befruchtung der Eier innerhalb des Oviductes statt- findet, scheint ein Zufluchtsort für die Spermatozoen noth- wendig zu sein. Sind keine ausgebildeten Receptacula vorhanden, so ist wenigstens die Wand des Oviductes stark gefaltet (RAKovvrrzA). Die Spermatozoen können sich in den Falten festsetzen und entgehen so der Gefahr, von den austretenden Eiern wieder hinausgedrängt zu werden. Auffällig ist es nur, dass die Begattung so früh er- folgt, lange bevor die noch ziemlich jungen Fi(n' befruch- tungsfähig werden. Vielleiciit hängt aber hiermit die SiüuiKj vom 10. Febrnar 1903 J^Q7 eigenthümliche Anordnung der Spermatozoenbündel, mit den Köpfen in den Follikelzellen, zusammen, indem die Sper- matozoen möglicher Weise bis zur Eireife ihre Nahrung von den Epitbelzellen der weiblichen Leitungswege beziehen. Bei den Cephalopoden, deren Eier ausserhalb des Oviductes befruchtet werden, sind derartige Vorrichtungen nicht nöthig, jedoch sind bei diesen Formen, nach un- veröffentlichten Untersuchungen von F. C. v. Maehrenthal (3. pag. 1096) bestimmte Felder oder gar Taschen zur Auf- nahme der Spermatophoren vorhanden. Diese Unterschiede würden mich aber zu weit führen und möchte ich hier nur noch einige Beobachtungen an- knüpfen, die sich an das vorher Gesagte anschliessen und die Begattung bei den Cephalopoden betreffen. Kollmann (2) und Schmidtlein (6) beobachteten bei der Begattung von Octopus vulgaris einen Kampf, während Rakovv^itza (5) behauptet, dass die Begattung ohne Kampf vor sich gehe. Auch ich beobachtete einen Kampf, der während der ganzen Dauer der Begattung, d. h. also manchmal während einer ganzen Stunde, mit un- geschwächter Erbitterung fortgeführt wurde. Individuen gleichen Geschlechts können es in einem Fall wenigstens nicht gewesen sein, denn es befand sich in dem Aquarium nur ein grosses Männchen und das Weibchen wurde in meiner Gegenwart hineingesetzt. Nachdem das Männchen sich den neuen Gast genau angesehen hatte, fiel es auf einmal über das Weibchen her. Es entspann sich ein heftiger Kampf, in dessen Ver- lauf man öfters wahrnehmen konnte, wie das Männchen bestrebt war, seinen Hektokotylusarm in den Mantel des Weibchens einzuführen. Das Weibchen wehrte sich energisch mit Armen und Schnabel. Zuletzt schien es jedoch dem Männchen gelungen zu sein. Nach vollzogener Begattung zog sich das Weibchen scheinbar ganz erschöpft in eine Ecke des Aquariums zurück, während das Männ- chen in grosser Erregung hin und her schwamm und sich sofort auf einige nun hineingeworfene Krebse stürzte, während das Weibchen die Beute gar nicht beachtete. Mag 108 Gesellschaft natur forschender Freunde, Berlin. sein, dass in dem Falle, den Rakovvitza beobachtet hat, das Weibchen krank war. Ich habe nie beobachten können, dass das Männchen das Weibchen mit dem Hektokotylus- arm vor der Begattung streichelte, wie dies Rakowitzka gesehen hat und statt still zu halten, setzte sich das Weib- chen in allen Fällen zur Wehr. Es wäre ja allerdings nichtr ausgeschlobsen, dass eine Begattung überhaupt nicht stattgefunden hat und dass das Männchen den Eindringling nur wegbeissen wollte. Leider habe ich es damals versäumt, durch Sectiou des Weibchens den Beweis für die Richtigkeit meiner Beobachtung zu er- bringen. Man erhält in Neapel zur Untersuchung meist nur Sepien männlichen Geschlechts und zwar ist dies durch die Fangweise bedingt. Einem früher zufällig gefangenen Weibchen wird Mantel und Schulp am Körperende durch- bohrt und durch die Oeffnung wird eine Sclinur gezogen. Das festgebundene Weibchen wird nun an einer Stelle, an der Sepien häufig vorkommen, ausgesetzt, und es dauert meist nicht lange, bis sich einige Männchen nähern, die dann mit dem Kätscher gefangen werden. Bei einer Fahrt Hess ich nun ein Männchen, welches das Weibchen um- schwamm, nicht fortfangen. Alsbald entspann sich ein Kampf wie der oben geschilderte. Um ein Eindringen in fremdes Jagdrevier kann es sich hier nicht handeln. Als das Weibchen später herausgenommen wurde, fand ich an der Buccalmembran mehrere Spermatophoren, oder richtiger mehrere jener kleinen birnförmigen Säckchen, welche (nach V, Maehrenthal) beim Zerplatzen der Spermatophoren gebildet werden, angeheftet, die sicher vorher nicht vor- handen gewesen waren. Lafont (4), welcher die Begattung der Sepien eben- falls beobachtet hat, sah nur in einem Fall einen Kampf, der mit solcher Erbitterung geführt wurde, dass am nächsten Tag beide Individuen an den empfangenen Wunden starben. Dies war jedoch ein anormaler Fall, indem es sich um ein Männchen von Sepia füiouxii und ein Weibchen von Sepia officinalis handelte. In den normalen Fällen soll Sitzting vom 10. Februar 1903. 109 (las Weibchen dem Männchen nicht so energisch wider- standen haben, wenn jedoch Lafont, wie er selbst angiebt, nach vollzogener Begattnng in dem Aquarinm abgerissene Saugnäpfe fand, so scheint mir diese Thatsache doch nicht mit den übrigen Angaben in Einklang zu bringen zu sein. Bei den Octopoden, bei denen die Begattung durch die Einführung des Hektokotylusarmes in den Mantel des Weibchens für das Letztere recht unangenehm sein muss, ist ein Kampf sehr erklärlich. Bei Sepia jedoch wo eine derartige Begattung nicht stattfindet, scheint mir dieses Verhalten recht merkwürdig und eine Bestätigung meiner Beobachtungen über die Begattung bei den Octopoden zu sein. 1. Brock, I. Versuch einer Phylogenie der dibranchiaten Ccplialo- poden. Morphol. Jahrb., Bd. VI, 1880. 2. KoLLJiANN. Die Cephalopoden in der zoologischen Station des Dr. DoHKN. Zeitschr. f. wiss. Zool., Bd. XXVI. 3. KoRSCHELT, E., und Heider, K. Lehrbuch der vergleichenden Ent- wicklungsgeschichte der wirbellosen Thiere. Jena 1893. 4. Lafont, M. A. Observations sur la fecondation des Mollusques Cephalopodes du golfe du Gascogne. Ann. Sei. nat., ser. 5, Vol. 11, pag. 109—133. 5. Rakowitza, E. G. Notes de Biologie. Arch. de zool. experim. 3 ser. 2. 1894. 6. Schmidtlein, R. Beobachtungen über die Lebensweise einiger Seethiere innerhalb der Aquarien der zoologischen Station. Mitth. zool. Station. Neapel, Bd. I, 1879. Herr F. E. SCHULZE demoustrirte eine Variatsreihe von Gdllimorpha colona. Referirabend am 18. Februar 1903. Herr Rawitz über: Die elastischen Fasern im Kehlkopfe mit besonderer Berücksichtigung der functiouellen Structur und der Function der wahren und falschen Stimmlippe. Von Dr. Katzenstein. Archiv f. Laryn- gologie, Bd. 13. Herr Heinroth über: 1) Die Sperrvorrichtung an den Zehen der Vögel. Von Josef Schaffer, Wien. 2) Ornitliologische Ergebnisse der I. Deutschen Südsee- Expedition von Br. Mencke. Von Dr. 0. Heinroth. J. i'. Starcke, Beiün W. Nr. 3. 1903. Sitzungs-Bericht der Gesellschaft iiatiirforscliender Freunde zu Berlin vom 10. März 1903. Vorsitzender : Herr Schwendener. Herr G. Breddin sprach über neue Paläotropische Reduviinen. Triatoma migrans n. spec. Der Tr. ruhrofasciata Dkg. in Schaabelbau und Färbung verwandt Pronotum gekörnelt. Füblergruben den Augen deutlich näher als dem Kopfende; 1. Fühlerglied das deut- lich dreilappige Kopfende nicht erreichend. — Schmutzig ockergelblich. Fühlerglied 1 und 2, der Kopf (grössten- theils), 4 divergirende Längsstreife des Pronotum -Hinter- feldes, das Schildchen (ausser der Spitze) und Randflecke des Abdomens, oft auch Schnabelglied 1 und Beine schwarz- braun. Basis der Flügeldecken, Coriumspitze, ein sehr grosser Fleck im Innenwinkel des Corium und die Endhälfte des Clavus verwaschen schwarzbraun. Membran schwarz. — Länge ITV-t (c/") — 24 (9) mm. — Süd- Java; Nordost- Sumatra. Tiarodes Waterstradti n. spec. 2 . Hinterwinkel des Pronotum in lange spitzwinklige Zähne ausgezogen. — Hellockergelb. Kopf oben mit Fühlern und Schnabel, unregelmässige Querflecke nahe dem Vorderrand des Halsschildes und auf dem Quereindruck, Flügeldecken. Connexiv, Randflecke des Bauches, schmale B;isis und Ende der Vorderschienen, Mittelschienen oben u'kI Hinterschienen schwarz. Connexiv mit gelben Quer- binden. Ein sehr grosser, vorn ausgebuchteter Fleck des 3 112 Gesellschaft natnrfwschender Freunde, Berlin. Coriums weisslich; ein schiefes Fleckchen nahe der Corium- basis gelb. Länge 2OV2 mm. Nord-Borneo. Tiarodurganda n. gen. Zwischen Tiarodes Bürm. und Durganda Am. stehend. Stimmt mit letzterer überein durch folgende Zeichen: Augen vom Ende und der Basis des Kopfes gleichweit entfernt; Fühler in der Mitte zwischen Augen uud Tylusende einge- lenlit; Wangen als schalenförmige Platten frei lang vorge- zogen. Kopf hinter den Augen geschnürt, dahinter merklich verbreitert; Nebenaugeu weit von einander entfernt; Schuabel- glied 1 nicht länger als 2. Nähert sich Tiarodes in folgen- den Stücken: Kopf dick cylindrisch; Vorderhüften genähert; Prosternum schmal, langspitzig, tief gefurcht. Hinterleib kaum breiter als das Halsschild. Vorderschenkel unten mit 2 Reihen Dörnchen. Mittelschenkel daselbst mit Knötchen besetzt. Tiarodurganda apiculis n. spec. cT. Fersengruben der Vorderschienen kaum Ve der Schienenlänge betragend. Hinterfeld des Halsschildes flach- quergerunzelt. — Glänzend stahlblau; Flügeldecken schwarz, matt. Beine, Plinterleib und ein randstäudiger Apicalfleck des Coriums schön dottergelb. Genitalplatte und Umgebung pechschwarz. Länge 117-i, Schulterbreite S'/imm. — Toukin. Heteropinus n. gen. Der Gattung Staliastes Kiuk. im Habitus nahestehend. Körper klein, flachgedrückt, lang anliegend behaart. Kopf klein, mit den Augen so breit als lang, hinter den Augen sehr verdickt, dann plötzlich verschmälert. Halsschild mit durchlaufender Quer- und Längsfurche. Die Ecken aller Hinterleibssegmente kurz zahnartig vorragend. Vorderhüften einander fast berührend. Schnabel kurz, dem Kopfe an- liegend (wenigstens in seiner Basalhälfte); Glied 1 nur so lang als breit; Glied 2 mehr als doppelt so lang wie 3. Vorderschenkel etwas verdickt, unten mit einer Reihe borstentragender Dörnchen. 1. Fühlerglied sehr kurz und dick, Glied 2 lang cylindrisch; zwischen beiden Gliedern ein sehr deutliches, ziemlich gestrecktes Zwischenglied. Sitzung vom 10. März 1903. 113 Heteropinus mollis n. spec. d'. Pechbrauii. 1. Fühlerglied, SchnabeL Brust- und Bauchmitte, Beine, Flügeldecken hell rostgelb, Membran, bis auf den inneren Theil des Basalsaumes, tiefschwarz. Länge 6V2 mm. Schulterbreite 2 mm. — Nord-Kamerun. Staliastes melancholicus n. spec. $. Flügeldecken das Hinterleibsende ein wenig tiber- ragend- Fersengrube fast die Endhälfte der Vorderschienen einnehmend. — Tiefschwarz, glänzend; Halbdecken matt. Beine und Hinterleib blutroth. Vorder- und Mittelhüften, sowie der Endrand der Schenkel und der Schienen und die Tarsen schwärzlich. Länge (mit Decken) 13 mm, Schulter- breite 3 mm. — Tonkin. Lenaeus marmoratus n. spec. (/• Augen fast so weit von der Basis wie vom Ende des Kopfes entfernt. Schnabelglied 1 ein wenig länger als Glied 2; dieses deutlich länger als Glied 3. Vorderfeld des Halsschildes mit glatten, warzenförmigen Erhabenheiten, bedeckt; Hinterfeld mit dick konischen deutlich vorragenden Schulterecken; auf der Scheibe mit zwei kurzen zusammen- gedrückten stumpfen Zähnen. Schildchen mit kaum vorge- zogener, am Ende knopfig verdickter Spitze. Innere Membran- zelle von der Basis an deutlich verbreitert. Vordere Schenkel auffallend laug, das Kopfende weit überragend. — Sehr hell ockergelb. Ein Seitenstreif des Kopfes, hieroglyphische Zeichnungen des Pronotumvorderfeldes, eine stumpfwinklige Querbinde des Hinterpronotums, ein verloschener grosser Fleck vor der Coriummitte (nach der Clavusnaht einige Adern aussendend), eine gebrochene Querlinie vor der Clavus- spitze. Seitenflecken der Brust, 2 Reihen Fleckchen an den Bauchseiten (basal wärts jederseits zu 1 grossen Fleck verfliessend) , Basis, Spitze und ein Ring der Schienen, Schenkelende und Halbringe auf der Oberseite der Schenkel und verloschene Flecke der Connexivsegmente pechschw^arz oder schwärzlich. Membran schmutzig ockergelb; Innen- winkel und Geäder schwärzlich. Länge 17, Schulterbreite 473 mm. — Malakka (Perak). W^ Gesellschaft naiiu- forschender Freunde^ Berlin. SchuUheissidia n. gen. Nächststehend Vclitra Stal. Körper klein, ziemlich flachgedrückt, flach und glänzend. Kopf mit den Augen so breit als lang; vor den Augen liegender Teil kurz, stark abwärts gewölbt, > glatt. Schnabel abstehend. Halsschild, mit gerundetem Hinterraud und nahezu durch- laufender starker Mittelfurche; Vorderfeld ohne Runzel- sculptur. Prosternum flachgefurcht, die Spitze nicht auf- gebogen. Bauch querüber gewölbt. Vorder- und Mittel- schenkel an der Basis schlank, in der Mitte sehr deutlich verdickt, unten mit einigen Dörnchen bewehrt. Fersen- gruben der Vorderschienen deutlich. 1. Fühlerglied das Kopf- ende etwas überragend, etwa '/s so lang als das 2. Glied. SchuUheissidia mitis n. spec. $. Schwarz; Hinterleib, Mitte der Hinterbrust und Hiuterfüsse oraugegelb; letztere oben gegen Ende schwärz- lich. Halbdecken mattschwarz; ein grosser dem Costalrand aufsitzender Fleck vor der Mitte und die äusserste Spitze des Coriums, sowie der Eudsaum der Membran hellgelb; eine breite winkelförmige Zeichnung in der Aussenhälfte der Membran weisslich. Länge T'/s mm. — NordostSumatra. Velitra maxima n. spec. o^. Scheibe des Bauches gewölbt, nur am Bauchgrund durch verloschene Kiele von den Bauchseiten geschieden. — Pechschwarz, glanzlos; Schnabelspitze, Brust- und Bauchmitte mehr pechbraun. Schienen (bis auf Grund und Ende) und Tarsen, sowie die apicalen Vs des 2. Fühler- gliedes schmutzig rostbraun. Bauchsauni, Connexiv und Corium schmutzig rosig. Der am Grunde schmale, nach hinten stark verbreiterte Costalsaum und ein Randstreif des Corium neben der hinteren Clavushälfte pechschwarz. Länge 24:72, Schulterbreite 7 mm. — Tonkin. Ccrilocus harscht n. spec. 9 . Im Habitus dem C. inermipes Stäl am nächsten verwandt, aber in den Schultern viel schmäler (Prouotum kaum breiter als lang), der stark verbreiterte Hinterleib mehr als IV2 mal so breit wie das Halsschild, die End- winkel des 7. Conuexivsegments etwas lappig vorgezogen, Sitzung vom 10. März 1903. 115 breit gerundet. Flügeldecken das Hinterleibsende erheblich überragend. Beine länger, Schenivel viel schlanker; Vorder- iind Mittel Schenkel unten sehr deutlich gedornt. — Farben- verteiUing wie bei C. iiwnmpes, nur ist das Gelb viel heller und das Grunddrittel aller Schenkel ist gelb. Schildchen pechschwarz. Länge (mit Decken) 25 V2, Schulterbreite 6 mm. — Congo. Cerilocus poecilus n. spec. 9 . Körper erheblich schmäler als bei den bekannten Arten, von den Schultern ab bis nahe dem Hinterleibsende fast gleichbreit. — Schwarz, wenig glänzend. Das Basal- glied der schmutzigbrauuen Fühler, das Hinterfeld des Halsschildes (ohne die schwarze Mittelfurche), ein grosser dreieckiger Discalfleck des Coriums, ein breiter Ring der Schenkel und ein subbasaler Ring der Schienen ockergelb. Hintertarsen und Spitzen der Schienen rostgelb. Eine breite, durch die schwarzen Adern unterbrochene Querbinde und ein Spitzenfleck der Membran gelblich-weiss, durchscheinend. Länge (mit Decken) I8V2, Schulterbreite öVö mni. — Kamerun. Phouerr/ates impcrator n. spec. 9. Untergattung PJwnergates. Glänzend violett; ein sehr breiter, subbasaler Ring der Vorder- und Mittel- schenkel schön orangerot. Flügeldecken matt schwarz. — Halsschild glatt; Hinterfeld am Quereindruck mit dichten Längsrunzeln, auf der Scheibe mit einigen undeutlichen Punkten. Vorderfeld mit dichterer, in gew^undenen Streifen angeordneter Punktirung; die glatten Zwischenräume zwischen diesen Streifen schwarzviolett. Länge (mit Decken) 2372, Schulterbreite 1^3 mm. — Kamerun. Caprocethera n. gen. Der Gattung Carcinomma Bergr. nahe verwandt und von ihr durch folgende Zeichen abweichend: Wangen in zwei sehr lange, schlanke, leicht diver- girende Dornen vorgezogen. Halsschild querüber deutlich gewölbt; Vorderfeld am Seitenrande mit spitzem Dorn und davor einem Knötchen, Hinterfeld an den Schultern und auf \\ß Gesellschaft naturforschender Freunde, Berlin. der Scheibe mit zusammengedrückten Dornen, Ecken der Connexivsegmente mit einem spitzen Zahn bewehrt. Caprocethera cave n. spec. cT. Schmäler als C. astroJogiis Bkrgr. Die Kopfdornen das Ende des 1. Fühlergliedes erreichend. Hinteres Pronotumfeld undeutlich gerunzelt; Schulterdornen nach aussen und hinten vorgezogen. Schildspitze in einen zu- sammengedrückten, aufgerichteten, leicht zurückgekrümmten Dorn erhoben. Membranzellen die Membranmitte deutlich überragend. Spitze des 2. Fühlergliedes keulig verdickt. — Verwaschen pechbraun. Spitze des 2. Fühlergliedes. Schilddorn, Schenkeleude und Schienen schwärzlich. Zwei Ringe der letzteren, Tarsen, Kopfdornen und Fühler gelblich. Bauch pechbraun mit ockergelber Zeichnung. Membran verwaschen schwarzbraun, gelblich marmorirt. Länge (ohne Kopfdorne) llV4mm. — Ostafrika (Tana). Cethera maculipennis n. spec. cf . Kleiner und zierlicher als C. niusiva Germ., die Augen merklich w^eiter von der Kopfbasis entfernt; der platten- förmige Stirnfortsatz (von oben gesehen) tief eingeschnitten. Pronotum stärker geschnürt, die Knoten der Halsecke vorn gerade abgestutzt; Vorderfeld des Pronotums mit spitzen Dörnchen bewehrt; Hinterfeld ohne Runzelung. mit spitzen, zahnartig vorragenden Schulterecken und auf der Scheibe nahe dem Hinterraud mit zwei stumpf-zahn förmigen Höckern, davor 2 glatte quere Erhebungen. — Färbung und Zeichnung ähnlich wie bei C. musiva, die Zeichnungen der Oberfläche verwaschen. Der Innenwinkel der Membran (ausser der äussersten Basis) nebst den Zellen von einem grossen, sehr auffälligen, im ganzen quadratischen tiefschvvarzen Sammet- fleck bedeckt. Länge 7^4 —SV* mm. — Nord-Kamerun. Inara currax n. spec. Körper langgestreckt; der Hinterleib nicht breiter als die Schultern, die Flügeldecken in Ruhelage seitlich nicht oder kaum überragend; Flügeldecken über das Hinterleibs- ende nicht hinausragend. Schulterecken mit kurzem, spitzem Dorn bewehrt; hintere Seitenränder des Halsschildes auf- Sitznmj vom 10. März 1903. 117 geschlagen, die Hinterecken spitzwinklig vorgezogen. Schild- chen mit langem, yerticaiem Dorn und einem knotenförmigen Höcker jederseits nahe der Basis. Beine lang, schlank; Fersengrube etwa 7* so lang als die Vorderschienen. Körper mit einzelstehender, langer, aufrechter Behaarung; diese Behaarung auf der Unterseite des Kopfes, der Vorder- briist und den vorderen Schenkeln zu einem weissen, schimmelartigen Haarfilz verdichtet. — Glänzend metallisch- violett. Beiae und Schilddorn orangerot oder hell blutrot. Die Spitze des letzteren, die Oberseite der Vorder- und Mittelschenkel, die Oberseite der Vorder- und Mittelschieneu, nach der Basis zu. die ganzen Hinterschienen, Tarsen, Trochanteren und Hüften, nebst den Halbdecken schwarz. Ein dreieckiger Fleck im Endwinkel des Coriums gelblich- weiss. Jederseits am Bauche eine Reihe querovaler Fleck- chen und ein grosser querbindenartiger hinter der Mitte gelegener Fleck dicht silberweiss behaart. Länge 1372 bis 15 mm. — Nordost- Sumatra. Pasiropsis morio n. spec. (/. Zurückgebogene Spitze des Prosternums fast senk- recht, schlank und zart dornenförmig. Vorderschenkel schlauk-keulig; Fersengrube der Vorderschieuen sehr schmal, etwa 75 der Schienenlänge ausmachend. Hinterfeld des Halsschildes mit leichter linienförmiger Mittelfurche. — Tiefschwarz, fast glanzlos. Schnabelspitze pechbraun. Die Grenzen der Connexivsegmente (oben und unten) durch je eine feine weissliche Linie bezeichnet. Länge 1074 mm. — Sumatra. Tetroxid (Tetroxia) piceipes n. spec. 2 . Der T. Beauvoisi Fairm. Dist. in Bau und Grösse nahestehend. 1. Fühlerglied etwas länger und schlanker, Vorderfeld des Halsschildes mit linienförmiger Mittelf iirche, Dorn des Schildchens erheblich länger, steiler aufgerichtet mit leicht zurückgekrümmter Spitze, Hinterleib etwas schmäler. Färbung wie bei T. Beauvoisi, doch Hiuterleibs- rand, Schenkel und Schienen einfarbig, pechschwarz oder schwarzbraun; Membran einfarbig schwarz. Corium und 118 Gesellschaft naturforschender Freunde, Berlin. Clavus schwarz. Basis des Coriums (weniger als V^ der Länge), mehr als die EndhäWte des Clavus, der sehr schmale anstossende Clavalsaum des Coriums und ein schiefer bindenartiger Fleck an und auf der Membranscheide (den Innen- und Aussenrand des Coriums nicht erreichend) dottergelb. Länge 19 V2 mm. — Kamerun. Tetroxia (Acanthaspis) scurra n. spec. 9. An J! flavovaria Hhn. in der Färbung erinnernd, aber der T. tergemina Bukm. im Bau am nächsten verwandt. Augen gross, von oben gesehen breiter als die Stirn zwischen den Augen; linienförmige Mittelfurche der Stirn sehr deutlich. Vorderfeld des Halsschildes mit wurm- förmiger Runzelsculptur; Ilinterfeld mit flachen, warzen- förmigen Erhebungen dicht bedeckt, ohne knotenförmige Erhöhungen am Hinterrand, mit vorn deutlicher, hinten in eine feine Linie auslaufender Mittelfurche und sehr kurz zahnartig vorragender Schulterecke. Schilddoru ziemlich kurz, gerade, halb liegend. — Pechschwarz mit weicher gelblicher Behaarung. Ein grosser, aus 4 Flecken zu- sammengeflossener Querfleck nebst den Schulterzähnen und dem hinteren Aussenrand des Halsschildes, die äusserste Spitze des Schilddorus, die Basis des Coriums und eine kurze zweimal gebrochene Querbinde hinter der Mitte nebst einem Längsstreif an der Clavusnaht, der Schildsaum des Clavus in der Mitte, die Adern der Membran (ausser der äusseren), quadratische Flecken des Hinterleibsrandes, der Hinterleibsrücken, 1. Fühlerglied oben (ausser der Spitze), die Tarsen, 2 breite Ringe der Schienen und etwa das Enddrittel der Schenkel hell ockergelb oder lehmgelb. Kleine ringförmig geordnete schwärzliche Fleckchen teilen die helle Zeichnung der Schenkeleudeu in einen Doppelriug. Die Membranspitze (vom Zellenende ab) schmutzig-weiss, einen verloschen schwärzlichen Fleck eiuschliessend. Länge I9V2 mm. — Ceylon. Tetroxia (Acanthaspis) niyricollis n. spec. cT . Nahe verwandt der vorigen Art. Augen von oben gesehen dem vorderen Kopfende sehr genähert, merklich Sitzumj vom 10. März 1903. 119 schmäler als die Stirn zwischen den Augen; Stirn auch hier mit deutlicher linienförmiger Mittelfurche. Pronotum mit feinen, gruppenweise gehäuften Körnchen dicht bedeclit; Vorderfeld „sculpturirt". die flachen Furchen zwischen den gekörnelten Runzeln glatt; Hinterfeld nur vorn mit deut- lichem Längseindruck und ohne knotenförmige Erhöhungen nahe dem Ilinterraud. Schilddorn stark schrägliegend, ziem- lich kurz, gerade. 1. Fühlerglied kürzer als der Kopf. — Schwarz, unten pechschwarz. Viereckige (z. Th. quadratische) Randflecken des Hinterleibs, die Spitzen der Schenkel (etwa V'4— V-n)' die Schienen und Tarsen nebst der Basis des Coriums lehmgelb oder hell ockergelb. Ein fast kreis- runder (nur vorn in der Mitte leicht gekerbter) Fleck hinter der Mitte des Coriums und ein grosser Spitzenfleck der Membran weisslich-gelb; letzterer einen schwärzlichen Läugsfleck einschliessend. Die Spitze, ein verloschener Ring vor der Mitte und die schmale Basis der Schienen pechbraun. Länge 16 V2 mm. — Ostindien (Sangli). Tetroxid severa n. spec. 9. Durch die [langgestreckte Gestalt sowie den Bau des Kopfes und Halsschildes erheblich von den mir be- kannten Tdroxta-Avten abweichend und rü Reduvins j^ersonatus L. erinnernd. — Kopf mit den kaum mittelgrossen Augen ziemlich schmal, hinter den Augen wenig verjüngt. Hals- schild unbewehrt, weit vor der Mitte geschnürt, mit fast ganz durchlaufender Mittelfurche; Vorderfeld wenig convex, ohne wurmförmige Sculptur; Hinterecken des Halsschildes ganz abgerundet; Schultern nicht vorragend, gerundet. Schild in ein sehr kurzes, schräg ansteigendes Spitzchen auslaufend. Membran das IIinterleil)seude wenig überragend. Aeussere Membranzelle an der Basis viel schmäler als die innere, kurz hinter der Basis ziemlich stark verbreitert, dann bis ans Ende fast gleichbreit. Vorder- und Mittelschenkel kaum verdickt. Fersengruben fast halb so laug als die Vorderschienen. — Tiefschwarz, glanzlos, weichbehaart. Vorderschenkel (besonders innen und unten) und Tarsen dunkel pechbraun. Hinterfeld des Prothorax, die äusserste Basis des Coriums und der Epipleuren schön orangegelb. j^20 Gesellschaft naturfoi-schender Freunde, Berlin. Schildbasis schmutzig rostbraun. Bauch silbergrau behaart. Länge 17V2. Schulterbr. 4 mm." — Tonkin. Tetroxia (IJloclcptes) spurca n. spec. Die Art weicht zusammen mit der nahverwandten T. conspersa Stal im ganzen Habitus und durch einige structurelle Merlvmale so erheblich von den Tetroxia- kvi^n ab, dass man sie als Untergattung (wenn nicht als eigene Gattung) TJhclcptes m. abtrennen muss: Körper klein, völlig behaart, Kopf klein, eiförmig; Mittelkiel der Brust nicht gegabelt, sondern bis zwischen die Vorderhüften durchlaufend, Brust zwischen den Mittel- und Vorderhüften daher mit gekreuzten Kielen; Halsschild auf der Scheibe unbewehrt. Schulterecken ab- gerundet, nicht vorragend, Halstuberkel ganz undeutlich. Schildchen mit massig vorgezogener liegender Spitze. Membrannaht bis zum Endpunkte des inneren Coriumsectors gerade (nicht gebuchtet), die innere Membranzelle an der Basis so breit oder breiter als die äussere, von der Basis an verschmälert. Nebenaugen von einander viel weiter entfernt als von den kleinen Augen. Fühlerglied 1 kürzer als der Kopf und wenig kürzer als Glied 2. Fersengruhe kaum Ve der Länge der Vorderschienen ausmachend. 1. Fühlerglied V^ - 7-5 so lang als Glied 2. Vorderfeld des Prouotums mit wurmförmiger Ruuzelsculptur, Hinterfeld fein gerunzelt. — Glanzlos, schwarzbraun. Hals- schild hinten und an den Schultern heller. Ein Costaistreif des Coriums vor der Mitte, die Sectoren, der Hinterleib (der glänzende Bauch an den Seiten dunkler), Fühlerglied 2 (ausser der schwarzen Spitze) und 1 . Schienen (das Ende dunkler) und Tarsen verwasclien und schmutzig rostgelb. Membran mit feiner, wolkig verfliessender Spreukelung und einer hellen Linie am äusseren Theil der Basis. Behaarung graugelb bis goldgelb. Länge 9 — 10 mm. Schulterbreite 8— S'/inim. — Deutsch Neu-Guinea. Centrogoniis ochreipennis n. spec. cf- Augen gross, halbkugelig, unten und oben ein- ander stark genähert (Abstand unten weit geringer als die Sii2umj vom 10. März 1903 121 Breite des 1. Schüabelgliedes, oben geringer als der Quer- durehinesser des Auges); Stirn zwischen den Augen unbe- wehrt. Dornen des Halsschildes nur massig lang, die- jenigen an der Halsecke etwas kürzer und dicker als die übrigen; Schulterdornen schräg nach hinten und aussen ge- richtet. Hinterfeld des Pronotums mit dichter, meist querer Runzelung und schmaler Mittel furche. Schilddorn schlank, halb liegend, die Spitze kaum merklich gebogen. Counexiv- segmente 2—5 mit einem kurzen, sehr spitzen Zahn bewehrt. Beine schlank, die Hinterschenkel fast an das Hinterleibs- ende reichend. Fersengruben fast halb so lang als die Vorderschienen. -- Dunkel pechbraun bis pechschwarz, schwach seidig schimmernd. Kopf vor den Augen, Schnabel, 1. Fühlerglied und schmale Basis des zweiten. Dornen der Oberseite. Beine, Brust- und Bauchmitte gelblich; ein ver- wischter Ring vor dem Schenkelende etwas heller. Flügel- decken und Hinterleibsrand sauber ockergelb; die Basis der Connexivsegmente, und die schmale Basis der Flügeldecken pechbraun; ein Längswisch zwischen Costa und 1. Sector nahe der Coriumecke schwärzlich. Membran schwärzlich, nach der Basis und dem Commissuralrand hin schwarz; der Innenwinkel selbst ockergelb. Länge (mit Halbdecken) 23 mm. Variirt: Halsschild grösstentheils trübe ockergelb, hinten mit pechbraunem Mittelfleck. — Nordwest-Australien. Diplosiacanthia n. gen. Kopf merklich kürzer als das Halsschild, vor den Augen schnell und stark abwärts gebogen, zwischen den Fühlern mit zwei dicht aneinanderliegenden, horizontalen, lang und schlank vorragenden Dornen bewehrt. Schnabel abstehend, (jilied 1 und 2 etwa gleich lang. Pronotum weit vor der Mitte geschnürt, nahe dem Hinterrande mit 4, auf den Halsecken mit je einem langen, schlanken Dorn be- wehrt. Hinterfeld mit schlanken Schulterdornen und un- bewehrter Scheibe. Dorn des Schildchens schlank, schräg aufsteigend, nach hinten gekrümmt. Hinterecken der Con- nexivsegmente mit schlanken Dornen bewehrt. Schenkel 122 Gesellschaft naturforschender Freunde, Berlin. nicht verdickt: Vorderschieuen mit Fersengruben; Tarsen schlaulv. Baucii ohne Mittelkrel. Fühlerglied 2 fast doppelt so lang als Glied 1. Der australischen Gattung Centrogomis Brgr. nahe stehend, durch die Bewehrung der Stirn leicht unter- schieden. Biplosiacanthia monticola n. spec. cf. Stirndornen die Mitte des 1. Fühlergliedes fast erreichend. Dorn des Schildchens etwa unter 45*^ auf- steigend, leicht gekrümmt. Hinterfeld des Pronotums dicht und fein runzelig, matt. Fersengruben kaum mehr als Vs so lang wie die Vorderschienen. — Pechschwarz oder dunkel pechbraun. Pronotum schön ockergelb, Vorderfeld und Schilddorn hell pechbraun. Fühlergruben. Stirndornen, Fühler, Endhälfte der Vorder- und Mittelschenkel, ein breiter Mittel- riijg der Hinterschenkel, die Schienen (ausser der Basis der Hinterschienen), die Tarsen. Bauchmitte der Länge nach, hintere Ecken der Connexivsegmente oben und unten (die Spitze der Dornen schwarz) und der Hinterrand des 7. Bauch- segments hellgelb bis weisslich. Hinterleibsrücken schmutzig rostbraun. Basis gelblich. Membran rauchgrau; Corium schmutzig pechbraun; die vorgezogene Coriumecke, ein Längsfleck neben der Clavusendhälfte, der Clavus und etwa die basale Hälfte der Membran (mit den Zellen) sammetig schwarz. Der Fleck des Coriums ringsum und die Corium- ecke vorn schmal gelb gerandet. Tarsen, Schienenende und Fühlerglied 3 und 4 leicht rotlibraun angelaufen. Var. picea. Pronotum pechschw\^rz ; Mittel- und Vorder- schenkel unweit der Spitze mit bräunlichem Ring. Länge 774— 7 '/a miu. — JSord-Kamerim (Job. Albrechts- höhe). Iphitlbcrcutd n. gen. Kopf klein, eiförmig, hinter den kleinen Augen ge- schnürt, dann wieder verdickt; Fühler dicht vor den Augen eingelenkt. Sclmabel weit abstehend; Glied 1 deutlich länger als Glied 2. Pronotum viel breiter als lang, nach vorn stark verengt, vor der Mitte stark geschnürt; Vorder- Sitzung vom 10. März 1903. 123 feld convex, ziemlich schmal; Halsecken abgerimdet. ohne Knoten; Hinterfeld des Pronotiims glatt nnbewehrt, ohne deutliche Mittel furche, mit gerundeten Schultern und breit gerundetem Hinterrand. Flügeldecken das Hinterleibs- ende weit überragend; äussere Membranzelle nach der Basis zu sehr stark verschmälert und dort viel schmaler als die überall gleichbreite innere Zelle. Connexivsegiuente an der Hinterecke mit deutlichem aufgesetztem Zahn be- wehrt. Vorderschenkel nur wenig verdickt, unten auf der Innenseite mit einer Reihe kleiner Döruchen. Vorder- schienen unten mit Stiften besetzt, an der Spitze nach hinten in einen spornähnlichen Fortsatz deutlich umgebogen. Vordertrochanteren unten in einen dicken konischen Höcker erhoben. Tarsen schlank. Vorderbrust gefurcht, horizontal; Mittel- und Hinterbrust ohne Mittelkiel. Fühler- glied 1 schlank, so laug als der Kopf; Fühlerglied 2 etwa 1 V2 mal so lang. Iphitliereuta lougipennis n. spec. (/. Kopf etwa ^4 so lang als das Halsschild; die Anschwellung hinter den Augen fast so breit als die Stirn mit den Augen. Vorderfeld des Pronotums nur halb so breit als das Hinterfeld, sculi)turirt, nur hinten, in der Mitte etwas eingedrückt; Hinterfeld glalt, glänzend. Schildchen convex; eine vorgezogene S])itze ist nicht erkennbar (abge- brochen V). Flügeldecken lang, mit der Endhälfte der Membran das Ilinterleibsende überragend und (in Ruhelage) wenig schmäler als der Hinterleib. Zähnchen des 2. Con- nexivsegments sehr spitz. — Pechschwarz, wenigstens auf den Flügeldecken und unten kurz und dicht behaart. Membran tiefschwarz. Prothorax, äusserste Basis der Halb- declvcn und des Schildchens, sowie die Hüften, Trochanteren und Schenkel der Vorderfüsse schön orangerot; das Ende der letzteren (besonders oben) schwärzlich. Kopf unten und vor den Augen, Schnabel, Mittel- und Hinterbrust nebst den Hüften und Trochanteren der hinteren Beinpaare, die Grundhälfte der Mittelschenkel und die Basis der Hinter- schenkel schmutzig rotgelb. Tarsen und letzte Fühler- 124 Gesellschaft naturforschender Freunde, Berlin. glieder schmutzig bräimlichgelb. Länge 14 mm, ohne Halbdeckeu 11 mm; Schultei'breite 4 mm. Holland. Neu- Guinea (Hattau). Junghuhnidia^) n. gen. Kopf ziemlich klein, eiförmig, hinter den kleinen Augen geschnürt, dahinter wieder verdickt. Schnabel abstehend; 1. Glied deutlich länger als Glied 2. Halsschild ziemlich breit, weit hinter der Mitte geschnürt, mit deutlicher, nach vorn und hinten sich etwas abflachender Längsfurche. Vorderfeld convex. ohne Spur eines Halbtuberkels; Hinter- feld glatt unbewehrt mit abgerundeten Schultern und sehr flach gerundetem Hinterrand. Schildmitte kaum convex, die Spitze nicht vorgezogen. Flügeldecken mit dicken er- habenen Adern, kürzer und erheblich schmäler als der breiteiförraige Hinterleib. Connexivrand unbewehrt, die Ecke des zweiten Segments ein wenig vorragend, mit ab- gerundeter Spitze. Aeussere Membranzelle nach der Basis zu erheblich verschmälert, daselbst erheblich schmäler als die überall gleichbreite innere Zelle. Vorderbrust gefurcht, horizontal. Mittel- und Hinterbrust mit deutlichem Mittelkiel. Vorderschenkel etwas verdickt, hinter der Basis deutlicli gebogen, unten gegen Ende mit kaum sichtbaren Körnchen; Vorderschienen auf der Unterseite mit einer Reihe spitzer Körnchen, die Spitze nach hinten kurz spornförmig vorgezogen; Fersengruben fehlen. Vorder- trochanteren unten etwas verdickt. Fühlerglied 1 kürzer als der Kopf; Glied 2 etwa LV-i mal so laug. Der vorigen Gattung und Crociaeiis Bredd. nahe ver- wandt. Jungliiihnidia crucnta n. spec. 9. Vorderfeld des Pronotums sculpturirt. Hell blut- rot, oben glanzlos. Flügeldecken zwischen den roten Adern leicht geschwärzt; Membran schwarz. Hinterleibsrücken nach den Seiten hin beim beschriebenen Stück schwarzbraun. Länge 12 mm. Schulterbreite 37^ "i'»- West-Java (Pengalengan). *) Dem Andenken F. W. Junghuhn"s, des beriiliinten Eifoisclieis der Insel Java, gewidmet. Sitzung rom 10. März 1903. 125 Physoderus serraticollis n. spec (/. Kopf so lang als das Halsschild; Fühlergruben etwa gleichweit von den Augen und von dem Kopfende entfernt; Fiihlerglied 1 das Kopfende ein wenig überragend. Vorderes Feld des Pronotums länger als das hintere Feld, und nur wenig schmäler als dieses, stark convex (sehr deutlich höher als das Hinterfeld), mit einigen spitzen Knötchen auf der Scheibe und am Rande mit dornen- ähnlichen spitzen Tuberl- schaffen Schott, sichelförmig. 2V2 mal kürzer als der ungeringelte Theil der Dentes. Abdomen IV öVa mal länger als Ab- domen III. IMesonotum staik gewölbt. Schuppen gerundet. — Gelblichgriin, liell. Schuppen bräunlich. Augenflecke und Stii'nauge schwarz, schwarz umrandet die Antennen- wurzel; Tibiotarsus des 3. Paares endwärts mit breiter schwarzer Querbinde (aussen), ebenso Tibiotarsus des 2. Paares, aber nur mit schwarzem Fleck, der die Aussen- seite nicht ganz schwarz färbt. Furca und Ventraltubus heller. — Länge des gestreckten Thieres ohne Kopf und Fm'ca 1 ,4 mm. 1 P^xemplar von Dr. Fülleborn bei Langenburg am Nyassa-See gesammelt. Diese schöne Art nähert sich durch den Bau der Älucrones den Arten Lep. fakifcr Schffij., L.pacliardi Schott und L. schaff er i Schott, ist diesen gegenüber aber gut durch die Bezahnung der Klauen, die relative Länge des tibiotarsaleu Spürhaares sowie auch die gelblichgrüne Färbimg gekennzeichnet. 22. Lepidocijrtus domestictts n. sp. Auch diese Form hat sichelförmige Mucrones. die etwa halb so lang sind wie der ungeringelte Theil der Dentes. Klauen schlank, mit 4 Innenzähnen. Ton denen die Proximal- zähue etwa in der Mitte der Innenkante stehen, der Ante- apicalzahn sehr klein, der zweite dagegen gross, spitz, nach Yorn gerichtet; Lateralzähne und auch 1 echter Aussenzahn 152 Gesellschaft natiirforsehcnder Freunde, Berlin. sind entwickelt. Empodialanhang lanzettlich, mit orerader Anssenlamelle, am 5. Paar etwas länger als die Hälfte der Klauendiagonale. Tibiotarsales Spürhaar dick, kurz, etwas länger als V* der Klauendiagonale (am 3. Paar). Antennen bis 275 länger als die Kopfdiagonale, 1:11: III: IV etwa = 1:1 V2 : 1 7r. ; 2. 8 + 8 Ommen. Abdomen IV 5—8 mal länger als III. Körper sehr lang gestreckt, auch der Kopf relativ lang. Mesonotum vorn mit einem Schopf feiner Keulenhaare; Antennen, Heine und Körperende dicht uud stark behaart; After von zahlreichen Keulenhaaren umstellt; Antennen- und I3eingiieder mit einigen besonders langen Haaren. Die Tergite von Thorax II und III bedecken ziemlich ganz die Hüftglieder namentlich des 2. und 3. Bein- paares. Rundschuppen, diese thcilweise sehr lang. — Schneeweiss, ausser den Augenflecken und dem Stirnauge völlig unpigmentirt. — Länge bis 2,3 mm. 1 Exemplar von meinem Freunde Gulinbkkg in seiner Wohnung zu Berlin im Januar 1903 gesammelt; 2 weitere Exemplare wurden von Ilerin Khausbaukr in Weilburg (Hessen) im August 1897 erbeutet und in seinem Werke p. 80, Anmerkung 2 als „Sira donuatica Nie. mit iMucrones ohne Anteapicalzahn" verzeichnet. Von Li'}!, flavovircns n. sp. untei'scheidet sich domcsticus n. sp durch die Klauen und die relative Länge des tibio- tarsalen Spiirhaares, ferner auch durch die Fäi-bung und die allgemeine Körpej'gestalt (namentlich auch den eigen- thiimlich langen Koi)f). Das verwandtschaftliche Verhältnis zu L. pacliardl Schott juuss erst noch näher festgelegt werden; sollten beide einer Art angehören? Sein- charak- teristisch ist für domcsticus n. sp die Gestalt und Grösse des 2. endvvärtigen Innenzahnes. Sectio Fseudosinella Schffk. (ut genus). (-f Protosirodrs C. B., Mcsosirodcs C. B.. Sirodcs Sciikfk.) 23. Lppklocijrtus (Vscndosiuclht) 8 puuctntus (C. B.) var. 2ncta n. vai*. Weicht, abgesehen von einigen unwesentlichen morpho- logischen Details, die von dem Altersunterschied der früher Sitzmifj vom 10. 3Iärz 1903. 153 Yoü mir beschriebenen, nur in 2 jungen Thieren vorhandenen llaiiptform und der von mir in Italien gefundenen Exem- l)lare herrühren diiiften. durch die Pigmentirung imd die etwas andere Stellung der 4 Ommen ab. Kopf. Antennen und Hiiftglieder. namentlich der ersten beiden Paare, zer- streut violett punktirt; Meso- und Metauotum sehr fein und undeutlich punktirt. Augenfleck rundlich viereckig. () Exemplare unter Blumentöpfen im Botanischen Garten von Palermo (5. April 1902). 1 am Earo bei Genua (20. März 1902) von mir erbeutet. 24. Lcpidocijrtus (Psatdoshuila) immaculatus (Lie-Pktt.) ab. tridenticAilata n. ab. Unterscheidet sich von der Hauptform (F. immacidata Lie-Pett.) durch das Voi-handensein von 3 Inuenzähnen an den Klauen, während deren jene nur 2 besitzt (nämlich die beiden Proximalzähne). Empodialanhang ist zugespitzt, seine Aussenlamelle in der basalen Hälfte breit. 1 Exemplar von mir unter einem Stein am Fusse des Monte Pellegrino gefunden (28. März 1902). 25. Lepidocyrtus (PsmdosineUa) fallax n. sp. Die Art hat mit L. (Ps.) scxocuhia Schott den Besitz von nur 3 + 3 Ommen gemein, ist aber dennoch nicht mit dieser verwandt, sondern sehr wahrscheinlich von einer anderen Art dieser Gattung ausgegangen und im Laufe der Peductionsentwicklung der Augen bei der gleichen Zahl an- gelangt wie jene. Sie unterscheidet sich durch folgendes: Antennen 1 7* mal länger wie die Kopfdiagonale. 1 : 11 : III : IV — 1 : 1 '/a — IV"? : iVö • 3. Klauen mit 3 Innenzähnen, von den Proxinialzähnen ist der äussere (vordere) bedeutend grösser als der innere (hintere). Empodialanhang lanzett- lich, fast halb so lang wie die Klauen diagonale (am 3. Paar). Tibiotarsales Spürhaar, welches an der Spitze nur schwach verbreitert ist. nicht ganz so lang wie der Empodialanhang (am 3. Paar). Abdomen IV 3 — 4 mal länger als III. üentes + Mucro iV-t mal länger als das Manubrium. Die 3 Ommen stehen jederseits dicht gedrängt am Vorderrande des Augenflecks, ziemlich diclit hinter den Antennen. 154 Gesellschaft naturforschender Freunde, Berlin. Bei P. sexoculdta Schott (= P. voigtsi C. B.) stehen die Augen auf 2 getrennten Flecken, auf den vorderen 2. auf dem hinteren 1 ; Dcntes + Mucro gleich lang mit dem Manubrium; Abdomen IV 2-74nial länger als III; tibio- tarsales Spiirhaar -/s der Klauendiagonale; Proximalzähne der Klauen anscheinend ziemlich gleich gross; Antennen kaum länger wie die Kopfdiagonale, II kaum länger als III. Augenfleck schwarz, ähnlich wie bei L. odopuncMus (C. B), Kopf sehr spärlich fein violett punktirt; Antennen hell; Schuppen gelbbräunlich. Boi'sten bräunlich. Länge bis 1 mm. 1 Exemplar auf einem Acker zwischen Palazzo Adriano und Prizzi (Sicilia) am 2 April 1902, 7 Exemplare bei Palmi (Calabria) 9.— 11. April 1902. stets unter Steinen, z. Th. zwischen Ameisen, von mir gefunden. Subgenus Lepidocyrtinns subg. nov. Mesonotum nur wenig vorragend, Antenne III und IV secundär geringelt, Rund- und Spitzschuppen. Mucrones sichelförmig. 26. Lepidocijrtus (Lepidocijrtinus) anmäicornis n. sp. Körpergestalt die Mitte zwischen Sira und Lcpidocyrtus haltend, doch noch mehr Lepidoct/rtus-arüg,. Behaarung spärlich (yermuthlich schlecht erhalten). Keulenborsten namentlich auf dem Mesonotum und dem Kopfe, sonst sehr spärlich; Beine. Antennen und Furca dichter behaart; ebenso der Mundhügel. 8 + 8 Ommen. Proximalommen nur sehr wenig Ideiner als die übrigen. Klauen schlank, mit 4 Innenzähnen, deren Proximalzähne eben vor der Mitte (grundwärts) stehen; Lateralzähne kräftig, ähnlich wie bei Eiitomohnja dorsalis etc.; Empodialanhang lanzettlich, schlank, etwas kürzer als die Entfernung der proximalen Innenzähne von der Klauenbasis (aussen gemessen) (am 3. Paar); tibiotarsales Spürhaar, stark am Ende verbreitert, um V^ — V-'^' kürzer als die Klauendiagonale (am 3. Paar). Furca gross, Dens (-f- Mucro) : Manubrium = l Ye : 1 '/s- Mucro sichelförmig, wie bei L. (Fscudosira) )i/jassicus n. sp., ca. 2'/4mal länger als der ungeringelte Theil der Dentes. Ab- Sitzinuj vom 10. März J.903. 155 dornen IV 3 Va— 5 74 mal länger als III. Antennen erheblich kürzer als der Körper, an dem einzigen Exemplar mit yoU- stäudigen Gliedern SVanial länger als die Kopfdiagonale, diese fast 4V2mal kürzer als die Körperlänge; Antennengiieder I : II : III : IV == 1 : 173 : 2V2 : SVs. Oft sind die Antennen unvollständig, einige Glieder verwachsen, so bisweilen I und II, oder II l und IV. Ventraltubus lang. Schuppen zumeist gerundet, selten zugespitzt, von sehr verschiedener Grösse. — Färbung weiss oder schwach violett pigmenth't und dann hellbläulich schiinmernd. mit vielen hellen Flecken dazwischen. Augenflecke, Stirnauge. Antennenbasis und zwischen diesen schwarz, ebenso die Hüftgiieder der Beine mit schwarzen dichtstehenden Flecken; Spitze des Femur und Tibiotarsus, und die Antennen violett. — Schuppen bräunlich. Länge bis 3.8 mm. 5 Exemplare von Dr. Flllebokn bei Langenburg am Nyassa See in einer klaren IMondnacht unter Bäumen (Lampenfang) erbeutet (16. August 1899). Die eben beschriebenen Thiere stellen die Hauptform dar. 2 weitere Exemplare die von Di-. Fülleisoijn in einer relativ trockenen Waldschlucht in Ukinga bei Marampa am '2\. und 22. September 1899 aus Mulm gesiebt wurden, unterscheiden sich einmal durch die relative Länge des tibiotarsalen Spürhaares des 3. Paares (: Klauendiagonale — 17'6 : 1). sodann durch die Färbung: die Antennengiieder und Beine bräunlich, Antenne III (und IV?) etwas violett angehaucht, I und II mit schwarzem Längsstreifen am Ober- rande; von den Beinhüften nur die des 1. Paares und die Hinterwangen des Kopfes (ausser den Augen) mit schwärz- lichen Flecken. Sie mag var. striata n. v. heissen. Das grösste Individuum misst 4,2 mm. Lc2)idoci/rtmus annulicornis n. subgen. n. sp. erinnert durch die Ringelung der beiden letzten Antennalglieder an VerJiocf/icUa AnsoLOX. unterscheidet sich von dieser aber durch nur 4 gliedrige Antennen, die relative Länge des 4. Abdominalsegmentes und durch andere in der hinten folgenden Bestimmungstabelle der Entomobrtjinen ausge- drückte Merkmale; ihn als Genus von Lepidocyrtus Bouul., C. B. abzutrennen, halte ich nicht für angemessen. 156 Gesellschaft naturforschemhr Freunde, Berlin. Genus Heteromurus Wankkl, Absolon. Subgenus Heteromurus s. str. Absolon. 27. Heteromurus tetrophthalmus n. sp. Diese durch 2 + 2 Ommen charakterisirte Art ist sehr nahe mit //. nitidus (Templ.) verwandt. Sie theilt mit ihr den Bau der Klauen, die 3 Innenzähne (davon 2 die beitannteu Proximalzähne) und jederseits einen deutlichen Basalzahn tragen; Empodialanhang schlank, spitz. Aussen- lamelle zum Unterschiede von H. nitidus und H. major (MoN.) ohne Zahn; tibiotarsales Spiirhaar nicht so lang wie die Klaue, anscheinend spitz (am 3. Paar). Mucro von normalem E72tomohr//incn-Ty\n\s, ca. Vs so lang wie der un- geringelte Theil der Dentes; diese (und Muci'o) etwa l'/zinal länger als das Manubrium. Abdomen IV iVsmal so lang wie III. Antennen fast doppelt so lang wie die Kopf- diagonale, I (primär) : II : III : IV etwa =1:2: 1"V4 : 3-/3; IV (primär) mit 8 — 10 sekundären Ringeln. Die beiden Ommen jederseits dicht bei einander liegend, auf gemein- samem kleinen Fleck oder für sich pigmentirt. Auf der Stirn und dem Vorderrande des JMesonotums finden sich mehrere Keulenhajire, sonst ist die Behaarung spärlich und zart, Schuppen länglich, gerundet, klein, sehr zahlreich. - Farbe ganz weissgelb. ohne braunes Pigment. — Länge des ausgestreckten Thieres ohne Furca bis 1,4 mm. 2 Exemplare unter Steinen auf dem Foro Romano in Rom (22. März 1902), 1 Exemplar unter einem Stein am Castello di S. Benedetto bei Palazzo Adriauo (Sicilia) (1. April 1902), 6 Exemplare unter Blumentöpfen im Botan. Garten von Palermo (5. April 1902) und 7 Exempl. unter Steinen in Olivenhainen bei Palmi (Calabria) (9. April 1902) von mir gesammelt. Diese Art stimmt mit //. docellatus Schutt, in der Zahl der Ommen überein, unterscheidet sich aber durch die Ringelung des letzten Antennengliedes. /2Ä Heteromurus caendcscens n. sp. Im Habitus stark an Arten der Gattung Fodura C= Tomocerus) erinnernd. Behaarung kräftiger als bei der Sitzung vom 10. März 1903. -157 vorhergehenden Art. lange Keulenborsten auf dem Kopfe, dem Vordeirande des Mesonotums und am Hinterende des Abdomens; Antennen, Beine und Furca dicht behaart. Schuppen diclit stehend, grössere und kleinere, gerundet, oft vorn einge]. Ätlurol)]^orus^\(^.'Yv\^.\^. (1\[) A. laricis Tullh.) b. Furca stets vorhanden. (1 Abdominalsegniente oder die beiden oder 3 letzten ISegmente verwachsen. Empodial- anhang stets vorhanden. a. Setae sensnales, soweit als solche erkennbar (am 1.-4. Abdominalsegment). vom normalen Spitz- borstentypuö. d, h. von (\v\' Hasis zur Spitze all- mählich verjüngt: 7. Jsotonui Bouhl.. C. B. (Tyjt. I. viridis Bouul.) ■^' Setae sensuales nudae. t G Abdoniinalsegmente: Subgen. Froisotoma C. H. (Tyj). /. miimta Tullh.) tt V. und VI. Abdominabsegment verwachsen: Subgen. Isotomina C. B. (Typ. I. agrcni C. B.) i"tt IV- — VI. Abdominalsegment verwachsen: Subgen. Folsomia i Willem) C. B. (Typ. /. fnuiaria (L.)). '^'■^' Setae sensuales serratae. 6 Abdominalsegniente: Subgen. Euisotoma C. B. (Typ. I. viridis Bourl.) |j. Setae sensuales wie bei den Tomoccrinoe und Eido- mohrywae, in ihrer ganzen Länge fein und allseitig gewimpert. je 2 Paar auf dem 2. — 4. Abdominal- segment. d Abdominalsegniente: 8. IsotottiHrifs gen. nov. (Typ. I. p(dustris (Mülllk)). 172 Gesellschaft nattirforschender Freunde, Berlin. Man ist versucht, die oben eruirten Untergattungen von Isotoma BouuL., C. B. als Genera zu betrachten, und zwar in erster Linie " und ""'". Da jedoch einige Arten von FAiisotoma C. B. (z. B. /. notahil/s Schffu.) den Beginn einer Verschmelzung der beiden letzten Abdominal segmente zeigen, ich ferner auch uiclit absehen kann, ob nicht viel- leicht Uebergänge zwischen "^'' und ^^ vorkommen, so halte ich es vorläufig für gegeben, die Gattung Isotoma als solche zu belassen. Isotoma xMlnstris (Mllr.) ist dagegen wohl als Vertreter einer selbständigen Gattung aufzufassen, deren Merkmal der feinere Bau und die Zahl der ab- dominalen Setae sensuales^) ist, die in völliger Ueber- einstimmuug mit denen der Tomocerl/nac und IJntomohryiuac steht, und bedenken wir, dass die Setae sensuales der Actaletlnae C. B. wie bei den meisten Isotominen nackt sind, so erscheint es um so mehr gerechtfertigt, auf Grund des angegebenen Charakters Isotoma palustris generisch ab- zutrennen. Sie leitet ohne Frage und ohne merklichen Sprung zu Alloschäfferia amjungcns (Schffr ) und durch diese zu den eigentlichen Ei/tomohri/inen über. In systematischer Hinsicht gehören bekanntlich die Entomohryinae Schffr., C. B. zu den schwierigsten Collem- bolen. Während man seit Tullberg und Sciiäfffr „schuppeuti'agende" und „nicht schuppentragende" Formen untersciiied und die Gattungen dieser Subfamilie in die Sectionen der „Pilosi" und „Squamosi" trennte, machte ich'-) darauf aufmerksam, „dass die schuppentragenden Foinien polyphyletischen Ursprunges sind", eine Anschauung, welche durch meine neuesten Studien befestigt worden ist. Während ich aber damals die Eniomohrjjhiac nach Untersuchung ihrer deutschen Vertreter in ^Enlomohryueformes'^ und ^.Lcpido- ^) Echte Setae sensuales (und zwnr nnckte, abstehende und an der Spitze schwach verdickte) fand ich auch unter den Achorutiden, ■/.. V>. bei Achorutes «riiidtiis Nie. in je 1 Paar auf dem Mesn- und Metanotuni. Sie sind jedenfalls weiter verbreitet und in(i,ulicher Weise nceionet, die Unterfamilien der Jsotoiiiinae, Fodurinae und Ei}toniobryume /.w Trilms herabzudrücken. ") cf. die sab ^) p. 1G5 citirte Arbeit. Sitzumj vom 10. März 1903. 173 ci)yiifon}u\s'' zerthoilen zu dürfen glaubte, bin ich jetzt auf Grund der Kenutniss fast aller hieher gehörigen Gattungen zu dem Resultat gelaugt, dass meio derzeitiger Versuch ehier Diagnostiziriing der Entomobryinengeuera sein Ziel nicht erreicht hat. Die Unterscheidungsmerkmale, welche ich für jene bei(hMi Gruppen angab. h;il)en sich iniLaufe meiner (Jüllembolenstudien als niciit sticidialtig erwiesen, wenn ich auch an m<'hrei'en meiner alteren Resultate noch festhalten jnuss. Ich wiederhole, dass Sinella Buook keine FMontohrija RoND. ist. dass Sira Lubb. die nächste Verwandte von letzt- genannter Gattung und FseudosincUa Schffr. nicht gleich Sira. sondern gleich Lepidocyrtus BoujiL. ist. Wenn ich damals die Entomobryaeformes und Lepidocyrtiformes hauptsächlich durch ihren Körperbau unterscheiden wollte, so weiss ich jetzt, dass dies unmöglich und unrichtig ist; der „mehr oder weniger dorsoveutral abgeplattete Körper" Ivomnit eigentlich nur Entomohr/jfc und Sira zu und nicht einmal allen Arten dieser Genera, und im Körperbau stinunen z, B. OrcheseUa Tkmpl., SiueUa Buook und He- tcromurus Wankel sehr auffällig überein. Vor allem ist es die Untersuchung einiger Eidomohr//a- Arinn [E. siiperha Krausi!., E. dorscdis Uzel. E. pundcola Uzel) gewesen, welche es mir plausibel gemacht hat. wenn Schäffeu') die Vermuthung auss[n'ichl, dass man in Zukunft vielleicht die Gattungen Sira und Lepidocijrtns nicht mehr würde aufrecht erhalten können. Die genannten 8 Entoniobry(^n unter- scheiden sich nämlich ähnlich von den anderen Arten der Gattung, wie Lcpidocijrtus von Sira, und zwar durch ihre Körpergestalt. Der sonst mehr oder weniger flache Körper der meisten E)domohrt/a- ArtGii ist bei jenen weit höher, und das Mesonotum ragt, namentlich bei erwachsenen Thieren, ähnlich weit über die Basis des Kopfes kapuzenartig vor, wie bei vielen Upidocijrten. Im specielleren rat he ich z. B. die auft'allend ähnliche Gestaltung des Ilinterrandes des IV. Abdominalsegmeutes bei den gewöhnlichen Eutomahrijcn und Sira einer — , bei den 3 anderen Eutomohrijcn und Lepidoci/rtus andrerseits zu beachten. ^) Die Collembola des Bismarck-Archipels, Arcli. f. Nat. 1898. ■174 Gesdlsclutf naturfwschender Freunde, Berlin. Bezüglich der Zusammengehörigkeit von CalisteJJa und Entomohrtja bin ich mir ganz klar; die. beiden UzEL'schen Entomobryen sind sehr nahe mit Kuausbauek's E. superha verwandt und an der Identität von dieser mit Calistdla supcrla Rt. darf wohl überhaupt nicht gezweifelt werden; die Angabe vom Vorhandensein von „silberglänzenden, hie und da in Querreihen augeordneten Schuppen" (nach einer brieflichen Mittheilung des Herrn Di-. W. M. Axelson allein von Reuter und nur an getrockneten Thieren beob- achtet), von deren Form niemals etwas ausgesagt wird, beruht meiner Ansicht nach auf einer Beobachtungstäuschung, denn die Existenz zweier im Uebrigen vollkommen übereinstimmenden Collembolen mit und ohne Schuppen ist mir vorläufig undenkbar, sollte sie aber doch statthaben, so resultirt dann die Nichtig- keit unserer systematischen Versuche. Weit schwieriger ist" die Frage zu beantworten, ob Sira und Lepidocijrtus zusammengezogen werden dürfen. Die mir bekannten Arten der eigentlichen ».S/ra-Gruppe zeichnen sich durch ein sehr beachteuswerthes Merkmal aus, welches ich gelegentlich der Diagnostizirung der von R. Heymons gesammelten neuen Sira villosa sp. nov. entdeckt habe. Ihre Furca entbehrt nämlich der Schupi)en und ist nur mit gewimperten (vielleicht auch einigen nackten) Ilaaren bekleidet. Es vereinigen somit die besagten Formen {S. pruni (Nie), huski Lunn., nigromaculata Lunu., platani (Nie.) und villosa n. sp.) 2 Merkmale (Spitzschuppen und Fehlen furcaler Schuppen), welche — wenigstens bis jetzt — eine Trennung der Gattung5/ra Lubb. \ on Lepidocyrtus BouKL. und ähnlichen Formen nicht nur möglich, sondern erforderlich machen. (Ferner sind Sira und Entomohrija ihrerseits durch den Besitz eines rundlichen, echten Sinnes- kolbens an der Spitze von Antenne IV ausgezeichnet, der bei den Lepidoct/rten bisher nur bei Pscudosira v/jassica n. sp. beobachtet werden konnte; wie mir Herr H. Agren |Lund, Schweden] freundlichst mittheilte, hatte er jenen Sinnes- kolben gleichfalls nur bei Sira und Entomohrija gefunden.) Dahingegen sind bei Lepidocyrtus Boürl., Fseudosinella SciiFFu. [nebst SectionenJ, Pscudosira Schutt und Lcpi- Sitzung vom 10. März 1903 -175 doci/rtimis subgen. nov. furcale, namentlich auch dentale Schuppen allbekannt; sie inseriren namentlich zahlreich auf der Ventralseite der Furca, während dorsal meist nur Haare gefunden werden. Alle diese Formen haben ferner fast durchweg „Rundschuppen" und nur selten „Spitz- schuppen", wie z. B. Lejx pidus Schffr.. der sicherlich in diese Gattung gehört und nicht, wie ich früher glaubte, eine Sira ist; dies nimmt uns heute aber um so weniger Wunder, als wir auch innerhalb der Gattung Paroneüa Schott, Schffr. Arten mit Rund-, und eine Art (P. dahli Schffr.) mit Spitzschuppen kennen. Durch das furcale Schuppen- kleid nähern sich die Formen der Lepidocyrtus-Gvn^^Q einigen anderen schuppentragenden Generibus (Heteromurus, Cijphoderns ; es kommt auch Paronella und Campylotliorax zu), es ist dies Merkmal aber kaum von höherem Werth und beweist uns nur, dass Sira Lube. kein Lepidocyrtus, andrer- seits PseudosineUa, Pseudosira und ?Mesira Stscherbakow keine Sira sind. Von diesen letzteren ist PseudosineUa Schffr. (-f Sirodes Schffr., Protosirodes C. B., Mesosirodes C. B ) ganz unzweifelhaft ein Subgenus von Le2yidoe/jrtus BouRL. . was mir aufs deutlichste einige neue Arten , wie Pseudosin. fallax n. sp. und P. octopunctata C. B. var. pida n. v. gezeigt haben. Die Länge des ungeringelten Theiles der Dentes zur Mucrolänge variirt bei ihnen, sodass eine Trennung von Lepidocyrtus unmöglich ist; überein- stimmend ist bei beiden übrigens auch die Körpergestalt (mehr oder weniger vorragendes Mesonotum) nnd die geringe Länge der Antennen, die unter echten Lepidocyrten unseren heimischen Arten, wie L. lanuginosus Tullb., cyaneus Tullb. etc. zukommt. In ganz besonders nahe Verwandtschaftsbeziehungen werden die Genera Lepidocyrtus und Sira nun weiter durch die Gattung Pseudosira Schott gebracht, die ich auf Grund der einen neuen Species (P. nyassica n. sp.), welche ich bezüglich einiger, von Schott für seine Species nicht er- wähnter und wichtiger Eigenschaften habe prüfen können, als Subgenus zu Lepidocyrtus Bourl. stelle, obwohl es Schott und Schäffer zu Sira Lubb. gebracht haben. Pseudosira 3t* 176 Gesellschaft luitiirforschender Freunde, Berlin. mjassica n. sp. theilt mit Lepiäocyrtus das Vorhandensein von Rundschuppen und des furcalen Schuppenkleides, ähnelt aber den echten Siren durch die allgemeine Körper- gestalt, was anscheinend auch für Pseudosira elcfjans Schott gilt. Fraglich ist noch das Genus Mesira Stschehbakow, vermuthlich aber synonym mit Pseudosira Schott. — Die Frage, ob Lepidocyrünns subg. nov. nicht besser als Genus zu betrachten sei, scheint mir im Hinblick auf Heteromurus Wankel, in welcher Gattung Arten mit secundär geringelten und einfachen Antenuengliedern vor- kommen, und die relativ enge Verwandtschaft mit Lepi- docyrtus in dem von mir oben angenommenen Sinne beantwortet werden zu müssen. Wollen wir doch bei all unseren systematischen Untersuchungen nicht nur neue Genera und Species imd Varietäten aufstellen, als vielmehr ia erster Linie ein natürliches, ein Vervvandtschaftssystera der zahlreichen Formen ermitteln, in dem „Genera- und Speciesfragen" nur eine untergeordnete Rolle spielen. In der folgenden Bestimmuagstabelle habe ich leider nur au einigen Stellen gleichzeitig die Verwandtschaft der einzelnen Genera auszudrücken vermocht. Sie verfolgt in erster Linie nur den Zweck, die bisher noch unangenehm bemerkbar gewesene Schwierigkeit, resp. Unmöglichkeit einer Bestimmung vieler Entomobryinen-Gattungen zu be- seitigen. Bestimmungstabelle der bisher bekannt gewordenen Gattungen und Untergattungen der Entoniohi'yiiiae SCHFFR., C. B. A.Keine Keulenborsten, keine Schuppen, Mucro wie bei den Isotominae, Antennen 4gliedrig, Abd. III und IV nicht erheblich verschieden lang. Klaueninnenkante einfach? a. Dentes ohne Dornen, Abd. IV mit 2 sehr langen Borsten auf dem Rücken: L Alloschaefferia gen. nov. (Typ. Isotoma conjugens Schffr.) b. Dentes mit Dornen, Abd. IV ohne jene Borsten: 2. Tomocerura Wahlgren. (Typ. T. picta Wahlgken.) Sitzung vom 10. März 1903. 177 B.Mit Keiileuborsten, mit oder ohne Schuppen, Mucro verschieden, Antennen 4 — 6gliedrig, Längenverhältniss von Abdomen III zu IV ver- schieden, Klaueninnenkante normalerweise in der basalen Hälfte gespalten. I. Dentes ohne Doppelreihe spitzrippiger Schuppen. a. Mucro plump; Dentes ungeringelt ; distal wenig oder nicht verschmälert. * ohne Schuppen, Dentes distal (in der Nähe des Mucro) mit einem schuppenförmigen Anhang, Antennen etwa 2mal so lang wie der Körper: 3. Cremastocephalus Schott. (Typ. C. trilohatus Schott.) *"" mit Schuppen. •f Dentes wie bei No. H, Antennen 3 mal so lang wie der Körper, Abdomen IV 9 mal so lang wie III: 4. Campylothorax Schott. (Typ. C. longicornis Schott.) tt Dentes ohne jenen distalen schuppenförmigen Anhang, mit langer (nackter oder gewimperter) Dornenreihe; Antennen kürzer oder länger als der Köper, Abdomen IV 4 mal länger als III : 5. Paronella Schott, Schffu. (incl. Trichorppha Schott) (Typ. P. fusca Schtt.) b. Mucro vom Entomobryen- Typus, klein; Dentes geringelt, distal allmählich und ziemlich erheblich verschmälert. a. Abdomen IV (in der Rückenmittellinie gemessen) kürzer als III; mit Schuppen. Ungeringelter Theil der Dentes vielmal länger als der Mucro, dieser ohne Basaldorn (nach Schäffer): 6. Leindophorella Schffr. (Typ. L. flavescens Schffr.) }. Abdomen IV so lang oder länger als III. * Dentes ohne Dornen, ö Antennen 4gliedrig. 3t** 178 Gesellschaft nnhtrforschender Freunde, Berlin. O Tibiotarsus nur am 3. Beinpaar gegenüber der gespatelten Spür- borste mit 1 nackten Spitzborste. 0, Antenne IV ungeringelt, oder III und IV geringelt und dann Abdomen IV SVs — 4 72 mal länger als III. •f* Furca ohne Schuppen, nur mit Haaren bekleidet. cT Ohne Schuppen. ■^ Abd. IV etwa gleich lang mit III: 7. Corynothrix Tullb. (Typ. 0. borealis Tüllb.) *^ Abd. IV 3 — 11 mal länger als III: 8. EntoTYiobrya Rond. (Typ. E. muscorum Nie. !) (Zu dieser Gattung ge- hören noch: Brepanura Schott, Calistella Rt. und ? Salina Macg.) ./ cf Körper mit Spitzschuppen. Abdomen IV 3— 7(?)mal länger als III: 9. Sira Lubb. (Yy]}.S.nigromaculata'L\]BB.) ^f Furca, namentlich auf der Ventralseite, mehr od weniger dicht mit Schuppen, dorsal mit zahlreichen, verschieden- artigen Haaren bekleidet; Rund-, selten Spitzschuppen: 1 0. Lepidocyrthus Bourl. , C. B. (Typ. L. hnuginosiis Tullb.) a. Mesonotum nicht vorragend, Körper5'/ra-ähnlich, Mucrones sichelförmig, Antennen III und IVungeringelt; Rundschuppenj : Sitzumj vom 10. März 1903. 179 Siibgen. P5eM£?o5^Va(ScuÖTT)C.B. (Typ. L. nyassicus n. sp.) Hierher wahrsclieiolich noch Mesira squamoornata Stscher- BAKOW. b. Mesonotum mehr oder weniger vorragend, (Meso-) Thorax in folgedessen höher als breit Antennenglieder imgeringelt Rund-, sehr selten Spitzschup pen, Antennenlänge verschie den, — ^16 Ommen: Subgen. Lepidocyrtus s. str. (Typ. L. lamiginosus Tullb.) (Hierher als Sektion: Pseudo- sinella Schffr., deren Unter- sektionen: Sirodes Schffr., Protosirodes C. B. und Meso- sirodesC. B. eingezogen werden.) c. Mesonotum nur wenig vor- ragend, Antenne III und IV secundär geringelt, Rund- schuppen, Mucrones wie bei a: Subgen. Lepidocyrtinus subg nov. (Typ. L. annulicornis sp. n.) vQO Antenne IV geringelt, lang. Abd. IV nur wenig länger als III; mit Schuppen: 11. Typhlopodura Absolon. (Typ. T. cavicola Absln.) iutf(m(»;p(inis o Punktierung ziemlich dicht und I5HEDD. BaUClldcST' , ,,. ^ , ...«^ . TT 1 1-11 i ••! (II, vn, VIII, zweitos, o''^l>- Hiuterhalftedes Halsschildos truhe siebentes, achtes Hin- und verwaschen olivengrünlich; die terleibssegmeiit, Ge gchulterdomen (obeu) und eine sie ver- bindende gerado Querbmde, sowie der Samn des Hinterrandes schwarz. Schildchen gelblich mit verwaschen blutrothem Scheib(Mifleck, der ringsum schwarz- braun umi-andet ist. Corium verwaschen und trübe pechbraun. Variirt: Schulterdornen deutlich nach vorn gebogen-). Fühlcrglied 2 bald mehr bald weniger deutlich länger als Glied 3. Länge (mit Halbd.) cf 107-t-llV4, ¥ 127.1— I2V4 mm; Schulterbr. eine heller. Die Schulterdornen und das Corium nach dem Endwinkel zu \erwasclien [»echbraun. Ein glatter schief gestellter Querfleck am Ende der Rinuila orangegelb. Die äusserste Sclmabelspitze, und die Endecken des 3.. 4. und 5. sowie des 7. Connexivsegments oben und unten schwarzbraun. Membran hyalin mit ganz verwaschener, grauer Schattenzeichnung und einem schwärzlichen schiefen Streifen, der den Aussenrand in der Mitte trifft. Rücken verwaschen blutroth. nach der Basis zu orange. Länge (mit Halbd.) lOVi. Breite des Halssch. 7'/-' mm. Neu-Guinea (leg. Schütz. Berliner ]\[useum). Dichohothrium n. gen. Kopf klein, unpunktirt. mit undeutlichem, nicht ge- schärftem Rand, die Stirnschwiele von der sehr schmalen Basis an nach vorn sehr deutlich erweitert. Wangen convex. Wangenplatten schmal linienförmig. mit der Wange zugleich (von der Seite gesehen) bogenförmig gekrümmt, hinten all- mählich verschwindend. Hinter den Schultern gelegener Theil des Halsschildes horizontal, der davor gelegene nach vorn stark abfallend. Pronotuniseitenrand sehr stark drehrund (teres) (die Randlinie daher vollkommen getilgt), Punktirung des Pronotums diesen gerundeten Rand nie erreichend. Cicatricalgegend als etwas convexes, unpunklirtes Querband ununterbrochen durchlaufend. Die davorliegende vordere Randung des Pronotums schmal, niedergedrückt mit wenigen (meist einreihig geordneten) Punkten. Schildchen länger als breit, mit schmalem Spitzentheil. Bauch scharf gekielt, der Basaldorn bis an die IMittelhüften vorgezogen, an- gedrückt, so hoch wie das hintere Ende der Brustplatte. Brustplatte hinten bis zwischen die Mittelhüften, vorn bis vor die Vorderhaften reichend, bis nahe an ihrejn Vorder- raude an Höhe allmählich zunehmend. Randkiele des Prosternums ziemlich deutlich, nac-ii vorn niedriger werdend. 208 Gesellschaft naturforschenäev Freunde, Berlin. Ostiolenfurche lang, gerade. Bauchseilen unpiinktirt, beim Weibchen, auf jeder Seite auf der Grenze des (i. und 7. AbdoniinaJsegments mit einer kreisrunden, grossen und tiefen, durch die etwas erhabene Incisur in zwei etwa gleiche Hälften getheiiten Copulationsgrube. Von Sastragcda durch die Ausdehnung der Brusti)latte und das Vorhandensein von Copulationsgruben beim Weibchen, durch letzteres Zeichen auch von ElasmosMlnis leicht zu unterscheiden. Von Stictocarcviis ausser den oben angegebenen Unterscheidungsmerkmalen, durch den ganz abweiclienden. an SasUxujala- und Ehsmosfctlnis- Arten er- innernden Habitus unterschieden. ^) Dichohothrium snstragnloides n. spec. cf ^ . Habitus einer kleinen Sastrar/ala mit langen, flachgedrückten (nicht drehrunden) nach aussen vorgezogenen Schulterdornen. Nebenaugen von einander etwa l'/2mal so weit entfernt als von den Augen. Pronotum massig dicht und stark punktirt. vorderer Seitenrand sowie der Hinterrand flach gebuchtet. Schild mit ziemlich flaclier und weitläufiger, Corium mit ziemlich grober, dichter, etwas zusammenfliessender Punktirung, das Costalfeld viel feiner und nur ganz weitläuftig punktirt. Hinterleib von der Basis an nacli hinten fast geradseitig verschmälert; End- ecken des 7. Segments in beiden Geschlechtern spitzwinklig vorgezogen. Fühlerglied 2 in der Länge variabel: kaum länger oder sehr deutlich länger als Glied 3. Glatt glänzend, hell honiggelb. Die Hinterhälfte des Pronotums und das Schildchen dunlvel pechbraun, Clavus und Corium etwas heller; die Schulterdorneu schwarz. Ein grosser undeutlich bogenseitig-dreieckiger Diskalfleck des Schildchens sowie jederseits ein kleines Fleckchen in den Basalwinkeln und wenigstens die äusserste Spitze honiggelb. Das Costalfeld des Coriums (hinter dem Ende der Ptinuila keilförmig längs des Costalrandes auslaufend und die Eiid- ecke des Coriums nicht erreichend) honiggelb. ]\Iembi'an verw'aschen schwärzlich; der innere Bas;ilwinkel (selir ') Weitcrc Untcrscliicdo von Sfic(i)C(ircni(s s. p. 'Jll Aiuii. SUzimfj vom 12 Mal 1903. 209 schnial) und ein gröii^yerer Fleck ;tii der Mitte des äusseren llaiides tluukler; ein Fleckchen im äusseren Basalwinkel und eine von dort iinch der Mitte der Membran hin ziehende seliräge Fleckchenbimle, sowie ein verloscheiier Sj)itzenfleck weisslich-liyalin. Hinterleibsrücken verwaschen roth, die l^ndeckeii des 7. Segments oben bUitroth. Fiibl<'r rostgell), das letzte Glied dunkler. c/*. Der sichtbare Theil des 8. Bauchsegments in (V^y iMille leicht gebuchtet, an den Seiten gerundet. Unterer Endrand des Genitalsegments breit und flach gei'UU(h't. V'ariirt : a. Schulterdorn deutlich nacli hinten gekrümmt. b. Die pechbraune Farbe auf Pronotum, Schild und Corium durch lichtes Rothbraun ersetzt. Schulter- doruen aber schwarz. Länge (mitHalbd.) 9-973, Schulterbreite 5 V.-, G'/r.mm. West-Java [Gede-Gebirge, 8000'. leg. FKuriSToKTKii, August 1892 (Berliner Museum und m. Sannnlung)]. Dichohothrium tenuisp intim n. spec. cj" $ . Kleiner und verhältnissmässig kürzei' als die vorige Art. mit stärker gebogenen Hinterleibsrändern und ganz anderer Form der Schulterdornen. Diese leicht nach aufwärts und vorwärts gerichtet, dick konisch, plötzlich in eine schlanke, drehrunde Dornenspitze ver- schmälert. Punktirung des Pronotums nnd Schildchens inässig grob und diclit, mit eingemischten flachen Quer- runzelchen; die Schildmitte etwas weitläufiger punktirt. Costalfeld des Coriums auch hier spärlich punktirt, ein bi'eiter Längssti-eif an der Innenseite der Rimula glatt, un- jHinktirt. Nebenaugen von einander etwa doppelt so weit entfernt als von den Augen. Fühlerverhältnisse wie bei der vorigen Art. — Hell honiggelb. Pronotum und Schildchen schwarzbraun punktirt. Hinteihälfte des Pro- notums und das Schildchen sehr verwaschen schmutzig bräunlich, das Schildchen nach der Basis zu dunkler pech- braun; zAvei etwas verloschene Fleckchen nahe der Basis und die Basalwinkel sowie die Schilds})itze weisslich-gelb. llal])decken hell li(iniggell). der Glavus, das basale Fünftel 210 Gesellschaft natu r forschender Freunde, Berlin. des Coriums (ausser dem schmalen Rand), das innen längs der Clavusnalit lang keilförmig nach hinten ausläuft und eine bi'eite. schiefe Binde längs der Membrannaht (in der Mitte in einer kurzen, zahuartigen Erweiterung gegen das Ende der Rimula hin vorspringend) dunkel schwarzbraun. IMembran wasserhell-liyalin, hinter der Mitte mit einem bogenförmigen ganz yerloschen rauchgrauen Querband, das etwa in der Mitte des Aussenrandes in einen dunkleren grösseren Fleck endigt; nach dem Basalwinkel zu noch 2 — 3 kleine ver- loschene Fleckchen. Die Schulterdornen oben und hinten, die Endecken des 7. Hinterleibssegments, sowie einige Zeich- mmgeu der weiblichen Analplatten schwarzbraun. Fühler schmutzig und verwaschen rostgelblich; Glied 2 wenig länger als Glied 3. cT. Der sichtbare Theil des 8. Abdomiualsegments in der Mitte deutlich eingebuchtet, an den Seiten gerundet. Unterer Eudrand des Genitalsegments breit- und etwas gestutzt-gerundet. $. Copulatiousgruben , wie bei voriger Art, sehr auffallend. Länge (mit Ilalbd.) 1^/^ — 1-/?., Schulterbreite 47^' bis 572 mm. West-Java [Gede-Gebirge, 8000", leg. Fkumstorfer, August 1902 (Berliner Museum und m. Sammlung). JDichohotlirium elasmostcthoidcs n. spec. ? . Im Habitus an einen Elasmostcthus. etwa grisnis L., erinnernd. Hinterleib von der Basis an nach hinten sehr flachbogig verschmälert. Schultereckeu deutlicli winkelig nach aussen vorragend und etwa einen Winkel von 70 — 80" bildend, un bedornt. Vordere Seitenränder des Halsschildes fast gerade. Punktirung des Halsschildes und Schildchens ziemlich fein und massig dicht, vielfach iu kurze Querlinien geordnet. Punktirung des Coriums fein und sehr weitläuftig, besonders im Costalfeld und in der Nähe der Rimula. Endecken des 7. Hinterleibssegments im ganzen nahezu rechteckig, der freie Rand der Innenseite leicht gerundet erweitert. - H
uni\lirt; diese Punktirung lliesst SitzMKj roiii l:>. Mai 1903. 211 auf der nititorliälfto dos Pi'onotuiiis zu (^uerlinieu zusammen und lässt diesen Theil dunlder erscheinen als die Vorder- hälfte. Der Schultorfortsatz oben goröthet, die Spitze pech- scliwarz. Schildchen mit weisslicher Spitze, die Grundhälfto verwaschen schwarzbraun, vier gelbliche Fleckchen (wie bei voriger Art) einschliessend. Halbdeciien sehr hell gelb. Clavus, das basale Viertel des Coriums (ausser dem schmalen Randfeld), das innen längs der Clavusnaht lang kielförmig nach hinten ausläuft, und eine schiefe Binde längs der Membrannaht (innen breiter als aussen und dort eine hellere Stelle einschliessend) schwarzbraun. Membran hyalin; ein ganz verloschen, rauchgraues bogenförmiges Querband hinter der Mitte, das um die Mitte des Aussenrandes in einen dunkleren Flecken endigt, und einige Fleckchen nach dem Innenwinkel zu von derselben Farbe. Hinterleibsrücken in der Mitte und am Ende hell-blutroth; die Endeckeu des 7. Hinterleibssegments (oben und unten) dunkel blutroth. Fühler etwas trübe hellgelb; Glied 2 erheblich länger als Glied 3 (wohl variabel?); Glied 4 und 5 nicht erhalten. Länge (ohne Halbd.) l^f-i, Schulterbreite 47'! mm. Ost-Java [Tengger Gebirge, 4000", leg. Fuuiistoufer (1 Stück, Berliner Museum)]. Stictocarenus ligatus Er. ') Uhijnchocoris ligata Er. 1842. = Cuspicona? taeniola Dall. 1851. ^=: Stictocarenus tneniola Reut. 1881. Das typische Exemplar Erichsoxs im Berliner Museum ^j Stictocarenus StaL unterscheidet sicli Dichohothrium m. ihircli folgende Merkmale: Bei Stictocarenus ist das Pronotum eben und als Ganzes und zwar nur sehr sanft, nach vorn geneigt, der Kih'per daher oben sehr erheblich flacher, der Pronotuniseitcnrand sehr deutlich als schmaler Kiel abgesetzt, fast blattartig geschäift. Die Punktirung des Hals- schildes erstreckt sich bis unmittelbar auf diesen Randkiel, die beiden unpunktirten Cicatricalfelder sind seitlich und vorn von breiten, ver- worren punktirten Feldern eingeschlossen, der Vorderrand vollkommen eben, niclit abgesetzt. Kopf oben ganz eben, dicht punktirt mit deutlich geschärftem Rande, die Stirnschwiele gleichbreit durchlaufend. Wangen nicht der Länge nach convex, die Wangenplatten mit ganz geradem Rand, nach hinten zu an Hc'die niclit abnehmend und an der Kopf- basis plötzlich gestutzt abbrechend. Bauchseiten punktirt. Im Habitus an DitoDWtai sus und Stanralia. erinnernd. 212 Gesellschaft na f urforschender Freunde, Berlin. ist ein Mcänuchen, der Pronotiimrand ist einfarbig, sonst stimmt es durcliaiis mit den Besclireibiingen des St. tacniola bei Dallas und Reuter überein. Der Bauch zeigt jederseits der Mitte eine durchlaufende eingedrückte Längsliuie, die nach innen zu auf jedem Segment von einem flachen hell goldgelben Längskielchen begrenzt ist. Das zwischen diesen Längswulsten gelegene Mittelfeld des Bauches glatt, sehr spärlich und fein punktirt. die ausserhalb davon gelegenen Felder dicht und stark runzelig punktirt. Der von Reuter beschriebene „dens obtusus pilifer ])rominens" in der Mitte des „segmentum genitale maris primum" gehört, nach meiner Untersuchung, nicht diesem (d. h. dem 8ten) Abdominalsegment, sondern dem darunter versteckten eigentlichen Genitalsegment an. Proctophantasta n. gen. Kopf oben eben, grösstentheils glatt, mit schmalem aufgeschlagenem Rand, vor den Augen buchtig verschmälert, die Spitze massig breit, die Lappen gieichlang, der mittlere gleichbreit durchlaufend, vor dem Ende mit rinnenförmigem Längseindruck; Wangenplatten selir niedrig, kielförmig, unweit der Kopfbasis plötzlich nach aussen umbiegend und divergent bis zum Kopfgrund verlaufend, eine grubenartige Vertiefung einschliessend. Halsschild convex, sanft nach vorn gewölbt-geneigt. Der Vorderrand, sowie der vordere und hintere Seitenrand des Pronotums fein fadenförmig ver- dickt und durch eine eingedrückte, punktirte Linie von der Scheibe abgesetzt; der Hinterrand leicht gebuchtet. Das glatte, querbind enartige Cicatrikalfeld ist hinten durch eine vertiefte Punktlinie begrenzt. Schildchen so lang als breit, mit massig breitem Spitzentheil. Corium ziemlich kurz; der Endi'aud in der Mitte stumpfwinklig gebuchtet, die Endecke abgerundet. Bauch mitte nicht gekielt. Bauchgrund ohne Dorn. Mittelbrust mit sehr feinem und sehr niedrigem, nach vorn kaum merkbar erhöhtem Mittelkiel. Prosternum ein gleichseitiges, von feinen Seitenkielen eingeschlossenes, vertieftes Dreieck bildend. Ostiolenfurcheu sehr kurz. Hinterleibsrand gerundet, unbewehrt; die Endecke des G. Segments nach hinten in eine scharfe Spitze ausgezogen; Sitzung rnui 1;?. Mai 1903. 213 (las 7. Segiuent (bei beiden Geschleclitem) mit zwei sehr lang nach hinten A^orgezogenen. leicht aufwärts gebogenen, überaus schlanken Dornfortsätzen be- wehrt. Fühler schlank; das 1. Glied das Kopfende kaum überragend; das 2. Glied (bei den bekannten Arten) gleicli- lang oder länger als Glied 3. Schnabel den Baucligrund überragend; Glied 1 die Kopfbasis nicht erreichend. Unter- seite der Vorderschienen etwa auf Vs ihrer Länge mit einem winzigen spornartigen Dörnchen bewehrt. Schenkel beim c^ etwas keulig verdickt. Zweites Tarsenglied breit und etwas flachgedrückt, 172- bis 2mal so lang als das Basalgiied. Im Bau der Mittelbrust und der Tarsen an Änischys Dali, sich anschliessend, durch die Wölbung und Randimg des Pronotums und den Halntus mehr an Microäeuterus Dali, erinnernd. Prodopliantasta colax n. spec. $ . Kopfoberseite vor den Nebenaugen mit einigen feinen Punkten; Stemmata von einander etwa doppelt so weit (Mitfernt wie von den Augen. Pronotum mit massig feiner und dichter Punktirung und eingemischten flachen Runzeln und glatten Fleckchen. Schildchen beim Ueber- gang in den Spitzentheil sehr deutlich gebuchtet, der Spitzentheil an der Basis verhältnissmässig schmal (etwas länger als an der Basis breit), mit fast geraden, schwach nach hinten convergireuden Seiten und ziemlich unvermittelt abgerundeter, massig breiter Spitze. Grundhälfte des Schildchens ziemlich grob punktii"t, die Punkte nach den Schildwinkeln zu gedrängt, nach der Mitte zu nur vereinzelt stellend. Ein grösserer, querovaler Fleck hinter der Schild- mitte glatt; der Spitzenteil fein und dicht punktirt, mit glatter Randlinie des Seitenrandes. Punktirung des Coriimis ziemlich fein und, besonders in der Aussenhälfte, sehr weit- läuftig. Fühler schlank, länger als der Körper (ohne die Abdomiuaklornen) ; Glied 2 erheblich länger als Glied 3. — Glänzend, weisslich-gelb. Die schmale Randuug der Stirn- schwiele und die Randlinie der Vorderhälfte des anteokularen Kopftheiles, ein damit verbundener Streif der (unteren) Kopfseiten über den Fühlergruben, sowie eine komplizirte 214 Gesellschaft naturforschender Freunde, Berlin. LängszeiclinuDg der Kopfsclieibe um die Nebenaugen und vor denselben, die als gerader Streif nach vorn fortgesetzt den äusseren Kopfrand vor (distalvvärts) der Mitte trifft, schwarz. Pronotum pechbrauu, nach vorn pechschwarz; der sehr schmale aufgeworfene Rand, zwei schräge, sub- marginale Längsbinden und eine, hinten schmal-linienartige und vielfach unterbrochene, vor der Mitte fleckenartig ver- breiterte Mittelbinde (die drei Binden durch die pechbraune, eingedrückte Puuktlinie hinter dem Cicatrikalfeld mehr oder weniger unterbrochen), einige Querrunzeln auf der Hinter- hälfte, zwei grössere Fleckchen unweit des Aussenrandes dicht hinter dem Cicatrikalfeld und zwei kleinere mit der Mittelbinde verfliesseude auf dem Cicatrikalfeld selber, unpunktirt, weissgelb. Die Punktirung des Schildchens pechbrauu. nach den Seiten hin und an der Spitze zu pech- braunen Flecken zusammenfliesseud, je ein Fleck der Schild- winkel, der grosse querovale, hinten linienförmig auslaufende Scheibenfleck und die Seitenränder des Spitzentheiles auf- fallend gelb. Halb decken trübe weisslich gelb, pech- braun punktirt; Aussenfeid nach der Spitze zu schön orange. Ein rundlicher Fleck vor und auf dem Ende der Rimula (innen), der schmale Endsaum des Coriums und der Schild- saum des Clavus schwarz. Seiten der Hinterbrust, und des Bauches, sowie das Ende der Hinterschenkel hell blut- roth; der Hinterrand der Hinterbrust sowie der Saum des Bauches weissgelb; die langen Hinterleibsdornen pech- schwarz. Einige Zeichnungen und Flecke der Mittel- und Vorderbrust schwarzbraun. Fühler schwärzlich; die Basi der drei letzten Glieder, sowie das zweite und erste Glied schmutzig gelblich; je ein Längsstreif des letzteren Gliedes aussen und innen und die Basis des 2. Gliedes pechschwarz. Hinterleibsrücken schmutzig orangegelb, nach den Seiten hin blutroth und pechbraun werdend und hier weissgelbe submarginale Flecke einschliessend. Connexiv hellgelb, mit braunem lunenrand. Membran hyalin. Länge (mit Abdominaldornen) S'/s mm, Schulterbreite 4 nun. Nordost-Sumatra [Tebing tinggi, leg. Sciiultheiss, 20. Februar 1884 (meine Sanmilung)]. SifzKiii) roiii /^'. 3f(ii 1903. 215 Fructophiintastii pscustcs n. spec. (/. Aehnlich der vorigen Art, die Seliildi'änder gorad- iiiiii;- (oliiie Ausbuchtung;) in den Spitzentheil sich fort- setzend. Der Spitzentheil plumper und an der Basis viel breiter liier (am Knde der Zügel) deutlich breiter als lang, die Seitenränder nach hinten (schwach bogig) stark convergirend, in die massig breit zugerundete Spitze allmählich umbiegend Stemmata von einander iVamal so weit ent- fernt wie von den Augen. Die Punktirung der Schildchen- basis au<;h in der Mitte dicht, mit Runzeln untermischt. Puuktirung der Halbdecken sehr viel gröber und dichter. Die Fühler etwas kürzer, das zweite Glied kaum merklich längin' als das dritte. Die Spitzen der langen Hinterleibs- dornen etwas nach innen gebogen. — Etwas trübe ocker- gelblich, die Punktirung pechbraun bis pechschwarz, mehr oder ^veniger zu Linien zusammenfliessend. Das Pronotum hinten, das Schildchen und ein verwaschener Fleck des Coriums vor und auf dem Ende der Rimula (innen) ver- waschen pechbrauii. Kleine Fleckchen in den Basalwinkeln des Schildchens, ein grosser querovaler Scheibenfleck, die Mittellinie hinter diesem Scheibenfleck und der ganze Eud- i'and der Schildspitze glatt, weisslich-gelb. Kopf mit wenigen schwarzen Punkten vor den Nebenaugen, sonst einfarbig; die Oberlippe schwärzlich. Unterseite mit Schnabel und Beinen hell weisslich-gelb; eine submarginale, schiefe Längslinie auf der Vorderhälfte der Propleuren und die feine Punktirung der Hinterhälfte schwarz. Bauch trübe und dunkel blutrolh. der Aussen- sowie der Endrand nebst den Abdominaldorneu weisslich-gelb Fühlerfarbe schmutzig gelblich, nach der Spitze zu in pechbraun und pechschwarz übergehend. Länge (mit Abdominaldornen) 6^5 mm. Sumatra [Seidang. leg. Puttfarkkn (llanibui'ger Museum)]. Froctoplianlasta satanas n. spec. cT. Schildränder geradlinig (ohne Ausbuchtung) in den Spitzentheil sich fortsetzend. Der Spitzentheil aus breitre Basis mit ganz geraden Seiten nach hinten zu sich schnell 216 Gesellschaft iiaturforschoider Fieuiide, Berlin. versohmälernd , die schmale Spitze gestutzt -genindet. Stemmata von einander etwa lV2mal so weit entfernt als von den Augen. Fühler schlank, lang; das zweite Glied etwa nm V^ länger als das dritte. Abdominaldornen sehr lang. Die Punktirung des Pronotums etwa wie bei P. colax, die dei' Halbdecken viel gröber; das Schildchen auch in der Mitte der Scheibe grob und dicht, etwas runzelig punktirt. — Oberseite schwarz. Vier Fleckchen im Nacken, ein Längsstreif zwischen den Ocellen, je ein Längsstreif in der Mitte der Jochstücke und eine dünne Längslinie der Stirnschwiele, sowie die Rand- linie des anteocularen Kopftheiles von den Augen bis zur Mitte, die Seitenrandlinie des Pronotums, eine schiefe, sub- marginale Längsbinde jederseits und eine Mittel binde der vorderen Pronotumhälfte (diese drei Binden durch die schwarze eingedrückte Pmiktlinie hinter dem Cicatrikalfeld unterbrochen), zwei Fleckchen des Cicatrikalfeldes und zwei Flecke dicht hinter diesem Feld unweit des Aussenrandes. je ein Fleck im Basalwinkel des Schildchens und eine mondsichelförmige (vorn concave) Querbinde hinter dessen Mitte (letztere Binde in der Mitte farblos punktirt). die Randliuie des Costalfeldes bis zur Mitte und ein ver- loschener verkehrt keilförmiger Längsstreif vor der Mitte des Coriums längs der Rimula (innen) weisslich-gelb. Unterseite mit Schnabel und Beinen weisslich-gell). Die Mesopleuren hinter der Mitte, die Metapleuren und der Bauch trübe blutroth; der Hinterrand der Meso- und der Metapleuren, der Bauchrand, sowie das ganze 7. Äbdominal- segment (ausser den schwarzbraunen Enddornen) schmutzig weisslich. Die Fühlerhöcker sowie eine von ihnen aus nach vorn verlaufende Linie der (unteren) Ko])fseiten. ein Punktfleck auf der äusseren Basis der Vorderhüftpfannen, zw^ei concentrische gebogene Bindchen auf dem Skapularfeld der Propleureu, sowie 1—2 verwaschene Zeichnungen der Mesopleuren jedei'seits pechschwarz. Schenkelenden ver- waschen und schmutzig orange; Schienen und Tarsen schmutzig gelblich, die Mitte der ersteren heller, das Tarsenende schwärzlich. Fühler schwarz, die Basis der drei letzten Glieder trübgelb, Glied 2 pech braun, Glied 1 ver- SitzuiHj roiii }■>. Mai. 1003. 2 1 7 waschen pechbraiiii, innen und aussen mit schwarzem Länj^sstreif. Län,i;'e (mit Ab(h»minal(loi'nen) S'A mm. Bornen (wahrscheinlicli Siidost-Borüeo, m. Sammlung). Proctophantasta diaholus n. spec. cf . Spitzentlieil des Schildchens etwa wie bei vorij^cr Art gebildet, die Punktirimg des Halsschildes eben so dicht und gleichmässig wie bei P. satanas. Schildchen längs der Mitte von der Basis an l)is zur Spitze ununterbrochen imnktirt, an der Basis giv'iber. au der Spitze feiner. Stemmata von einander nicht ganz doppelt so weit entfernt wie von den Augen. Alle drei vorderen Ko])f läppen gegen Ende löffeiförmig etwas vertieft. Fühlerglied '2 etwa 1 V2 mal so lang als Glied 3. Die Abdominaldornen viel kürzer als bei P. safancis. — Tief schwarz. Vier kleine Fleckchen im Nacken, ein kurzer Längsstrich zwischen den Ocelien. ein dünner Längsstreif der Jochstücke und die aehr feine Handlinie des Kopfes. 5 7 punktförmige Fleck- chen auf dem Cicatrikaltheil des Pronotnms und dessen feiner aufgeworfener Seitenrand, jederseits ein grosser, schiefer, unpunktirter Bindenfleck längs des Seiten- randes des Schildchens von der Basis an bis fast ans Ende der Zügel reichend und ein dreieckiges Fleckchen des Coriums im Aussenfeid hinter dem Ende der Rimula belegen schwefelgelb. Ein verkehrt keilförmiger Fleck im Innern der Basalhälfte des Coriums schmutzig weisslich, braun punktirt Die Unterseite des Kopfes, die Vorder- brust, eine breite (durch eine schwarze Linie unterbrochene) Querbinde der Mesopleuren längs dem Vorderrand, der Ilinterrand der Metaplcuren mit den hinteren llüftpfannen, der Endraud der Hüften, der Rand des Bauches (ausser der Basis) und das 7. Abdominalsegment (ausser den Dornen) glatt, elfenbein weiss. Der Fühlerhöcker und eine submarginale Linie der (unteren) Kopfseiten davor, sowie ein grosser viereckiger Fleck auf dem Skapularfeld der Propleuren schwarz, letzterer zwei gebogene, concentrische weisse Bindchen einschliessend. Trochanteren und Basis der Schenkel schmutzig weissgelb, letztere gegen Ende und 218 Gesellschaft miturforschender Freunde, Berlin. die Basis der Schienen sehr verwaschen pechbraiin; Schienen- mitte und Fühlerbasis schmutzig' gelblich; Schienenende. Tarsen- und Fühlerende schwarzbraun. Fühlerglied 1 aussen und innen und die Basis von Glied 2 schwarz. Länge (mit Abdoniinaldornen) 6V2 mm. Ost-Java [Tengger-Gebirge, leg. Fkuhstokfek (Berliner Museum)]. Microdeuter US javauus n. spec. cT- Kopf unpunktirt, vor den Augen tief gebuchtet, vor der Ausbuchtung wieder deutlich erweitert, plötzlich und unvermittelt in den flach-gerundeten Vorderrand über- gehend Schildchenrand von der Basis an bis fast zur Spitze sich nahezu geradlinig fortsetzend; die Spitze ziemlich schmal, abgerundet; Spitzentheil mit flachem MittelUiel. Schnabel das vierte Hinterleibssegment kaum ei-reichend. Bauchkiel scharfkantig, fast bis zum Hinterleibsende durch- laufend. Bauchdorn das Fude der Mittelhüften fast er- reichend. Ventraler Theil des 7. Abdominalsegments in der Mitte wenig länger als die beiden vorhergehenden Segmente zusammen. Fühlerglied 3 kaum dreimal so lang als Glied 2. Das Pronotum weitläufig und massig fein ])unktirt; das Schildchen mit noch etwas feineren Punkten, die sich in der Mitte der Scheibe und an den Seiten in leicht nadelrissig vertieften Querlinien anordnen. Punktirung der Halbdecken erheblich gröber, längs der Rimala ginnen) mit einem nach hinten verbreiterten glatten Längsstreif. -- Glänzend; schmutzig rostgelb mit pechschwarzer Punktirung. Die Grundhälfte und die Spitze des Schildcheus. ein ver- wischter Fleck des Coriums kurz vor der Spitze der Rimula (innen) und das Corium gegen Ende hin mehr oder weniger dunkel schwarzbraun. Vier glatte Fleckchen der Schild- basis (die äusseren in den Grundwinkeln) hellgelb. Membran gleichmässig dunkelfarbig; nahe der Mitte des Aussenrandes zeigt sich ein schwärzlicher Fleck. Freier Conuexivrand l)eclischwarz, im äusseren Basalwinkel jedes Segments ein schiefer, tropfenförmiger gelber Fleck. Unterseite trübe und verwaschen blutroth. Der Kopf unten, der Hinterrand der Meso- und Metapleuren, die Ilüftpfanuen (wenigstens Sitzuiifi vom 1:J. Mai 1903. 210 zum Theil), lliineu, Trüclianlerei], Sclieukelltasis und Sehucabel verwaschen gelb. Die Mittel brüst [)latte und der liauch nach den Seiten bin pecbbräunlich; letzterer mit tropfenförmigen, subiiiarginalen Flecken (wie das Connexiv) und jederseits zwei Reihen kleiner, glatter Warzen hellgelb. Die Hchnabelspitzc und der Rand der Wangenplatten schwarz. Beine schmutzig ockergelblich; Schienen gegen Ende und Tarsen leicht geschwärzt. Fühler trübe rostgelb (Glied 5 nicht erhalten). cT- 7. Abdominalsegment auf der Unterseite in der Mitte tief hyperbolisch gebuchtet; jederseits davon mit einer massig tiefen und weiten, schiefen Einbuchtung; die drei Buchten durch schlanke s|)itzwinkligc Zähne getrennt; End- ecken des Segments spitzwinklig (etwas weniger als ßO"), sehr deutlich vorgezogen. Länge (mit Ilalbdecken) 10 mm. West-Java (Sukabumi. 2000', leg. Fkuiistohfeu. (m. Sammlung)]. ()nc((contias n. gen. Kopf eben, mit den Augen deutlich breiter als lang, vor den Augen leicht gebuchtet verschmälert, das Ende ziemlich breit abgerundet. Nebenaugen von einander etwa so weit entfernt als von den Augen. Auf der Unterseite des Kopfes ist die Fühlergrube hinten und innen von einem gerundeten, fast senkrecht aufgerichteten Plättchen begrenzt, das als scharfes, sehr deutliches Kielchen sich nach der Schnabelwurzel hin verliert. Pro- notum fast eben, nach vorn geneigt; die vorderen Seiten- ränder deutlich plattenartig-geschärft, nicht gebuchtet; Schultern wenig vorragend, unbewehrt; Basalrand flach ge- buchtet. Hintereckeu ziemlich deutlich. Schildchen länger als breit, mit schmaler vorgezogener Spitze. Hinterleib die Halbdeckeu (in Ruhelage) seitlich nicht überragend, von der Basis an schlank und nur sehr leicht bogig verschmälert. Bauch mit starkem Mittelkiel, der Basaldorn lang, bis zwischen oder fast vor die Voi'derhüften reichend, von der Basis an stark abwärts steigend (nicht horizontal), gekrümmt, au der Spitze deutlich höher als die 220 Gesellschaft naturfwschemler l^reumle, Berlin. ^Ii< telhnistplattc. Letztere Platte stark geriiudet er- hoben, kurz A'or den Vorderhiiften am höchsten und dort viel höher als diese, das Ende der Vorderbrust nach vorn nicht überragend und hinten die Mittelhüften nicht er- reichend. Erstes Tarsenglied kaum kürzer als das zweite. Endecken des 7. Hinterleibssegmeuts beim c/* deutlich spitzwinklig ausgezogen. Bauchseiten des $ am flinter- rand des 6. Hinterleibssegments mit sehr deutlichem, am Vorderrand des 7. Segments mit einem undeutlicheren glanzlosen, flachen Grubeneindruck. Bei oberflächlicher Betrachtung an ein Acantlwsoma erinnernd, aber durch die im Druck lierYoigehobeuen Zeichen abweichend. Oncacontias hrunneipcnnis n. spec. cf $ . Kopf oben quergenrnzelt mit zwei Längsstreifen aus feinen Punkten vor den Nebenaugen. Pronotum mit weitläufiger, feiner Punktirung. nahe dem (flachen) Vorik'r- rand und zwischen den glatten Cicatrices etwas dichter punktfrt. Schulterecken mit abgerundeter Sintze. die vorderen Seitenränder leicht gebogen, vorn in eine kleine rechtwinklige Ecke zahnartig nach aussen vorspringend. Schild besonders um die Mitte der Basis sehr weitläuftig. die Halbdecken dichter und das Corium erheblich gröber punktirt. Zweites Fühlerglied nur wenig länger als das dritte. — Glatt, glänzend, etwas trübe gelb (beim lebenden Thier vielleicht hellgrün?), Unterseite heller. Ein Fleck des Pronotums jederseits auf der Schulterecke und das Corium verwaschen pechbraun. Das Randfeld des Coriums bis zur Rimula plicatoria (ausser der schwarzbraunen End- ecke) trübe gelb; ein daranstossender Längsfleck an der Innenseite des Rimulaendes elfenbeinweiss. unpunktirt. Membran hyalin. Fühler (5. Glied nicht erhalten) rost- braun, gegen Ende dunkelbraun. Endecken des 7. Ab- dominalsegments unten bei beiden Geschlechtern verwaschen pechbraun. Länge (mit Halbd.) 10-11 mm; Schulterbr. 5-5-/3 mm. Neu Seeland (leg. OverbiiCK. Museum Hamburg). Sit2>i)Hf vom 1L>. Mal 190.1 221 Gehöi't vielleicht als Farbenvarietät zu dem mir unbe- kannten Chiicx vittatus Fah. lil. Neue Coreiden der Gruppe Helcomeraria. Prioptijchomia n. gen. llalsschild jederseits in einen grossen, fliigeläbnlicbi'n. am Rande gesägten, nach aussen und leicht nach hinten vorgezogenen Plattenfortsatz verbreitert. Schildspitze ohne Knötclien. IMembran der Halbdeclvcn dicht netzartig geädert. Fühlerglied 1 kaum kürzer als Glied 4. letzteres sehr deutlich länger als Glied 3. Hinterschenkel des cf unten dicht hinter der Mitte mit einem Dorn und nahe der Spitze mit einem breiten Zahn; sowohl Dorn wie Zahn be- rühren die (eingeschlagene) Hinterschiene auf der Aussen- seite derselben. Hinterschienen leicht gekrümmt, oben und unten erweitert (auf der Unterseite nahe der Basis einen flachen, stumpfwinkligen Zahn bildend). Erstes Tarsenglied deutlich länger als die beiden distalen Glieder zusammen. Im Bau der Schenkel mit Elasmomia Stal zunächst verwandt. P rioptDcliomia euryptcra n. spec. cT. Die plattenförmigen Schultererweiterungeu des Prothorax in eine scharfe nach aussen und hinten ge- wendete Spitze ausgezogen, ihr vorderer Rand mit kleinen, ihr Hinterrand mit sehr grossen und unregelmässigeu Zähnen bewehrt. Basalrand des Halsschildes in der Mitte leicht gebuchtet. Hinterleib in der ]Mitte viel breiter tils am Grunde, die Flügeldecken (in Ruhelage) seitlich erheblich überragend. Schnabelgiied 2 kaum kürzer als Glied 4, Glied 3 bei weitem das kürzeste. Vorderschieneu nicht oder nur undeutlich erw^eitert, gleichbreit; Mittelschienen erst in ihrem Enddrittel spatelföi-mig erweitert. Hinter- schenkel aussen und innen mit je einer Reihe massig grosser Spitzhöcker und auf der Innenseite unten nahe der Spitze mit 1 ( — 2) Dornenspitzcheu; Dorn in der Mitte der Unter- seite kurz abgestumpft; Zahn nahe dem Scheukelende gross, 222 Gesellscluiff )uifiirfors(Jirii. Juni 100:1 233 (3), welche sich von bekannten Arten dieses Siibgenus da- durch auszeichnet, dass ausser den Proepisternen auch die Mesoepisternen und zuweilen auch die Metaejjisternen mit Grübchenpunl\ten besetzt sind. Andere Arten dieses Subgenus sind carlnatus Kl. nebst der Subspecies nigrocyancsccns ni. (welche Bates für violuccus Kl. hielt), violaccus Kl., irurpurcipennis m. nebst der Subspecies iväiicnsis (4), ferner virklanus m. und hrevicostatus Quedf. Auch die westafrika- nischen Arten liamiUonl Bates und cumcruuus n. sp. (5) gehören in dieses Subgenus, unterscheiden sich aber von den vorstehenden ostafrikanischen Arten und Unterarten dieser Untergattung durch das Fehlen der Chätoporen auf den Ventralplatteu. Zu Mcsotcffkis ist ausser dem mwita Harold nur noch Ic'mgamis n. sp. (6) zu stellen. Dieses Subgenus leitet zu Tcffhis i. sp. über. Das Vorhandensein von Chätoporen fühi-t auf Archotejflus und Stktoteffhs zurück. In dem Subgenus Tcfflus i. sp. lassen sich fünf Arteu- gruppen unterscheiden. Zur dd('(jorgnci-(jiVv\\)\iQ gehören (jracilentus m., tenulcolUs Faium. (den ich früher i\\v pkuiifrons Muuu. hielt), ildegorgiiel GuEU. und hacquanli Ciiaud. Zur megerlci-(3iV\\]}\}Q'. ftschcri m., chaudoirl Raffu. und mcgcrkl F. Zur Sansibar kns-(jV\i'^\iQ: nyasskus n. sp. (7), läUmanus m. und sansibarkus m. nebst den Subspecies sansibarkus m.. ftnitimus ni., gogonkus m. und praccursor n. sp. (8). Zur rc/cAflrcii'- Gruppe: rckhardl m. und dentkidutus Quedf. 7a\v 2cbulianiis-(av\i\i\)Q: transitionis n. sp. (9), scbidknius Raffr. und erlangerl n. sp. (10). Die eingeklammerten Zahlen beziehen sich auf folgende kurz gefassten Diagnosen der neuen Formen: 1. Tcfflus (Archotefflns) gallanus n. sp. cT Von T. raffrayi Chaud. verschieden durch den schlankeren Körper, stärkere Rippen, weniger breite Streifen, kleinere Tuberkeln in letzteren, das weniger breite submarginale Interstitium ohne secundäre Rippe und den Mangel an 23-1: Ge.scUfichdft iiatKr/'oi-^c/u'iuU-r l'retiiide, Berlin. Grübcheupiiiikteu auf deu glatten Episternen. Querleisten der Streifen dichter stehend und zahlreicher als bei T. jamcsoni Bates. Länge des Körpers 32 mm. — Vom Gandjule-See in West-Galla, 5. Januar 1901 (Baron V. Erlanger). 2. Tcfflus (Stktotefflus) angnstipes n. sp. cT ^ • Dem T. hrcvicostahis Quedf. nahe verwandt, verschieden durch den kleineren und schlankeren Körper, den breitereu, oberseits etwas weniger grob gerunzelten Prothorax, dessen Hinterecken viel schärfer gewinkelt sind; ferner durch die gegen die Basis hin mehr verschmälerten Elytren, die bis zum Ende derselben ausgebildeten secimdären Rippen, die viel reichliclier punktirten Episternen des Prothorax und punktirten Episternen des Mesothorax; schliesslich durch die um mehr als die Hälfte schmaleren Vordertarsen des ]\Iännchcns. Kopf ganz dicht runzlig-punktirt. Länge des Körpei's 27 — 30 mm. — Aus Deutsch-Ostafrika: Süd-Uhehe zwischen Jringa und Mgololo, März 1899, und aus Ubena in Uhehe. April 1899 (W. Goetze). 3. T. uvinsanus n. subsp. Von T. angiistipcs durch die auf der Mitte glatte Stirn, den weniger tiefen Eindruck des Clypeus und den etwas breiteren Pi'othorax unter- schieden. Wahrscheinlich gehört diese Form als Subspecies in den Formenkreis von angustipes m. — Aus Konsi in der Landschaft Uvinsa, östlich vom Tanganyika-See, 2. November 1899 (Hauptmann Glauning). 4. T. (Stictolifl'his) purpurcipcnuis m., 8ub.«p. n. ivitucnsis. Dem T. xmrpureipcnuis recht ähnlich, aber ganz schwarz; die Elytren nach der Basis zu weniger gerundet und mehr ver- schmälert, ähnlich wie bei T. cannatiis und nigrocyancscens. aber die Rippen schmal und weniger hoch, als bei diesen Formen. Länge des Körpers 30 mm. — Aus Bri tisch - Ostafrika: Taruim llinterlande von Mombasa( F. Thomas). 5. T. (Süctotcjf lus) cumcrunus n. sp. Schwarz. Mit T. hamiltoni und carinatus nahe verwandt. Prothorax vor den rechtwiDkligen Hinterecken eingeschnürt. Prothorax kürzer und breiter als bei hamiltoni, vor den Hinterecken eingeschnürt. Flügeldecken stärker convex, siebente Rippe SitzKiiy vom !>. Jimi 1003. 235 schwach ausgebildet, ;iber deutlicher als bei T. raff'rai/L Alle Episternen glatt, nicht puüktirt. Länge des Körpers 35 mm. — Aus Südost - Kamerun: Yaiinde - Station (V. Ca RNA p). 6. T. (Mesotefflus) lünganus n. sp. ö" ? • Dem T. muata IIakoi-d sehr nahe verwandt, aber der Prothorax merlclich Idirzer im Verhältniss zur Breite und vor den stark einge- zogenen Hinterecken weder parallelseitig noch rechtwinklig, sondern vielmehr ausgebuchtet und spitzwinklig. Länge des Körpers 28 — 33 mm. — Aus dem Nord-Nyassa- Gebiet: zwischen Bulongwa und Buanyi (29. September 1899, Dr. Füllebohn). sowie Unyika (1. November 1899, W. Goetze). 7. T. {Tcffhis i. sp.) ni/assiats n. sp. (cf?) gehört zu den grössten Arten der Gattung und ist der ddcf/orgnci- Grupi)e ähnlich durch die Länge der Antennen und des letzten Palpengliedes, steht aber der sansihan'cus-Gi'u\)\)e nahe durch die Bildung der Rippen der Elytren, sowie durch die äussere Erscheinung. In der Sculptur des Pro- thorax steht die neue Art in der Mitte zwischen diesen beiden Artengruppen. Sie hat aber mit der schlanken Körpeiform des delcgorgiici nichts gemein. Dagegen gleicht sie dem saiisibarkus durch den Körperbau, die Länge der Beine und die Sculptur der Elytren. Die Streifen der Elytren sind ungefähr so breit wie die Kippen oder kaum breiter. Länge des Körpers 47 — 49 mm. — Aus dem Nord-Nyassa-Gebiet (Utengule, 12. Dezember 1898, Dr. Füllebohn; Unyika, 1. November 1899, W. Goetze). 8. T. {Tcffhis i. sp.) sansibaricus m., %v^)^). praccursor n. c/". Kleiner als der typische sansibaricus; Prothorax weniger breit, dessen Seiten in der Mitte abgerundet, vor den llinterecken gerade; Elytren nach dem Grunde zu etwas mehr verengt, Rippen etwas breiter. Streifen etwas schmaler. Beide erweiterte Glieder an den Vordertarsen des Männchens etwas schmaler. Von dem ähnlich grossen T. sehulianus sogleich durch die weniger glänzende Ober- seite des Körpers, die kürzeren Antennen, den abweichend gebildeten und oberseits dicliter runzlig-punktirten Prothorax 236 Gesellschaft luitarfursdteiider Freunde, Berlin. und die schmaleren Rippen der Elytren verschieden. — Länge des Körpers 36 min. — Aus Nord-Galla (Roba Schalo, 1. Dezember 1900, Baron v. Eklanger). 9. T. (Tcffhis i. sp.l transitionis n. sp. $. Bei merk- licher Aehnlichkeit mit T. rcichardi m. von dieser Art durch die deutlich längeren Antennen, den kleineren Kopf, die breiteren Rippen und die schwächer ausgebildeten Querleisten der schmalen Streifen der Elytren unter- schieden. Durch die Beschaffenheit der (verlängerten) Antennen und Palpen, sowie des grossen, glatt ruuzlig- punktirten. auf der Mitte weniger dicht punktirten Prothorax und der Elytren (breite Rippen, schwach ausgebildete Querleisten der sehr schmalen Streifen) dem zchidlanus ähnlich; aber durch den breiteren, vor den stumpf ab- gerundeten Mintereckeu geradseitigen Prothorax unter- schieden. Länge des Körpers 46 mm. — Britisch-Ost- afrika (von Möllenkamp erhalten). 10. T. {Tfff'lus i. sp.j crhwjeri n. sp. cT $ • Mit dem T. zcbuUanus zunächst verwandt, aber grösser, das vorletzte Glied der Maxillarpalpen länger und schmaler; die Seiten des glänzenden, auf der Scheibe hie und da punktirten. nach den Seiten zu runzlig- punktirten Prothorax deutlicher flach abgesetzt und weniger dicht punktirt, vor dem Hinter- rande unpunktirt. Die Ripi)en der Elytren breiter, die Streifen daher schmaler, namentlich die inneren Streifen, welche nur den vierten oder fünften Theil von der Breite der Rippen aufweisen und keine Querleisten zeigen. Länge des Körpers 48 — 50 mm. — Aus Süd- Somali (Bardera am Ganale und Mansiir, 30. Mai. 3. Juni 1901, Baron v. Eklanger). Dem Entdecker dieser stattlichen und sowohl morpho- logisch wie phylogenetisch werthvoUen Art, Herrn Baron Carlo von Erlanger zu Ehren benannt. Tefflus crlunycri ist als die am weitesten in der Morphologie der Teffli vorgeschrittene Art der Gattung aufzufassen. Sitzung vom 9. Juni 1903. 237 Aus den vorstehenden Darlegungen ist zu erkennen, dass die untersten Stufen in der Gattung Tcffliis noch primär erscheinende Rippen auf den Elytren aufweisen, dass aber auf der obersten Stufe die Rippen schon sehr verbreitert sind und theilvveise der Abflachung sich nähern, so dass sie den gewöhnlichen luterstitien der grossen Masse der Carabiden ähnlich sind. Derartige primär erscheinende Formen giebt es, ausser in anderen Familien, noch manche unter den Carabiden, einer Familie derAdephagen. Es ist bemerkenswerth, dass die artenreichen Gattungen Carabus und Calosoma, welche nach meiner Auffassung auf einer tieferen Organisationsstufe der Carabiden stehen, als die meisten grossen Gruppen der Familie, grossentheils eine sehr primäre Flügeldecken- sculptur aufweisen. Ueber die tiefe Stellung von Carabus und Calosoma in der Stufenfolge der Carabiden habe ich mich schon früher verbreitet'). Eine ausserordentlich primäre Sculptur treffen wir auf den Elytren von Gattungen unterer Stufen der Malacodermaten, namentlich bei den Lyciden. Es ist anzunehmen, dass sich die primäre Sculptur der Elytren der Lyciden theils wohl deshalb noch besser er- halten hat, weil ihre Träger ein weniger hohes Alter haben, wie mir scheint, als die Adephagen, deren Elytren z. Th. vermuthlich wegen des höheren Alters meist schon sehr ausgebildet, theils weil die ältesten Formen der noch älteren Adephagen gewiss ausgestorben sind. Aber noch lebende urälteste Formen, die Protadephagen (Ciqjcdidac), leben noch; die primitive Flügeldeckensculptur mancher Lyciden gleicht derjenigen von Cupes, Omma und anderer Cupediden. Herr H. J. KoLBE sprach über myrmekophile In- sekten, speciell über Thorictus forcli Wasm. Unter den Beziehungen verschiedener Thierarten zu- einander nehmen diejenigen Fälle, welche man als Symbiose bezeichnet, ein ganz besonderes Interesse in Anspruch. Es sind bei der Svmbiose nicht nur die Lebensverhältnisse au ') H. J. KoLBE, Natürliches System der carni vor en Coleo- ptera. (Deutsche Ent. Zeitschrift, 1880, p. 256—280. 238 Gesellschaft naturforsc/iender Freunde, Berlin. sich, welche in den Vordergrund der wissenschaftlichen Bedeutung treten, sondern die morphologischen Begleit- erscheinungen. Ethologische Vorgänge werden zwar immer von morphologischen beeinflusst, aber bei den Symbionten ti-eten ganz besondere morphologische Folgen auf. ganz in Uebereinstinimung mit den extraordinären ethologischen Grundlagen. Eins der ältesten und wichtigsten Beispiele dieser Art ist das Verhältniss des kleinen Kläfers Glavüjer testaccus zu der Ameise Lasitis flavus. Diese Wirthsameise hält die Käfer jener Species in ihrem Neste und benutzt sie wie Hausthiere, indem sie die von den Käfern abgegebenen wohlschmeckenden flüssigen Ausscheidungen zu ihrem Be- darf verwendet. Die Käfer lassen die (allerdings kaum wahrnehmbaren) Ausscheidungen aus den gelben Haar- büscheln an der äusseren Hinterecke der Flügeldecken und am Grunde des Abdomens hervortreten. Es ist auch längst bekannt, dass die Käfer von den Ameisen regelrecht ge- füttert werden. W.^smann beobachtete '), dass der Clavü/cr sich während der Fütterung passiv verhält, dass die fütternde Ameise dabei den Kopf leise hin und her bewegt, während der Kopf des Claviger fast bewegungslos an ihrem Munde ruht. Eine Fütterung dauert gewöhnlich einige Minuten. Diese passive Nahrungsaufnahme hat den Claviger in ein derartiges Abhängigkeitsverhältniss zu der Ameise ge- bracht, dass er nicht im Stande ist, selbständig Nahrungs- stoffe zu zerkleinern; denn es ist Thatsache, dass seine Mundtheile. namentlich die Unterkiefer und die Kiefer- taster schwach ausgebildet sind, so dass sie wie verkümmert aussehen. Offenbar wird den Käfern die Nahrung von den Ameisen völlig vorgekaut. Ueber ]{eduktion der Taster bei echten Ameisengästen hat Wasmann unter dem Titel ,.Zur Bedeutung der Palpen bei den Insekten" eine kleine Abhandlung im „Biologi.^chen Central blatt", IX. Band. No. 10, p. 303 ff. verötrentlicht. ') Wasman.x, Stettin. Eiit. Zeit. ISDl, p. 8. Sitzumj vom 9. Juni 1903. 239 Die eigenartig gebauten keulenfönnigeu Anteaneii ver- wendet der Claviger dazu, venniltelst derselben der Ameise seine Wünsche auszudrücken. Wasmann sah (1. c). dass der Käfer mit seinen leise bewegten Antennen die Kopf- seiten der Ameise berührt und unterdessen die Mundgegend der letzteren bedeckt. Der Kcäfer der Gattung Atcmclcs hat eine ähnliche Fiihlersprache in seinem Verkehr mit seiner Wirthsameise; ausserdem streichelt er mit erhobenen Vorderfüssen die Kopfseiten der Ameise, wenn er diese um Nahrung anbettelt. Auch die Blindheit dos Claviger, dem der Sehnerv völlig fehlt, bringt ihn in grosse Abhängigkeit von den Ameisen. Wasmann sieht in den blinden Clavigeriden die höchste und letzte Stufe des symbiotischeu Gastverhältnisses unter den Insekten. Zugleich bietet der dünne cylindrische Vorderleib einen geeigneten Angriffspunkt für den Transport durch die Ameise. Der Hinterleib ist verhältnissmässig umfangreich, vielleicht um eine reichliche Absonderung des von den Ameisen so sehr begehrten Sekretes zu ermöglichen. Die Flügeldecken sind sehr verkürzt. Schon Ph. W. J. Ml'ller hat an dem Claviger testaceus sehr viel beobachtet und darüber 1818 eine werthvolle Abhandlung geschrieben.') P^in anderes eigenartiges Beispiel von Myrmekophilie bietet Atemeies cmarginaüis Payk., der bei 3Ip-mica- Arten wohnt und von diesen seines Sekretes wiegen geschätzt wird. Bei diesem Kpfer sind die Körpertheile nicht so umgebildet oder reducirt, wie bei Claviger. Dement- sprechend ist seine Beziehung zu den Ameisen auch keine so innige, auch seine Abhängigkeit von diesen ist geringer. Gefüttert wird der Atemeies von den Ameisen ebenfalls; in Beziehung dazu ist seine Zunge vergrössert, während die Lippentaster verkürzt sind, aber im Uebrigen sind seine Mundtheile nicht verkümmert. Er nährt sich gelegentlich auch selbständis: und betreibt sein Gastverhältniss zu den ') Philipp Wilbrand Jacob Müllek, Beiträge zur Natuv- gescliiclite der Gattung Claviiicr. (Germar's Magazin f. Ento- mologie. III. 1818. p. 09 — 112. l.'Taf) 240 Gesellschaft naturforsdicnder Freunde, Berlin. Ameisen zuni grössten Schaden derselben; denn er frisst deren Brut. Auch die Larve des Atemeies wird von deu Ameisen gefüttert; und die Larve nährt sich gleich dem Käfer ebenfalls von Ameisenbrut. Atemeies macht sich durch seine Bewegungen und sein Benehmen (Fühlerver- kelir) so sehr den Ameisen ähnlich, dass diese anscheinend getäuscht werden. Wasmann hat die Beziehungen dieses Käfers zu der Ameise ausserordentlich sorgfältig beobachtet. Wir sehen, dass die räuberischen Gewohnheilen des Atcmcles die Ameisen nicht abhalten, diesen als Gast bei sich zu behalten und ihn zu hegen und zu pflegen. Daraus aber, dass andererseits die Ameisen gegen die Puppen des Käfers unrichtig verfahren, indem sie diese unzeitig aus- graben und umherschleppen und dadurch leicht dem Ver- derben, dem Tode aussetzen, können wir erkennen, dass die Ameisen lediglich ihrem Brutpflegotriebe folgen und vielleicht gar keine Ahnung davon haben, dass sie anders- geartete Wesen pflegen. Diese und noch manche andere Fälle von echtem Gastverhältniss bilden die höheren und höchsten Stufen der Symbiose zwischen Ameisen und anderen Lisekten. Die meisten Myrmekophilen (meistens Käfer) gehören zu den nur geduldeten Gästen (Synöken). welche nur von allerlei Abfällen in den Ameisennestern leben und keine An- passungscharaktere besitzen, den Ameisen auch keine wohlschmeckende Säfte spenden. Andere Ameisengäste werden feindlich verfolgt und gehören daher in das Kapitel der Synechthrie. Das WASMAXN'sche Werk „Krit. Verz." ') enthält 124G bis jetzt bekannte mjTmekophile Arthropoden, von denen 993 zu den Coleopteren. 1 zu den Strepsipteren. 39 zu den ITymenopteren. 26 zu den Lepidopteren (Raui)en), 18 zu den Dipteren, 7 zu deu Orthopteren, 1 zu den Pseudo- neuropteren, 72 zu den Rhynchoten, 20 zu den Thysanuren, 60 zu den Arachnoiden und 9 zu den Crustaceen (Isopoden) gehören. M K. W.vsM.VNiN, Kri ( i sclics Verzoi cliiiis (1(M' my rmekophileii und terniitopliihMi Arthropoden. Berlin, F. L. Dames. 1894. Sitzung vom 9. Juni 1903. 241 Unter deu myrmekophilen Lepidopterenlarven sind namentlich die Raupen der Lycäniden bemerkenswert!!, welche in Ameisennestern leben und durch eine Dorsal- öft'nung am 1 1 . Segment für den Ameisenbesuch aage- passt sind. Im letzen Jahrzehnt wurde ein eigenartiger myrme- kopiiiler Käfer viel besprochen, welcher in Nord-Afrika zu Hause ist und neuerdings namentlich von Escherich beob- achtet wurde. Es ist der kleine Thoridus forcli Wasm. ^ welcher bei der über Tunesien und Algerien verbreiteten Ameise Myrmccocystus viaticus F. (var. megalocola Foerst.) lebt. Dieselben Beziehungen hat Thoridus pcmciseta Wasm. zu Murmccocystus viaticus F. und var. descrtorum For. A. Forel hat das biologische Verhältniss dieser Käfer zu der Ameise 1889 in Tunis entdeckt und darüber wiederholt Mit- theilungen gemacht.^) Er fand die Käfer fast immer am Fühlerschafte von Ameisen der genannten Art sitzend, meist einen an einer Ameise, zuweilen zwei, je einen au beiden Fühlern. Es war nicht nöthig, diesen Aufenthaltsort sogleich als etwas Besonderes anzusehen; denn es konnte zufällig sein. Aber es erregte die häufige Wiederholung des Befundes die gerechte Aufmerksamkeit des Beobachters. Weitere interessante Aufschlüsse gewann Wasmaxn ■'), welcher von FoKEL im April 1893 einen lebenden Thoridus empfing und ihn in ein Nest der hiesigen rothen Waldameise (Formica rufa) setzte. Der Thoridus sass hier volle drei Wochen an derselben Stelle des linken Fühlerschaftes einer Ameise. „Nach einigen Tagen geberdete sich die Ameise wie toll und machte verzweifelte Versuche, den ') E. Wasmann, Kritisches Verzeichnis der myrmekophilen uiul termitophilen Arthropoden. Berlin 1894. p. 137, 219. — Deutsche Ent. Zeitschr. 1890, p. 300-301; 1895, p. 41 — 44. ') A. Forel, Eine myrmecol ogische Ferienreise nach Tunesien und Ostalgerien. (Humboldt, 1890, p. 29ü— 306.) — Fourmis de Tunisie et de TAlgerie Orientale. Compt. rend. Soc. ent. Belgique. 1890. — Les forniicides de la province d'Oran (Algerie). Bnll. Soc. Vaudoise, XXX, p. 9. '') Wasmann, Zool. Anzeiger, 1898, p. 43G. 6=* 242 Gesellschaft naturforscliender Freunde, Berlin. Käfer von ihrem Fühlerschafte abzustreifen, die jedoch ver- geblich waren; dann wurde sie allmählich wieder ruhiger. Das Benehmen der Ameise erschien mir verdächtig; ich untersuchte deshalb die Fühler einer Anzahl Thoridus- tragender Myrmccocijstus mc(/ahcola aus Oran (vou Forel 1893 gesammelt) und fand, dass der untere Theil des Fülllerschaftes der Ameisen von den Oberkiefern des Thorictus wie mit groben Nadelstichen durchbohrt wird". Die Käfer sitzen mit dem Kopfe stets gegen die Spitze des Fühlerschaftes gerichtet, wie Fokel und Wasmann ausdrüci